Rheuma: Behandlung nach aktuellen Standards

Mit neuen Mitteln gegen Rheuma
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In Österreich wird intensiv an neuen Methoden zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen gearbeitet.

Rheuma bedeutet weder eine Diagnose noch eine spezielle Krankheit, sondern ist vielmehr ein  Oberbegriff: Gemeint sind damit die entzündlichen Systemerkrankungen des sogenannten rheumatischen Formenkreises. Hauptsächlich treten dabei Entzündungen der Innenhaut der Gelenke (rheumatoide Arthritis/chronische Polyarthritis) auf. Manchmal sind auch Blutgefäße und innere Organe betroffen.

Ursachen unbekannt, Heilung nicht möglich

Bei Rheuma greift sich der Körper selbst an, weshalb von einer Autoimmunerkrankung gesprochen wird. Die Ursachen sind bis heute nicht geklärt, eine vollständige Heilung ist leider nicht möglich. Für Patientinnen und Patienten stehen aber sehr gute medikamentöse Therapien zur Verfügung, die den Verlauf der Krankheit einbremsen und manchmal sogar die Zerstörung der Gelenke stoppen. In Kombination mit physikalischen Behandlungen, Rehabilitations- oder Kuraufenthalten kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich gesteigert werden.

Alleine in Wien leben ungefähr 500.000 Menschen mit rheumatischen Erkrankungen.  Zwar ist Rheuma per se keine reine Alterserscheinung, trotzdem steigt die Zahl der Betroffenen aufgrund des  Älterwerdens der Bevölkerung. Hohes Alter gilt als verantwortlich für die Zunahme sogenannter "Aufbrauchsleiden":  Dazu zählen die Abnützung der Gelenke, der Sehnen und der Wirbelsäule durch ständige körperliche Anstrengung oder Alterungsprozesse. Diese sind zwar nicht entzündlicher Natur, bereiten aber ebenso große Schmerzen und Probleme.

Forschung für ein schmerzfreies Leben

Um immer bessere Arzneimittel und Therapieformen gegen Rheuma entwickeln zu können, ist ständige Forschung und Weiterentwicklung notwendig. Das Krankenhaus Hietzing des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) gilt seit mehr als 20 Jahren international federführend bei der Rheuma-Forschung. Auch an den bedeutsamen medizinischen Behandlungsfortschritten der vergangenen Jahre hat die zuständige 2. Medizinische Abteilung im Krankenhaus Hietzing einen erheblichen Anteil.

Behandlung ohne Operation

Die heute zum Einsatz kommenden Biologika – Medikamente, welche die krankhaften Prozesse bei Rheuma aufhalten können – zeigen schon in den ersten Tagen der Behandlung eine deutliche Wirkung. Rheuma-Koryphäe Prof. Josef Smolen, Abteilungsvorstand der 2. Medizinischen Abteilung im Krankenhaus Hietzing und der Universitätsklinik für Innere Medizin III (AKH Wien) erklärt: "Endete früher für viele Patientinnen und Patienten mit entzündlichen rheumatischen Gelenkserkrankungen der Weg im Rollstuhl oder beim chirurgischen Orthopäden mit dem Einsatz künstlicher Gelenke, so können wir heute in den meisten Fällen die sehr aggressiven Krankheitsverläufe stoppen und auch umkehren." Durch diese Erfolge müssten Betroffene auch seltener stationär aufgenommen werden, was die Eröffnung von Tagesambulanzen ermöglichte.

"Mit allen Medikamenten und Therapien, die uns jetzt zur Verfügung stehen, haben wir mittlerweile die drei schlimmsten rheumatischen Erkrankungsformen im Griff: die rheumatoide Arthritis, die Psoriasisarthritis und den Morbus Bechterew", so Prof. Smolen.

Neue Medikamente wirken besser

In Österreich wird in Sachen Weiterentwicklung von Therapien gegen Rheuma fleißig geforscht. Ein besonderer Erfolg der letzten zwei Jahre sind die sogenannten Biosimilars. Diese zeigen nicht nur einen gleich guten, möglicherweise sogar besseren Effekt, sondern sind auch um die Hälfte günstiger. Nicht zuletzt haben diese neuen Medikamente den Vorteil, dass sie für die Patientinnen und Patienten leichter und schmerzfrei zu verabreichen sind.

Zusätzlich haben Smolen und seine Teams im Rahmen der Europäischen Rheumaliga erst vor kurzem neue Richtlinien zur Rheuma-Therapie entwickelt.

Den Auslösern auf der Spur

Auch wenn die Behandlungsmöglichkeiten immer mehr optimiert werden, weiß man bis heute nicht, warum es überhaupt zu Rheuma kommt. Prof. Smolen abschließend: „Hier ist noch viel zu tun. Vor allem im Bereich der erwähnten Aufbrauchsleiden. 25 Prozent der über 60-Jährigen leiden darunter und es gibt derzeit keine Medikamente, die diese Leiden stoppen oder wesentlich verlangsamen – das ist der große Unterschied zu den entzündlichen Rheuma-Formen.“

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:

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