Ursachen der Erektilen Dysfunktion: Medikamente

Erektile Dysfunktion Medikamente
Bestimmte Medikamente können zu einer Erektilen Dysfunktion führen. (Paul Bradbury / iStockphoto)

Etwa 25 Prozent der Männer mit Erektiler Dysfunktion (ED) nehmen regelmäßig Medikamente ein, beispielsweise gegen Bluthochdruck, psychische Beschwerden oder Schmerzen. Eine ganze Reihe von diesen Wirkstoffen kann die Sexualität beeinträchtigen.

Kurzfassung:

  • Die regelmäßige Einnahme von Antihypertensiva, AntihistaminikaPsychopharmaka und Opiaten wurde mit der Entstehung einer ED in Verbindung gebracht.
  • Eine Erektile Dysfunktion, die durch die Einnahme eines Medikamentes entsteht, ist nicht irreparabel.
  • Potenzstörungen als Nebenwirkung werden am häufigsten in Präparaten gegen zu hohen Blutdruck (Betablocker), entwässernden Medikamenten, Lipidsenkern oder Arzneien gegen Depressionen festgestellt.

Dauerhafte Erektionsstörungen, eine sogenannte Erektile Dysfunktion, wird häufig von Wirkstoffen verursacht, die den Hormonhaushalt durcheinander bringen.  

Informationen auf dieser Seite:

Medikamente als Ursache für ED
Was tun bei Erektionsproblemen durch Medikamente?
Wirkstoffe , die erektile Dysfuktion auslösen

Erektile Dysfunktion oder Impotenz

Kann der Mann dauerhaft keine Erektion des Penises erreichen oder aufrechthalten, spricht man von einer Erektilen Dysfunktion (ED). Ein befriedigender Geschlechtsverkehr ist dann nicht möglich. Umgangssprachlich wird eine ED auch Impotenz genannt.

Die ED ist bei Männern eine der häufigsten sexuellen Funktionsstörungen und tritt vor allem in der zweiten Lebenshälfte auf: Bei einer Befragung von rund 30.000 Männern gaben rund 50 Prozent der 50- bis 59-Jährigen und rund 65 Prozent der 70- bis 79-Jährigen an, unter Potenzstörungen zu leiden.

+++ Mehr zum Thema: Impotenz ernst nehmen +++

Seltener ist eine ED bei jungen Männern: Nur sieben Prozent der befragten 20- bis 29-Jährigen haben damit Erfahrungen gemacht.

Ursache für Erektionsprobleme: Medikamente

Das Alter der Betroffenen lässt neben körperlichen Entwicklungen und möglichen Erkrankungen auch auf die Einnahme von Medikamenten als Ursache der ED schließen. So wurde die regelmäßige Einnahme von Antihypertensiva, Antihistaminika, Psychopharmaka und Opiaten damit in Verbindung gebracht.

Ob ein Potenzverlust einem Medikament zuzuschreiben ist oder die sexuelle Störung in der Krankheit selbst bzw. in der psychischen Belastung durch die Krankheit wurzelt, lässt sich jedoch nur schwer bestimmen.

+++ Mehr zum Thema: Psychische Ursachen für Impotenz +++

In jedem Fall sollte mit dem Arzt offen über die Probleme gesprochen werden, um mögliche Ursachen bestimmen zu können und eine geeignete Therapie zu finden.

Was tun, wenn Medikamente das Sexualleben beeinträchtigen?

Eine Erektile Dysfunktion, die durch die Einnahme eines Medikamentes entsteht, ist in der Regel nicht irreparabel. Das Absetzen eines Medikamentes kann bereits helfen, sollte aber niemals auf eigene Faust erfolgen und immer mit einem Arzt abgesprochen werden. Denn: Gewisse Medikamente können vor möglicherweise gefährlichen Krankheitsfolgen schützen. Zum anderen können einige Wirkstoffe bei abruptem Absetzen Entzugserscheinungen hervorrufen.

