Ungetrübter Badespaß

Mädchen tauchen in Pool
(JaySi )

Schwitzende Massen strömen derzeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die öffentlichen Schwimmbäder, genießen die kühlen Fluten und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. An mögliche Gesundheitsgefahren denken dabei die wenigsten Wasserratten.

Angst vor gefährlichen Krankheiten braucht auch niemand zu haben, dennoch gibt es einige Mitbringsel von Strand und Beckenrand, die sehr unangenehm sein können. Zum sicheren Badevergnügen gehören daher ein paar Vorsichtsmaßnahmen.

Dichtes Gedränge im Becken

Die Vorstellung, mit Hunderten anderen Menschen das Badewasser teilen zu müssen, ist für besonders Hygienische nicht unbedingt angenehm. Schwimmbadmuffel fürchten sich besonders vor Infektionskrankheiten, die im vermeintlich klaren Wasser auf sie lauern. Ihre Sorge ist aber zum größten Teil unbegründet. Das erfrischende Nass in öffentlichen Badeanstalten wird in gesundheitlicher Hinsicht ebenso engmaschig kontrolliert wie das heimische Trinkwasser.

Natürlich wird es im Gegensatz zum Durstlöscher aus der Leitung durch verschiedene Verfahren gegen Mikroben widerstandsfähiger gemacht. Insbesondere die Chlorierung verhindert die Vermehrung von Bakterien und Pilzen. Zusätzlich sorgt der Überlauf der Becken dafür, dass fettige Körperschuppen, Haare und sonstige Verschmutzungen stetig abgeleitet werden.

Zum Pilzesammeln in die Dusche

Bedenklicher als das Schwimmbecken selbst sind daher Nassräume (Dusche, WC) und Umkleidekabinen. Diese stark frequentierten Orte sind ein idealer Umschlagplatz für Fußpilz und Warzenviren. Die Erreger finden in warmen Pfützen mit ungechlortem Wasser eine bestens geeignete Kinderstube vor, bis sie auf so manchem Schwimmerfuß ein neues Zuhause finden.

Die dicke Hornschicht der Fußsohle ist nach dem Bad aufgequollen und kann ihre Schutzfunktion nicht mehr so gut wahrnehmen. Winzige Pilzsporen "schlüpfen" dann sehr leicht hinein, wachsen in den oberen Hornschichten der Haut und laben sich dort an dem Grundbaustoff Keratin. Die Infektion ist zwar - von der ästhetischen Komponente abgesehen - harmlos, kann aber bei starkem Befall jucken und somit lästig werden. Durch ausgiebiges Kratzen entstehen Verletzungen, aus denen sich schwerwiegendere Super-Infektionen mit Bakterien entwickeln können. Besonders für Diabetiker mit eingeschränkter Immunabwehr kann eine solche Entwicklung gefährlich sein.

Trockenen Fußes durchs Bad

Der beste Schutz vor Pilzinfektionen ist das Tragen von Badeschuhen. Beim Schwimmen selbst sind diese nicht unbedingt notwendig, auf dem Weg zum Becken, in der Dusche und im Saunabereich aber auf jeden Fall zu empfehlen. Nach dem Bad sollten die Füße gut abgetrocknet werden. Weil man die Zehenzwischenräume dabei oft vergisst, sind Pilzinfektionen an diesen Stellen besonders häufig. Desinfektionssprays wirken optimal, wenn sie erst nach dem Duschen und Abtrocknen der Füße verwendet werden. Nach dem Einsprühen kurz einwirken lassen und nochmals abtrocknen - auf einem trockenen Fuß kann sich kein Pilz ausbreiten.

Weg mit dem nassen Badeanzug!

Oft wird der Schwimmbadbesuch auch für eine andere Pilzerkrankung verantwortlich gemacht: die Vaginalmykose. Doch selbst Frauen, die regelmäßig von diesem Problem betroffen sind, können unbesorgt baden gehen. Die Erreger des Scheidenpilzes kommen nicht aus dem Badewasser, meist wird die Krankheit durch die eigenen Darmpilze ausgelöst.

Trotzdem kann der Schwimmbadbesuch an einer neuerlichen Infektion beteiligt sein, denn nasse Badeanzüge lassen die Oberhaut aufquellen und erleichtern das Entstehen einer Pilzinfektion durch die bei Kälte eingeschränkte lokale Immunabwehr. Frauen, die häufig unter Vaginalmykosen leiden, sollten nach dem Schwimmen daher schnurstracks den Weg zur Umkleidekabine einschlagen und in einen trockenen Badeanzug schlüpfen.

Nur eine Ausrede...

Das hartnäckige Gerücht, Geschlechtskrankheiten würden sich durch den Besuch öffentlicher Badeanstalten verbreiten, kann nicht bestätigt werden. Im Gegensatz zu den widerstandsfähigen Pilzsporen sind die Erreger von Gonorrhoe (Tripper) und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten (inklusive HIV) sehr empfindliche Geschöpfe, die schon nach wenigen Sekunden im Wasser nicht mehr gefährlich sind und absterben. Ansteckungsgefahr besteht daher nur bei direktem Schleimhautkontakt!

