Schokolade ist kein Tabu

Akne und Hautunreinheiten sind nicht auf das Jugendalter beschränkt. Auch viele Erwachsene machen unliebsame Erfahrungen mit Wimmerl und Pickel. Welche Akneformen im Erwachsenenalter typisch sind, was sie verursacht und wie man sie richtig behandelt, erklärt die Dermatologin Ao. Univ. Prof. Dr. Alexandra Geusau vom Wiener Allgemeinen Krankenhaus im NetDoktor-Interview.

Frage: Wen kann Akne betreffen?

Geusau: Unter Akne leiden vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die Erkrankung kann aber bis ins Erwachsenenalter fortbestehen oder in späteren Jahren neu auftreten. Bei jungen Menschen wird Akne durch Veränderungen im Hormonhaushalt ausgelöst. Sie entsteht in den Talgdrüsen, die die Haarfollikel der Haut umgeben und betrifft vor allem jene Körperareale, die reich an Talgdrüsen sind, also Gesicht, Brust oder Rücken.

Frage: Wodurch entsteht Akne?

Geusau: Es gibt mehrere Auslöser. Einerseits reagieren die Talgdrüsen auf männliche Hormone. Dadurch wird verstärkt Talg produziert und es kommt am Ausführungsgang der Talgdrüsen zu einer vermehrten Ansammlung von Hornzellen.

Durch diese Verhornungsstörung entstehen Mitesser. Zusätzlich spielen auch Bakterien eine Rolle. Sie setzen bestimmte Fettsäuren in der Talgdrüse frei, wodurch Entzündungen entstehen, die sich durch Pusteln oder entzündliche Knoten zeigen. Auch Vererbung spielt bei der Neigung zu Akne eine entscheidende Rolle.

Frage: Die akneähnliche Erkrankung Rosacea betrifft ja ausschließlich Erwachsene.

Geusau: Ja, sie tritt vorwiegend in der zweiten Lebenshälfte auf. Die Acne rosacea ist durch akneähnliche Entzündungen an der Gesichtshaut gekennzeichnet. Bei den Betroffenen sieht man entzündliche Pusteln, aber typischerweise keine Mitesser. Die Ursache dieser Erkrankung ist unbekannt, sie ist harmlos, aber relativ häufig, bei Frauen wie bei Männern. Man vermutet einen Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch oder Verdauungsstörungen.

Frage: Welchen Einfluss haben Hormone auf die Entstehung von Hautunreinheiten speziell bei Frauen?

Geusau: Wenn erwachsene Frauen unter Akne leiden, sollte man etwa einen milden Überschuss männlicher Hormone in Erwägung ziehen und eine Abklärung in diese Richtung vorantreiben.

Bei Frauen Mitte 30 gibt es zudem eine Sonderform der Akne - die Acne excoriée des jeunes filles. Ein Zeichen dieser Spätakne sind oft derbe Aknezeichen am Kinn. Die Patientinnen drücken meist sehr viel an ihren Wimmerln herum, was zu ausgeprägten Narben führen kann.

Im Vordergrund des Hautbildes stehen also Verletzungen, Narben und Entzündungen, die durch diese Manipulation entstehen. Wenn Akne bei jüngeren Frauen in Kombination mit Adipositas und Zyklusstörungen auftritt, kann sie auch auf eine schwerere hormonelle Störung hinweisen. Das sollte unbedingt gynäkologisch abgeklärt werden.

Frage: Beeinflusst Rauchen die Entstehung von Akne bei Erwachsenen?

Geusau: Die wissenschaftlichen Daten dazu sind nicht einheitlich. Einige Studien weisen darauf hin, dass Rauchen die Entstehung von Akne begünstigt, weil bestimmte Rezeptoren an den Hornzellen zu vermehrter Verhornung führen. Außerdem verengt Nikotin die Gefäße und vermindert die Sauerstoffversorgung der Haut.