In Absprache mit dem behandelnden Arzt kann geprüft werden, ob eine geringere Dosierung ausreicht oder ein anderes Präparat in Frage kommt. Ist beides nicht möglich, kann die Erektionsstörung in der Regel mit entsprechenden ED-Therapien gut behandelt werden.

Welche Wirkstoffe können eine erektile Dysfunktion auslösen?

Die sexuellen Abläufe im Körper basieren auf einem komplexen Zusammenspiel von Psyche, Nervensignalen und Hormonen. In jedem dieser Bereiche können Medikamente Blockaden erzeugen.

Potenzstörungen als Nebenwirkung werden am häufigsten in Präparaten gegen zu hohen Blutdruck (Betablocker), entwässernden Medikamenten, Lipidsenkern oder Arzneien gegen Depressionen festgestellt.

Vor allem Medikamente, die sich auf den Hormonspiegel auswirken, können sehr häufig eine ED verursachen, da das männliche Geschlechtshormon Testosteron einen großen Einfluss auf die Potenz hat. Der Beipackzettel sollte einen entsprechenden Hinweis enthalten.

Hormone Psychopharmaka Herz-Kreislauf Medikamente

Harntreibende Medikamente

Magen-Darm-Medikamente Schmerz- & Rheumamittel
Antiandrogene Antidepressiva Blutdrucksenker Alpha-2-Agonisten Dopamin Antagonisten Nichtsteroidale Antiphlogistika
Finasterid Neuroleptika Beta Blocker ACE-Hemmer H2 Antihistaminika Kortison
Anabolika Antiepileptika   Kalzium-Antagonisten    
  Beruhigungsmittel   Alpha-Blocker    
  Schlafmittel   Antiarrhythmetika    
      Cholesterinsenker    

Hormone

Medikamente, die die Testosteron-Produktion drosseln oder die Wirkung des Hormons blockieren, vermindern gleichzeitig den sexuellen Trieb. Dazu gehören Wirkstoffe gegen Haarausfall und Akne sowie häufig Medikamente gegen Prostatavergrößerung und Prostatakrebs wie Antiandrogene.

Antiandrogene

Antiandrogene hemmen die Wirkung der männlichen Sexualhormone (Androgene). Sie werden zum Beispiel bei Prostatakrebs eingesetzt und können eine ED und Libidoverlust verursachen.

Finasterid

Finasterid kann zu Erektionsproblemen führen. Es wird bei der Diagnose vergrößerte Prostata und auch bei Haarausfall weltweit eingesetzt.

Cyproteron

Aus der Gruppe der Antiandrogene kommt das Hormon Cyproteron bei Akne, Haarausfall oder Prostatakrebs zum Einsatz. Es kann zu ED, Libidoverlust und weniger Ejakulat führen.

Anabolika

Anabolika sind künstliche Testosteron-Abkömmlinge und werden häufig von Athleten und Bodybuildern eingenommen, um Muskelmasse aufzubauen. Nach einiger Zeit stellt der Körper die Eigenproduktion von Testosteron ein. Es kann zu Erektionsstörungen und Libidoverlust kommen.

Psychopharmaka

Antidepressiva

Antidepressiva greifen regulierend in den Hirnstoffwechsel ein. Sie beeinflussen beispielsweise die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin und des Hormons Dopamin. Diese Hormone spielen aber auch bei den sexuellen Abläufen eine entscheidende Rolle, weshalb Antidepressiva die Lust am Sex hemmen können.

Sexuelle Funktionsstörungen werden häufig durch die Einnahme von serotonergen Antidepressiva ausgelöst. Neuere Antidepressiva, wie die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer führen in der Regel nicht zu Erektionsstörungen, sie können aber Anorgasmie auslösen, also das Ausbleiben des Orgasmus.

Neuroleptika

Neuroleptika blockieren die Wirkung des Botenstoffs Dopamin. Sie werden zur Behandlung von psychischen Erkrankungen eingesetzt, die auf einem erhöhten Dopamin-Spiegel beruhen.

