Trinkwasser - was soll man wissen?

Frauenhand füllt Wasser direkt von der Leitung in ein Glas ein
( Gorvik)

Österreich ist in der glücklichen Lage, dass bereits die Grundwasservorkommen bestmöglich geschützt werden und Grundwasser als Trinkwasser möglichst naturbelassen zum Endverbraucher gelangt. In vielen anderen Ländern muss Oberflächenwasser durch mehrstufige chemisch-technische Verfahren aufbereitet werden.

Unsere persönlichen Vorteile liegen auf der Hand: Leitungswasser erspart die Schlepperei von abgefülltem Wasser nach Hause und ist unvergleichbar kostengünstig. Zusätzlich hat Leitungswasser auch klare ökologische Vorteile: Leitungswasser erspart den Aufwand für die Herstellung und Entsorgung von Getränkeverpackungen. Außerdem ist kein Transport in die Geschäfte notwendig. Leitungswasser zu trinken, schont also Ressourcen und trägt zum Klimaschutz bei.

Das Trinken von 100 Liter Leitungswasser spart im Vergleich zu 100 Liter Wasser in 1,5 Liter PET-Einwegverpackungen:

  • 63 kWh Strom
  • 2,4 kg Abfall
  • 11 l Wasser
  • 3,1 kg Rohstoffe
  • 8,8 kg CO2-Emissionen

Die Energieersparnis reicht also zum Beispiel für 190 Waschgänge in der Waschmaschine bei 30 Grad.

Wasser löscht den Durst am besten

Wasser ist überlebensnotwendig: Wasserverluste über Lunge, Haut, Kot und Urin führen bei eingeschränkter Wasseraufnahme innerhalb kurzer Zeit zur Dehydrierung. Bereits eine Abnahme der Gesamtkörperflüssigkeit um etwa 3% führt zu einem Rückgang der Speichelsekretion und der Harnproduktion; bei 5% Verlust treten Tachykardien (beschleunigter Puls) auf und die Körpertemperatur steigt an; bei etwa 10% Verlust an Körperflüssigkeit kommt es zu Verwirrungszuständen. Eine Abnahme um über 20% führt zum Tod.

Die optimale Flüssigkeitszufuhr eines Erwachsenen liegt bei zwei bis drei Litern täglich, wobei 1,2 bis 1,5 Liter über Getränke aufgenommen werden sollten. Der Flüssigkeitsbedarf erhöht sich jedoch bei entsprechender körperlicher Anstrengung oder hohen Außentemperaturen. Weil Wasser keinen Zucker und keine Kalorien enthält, ist es der beste Durstlöscher.

Kalzium und Magnesium zählen zu den Hauptinhaltsstoffen von Trinkwasser. Kalzium ist wichtigster Bestandteil von Zähnen und Knochen und spielt unter anderem in der Blutgerinnung und für die Funktion des Nervensystems eine wichtige Rolle. Kalzium und Magnesium bestimmen zudem die Wasserhärte: Je höher der Anteil an gelösten Ionen, desto härter und kalkhaltiger ist das Wasser. Obwohl die Bioverfügbarkeit (tatsächlich vom Körper aufnehmbare Menge) von Kalzium und Magnesium aus Leitungswasser mit der aus Milch bzw. fester Nahrung vergleichbar ist, ist Trinkwasser nur als ergänzende Quelle (etwa zu Milchprodukten) zu sehen.
Die Kalzium- und Magnesiumkonzentrationen sind österreichweit sehr unterschiedlich: Im Mühlviertel etwa ist das Wasser sehr weich (unter 4 °dH, Grad deutscher Härte) die Gehalte der beiden Mineralstoffe sind also sehr niedrig, während etwa in der Umgebung um Wien auch Härtegrade von über 30 °dH gemessen werden. Wenn Sie an eine öffentliche Wasserleitung angeschlossen sind, können Sie sich bei Ihrem Versorger bezüglich der Wasserinhaltsstoffe und der Wasserhärte erkundigen.

Vom Härtegrad lässt sich auf die Menge an Kalzium und Magnesium im Wasser schließen:

  • 1 °dH entspricht 7,1 mg/l Ca (Kalzium)
  • 1 °dH entspricht 4,3 mg/l Mg (Magnesium)

In einigen Regionen Österreichs können die Konzentrationen an Magnesium und Kalzium im Leitungswasser mit jenen von österreichischen Mineralwässern konkurrieren, deren Mineralstoffgehalt auch von Quelle zu Quelle stark variieren kann.

Wie streng wird die Qualität von Leitungswasser kontrolliert?

„Die Qualität des heimischen Trinkwassers ist durch die Trinkwasserverordnung und den Österreichischen Lebensmittelkodex streng geregelt“, so der Experte Dr. Michael Fusko von der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich. Die Trinkwasserverordnung (TWV) regelt die Grenzwerte für bestimmte unerwünschte Stoffe wie Blei (0,01 mg/l), Nitrit (0,1–0,5 mg/l) und Sulfat (250 mg/l).

