Wie häufige Arbeit am Limit belastet

Wer häufig am Limit arbeitet, belastet seine Gesundheit.
Wer häufig am Limit arbeitet, belastet seine Gesundheit. (nullplus / iStockphoto)

Etwa jeder sechste abhängig Beschäftigte arbeitet häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Besonders betroffen sind Pflegeberufe.

Kurzfassung:

  • Häufiges Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit geht mit gesundheitlichen Beschwerden einher.
  • Im Pflegebereich sind die körperlichen Belastungen, beispielsweise aufgrund des notwendigen Patiententransfers, noch deutlich höher.
  • Rund zwei Drittel der Betroffenen geben an, unter drei oder mehr psychosomatischen Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Reizbarkeit zu leiden.
  • Ebenfalls betroffen: Bewegungsapparat, Herz, Kreislauf
  • Bestimmte Faktoren (wie z.B. das Erledigen mehrerer Arbeiten gleichzeitig) wirken sich negativ auf die Mitarbeitergesundheit aus.
  • Eine stabile Work-Life-Balance ist entscheidend für die Arbeitswelt der Zukunft. 

Wer häufig an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit arbeitet, sieht sich oft weiteren psychischen und körperlichen Arbeitsanforderungen ausgesetzt. Betroffene fühlen sich eher belastet und leiden häufiger unter psychosomatischen Beschwerden, wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Reizbarkeit. Außerdem berichten sie vermehrt über Muskel-Skelett-Beschwerden, wie Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich, sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Psychosomatische Beschwerden liegen dabei vor den Muskel-Skelett-Beschwerden. 

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Pflegeberufe besonders betroffen

Eine vom Deutschen Bundesinstitut für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Auftrag gegebene Studie schlägt jetzt Alarm: Etwa jeder sechste abhängig Beschäftigte arbeitet häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. In den Pflegeberufen liegen die Anteile noch höher. Dort arbeiten 30% der Beschäftigten häufig an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit und 85% von ihnen fühlen sich dadurch belastet. Betroffen sind vor allem fest angestellte Gesundheitspfleger, Kinderkrankenpfleger, Hebammen und Altenpfleger. Neben psychischen Belastungen, spielt hier auch vermehrt das Heben und Tragen schwerer Personen und Gegenstände eine Rolle.

Die erhobenen Daten beziehen sich zwar auf unsere deutschen Nachbarn, sind aber im Prinzip mit der österreichischen Situation vergleichbar.

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Wissensarbeit: Welche Faktoren sind belastend?

Ebenfalls befragt (in vorhergehenden Studien) wurden sogenannte "white-collar" Berufe bzw. Wissens- und Dienstleistungsarbeiter, bei denen nicht körperliche Arbeit, sondern Kommunikation und die Verarbeitung von Information im Zentrum der Tätigkeit steht. Hier werden folgende Arbeitsbedingungen als belastend empfunden, wenn sie über einen längeren Zeitraum bestehen:

  • Starker Termin- und Leistungsdruck bei der Arbeit
  • Verschiedenes gleichzeitig bearbeiten, also die Notwendigkeit, parallel verschiedene Aufgaben oder Vorgänge im Blick zu haben
  • Sehr schnell arbeiten müssen
  • Unterbrechungen und Störungen bei der Arbeit, zum Beispiel durch Kollegen, schlechtes Material, Maschinenstörungen oder Telefonate
  • Beim Arbeiten bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit gehen

Cocktail mortale

"Wenn bereits jede einzelne Arbeitsbedingung ein gewisses Stresspotenzial mit sich bringt, ist besondere Vorsicht geboten, wenn mehrere dieser Bedingungen gleichzeitig zutreffen", so die Studienautoren. Stress kann sich nämlich aufsummieren. Die Folge: Körperliche, seelische und mentale Erschöpfung. Diese Erschöpfung gilt u.a. als ein zentraler Indikator für Burnout

Um die Stärke der Arbeitsintensität einschätzen zu können, kommt es also darauf an:

  1. wie häufig und
  2. wie vielen der genannten Arbeitsbedingungen man ausgesetzt ist. 

Die Stressgefahr steigt, je öfter die genannten Arbeitsbedingungen berichtet werden und je mehr davon die Beschäftigten ausgesetzt sind.

Gesundheitsfaktor Work-Life-Balance

Als Knackpunkt für die psychische Gesundheit der Arbeitnehmer gilt eine stabile Work-Life-Balance

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"Die Work-Life-Balance stellt demnach einen wichtigen Ansatzpunkt in Bezug auf den Erhalt von Mitarbeitergesundheit dar. Hieraus ergibt sich die Dringlichkeit, Empfehlungen für die Work-Life-Balance-förderliche Gestaltung von Arbeit zu entwickeln", so die Wissenschafter. Allen voran:

  • Reduktion des Arbeitspensums
  • Stärkung des Einflusses der Mitarbeiter auf ihre Arbeitszeitgestaltung 
  • Verbesserung der Unterstützung der Mitarbeiter durch ihre Führungskraft und durch die Organisation
  •  Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie fördern. (Hier ist wichtig: Die Mitarbeiter müssen auch tatsächlich die Möglichkeit haben, diese Maßnahmen zu nützen, ohne negative Konsequenzen.)

Grundstein für "Das neue Arbeiten"

Die Gesundheit der Arbeitnehmer und die Verbesserung der Work-Life-Balance ist vor allem auch deshalb dringend nötig, weil diese eine wichtige Rolle für den oftmals zitierten "Wandel der Arbeit" spielt – im Sinne der fortschreitenden Flexibilisierung und Digitalisierung unserer Arbeitswelt. 

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Tanja Unterberger, Bakk. phil.

Stand der Information: Juli 2018
Quellen

Arbeiten an der Leistungsgrenze. Deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin  http://www.baua.de/dok/8749542 (Letzter Zugriff: 10.07.2018)

Faktenblatt 01 "Zeitdruck und Co - Arbeitsbedingungen mit hohem Stresspotenzial"(Letzter Zugriff: 10.07.2018), BAuA

Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt - Wissenschaftliche Standortbestimmung (Letzter Zugriff: 10.07.2018), BAuA

www.deutschesgesundheitsportal.de (Letzter Zugriff: 10.07.2018)

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