Was wirklich gegen Haarausfall hilft

Die Ursachen für Haarausfall können vielfältig sein. Eine gewichtige Rolle spielen die Gene und hormonelle Veränderungen. Muss man sich mit lichten Stellen am Kopf oder einer beginnenden Glatze abfinden? Oder gibt es Mittel und Wege, den Haarausfall zu stoppen oder ihn gar umzukehren?

Fülliges und dichtes Haar bis ins hohe Alter – so sieht es das Schönheitsideal vor. Doch die Realität sieht oft anders aus: Viele Menschen kämpfen bereits in den Dreißigern mit schütterem und kraftlosem Haar, die sogenannten Geheimratsecken und sogar Halbglatze sind keine Seltenheit bei Männern dieses Alters. Eine österreichische Umfrage aus dem Jahr 2005 weist die Glatze sogar als die Schönheitssorge der Männer aus. Und tatsächlich kann fortgeschrittener Haarverlust emotional belastend und sozial einschränkend wirken – für Männer wie für Frauen.

Alles genetisch?

Zustand und Dichte der Haare sind Studien zufolge zum Gutteil genetisch bedingt. Doch auch äußere Faktoren und bestimmte Erkrankungen können Haarausfall begünstigen – etwa chronischer Stress oder Diabetes. Auch wenn das Wundermittel gegen Haarausfall und Glatze noch nicht gefunden ist, so gibt es heute Verfahren und Wirkstoffe, die Haarverlust unter Umständen stoppen können. Wie erfolgreich, das hängt freilich nicht zuletzt von der jeweiligen Ursache des Haarausfalls ab.

Wann Haarausfall beginnt

Der Mensch hat zwischen 80.000 und 150.000 Haare am Kopf. Davon verliert er im Schnitt 150 täglich, beim Haarwaschen sind es sogar bis zu 300 Haare. Ein Haarverlust dieser Größenordnung ist ganz normal und völlig unbedenklich. Fallen über einen längeren Zeitraum aber deutlich mehr Haare aus, sollte man der Sache auf den Grund gehen.

Die häufigsten Formen des Haarausfalls sind der hormonell-erbliche, der sogenannte kreisrunde und der diffuse Haarausfall. Während lokaler Haarausfall, also Geheimratsecken, die Wirbel- und die Scheitelglatze klassische Männerschicksale sind, ist der Haarverlust bei Frauen meist über den ganzen Kopf verteilt.

Erstes Anzeichen Geheimratsecken

Das erste Anzeichen des hormonell-erblichem Haarausfalls sind die sogenannten Geheimratsecken, die bei Männern schon ab dem 18. Lebensjahr sichtbar werden können. Bis zum Alter von 30 Jahren entwickelt jeder dritte bis vierte, bis zum Alter von 50 Jahren jeder zweite Mann Geheimratsecken. Im Laufe der Jahre wird das Haar am Scheitel und am Hinterkopf dünner, was später zu einem Zusammenlaufen der kahlen Stellen und zum charakteristischen hufeisenförmigen Haarkranz führt. Die Ursache ist eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel auf eine Form des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Was können Männer dagegen tun?

Für die Behandlung dieser Form des Haarausfalls stehen Männern derzeit zwei Medikamente zur Verfügung: Die Präparate Minoxidil und Finasterid. Ersteres wird zweimal täglich oberflächlich angewendet und fördert die Durchblutung der Kopfhaut. In 90 Prozent der Fälle stoppt die Anwendung den Haarausfall, bei einem Viertel der Anwender wachsen die Haare nach vier- bis zwölfmonatiger Anwendung wieder nach. Die Wirkung ist allerdings nur dann optimal, wenn der Patient erst zwischen 20 und 30 Jahre alt ist, der Haarausfall noch nicht länger als fünf Jahre besteht, der Anwender noch keine totale Glatze und keinen Haarausfall an den Schläfen hat. Und: Für eine dauerhafte Wirkung muss man das Mittel ein Leben lang anwenden.

Die Substanz Finasterid ist in Form rezeptpflichtiger Tabletten erhältlich und greift in den Haushalt des Sexualhormons Testosteron ein. In Studien wurde der Haarausfall bei 86 Prozent der untersuchten Patienten gestoppt, bei vielen Betroffenen zudem neuer Haarwuchs erreicht. Allerdings berichtete rund ein Prozent der Testpersonen von verminderter Lust auf Sex als Nebenwirkung.

Wenn Frauen Haare lassen

Auch etwa jede dritte Frau leidet im Laufe ihres Lebens unter hormonell-erblich bedingtem Haarausfall – vor allem während oder nach der Menopause. Der Haarausfall verläuft bei Frauen anders als bei Männern: Nach und nach werden die Haare von der Kopfmitte ausgehend immer dünner, wobei der vordere Haaransatz immer bestehen bleibt. Die Kopfhaut schimmert zunächst im Bereich des Scheitels und mit der Zeit am gesamten Haupt durch. Der Haarverlust verläuft schubweise über Jahre hinweg.