Trinkwasser darf zudem keine Bakterien, Viren oder Parasiten enthalten, die durch Verschlucken eine Erkrankung des Menschen verursachen können und eine potenzielle Gesundheitsgefährdung darstellen. Da deren umfassender Nachweis mit vertretbarem Aufwand nicht möglich ist, wird Trinkwasser routinemäßig auf das Vorhandensein von Indikatorbakterien (Escherichia-coli-Bakterien, Enterokokken und coliforme Bakterien) untersucht, die auf eine Verunreinigung hinweisen.

Über die Trinkwasserqualität hinausgehende Qualitätskriterien sind im Kodexkapitel B1 „Trinkwasser“ des Österreichischen Lebensmittelbuches festgehalten. So werden z.B. zulässige Aufbereitungsverfahren, Bedingungen für Desinfektionsmaßnahmen, außerdem Begrenzungen für zusätzliche unerwünschte oder toxische Stoffe, die nicht in der Trinkwasserverordnung enthalten sind, aufgelistet. Werden die Werte überschritten, darf das Wasser nicht mehr abgegeben werden und muss aufbereitet werden. Bakterielle Belastungen werden mithilfe von UV-Anlagen beseitigt, chemische Substanzen wie Nitrate beispielsweise über Aktivkohlefilter und Umkehrosmose-Anlagen aus dem Wasser geholt.

Die Untersuchung und Begutachtung von Trinkwasser darf gemäß TWV nur von berechtigten Stellen oder Personen wie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), den Untersuchungsanstalten der Länder (§ 72 LMSVG) oder von einer gemäß § 73 LMSVG hierzu berechtigten Person durchgeführt werden. Bei der in Österreich zumindest einmal pro Jahr stattfindenden Kontrolle wird das gesamte Wasserversorgungssystem überprüft – vom Wasserspender über die Aufbereitungsanlagen und den Behälter des Wassers im Verteilungsnetz bis zum Endstrang.

Blei im Trinkwasser?

Aus Angst vor Schadstoffen suchen Verbraucher immer öfter nach privaten Lösungen. Der Absatz von Umkehrosmose-Geräten für den eigenen Haushalt hat trotz der enormen Kosten zugenommen. Das Wasser wird hier durch eine halbdurchlässige Membran gedrückt. Je nachdem, wie feinporig die Membran ist, werden Moleküle bestimmter Größe zurückgehalten. Während große Umkehrosmose-Geräte in Wasserwerken ihren Zweck erfüllen, ist eine private Anschaffung meist überflüssig. Denn wer in Österreich an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen ist, muss sein Wasser nicht aufbereiten.

Da sich die Verantwortlichkeit der Wasserversorgungsunternehmen für die Einhaltung der Richtlinien „nur“ bis zur Übergabestelle an den Abnehmer bzw. Verbraucher, also bis zur Wasseruhr, erstreckt, fürchten viele Privatpersonen, dass das Leitungswasser trotzdem mit Schadstoffen wie Blei kontaminiert werden könnte, wenn das Wasser mit den Rohren wechselwirkt. Doch der Bleirohr-Bestand in Österreich ist verschwindend klein. Laut Dr. Fusko ist nur ein kleiner Teil von Gründerzeitbauten noch davon betroffen. Grundsätzlich gibt es aber auch hier keinen Grund zur Besorgnis, da sich in den Wasserrohren in kurzer Zeit eine Kalkschicht bildet, die die Interaktion zwischen Rohrmaterial und Wasser weitgehend vermeidet. Für Wasserrohre, die neu verlegt werden, gibt es bestimmte EU-Normen für alle Materialien, die auf dem Markt sind.

Auch Warmwasser kann laut dem Experten ohne Bedenken getrunken werden. Zwar ist das Leitungswasser nicht hundertprozentig keimfrei und enthält eine gewisse Zahl an bestimmten Bakterien, die sich theoretisch in Warmwasserboilern unter bestimmten Bedingungen vermehren können. Wenn man den Warmwasserboiler aber einmal im Monat auf über 60 Grad Celsius erhitzt, werden diese Bakterien abgetötet.

Dr. Fusko empfiehlt auf jeden Fall, wenn über mehrere Stunden kein Wasser gezapft wurde, das Wasser drei bis fünf Sekunden rinnen zu lassen, bevor man es zum Trinken oder Kochen verwendet. So wird das Wasser, das sich noch in den Armaturen befunden hat, weggespült. Die Aufnahme von potenziellen Korrosionsprodukten, die durch Wechselwirkungen zwischen Rohr/Armaturen und dem stehenden Wasser entstanden sind, wird auf diesem Weg vermieden.

Sicheres Wasser vom Hausbrunnen

Wer als Wasserquelle einen eigenen Hausbrunnen hat, dem raten Experten, die Wasserqualität von einem Labor kontrollieren zu lassen. Denn Nitrate und andere chemische Belastungen können geschmacklich nicht wahrnehmbar sein. Eine Liste von österreichweit akkreditierten Labors ist auf der Homepage des Gesundheitsministeriums abrufbar.

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