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Richtige Ernährung bei Neurodermitis

Nahrung, atopische Dermatitis
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für Patienten mit Neurodermitis besonders wichtig. (klickerminth / Fotolia.com)

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für Patienten mit Neurodermitis besonders wichtig. Allgemeingültige Diäten gibt es nicht.

Kurzfassung:

  • Es gibt keine allgemeingültige Ernährungstherapie für Menschen mit Neurodermitis.
  • Bei Auftreten von Beschwerden kann das Führen eines Ernährungstagebuchs helfen, die allergieauslösenden Lebensmittel ausfindig zu machen.
  • Die Verträglichkeit eines Lebensmittels muss von Person zu Person stets individuell ausgetestet werden.
  • Babys von Atopikern sollten mindestens vier Monate gestillt werden.

Nahrungsmittel als Auslöser

Viele Nahrungsmittel stehen im Verdacht, eine bestehende Atopische Dermatitis verschlechtern zu können. Dies kann jedoch von Patient zu Patient verschieden sein. Da jeder Betroffene unterschiedlich auf den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel reagiert, gibt es diesbezüglich keine allgemeingültige Ernährungstherapie, die für jeden Patienten mit Neurodermitis geeignet ist. Was bei dem einen zu einem Behandlungserfolg führt, kann das Krankheitsbild eines anderen vielleicht sogar verschlechtern.

+++ Mehr zum Thema: Neurodermitis +++

Welche Lebensmittel können Neurodermitis begünstigen?

Viele Menschen mit Atopische Dermatitis reagieren überempfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel. Auf der Liste der verdächtigen Nahrungsmittel stehen:

  • Milch-, Hühner- und Sojaprotein
  • Weizenprodukte und manchmal auch andere Getreidesorten
  • Nüsse
  • Obstsorten wie etwa Äpfel, Pfirsiche, Bananen, Birnen
  • Fisch
  • Fleisch (insbesondere Schweinefleisch)
  • Gemüsesorten wie Kartoffeln, Sellerie, Karotten, Sojabohnen, Tomaten
  • industriell stark verarbeitete Lebensmittel (Fertigprodukte)
  • histaminreiche Lebensmittel wie Fisch, Käse, Sauerkraut, Tomaten und Wein

Auch künstliche Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel oder Farb- und Aromastoffe zählen zu den potenziellen Auslösern. Erdbeeren, Zitrusfrüchte und Schokolade können in seltenen Fällen und in grösseren Mengen genossen einen Ekzemschub auslösen oder verstärken, ohne dass eine Allergie nachgewiesen werden kann.

Dabei sind Lebensmittel als Auslöser eines akuten Schubes häufig schwer nachzuweisen. Die dadurch entstehenden Ängste und daraus abgeleiteten Stressreaktionen sind oft bedenklicher als die vermuteten Stoffe selbst.

+++ Mehr zum Thema: Lebensqualität bei Neurodermitis +++

Was tun bei Verdacht auf Unverträglichkeit oder Allergie?

Besteht ein begründeter Verdacht, dass bestimmte Lebensmittel die Erkrankungsschübe verschlechtern, empfiehlt es sich, diese etwa eine Woche lang gänzlich zu meiden (Eliminationsdiät) und gegebenenfalls in den schubfreien Intervallen schrittweise wieder in den Ernährungsplan zu integrieren (doppelte Kontrolle).

Wird das Nahrungsmittel nach einer Woche wieder gegessen und kommt es bei neuerlichem Kontakt zu einer Verschlechterung des Hautbildes, liegt wahrscheinlich eine Unverträglichkeit auf das jeweilige Nahrungsmittel vor. Dieser Unverträglichkeitsverdacht sollte im Anschluss ärztlich abgeklärt werden.

Grundsätzlich ist eine gewisse Wachsamkeit erforderlich, da Allergien bei Menschen mit Neurodermitis bekanntermassen weitverbreitet sind. Wichtig sind kritisches Ausprobieren, genaues Beobachten des Hautbildes in Zusammenhang mit dem Verzehr bestimmter Lebensmittel und fachkundige Beratung.

Nahrungsmittel wie Milch, Fisch, Eier, Nüsse, Mandeln und Hülsenfrüchte in jeder Form sind klassische Allergieauslöser. Um eine mögliche Nahrungsmittelallergie festzustellen, werden diese meist als Erstes getestet.

Folgende Nahrungsmittel lösen hingegen selten Allergien aus:

  • Reis
  • Lamm und Pute
  • Blumenkohl, Gurke, Brokkoli
  • raffiniertes Pflanzenöl und milchfreie Margarine
  • Mineralwasser, schwarzer Tee
  • Salz und Zucker

+++ Mehr zum Thema: Medikamente bei Neurodermitis +++

Achtung bei bereits verarbeiteten Nahrungsmitteln!