Frage: Wie wirkt sich Stress auf die Entstehung von Hautunreinheiten aus?

Geusau: Stress, auch emotionaler, kann das Hautbild negativ beeinflussen. Wobei viele Menschen, die unter Druck stehen oder gerade eine Krise durchleben, exzessiv an ihrer Hautoberfläche herummanipulieren. Der Zusammenhang zwischen Stress, psychischer Belastung und Hautgesundheit ist also komplex.

Frage: Wie sieht es mit anderen äußeren Faktoren aus?

Geusau: Es gibt einige akneähnliche Erkrankungen, die durch Medikamente, Kosmetika oder Stoffe aus der Umwelt verursacht werden können. Bei Erwachsenen können das zum Beispiel kortisonhaltige Medikamente oder Überdosen von Vitamin B6 und B12 sein. Bei jungen Männern kann ein Missbrauch von Anabolika schwere Akne auslösen.

Frage: Wie pflegt man die Haut richtig, wenn man Akne hat?

Geusau: Häufiges Waschen der Haut hat keinen Einfluss auf die Akne. Die dunklen Mitesser sind nämlich keine verschmutzten Poren, die Färbung kommt durch den Hautfarbstoff Melanin zustande. Das Hautfett wird beim Waschen nur oberflächlich entfernt, in der Talgdrüse selbst verändert sich dadurch nichts. Es ist aber trotzdem wichtig, die Haut regelmäßig zu reinigen, um sie für weitere Therapien vorzubereiten.

Frage: Soll man bei Akne die Sonne suchen oder eher meiden?

Geusau: An sich tut frische Luft der Haut gut, vor extremer Sonnenbestrahlung muss aber gewarnt werden. Sonnenbestrahlung kann nämlich die Bildung von Mitessern fördern. Viele Aknepatienten, die bestimmte Medikamente einnehmen, reagieren außerdem empfindlicher auf die Sonne.

Frage: Gibt es eine Ernährungsweise, die Sie bei Akne empfehlen?

Geusau: Es ist nicht erwiesen, dass eine bestimmte Ernährungsweise oder der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel Akne beeinflusst. Man muss auch nicht auf Schokolade verzichten.

Der Patient sollte selbst herausfinden, was ihm nicht bekommt. Wenn er einen Zusammenhang zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und der Verschlechterung des Hautbildes beobachtet, sollte er auf diese Nahrungsmittel verzichten. Insgesamt ist eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost für die Gesundheit am besten. Das gilt auch für Aknepatienten.

Frage: Soll man Mitesser selber ausdrücken?

Geusau: Nein, denn dadurch entstehen nicht nur hässliche Hautverfärbungen und Narben, man riskiert auch ernste Hautinfektionen.

Frage: Raten Sie allen Erwachsenen mit Akne, zur Dermatologin oder zum Dermatologen zu gehen?

Geusau: Wenn Akne oder ein akneähnliches Hautbild erst im späteren Lebensalter auftritt, sollte man das auf jeden Fall abklären.  

Frage: Welche Behandlung erwartet die Patientin oder den Patienten dann?

Geusau: Je nach Schweregrad der Akne werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt. Die Grundlage der Behandlung bei leichten Formen ist meist eine Creme oder ein Gel mit Vitamin-A-Säure. Damit wird die Verhornungsstörung an den Haarfollikeln behoben und gleichzeitig die Entzündung bekämpft. In schweren Fällen kann dieses Präparat auch in Tablettenform eingenommen werden.

Neben der lokalen Therapie wird meistens auch ein Antibiotikum verschrieben. Bei Frauen kann die Einnahme spezieller Anti-Baby-Pillen-Präparate als Nebeneffekt das Hautbild verbessern.

 

Danke für das Interview.

Zur Person: Ao. Univ. Prof. Dr. Alexandra Geusau ist Fachärztin für Dermatologie an der Universitätsklinik für Dermatologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien.

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