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Die Beschneidung beim Mann

Beschneidung, Operation
Szene aus dem Operationssaal: Wie bei jedem medizinischen Eingriff kann es auch bei der Beschneidung zu Komplikationen kommen. (© GordonGrand - Fotolia.com / Fotolia.com)

Die Beschneidung, auch Zirkumzision genannt, ist eine teilweise oder vollständige Entfernung der Vorhaut des Penis, die von einem Kinderchirurgen oder Urologen durchgeführt wird.

Kurzfassung:

  • Bei einer Beschneidung (auch Zirkumzision) handelt es sich um die teilweise oder vollständige Entfernung der Penisvorhaut.  
  • Eine Beschneidung wird entweder in lokaler Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt. 
  • Es gibt unterschiedliche Beweggründe für eine Beschneidung. Dazu gehören traditionelle und religiöse sowie medizinische Gründe (z.B. Vorhautverengung oder Eichelentzündung). 
  • Vorteile einer Beschneidung sind u.a. eine einfacher durchführbare Intimhygiene und ein verringertes Risiko für Geschlechtskrankheiten. 
  • Medizinisch begründete Beschneidung werden von den Kassen bezahlt. Religiöse oder kosmetische Beschneidungen müssen privat finanziert werden.

Bei einer Beschneidung wird der bewegliche Hautlappen, der die Eichel des männlichen Gliedes umschließt, entweder in lokaler Betäubung (Erwachsene) oder in Vollnarkose (Kinder) entfernt.

Was sind Gründe für eine Beschneidung?

Aktuellen Studien sowie Schätzungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gehen davon aus, dass weltweit etwa jeder dritte Mann beschnitten ist. 

Beschneidung aus traditionellen und religiösen Gründen

In vielen Kulturen dieser Welt ist die männliche Beschneidung fest etabliert. Erste Berichte davon lassen sich bis ins alte Ägypten zurück datieren. Im Judentum ist die Beschneidung religiöses Brauchtum und wird am 8. Tag nach der Geburt vollzogen. Im Islam hingegen spielen vor allem traditionelle Gründe ein Rolle, die Beschneidung wird erst zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr durchgeführt.

Beschneidung aus medizinischen Gründen

  • Vorhautverengung (Phimose)

Im frühen Säuglings- und Kindesalter ist die Verklebung der Vorhaut ein Normalbefund und von einer "echten"  zu unterscheiden. Im Alter von sieben Jahren kann etwa die Hälfte der Jungen die Vorhaut weitestgehend zurückschieben, mit zehn Jahren sind es immerhin schon zwei Drittel. Erst in der Pubertät ist in bis zu 99% der Fälle die Verklebung vollständig gelöst. Für die Entscheidung zu einer Beschneidung ist bei der Vorhautverengung  also das Alter ausschlaggebend.

+++ Mehr zum Thema: Vorhautverengung +++

  • Eichelentzündung 

Eine Entzündung der Vorhaut oder der Eichel (Balanitis) kann bei wiederholtem Auftreten mit Vernarbungen verbunden sein und eine Verengung der Vorhaut bewirken. Dies stellt einen medizinischen Grund für eine frühzeitige Beschneidung dar. Auch bei einer Sonderform des Lichen sclerosus (Lichen sclerosus et atrophicans) steht die operative Entfernung der Vorhaut im Vordergrund.

+++ Mehr zum Thema: Eichelentzündung +++

  • Entzündungen der ableitenden Harnwege

Angeborene Fehlbildungen im Bereich der ableitenden Harnwege können unter Umständen zu einem gehäuften Auftreten von wiederkehrenden Harnwegsinfekten führen. In solchen Fällen kann eine Beschneidung das Risiko für derartige Infekte reduzieren und eine Nierenschädigung verhindern. Der Gebrauch von Antibiotika kann so ebenfalls vermindert werden.

Welche Vorteile hat eine Beschneidung?

Eine Beschneidung kann auf viele Beschwerden, die im Zusammenhang mit einer Vorhautverengung stehen, positive Auswirkungen haben. Dazu gehört eine einfache und effektiv durchführbare Intimhygiene, da sich durch das Fehlen der Vorhaut weniger Vorhauttalg bildet. Durch die bessere Hygiene kommt es zu weniger Entzündungen der ableitenden Harnwege. Außerdem dürfte Studien zufolge eine Beschneidung das Risiko für Prostatakrebs vermindern.

+++ Mehr zum Thema: Intimhygiene +++

Eindeutig erwiesen ist zudem der Zusammenhang zwischen Beschneidungen und einem verminderten Auftreten von übertragbaren Geschlechtskrankheiten wie HPV (Humane Papillomaviren) und sogar HIV (Humanes Immundefizienzvirus). Insbesondere im Erwachsenenalter kann das Risiko von derartigen Geschlechtskrankheiten gesenkt werden.

Humane Papillomaviren werden normalerweise sexuell übertragen und können Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs und Analkrebs zu verursachen. Viele Studien konnten eine deutliche Reduktion der HPV-Infektionen nach Beschneidungen nachweisen. Eine alleinige Beschneidung bietet jedoch keinen 100%igen Schutz vor einer Infektion. Die beste Möglichkeit zur Vorbeugung stellt immer noch die HPV-Impfung dar, welche von der ständigen Impfkommission (STIKO) zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr empfohlen wird.