Gleiches gilt für die in Teenager-Magazinen immer wieder gestellte Frage nach der Möglichkeit einer Schwangerschaft durch den Schwimmbadbesuch. Tatsache ist: auf diese Weise kommt die "Jungfrau" sicher nicht zum Kind.

Lieber in die Donau als in den Nil

Ernsthafte Infektionen treten nur dann auf, wenn die vorschriftsmäßige Desinfektion und Aufbereitung des Badewassers unterbleibt oder man sich in stark belasteten Gewässern südlicher Länder erfrischt. So ist etwa in Indien, Afrika und den südlichen Mittelmeerländern das Bakterium Chlamydia trachomatis eine verbreitete Ursache von Bindehautentzündungen (Schwimmbad-Konjunktivitis) sowie häufigster Grund für eine Erblindung. Wesentlich öfter als beim Baden wird dieser Keim durch eine Schmierinfektion bei sexuellen Kontakten übertragen. Auch die Cholera kann in Gebieten ohne Kanalisation immer wieder zu Epidemien führen.

In österreichischen Bädern sind vergleichbare Probleme kaum existent - regelmäßige Kontrollen sichern hierzulande die Wasserqualität. Entspricht diese etwa in Flussbädern - beispielsweise infolge eines Hochwassers - vorübergehend nicht den strengen Hygiene-Richtlinien, werden von offizieller Seite entsprechende Warnungen ausgegeben.

Plantschen nur in frischem Wasser

Anders verhält sich dies bei privaten Pools und Plantschbecken. Wenn hier das Wasser nicht ausreichend gechlort und desinfiziert bzw. gewechselt wird, vermehren sich Keime in Massen. Insbesondere dann, wenn die kleinen Schwimmerinnen und Schwimmer während des Badespaßes auf den Klogang vergessen. Verschluckte Fäkalkeime können dann zu Durchfall und Übelkeit führen. Nach dem kindlichen Plantschen im heimischen Garten sollten Eltern stets darauf achten, das Wasser auszuschütten. Das Verwenden chlorhaltiger Desinfektionsmittel in Plantschbecken ist allerdings nicht zu empfehlen, da es zu Überdosierungen kommen kann.

Akne und Atemnot durch Chlor-Vergiftung

Das zur Desinfektion verwendete Chlor ist für den Menschen unschädlich - wenn es in der vorgeschriebenen Menge angewendet wird. Auch darüber wachen die Behörden. Eine Überdosierung kann Atembeschwerden und Hautreizungen verursachen. Dabei ist es weniger das Chlor selbst, das die Probleme bereitet, sondern es sind die chemischen Verbindungen, die es mit anderen Stoffen eingeht. So können an der Luft über dem Becken chlorierte Amine, Aldehyde, Ketone oder Karbonsäure lokale Reizungen hervorrufen. Sie sind es auch, die den typischen Chlorgeruch ausmachen. Die Konzentration dieser Stoffe ist aber normalerweise so gering, dass allenfalls besonders empfindliche Personen dadurch belästigt werden können.

Die in diesem Zusammenhang immer wieder genannte Chlor-Akne ist keine Folge des Schwimmbadbesuchs. Der Begriff bezeichnet ein der Akne ähnliches Krankheitsbild, das durch sehr hohe Dosen polychlorierter Kohlenwasserstoffe auf nackter Haut ausgelöst wird. Derartige Konzentrationen werden aber in Schwimmbädern nie erreicht; somit spielt die Chlor-Akne lediglich als Berufskrankheit in der chemischen Industrie eine Rolle. Für die Bindehaut der Augen kann Schwimmbad-Chlor dagegen unangenehm sein: Sensible Personen sollten sich mit einer Schwimmbrille schützen.

Vorsicht im Ententeich!

Wer dem Chlor ganz entgehen möchte, schwimmt lieber in einem der heimischen Seen oder Flüsse. Auch dort wird regelmäßig kontrolliert, und in geöffneten Naturbädern liegt die Keimbelastung mit Sicherheit unter den Grenzwerten. Doch auch hier lauern Gefahren für die Haut: Nach Besuchen an Badeseen und Badeteichen kommt es immer wieder zu einer lästigen, juckenden Hauterkrankung, der so genannten Badedermatitis. Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion auf den Befall mit Larven von Saugwürmern, die sich versehentlich den Menschen als Zwischenwirt ausgesucht haben. Normalerweise sind diese Parasiten, die durch den Kot von Enten verbreitet werden, auf Schnecken spezialisiert. In menschlicher Haut sterben die Larven schnell ab.

Schwimmen ist gesund

Insgesamt gibt es gegen den Besuch öffentlicher Badeanstalten wenig medizinische Bedenken. Im Gegenteil: Schwimmen ist eine der ungefährlichsten und ausgewogensten Sportarten und kann uneingeschränkt empfohlen werden. Die größten Gefahren für Haut und Augen lauern im Freibad auch nicht im Wasser, sondern am Himmel: Häufigste Erkrankung in der Badesaison bleibt der Sonnenbrand - mit all seinen möglichen Folgen.

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