Was können Frauen dagegen tun?

Als relativ gut wirksam haben sich östrogenhaltige bzw. antiandrogene Präparate erwiesen. Die Therapie sollte allerdings mindestens sechs bis zwölf Monate durchgeführt werden. Welches Präparat geeignet ist und ob eine hormonelle Therapie überhaupt erfolgen darf, entscheiden Ärztin oder Arzt. Wie gut die Behandlung greift, ist schwer vorherzusagen und hängt stark von Beginn und Dauer der Therapie ab. Da bereits abgestorbene Haarfollikel nicht mehr wiederbelebt werden können, sollte die Therapie möglichst früh beginnen.

Option Haartransplantation

Sowohl Frauen als auch Männer mit hormonell-erblichem Haarausfalls können eine Haartransplantation in Erwägung ziehen. Dabei wird gesundes Haar aus dem Nacken- bzw. Hinterkopfbereich an die kahlen Stellen verpflanzt. Im Idealfall kann dadurch Haardichte zurückgewonnen werden. Die besten Ergebnisse mit dieser Methode lassen sich bei Männern am vorderen Kopfbereich erzielen.

Kreisrunder Haarausfall

Von dieser Form des Haarausfalls sind Frauen öfter betroffen als Männer. Am häufigsten tritt die Erkrankung im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Als Risikofaktoren für diese Form des Haarausfalls gelten unter anderem Diabetes und Schilddrüsenfunktionsstörungen. Was genau dazu führt, ist bis heute allerdings nicht beantwortet. Forscher gehen von einer Fehlsteuerung des Immunsystems im Bereich der Haarfollikel aus. Da die Krankheit rasch fortschreiten kann, ist ein Verlust des gesamten Kopfhaars, der Wimpern, der Augenbrauen und schließlich der gesamten Körperbehaarung möglich. Durch diesen dramatischen Verlauf kommt es für die Betroffenen meist zu einer starken psychischen Belastung.

Wie die Behandlung aussieht

Die Therapie des kreisrunden Haarausfalls ist vielfältig: Äußerlich können Cremen oder Lösungen zum Beispiel mit Kortison oder Vitamin-A-Säure-Derivaten angewendet werden. Bei ausbleibendem Behandlungserfolg kann eine örtliche Reiztherapie helfen, wie etwa die Phototherapie mit UV-Licht. In schweren Fällen kommen Medikamente zum Einsatz, die das gesamte Immunsystem beeinflussen. Die Prognose des kreisrunden Haarausfalls ist unterschiedlich. In vielen Fällen heilt die Erkrankung spontan ab, sie kann aber auch ein Leben lang bestehen bleiben.

Diffuser Haarausfall

Auch diese Form des Haarausfalls betrifft Frauen häufiger als Männer. Sie äußert sich durch einen relativ gleichmäßigen Ausfall des Kopfhaares. Die Ursachen sind vielfältig, dazu können unter anderem Infektionen zählen, eine zu einseitige Diät, Medikamente wie Chemotherapeutika oder Blutverdünner, hormonelle und entzündliche Kopfhauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Pilzinfektionen. Schuld am Haarausfall sind letztendlich eine Eiweißunterversorgung und eine daraus resultierende Schädigung der Haarwurzel.

Was tun?

Die Therapie des diffusen Haarausfalls hängt von dessen Ursache ab. Damit sich die Haarwurzeln erholen können, müssen die zugrunde liegenden Erkrankungen therapiert werden. Die Prognose hinsichtlich der Wiederbehaarung ist gut.

Mögliche andere Ursachen

Neben den genannten Gründen können unter anderem angeborene Verhornungsstörungen bei bestimmten Hauterkrankungen, physikalische oder chemische Verletzungen wie Verätzungen, lokale Infektionen mit Bakterien oder entzündliche Hauterkrankungen zum Verlust der Haare führen. Selbst die Haarmode dürfte einen gewissen Einfluss haben: So können auch ein allzu starker Zug an den Haaren, der etwa beim ständigen Tragen eines Pferdeschwanzes auftreten kann, geflochtene Zöpfe, der häufige Gebrauch von Lockenwicklern, Bleichen, Färben und Dauerwellen Haarausfall begünstigen.

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Quellen

Erkrankungen der Haare, Empfehlungen zur Patienteninformation Dermatologie, Steinkopff Verlag 2005, Darmstadt; Österreichische Apotherkerkammer;

Harrison, S. et al: Diffuse hair loss: Its triggers and management. In: Cleveland Clinic Journal of Medicine 2009;

Birch, M. et al: Female pattern hair loss. In: Clinical and Experimental Dermatology 2002

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