Die Beschneidung soll Untersuchungen zufolge auch die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion reduzieren. Die WHO empfiehlt daher die Beschneidung in Regionen mit hoher Neuerkrankungsrate an HIV, wie es etwa in afrikanischen Ländern der Fall ist. Diese Maßnahme ist aber nur ein Teilaspekt eines umfassenden HIV-Präventionsprogrammes für Risikoregionen, da eine Ansteckung durch eine Beschneidung nicht generell verhindert wird. Die WHO ist ständig bemüht durch Aufklärungskampagnen und das zur Verfügung stellen von Kondomen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für HIV in solchen Regionen zu sensibilisieren.

+++ Mehr zum Thema: Wann ist ein HIV-Test sinnvoll? +++

Welche Formen der Beschneidung gibt es?

Je nach Diagnose und den Wünschen des Betroffenen kommen verschiedene Operationsmethoden infrage:

  • Beschneidung durch vollständige Abtragung der Vorhaut
  • Unvollständige Beschneidung mit Erhalt eines Teils der Vorhaut. Diese Methode wird allerdings nur mehr in Ausnahmefällen empfohlen.
  • Plastibellmethode, bei welcher die Beschneidung durch Abschnürung auf einer Kunststoff-Glocke erfolgt. Diese Methode kann nicht in allen Fällen durchgeführt werden.
  • Erweiterungsplastik: Die Öffnung der Vorhaut wird bei diesem Verfahren lediglich erweitert und nur unwesentlich gekürzt.

Welche Komplikationen können bei einer Beschneidung auftreten?

Beschneidungen sind mittlerweile Routineeingriffe mit nur geringer Komplikationsrate. Dennoch kann es auch bei der Beschneidung zu Komplikationen kommen. Diese sind in der Regel selten, harmlos und gut behandelbar.

  • Schmerzen
  • Nachblutungen
  • Schwellungen
  • erneute Vorhautverengung durch Schrumpfung des Gewebes bei Teilbeschneidungen
  • Verletzungen der Eichel oder Harnröhre
  • allergische Reaktionen auf Betäubungsmittel

Wie lange dauert die Abheilung?

In der Regel ist der Heilungsverlauf bei einer vollständigen Beschneidung nach zwei Wochen abgeschlossen. Bei Rötung, zunehmender Schwellung oder Fieber sollten Sie jedoch Ihren Arzt aufsuchen. Desinfizierende Sitzbäder mit Tanninzusatz können den Heilungsverlauf zusätzlich unterstützen. Bei einem guten Heilungsverlauf ist Geschlechtsverkehr normalerweise nach drei Wochen wieder möglich.

Welche Auswirkung hat die Beschneidung auf das Liebesleben?

Allgemein wird davon ausgegangen, dass eine Beschneidung keinerlei Einfluss auf die Sexualität und die Empfindlichkeit der Eichel hat. Fragt man jedoch die Betroffenen, scheiden sich die Geister. Manche Männer berichten von verstärkten Höhepunkten und mehr Ausdauer beim Geschlechtsverkehr. Andere wiederum klagen darüber, dass ihr sexuelles Erleben seit der Beschneidung empfindlich gestört ist.

Mögliche psychische Auswirkungen

Auch psychische Auswirkungen der Beschneidung werden kontrovers diskutiert. Die heutige Beschneidungstechnik wird in Spitälern aber immer so durchgeführt, dass Kinder keine Schmerzen dabei haben. Für das postoperative Auftragen von Salben oder Cremes empfehlen aktuelle Leitlinien die Entscheidung des Kindes zu berücksichtigen, wobei hierbei generell dem Vater der Vorrang gegeben wird.

Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Beschneidung?

Bei einer medizinisch begründbaren Beschneidung werden die Kosten komplett von der Krankenkasse übernommen. Die Beschneidung aus religiösen, traditionellen oder kosmetischen Gründen ist keine Kassenleistung und muss privat bezahlt werden.

+++ Mehr zum Thema: Penisverkrümmung +++

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Autoren:

Medizinisches Review:

Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie: Beschneidung beim Mann (Zirkumzision), Stand: 07/2020; 
https://www.uro.at/patienten-informationen/patienten-ratgeber/42-beschneidung-beim-mann-zirkumzision.html
(letzter Zugriff am 05.07.2020)

Österreichische Gesellschaft für Kinderurologie (ÖGU): Leitlinien Kinderurologie, Stand: 07/2016; https://www.uro.at/images/uro/downloads/Leitlinien_Kinderurologie_2016.pdf (letzter Zugriff am 05.07.2020)

Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH): S2k Leitlinie „Phimose und Paraphimose", Stand: 09/2017; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-052l_S2k_Phimose-Paraphimose_2017-12_01.pdf (letzter Zugriff am 05.07.2020)

Morris BJ, Kennedy SE, Wodak AD, Mindel A, Golovsky D, Schrieber L, Lumbers ER, Handelsman DJ, and Ziegler JB. Early infant male circumcision: Systematic review, risk-benefit analysis, and progress in policy. World J Clin Pediatr. 2017; 6(1): 89–102.

Morris BJ, Wamai RG, Henebeng EB, Tobian AAR, Klausner JD, Banerjee J, and Hankins CA. Estimation of country-specific and global prevalence of male circumcision. Popul Health Metr. 2016; 14: 4.

 

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