Da Dopamin neben dem Gehirn auch auf die Sexualorgane stimulierend wirkt, kann die Einnahme von Neuroleptika die sexuelle Lust hemmen, zu Ejakulationsstörungen und zur ED führen.

Anti-Epileptika

Anti-Epileptika bremsen die unkontrollierten Nervenreaktionen der Patienten im Gehirn. Dabei können sie allerdings auch jene Nervenbahnen hemmen, welche die sexuellen Reize weiterleiten sollen. Die Folge können sexuelle Unlust und Erektionsstörungen sein.

Beruhigungs- und Schlafmittel

Beruhigungs- und Schlafmittel wirken beruhigend, vermindern den Antrieb und machen häufig müde. Dadurch können sie auch die sexuelle Lust beeinträchtigen.

Herz-Kreislauf-Medikamente

Blutdrucksenker

Blutdrucksenker verringern die Durchblutung im Penis, was grundsätzlich zu einer Erektionsschwäche führen kann. Diese Medikamente werden bei Erkrankungen verordnet, die mit Gefäßschäden einhergehen. Es lässt sich deshalb schwer beurteilen, ob das Medikament oder die Gefäßschäden eine ED verursachen.

Beta-Blocker

Beta-Blocker blocken die Beta-Rezeptoren am Herzen und verhindern, dass Botenstoffe wie das Hormon Adrenalin dort andocken und den Blutdruck in die Höhe treiben.

Eine andere Form von Beta-Rezeptoren sitzt aber auch an der glatten Muskulatur, die erschlaffen muss, um eine Erektion zu ermöglichen. Werden diese ebenfalls blockiert, bleibt die Erektion aus.

Während ältere Medikamente sowohl die Rezeptoren am Herzen (Beta-1) als auch im Penis (Beta-2) blockieren, wirken neuere Wirkstoffe vorwiegend auf die Herz-Rezeptoren. Zusätzlich wird vermutet, dass Beta-Blocker den Testosteron-Spiegel im Blut senken.

Beta-Blocker werden in der Behandlung von Bluthochdruck, Angina pectoris und Herzschwäche eingesetzt. Dabei kann es dann zu eine Erektile Dysfunktion kommen.

Harntreibende Medikamente

Diuretika (harntreibende Medikamente) wirken bei Bluthochdruck, Herzschwäche und Ödemen. Durch ihre wassertreibende Wirkung verringert sich die Blutmenge und damit vermutlich auch das Blut im Schwellkörper.

Thiazide stehen besonders unter Verdacht, eine ED auszulösen (Ausnahme: Indapamid). Sie spülen nicht nur Wasser, sondern auch Spurenelemente wie Zink aus dem Köper. Zinkmangel kann dazu führen, dass das Sexualhormon Testosteron weniger aktiviert wird. Thiazide können bei der Diagnose Bluthchochdruck, Herzschwäche oder Ödemen verschrieben werden. Ein Effekt der Einnahme kann ED oder Libidoverlust sein.

Das Diuretikum Spironolacton ist ein echter Gegenspieler zu Testosteron und erzeugt so Libidoverlust und Erektionsstörungen. Spironolacton können bei Bluthochdruck und Ödemen eingenommen werden.

Alpha-2-Agonisten

Alpha-2-Agonisten oder Anti-Sympathotonika stimulieren im Gehirn die alpha-2-Rezeptoren. Dadurch sinkt die Menge der Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin, und für die Erektion wichtige Nervensignale werden abgeschwächt.

Alpha-2-Agonisten kommen bei Bluthochdruck zum Einsatz und können neben ED auch Libidoverlust und Ejakulationsstörungen verursachen.

ACE-Hemmer

Die in der Therapie von Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetzten ACE-Hemmer lösen nur sehr selten sexuelle Störungen aus.

