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Genussvolle Weihnachten – trotz Histaminintoleranz

Weihnachten Histamin
Auch in der Weihnachtszeit sollten Betroffene Ihre Speisen mit Bedacht wählen. (MarianVejcik / iStockphoto)

Duftende Kekse, heißer Glühwein und gebratene Forelle: Histaminbombe oder einfach nur harmloser (vor)weihnachtlicher Genuss? Dieser Frage ist netdoktor.at für Sie nachgegangen.

Histamin ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten, aber in unterschiedlicher Menge. Menschen mit Histaminunverträglichkeiten sollten daher prinzipiell zurückhaltend sein beim Verzehr von lange gelagerten, lange gereiften und fermentierten Nahrungsmitteln. Hierzu zählen Produkte, wie Camembert, Sauerkraut, Fischkonserven, Salami, Rotwein, Sekt und Prosecco – allesamt wahre "Histamin-Bomben".

Andere Lebensmittel wiederum veranlassen den Körper dazu, Histamin freizusetzen, was sich in den klassischen Symptomen (Kopfschmerz, Juckreiz, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen) äußert. Im Fachjargon werden sie "Histaminliberatoren" genannt. Beispiele für solche Nahrungsmittel sind Erdbeeren, Zitrusfrüchte oder Walnüsse.

+++ Mehr zum Thema: Histaminintoleranz +++

Enzymmangel Ursache für Histaminunverträglichkeit

Histamin ist ein sogenanntes biogenes Amin, das sowohl in menschlichem als auch in tierischem und pflanzlichem Gewebe vorkommt. Im menschlichen Körper erfüllt Histamin zahlreiche Aufgaben, z.B. jene als Neurotransmitter.

Zu einer Histaminunverträglichkeit kommt es, wenn der Körper zu wenig Diaminoxidase produziert. Diaminoxidase ist jenes Enzym, das für den Abbau des Histamins im Darm verantwortlich ist.

Der Mangel an der Diaminoxidase kann sowohl genetisch bedingt sein, als auch vorübergehend – durch einen zu hohen Konsum histaminhaltiger Lebensmittel – verursacht werden. Eine genetische von einer vorübergehenden Histaminintoleranz abzugrenzen, ist allerdings schwierig, denn die genetischen Veränderungen, die für die Histaminintoleranz verantwortlich sind, würden alleine nicht ausreichen, um eine echte Histaminintoleranz auszubilden.

+++ Mehr zum Thema: Nahrungsmittelunverträglichkeit +++

Vorsicht beim Verzehr von Fisch

Auch in der Weihnachtszeit sollten Betroffene Ihre Speisen mit Bedacht wählen. Verschiedene Fische wie Forelle, Kabeljau, Meeresfrüchte oder Thunfisch sind im wahrsten Wortsinn mit Vorsicht zu genießen, insbesondere dann, wenn sie aus der Konserve kommen oder geräuchert sind. 

Die gute Nachricht in der Weihnachtszeit kommt aus dem Süßigkeitensegment: Kekse  enthalten per se wenig Histamin und können also von Personen mit Histaminintoleranz – vorausgesetzt es bestehen keine anderen Unverträglichkeiten – problemlos verzehrt werden.

+++ Mehr zum Thema: Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin? +++

"Ein biogenes Amin kommt selten allein“

Die Diaminoxidase, die für den Histaminabbau verantwortlich ist, baut auch andere biogene Amine. Ganz nach dem Motto "ein biogenes Amin kommt selten allein" finden sich in Produkten, die viel Histamin enthalten, auch viele andere biogene Amine, wie Cadaverin, Putrescin, Tyramin oder Serotonin.

Diese "anderen" biogenen Amine konkurrieren nun mit dem Histamin um die Diaminoxidase. Das bedeutet, dass die Diaminoxidase nicht nur das Histamin, sondern auch viele weitere biogene Amine im Darm abbauen soll. Kombiniert man nun viele verschiedene Lebensmittel, die alle reich an biogenen Aminen sind, miteinander, bekommen empfindliche Personen die klassischen Symptome. Auch spielen bei der Histaminintoleranz psychologische Faktoren eine Rolle, wie die Angst vor dem Beschwerdebild.

+++ Mehr zum Thema: Histaminarm genießen +++

Zu Weihnachten auf frische Lebensmittel setzen

Grundsätzlich gilt für histaminintolerante Personen: Wer auf frische Lebensmittel setzt, ist auf der sicheren Seite. In Obst und Gemüse beispielsweise findet sich zwar auch Histamin, die Mengen sind aber – insbesondere im Vergleich zu reifen, lang gelagerten und fermentierten Produkten – gering.

Für Menschen mit Histaminintoleranz sollte der Verzicht von symptomauslösenden Lebensmittel im Vordergrund stehen. Wer aber nicht auf Glühwein und die weihnachtliche Räucherforelle verzichten will, kann auf Präparate, die das Enzym Diaminoxidase enthalten, setzen. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung der Histaminintoleranz +++

In folgendem Video erfahren Sie, welche Wintergewürze besonders gesund sind:

Gesunde Weihnachtsgewürze (netdoktor.at)

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Aktualisiert am:
Quellen

Interview mit Priv. Doz. Dr. Peter Komericki, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Dozent an der Medizinischen Universität Graz, Abteilung für Umweltdermatologie und Venerologie und Experte im Bereich der Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien.

Jarisch R: Histamin-Intoleranz. Akt Dermatol 2011; 37: 1-8
 

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