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Histaminintoleranz: Vorsicht bei Medikamenten!

Medikamente, Histamin
Bestimmte Medikamente können zu einem Histaminüberschuss im Körper führen. (mars58 / iStockphoto)

Nicht nur Nahrungsmittel wie Wein und Käse lösen bei Menschen mit Histaminintoleranz Symptome aus. Auch diverse Medikamente können zu einem Überschuss an Histamin und lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen. Warum Sie von manchen Substanzen besser die Finger lassen sollten.

Kurzfassung:

  • Manche Schmerzmittel können eine Histaminfreisetzung auslösen. Dazu gehören u.a.: Parkemed, Voltaren, Deflamat, Mucobene, ACC, Novalgin, Buscopan compositum.
  • Bei der Einnahme von Medikamenten, die zu einem Histaminüberschuss führen können, kommt es u.a. zu folgenden Symptomen: Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen.
  • Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz sollten sich Betroffene mittels Blutabnahme testen lassen, um Gewissheit zu haben und sich so schützen zu können.

Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung – davon 80 Prozent Frauen – sind von einer Histaminintoleranz betroffen. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der bei allergischen Reaktionen und in Stresssituationen ausgeschüttet wird. Histamin befindet sich aber auch in zahlreichen Speisen, vor allem solchen, die einen längeren Reifungsprozess haben – wie Käse oder Sauerkraut.

+++ Mehr zum Thema: Histaminhaltige Lebensmittel +++

Bei Menschen mit Histaminintoleranz wird das Enzym Diaminooxidase (DAO), das für den Histaminabbau verantwortlich ist, nicht ausreichend produziert. Wird dem Körper nun Histamin in großen Mengen zugeführt, kann dies bei den Betroffenen zahlreiche Symptome hervorrufen. Dazu zählen:

Diese Symptome können sowohl einzeln als auch in Kombination auftreten. Aufgrund der Vielzahl an möglichen Symptomen wird Histaminintoleranz auch oft sehr spät diagnostiziert.

+++ Mehr zum Thema: Symptome bei Histaminintoleranz +++

Welche Medikamente können zu einem Histaminüberschuss führen?

Gefährliche Schmerzmittel

Dabei kann eine frühe Diagnose der Histaminintoleranz Leben retten. Menschen mit einem Mangel des Enzyms Diaminooxidase können nämlich lebensbedrohliche Reaktionen auf bestimmte Medikamente entwickeln. Bei einer festgestellten Histaminintoleranz werden solche Medikamente nicht mehr verschrieben. So können etwa entzündungshemmende Schmerzmittel mit den Substanzen Mefenaminsäure (z.B. Parkemed) oder Diclofenac (z.B. Voltaren, Deflamat) die Histaminfreisetzung bei Allergikern steigern. Schleimlösende und schmerzstillende Medikamente mit den Substanzen Acetylcystein (z.B. Mucobene, ACC) und Metamizol (z.B. Novalgin, Buscopan compositum) blockieren das Enzym DAO, was ebenfalls zu einem Histaminüberschuss führen kann.

Welche Folgen kann die Einnahme dieser Medikamente haben?

Werden diese Medikamente in einer Stresssituation (Histaminausschüttung!) verabreicht – etwa bei einem Zahnarztbesuch oder nach einem Unfall – kann dies bei Menschen mit Histaminintoleranz zu ernsten Reaktionen bis hin zum tödlichen Blutdruckabfall führen. In alltäglicheren Situationen können u.a. massive Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen die Folge sein. Auch Operationen können bei Patienten mit Histaminintoleranz einen ungewollten Verlauf nehmen: Hier kann die Gefahr von einem intravenösen Schmerzmittel, das Histamin freisetzt, oder von einem Medikament, auf das der Patient allergisch ist und mit Histaminausschüttung reagiert, ausgehen. Aus diesem Grund erhalten Patienten mit Histaminintoleranz vor einem operativen Eingriff vorbeugend spezielle Medikamente.

Wissen schützt

Wer von seiner Histaminintoleranz nichts weiß, kann die behandelnden Ärzte nicht darüber informieren und riskiert so ernste medikamentöse Nebenwirkungen. Sind Sie von einem oder mehreren der genannten, für Histaminintoleranz typischen Symptomen – insbesondere nach dem Konsum bestimmter Speisen oder Alkohol – betroffen, sollten Sie sich daher mittels Blutabnahme auf Histaminintoleranz testen lassen. Beim Ergebnis sollten Sie beachten, dass auch eine leichte Intoleranz massive Beschwerden verursachen kann und behandelt werden sollte.

+++ Mehr zum Thema: Histaminarm genießen +++

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Autoren:

Medizinisches Review:

Aktualisiert am:
Quellen

Jarisch R: Histamin-Intoleranz. Histamin und Seekrankheit. Thieme Verlag, 2004.

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Die Beschwerden bei Histaminintoleranz können vielfältig sein. Verdauungsbeschwerden, Migräne oder Hautausschläge können erste Symptome sein.

Histamin ist in einer Vielzahl an Lebensmitteln enthalten. Bei Intoleranz gilt es daher, histaminreiche Nahrung zu meiden.

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