Kalzium-Antagonisten

Kalzium-Antagonisten verhindern den Einstrom von Kalzium in die Muskelzellen und damit die Bereitstellung von Kalzium für sexuelle Prozesse. Dennoch sind Probleme mit Kalzium-Antagonisten eher selten.

Kalzium-Antagonisten können bei Bluthochdruck oder Angina pectoris verschrieben werden. Ein möglicher Effekt der Medikamente ist eine Erektile Dysfunktion.

Alpha-Blocker

Alpha-Blocker führen im Vergleich zu anderen Blutdrucksenkern am seltensten zu sexuellen Störungen.

Alpha-Blocker können bei einer vergrößerten Prostata verschrieben werden.

Antiarrhythmika

Antiarrhythmika werden gegen Herzrhythmusstörungen verordnet. Sie haben einen ähnlichen chemischen Aufbau wie Sexualhormone und greifen daher in den Hormonhaushalt ein. Bei Männern, die diese Medikamente nehmen, werden teilweise erniedrigte Testosteron-Blutspiegel gefunden. Ein möglicher Effekt der Antiarrhythmika ist eine Erektile Dysfunktion oder Libidoverlust.

Cholesterinsenker

Cholesterinsenker wie Fibrate oder CSE-Hemmer sorgen für einen niedrigen Cholesterinspiegel im Blut. Da Cholesterin eine Vorstufe zur Produktion der Sexualhormone ist, können sie in seltenen Fällen eine ED bewirken.

Magen-Darm-Medikamente

Dopamin-Antagonisten

Dopamin-Antagonisten helfen gegen Erbrechen und Übelkeit. Weil sie die Bindungsstellen für den Botenstoff Dopamin blocken, der für die Erektion sehr wichtig ist, können sie eine ED oder Libidoverlust nach sich ziehen.

H2-Antihistaminika

H2-Antihistaminika helfen bei zu viel Säure im Magen und werden bei der Diagnose Magen-Darm-Geschwür oder Reflux-Ösophagitis eingesetzt. Nur ein Wirkstoff aus dieser Gruppe, Cimetidin, ist bekannt für seine antiandrogenen Eigenschaften. Dieser Gegenspieler-Effekt zu Testosteron ist dosisabhängig. Je mehr Cimetidin täglich eingenommen wird, desto häufiger tritt eine ED oder Libidoverlust auf.

Schmerz-, Rheuma- und Asthma-Medikamente

Nichtsteroidale Antiphlogistika und Kortisone

Nichtsteroidale Antiphlogistika und Kortisone hemmen die Produktion von Prostaglandinen. Diese sind als Botenstoffe bei Schmerz- und Entzündungsreaktionen, aber auch an der Erektion beteiligt. Wird ihre Produktion gehemmt, kann es zu Erektionsstörungen kommen. Kortisonpräparate können zusätzlich die Abgabe von Testosteron ins Blut unterdrücken.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Priv.-Doz. Dr. Anton Ponholzer
Redaktionelle Bearbeitung:
Jochen Niehaus, Tanja Unterberger, Bakk. phil.

Aktualisiert am:
Quellen

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Erektionsstörung https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sexualorgane/sexuelle-funktionsstoerungen/erektionsstoerung-erektile-dysfunktion (letzter Zugriff: 22.01.2019)
 
Core Safety Profile: Finasteride 1 mg, Basisangaben der europäischen Produktinformation, veröffentlicht auf der Website des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), 16. Mai 2014. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/EN/Drugs/vigilance/PSURs/csp/e-f/finasteride-1mg.pdf;jsessionid=C4F2A4C54847638E5DBA5944B3297710.1_cid329?__blob=publicationFile&v=4 (letzter Zugriff: 22.01.2019)
 
Hatzimouratidis et al.: EAU Guidelines: Erectile Dysfunction, Premature Ejaculation. Penile Curvature and Priapism. European Association of Urology, 2016 https://uroweb.org/wp-content/uploads/EAU-Guidelines-Male-Sexual-Dysfunction-2016-3.pdf (letzter Zugriff: 22.01.2019)

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