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So wirkt die Hitze auf den Körper

Abkühlen Hitze Gefahr Sommer Überhitzung
Im Sommer ist Abkühlung wichtig, um Hitzeerschöpfung zu vermeiden. (fizkes / iStockphoto)

Die Sommerhitze erschöpft. Wer das auf die leichte Schulter nimmt, kippt um und begibt sich – werden die Symptome ignoriert – sogar in Lebensgefahr. Wie geht der menschliche Körper mit der Hitze um?

Kurzfassung:

 

  • Bei Hitze weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck wird niedriger. Das kann sogar zum Hitzekollaps führen, bei dem man kurz bewusstlos wird.
  • Beim Schwitzen verliert man Salze. Dadurch kann es zu Hitzekrämpfen kommen.
  • Daher ist es ratsam, in der Hitze auf Alkohol, das Rauchen und Kaffee zu verzichten.
  • Maßnahmen, die den Kreislauf stärken, sind ebenfalls sinnvoll.

Warum wird uns heiß?

Die normale menschliche Körperkerntemperatur beträgt immer 36-37°C. Trotzdem wird uns im Sommer schnell heiß, obwohl die Lufttemperatur diesen Wert kaum erreicht. Der Grund dafür ist, dass der menschliche Körper wie ein Heizkörper Wärme in die Umgebung abgeben muss.

Die Körpertemperatur sollte immer gleichbleiben, die biochemischen Prozesse des Menschen laufen bei der Normaltemperatur am effizientesten ab. Ist die Körpertemperatur zu niedrig, kommt der Stoffwechsel zum Erliegen. Ist die Temperatur zu hoch, verlieren die Proteine ihre Funktion. Der Funktionsverlust der Proteine lässt sich auch bei Eiern beobachten: Wenn das Ei beim Kochen heiß wird, stockt es, da die Proteine des Eis zerfallen.

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Wie funktioniert die Temperaturregelung im Körper?

Um die Prozesse im Körper am Laufen zu halten, muss die Temperatur genau geregelt werden. Dafür ist eine Region im Gehirn – der Hypothalamus – zuständig.  In der Haut, der Wirbelsäule und im Gehirn befinden sich wärmeempfindliche Nervenzellen, mit deren Hilfe wir Temperatur wahrnehmen können.

Dieses System ist dem Thermostat einer Heizung ähnlich. Wenn der Hypothalamus bemerkt, dass der Temperatur-Grenzwert überschritten ist, kommt es zur Ausschüttung bestimmter Hormone und somit zu einer Reaktion des Kreislaufs. Das Blut wird aus dem Körperinneren abgezogen und zirkuliert näher an der Oberfläche, die Blutgefäße weiten sich. Der Blutdruck sinkt somit, weil die gleiche Menge Blut in den erweiterten Gefäßen nun mehr Platz hat. Gleichzeitig beginnt die Haut Schweiß zu produzieren. Beim Verdunsten des Schweißes wird der Haut ebenfalls Hitze entzogen. Der Körper kühlt ab.

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Wann wird die Hitze gefährlich?

Wer schwitzt, verliert große Mengen Salz und es kommt zu einem Elektrolytemangel in den Muskeln. Ohne Mineralstoffe kann der Muskel seine Arbeit nicht machen. Bei Bewegung in großer Hitze beginnen die Muskeln zu schmerzen und es entsteht ein Hitzekrampf. Treten diese Anzeichen auf, muss sofort gegengesteuert werden - beispielsweise mit isotonischen Getränken und stark gewürzter Suppe. Ignoriert man die ersten Symptome und bewegt sich in der Hitze weiter, kommen Kopfweh, Schwindel und Übelkeit dazu.

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Werden die Gefäße so stark erweitert und der Blutdruck so stark verringert, dass das Herz nicht mehr genug Blut bekommt, um es weiter zu pumpen, wird das Gehirn nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Es kommt zum Hitzekollaps: Man verliert das Bewusstsein. Starkes Schwitzen kann an besonders heißen Tagen ebenso gefährlich für die Gesundheit werden wie ein niedriger Blutdruck. Grund dafür ist der Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust.

Auch ohne Bewusstseinsverlust ist Erschöpfung durch Hitze gefährlich: In extremen Fällen kann diese durch Schwellungen des Gehirns auch lebensgefährliche Ausmaße annehmen. Wer Anzeichen einer Hitzeerschöpfung spürt, sollte sofort in den Schatten gehen, Beine hochlegen, viel trinken und Elektrolyte zu sich nehmen.

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Darüber hinaus erhöht Hitze das Risiko anderer Krankheiten und Todesursachen. In einer Meta-analyse von Forschungen über Hitzewellen stellte die Weltgesundheitsorganisation WHO fest, dass in Zeiten extremer Hitze Todesfälle und Erkrankungen generell zunehmen.

Wer ist besonders betroffen?

  • Menschen ab 75 Jahre sind oft besonders betroffen. Das hat viele Gründe, wie zum Beispiel die verminderte Durchblutung der Haut oder dass sich hier Erkrankungen häufen, die hitzeempfindlicher machen.
  • Menschen mit geschwächtem Kreislauf leiden ebenfalls oft unter der Hitze.
  • Menschen mit geringer körperlicher Leistungsfähigkeit und hohem Körpergewicht sind ebenfalls oft anfälliger gegenüber Hitze.
  • Überhitzungsgefahr beim Sport: Gerade wenn Ausdauer gefragt ist, wie beim Marathonlauf, kann es leicht zu einer Hitzeerschöpfung kommen.
  • Risikofaktor Beruf: Schwere Berufskleidung oder die Arbeit mit Hitze steigern die Wahrscheinlichkeit, gesundheitlichen Schaden zu nehmen.

Wie kann man sich vor der Hitze schützen?

An heißen Tagen sollten Sie sich der Hitze möglichst wenig aussetzen. Das bedeutet luftige Kleidung, Sonnenhut und Sonnenschutz für die Haut und möglichst wenig Bewegung in der prallen Sonne. Da die Hitze den Blutdruck in den Keller schickt, sind Tätigkeiten zu vermeiden, die den Kreislauf belasten. Folgende Substanzen verstärken den Effekt der Sommerhitze durch Entwässerung und führen zur Erweiterung der Gefäße:

  • Alkohol
  • Zigaretten
  • Kaffee
  • Tee

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Am Einfachsten entgeht man der Hitze, indem man sich in kühlen Räumen oder im Schatten aufhält. Feuchte Wäsche entzieht dem Raum Wärme, so wie die Verdunstung des Schweißes die Haut abkühlt. Kalte Fuß- und Unterarmbäder kühlen das an diesen Stellen nahe unter der Haut zirkulierende Blut ab und helfen so, den Blutdruck zu steigern.

Der Wechsel zwischen heißen und kalten Räumen ist das Schlimmste für den Kreislauf, die Verkühlungsgefahr steigt. Der Ventilator verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, kann aber bei Außentemperaturen von über 30° Celsius den Körper sogar an der Wärmeabgabe hindern. Die gute Nachricht ist, dass man den Körper - insbesondere den Kreislauf - für die heißen Tage trainieren kann.

Fitness und leichtes Essen sind gut für den Kreislauf. Auch regelmäßige Saunageher gewöhnen ihren Körper an Temperaturunterschiede und können die Sommerhitze besser ertragen.

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Quellen

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