Oft ist bei verarbeiteten Produkten respektive Fertiggerichten nicht auf den ersten Blick zu erkennen, ob nur jene Nahrungsmittel enthalten sind, die vertragen werden. Bei verarbeiteten Produkten sollten daher stets genau die Produktinformationen sowie die Nährwertangaben durchgelesen werden. Auch Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel und Farbstoffe, die vielfach in Fertigprodukten zum Einsatz kommen, stehen in Verdacht, das Hautbild zu verschlechtern.

Wenn durch eine ärztlich diagnostizierte Nahrungsmittelallergie zusätzliche finanzielle Aufwendungen entstehen, wie etwa durch teure Spezialnahrung, gibt es die Möglichkeit, einen Teil der Kosten rückerstattet zu bekommen.

+++ Mehr zum Thema: Allergie +++

Sind Diäten bei Neurodermitis sinnvoll?

Nahrungsmittelallergien sind sehr individuelle Phänomene. Es gibt keine prinzipiell "guten“ oder "bösen“ Lebensmittel. Die Verträglichkeit eines Lebensmittels muss von Person zu Person stets individuell ausgetestet werden.

So kann der Verzicht auf ein bestimmtes Nahrungsmittel bei dem einen Patienten zu einer Besserung des Hautbildes führen, während bei einem anderen Patienten diese Änderung der Ernährungsgewohnheiten zu einer Verschlechterung der Situation oder zu ansonsten vermeidbaren Mangelerscheinungen führen kann.

Willkürlich selbst verordnete Diäten sollten nicht auf eigene Faust in Angriff genommen werden, da sie häufig mehr schaden als nützen. Fehlernährung und emotionale Belastungen sind eine gängige Folge. Vor jeder Diät muss eine adäquate, wissenschaftlich begründete Diagnostik erfolgen.

Eine spezielle Diät sollte stets nur in Absprache mit medizinischem, ernährungswissenschaftlichem und diätetischem Fachpersonal erfolgen.

+++ Mehr zum Thema: Therapie der Neurodermitis +++

Was muss bei der Ernährung bei Neurodermitis beachtet werden?

Im Kindesalter auftretende Allergien können sich im Laufe des Erwachsenwerdens wieder "auswachsen“. Diätetische Massnahmen sind deshalb regelmässig in Abstimmung mit dem behandelnden Allergologen zu hinterfragen und zu überprüfen.

Gängige Lehrmeinung ist derzeit, dass Patienten mit Atopische Dermatitis grundsätzlich alles essen dürfen. Eine ausgewogene Mischkost wird empfohlen. Besteht allerdings der Verdacht auf eine Allergie – wie etwa eine Kuhmilchallergie bei Kleinkindern –, ist diese Vermutung zu beweisen, bevor gänzlich auf dieses Lebensmittel verzichtet wird.

  • Führen eines Beschwerdetagebuchs

Die Dokumentation möglicher Einflussfaktoren in einem eigenen Beschwerdetagebuch kann dem Arzt bei der Diagnose helfen. Dabei sollten Sie folgende Gegebenheiten notieren:

  • Tag und Uhrzeit, wann es zu Hautbeschwerden kommt
  • verschiedene Aktivitäten wie Arbeit, Schule, Sport, Treffen mit Freunden
  • Zeitpunkt und Stimmung wie Ärger, Stress, Freude, Entspannung
  • Zeitpunkt und Art der verzehrten Lebensmittel

Ein so gestaltetes Tagebuch sollte über mindestens 14 Tage oder besser vier Wochen geführt werden. Je detaillierter die Aufzeichnungen sind, desto besser.

Für Kinder bietet es sich an, einen kleinen Wandkalender im Kinderzimmer aufzuhängen, auf dem die Kinder selbst ihre Einträge durchführen können, z.B. mithilfe von Stickern. Dieser Kalender kann dann gemeinsam mit dem Tagebuch, das die Eltern führen, dem Arzt vorgelegt werden.

+++ Mehr zum Thema: Neurodermitis +++

Ernährungstipps für Babys mit und ohne Neurodermitis

Kinder sollten so lange wie möglich (4–6 Monate) gestillt werden. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die natürlichen Bestandteile der Muttermilch, speziell bei Kindern von Atopikern, einem Ausbruch von Atopische Dermatitis oder Erkrankungen des atopischen Formenkreises (allergisches Asthma, Heuschnupfen) vorbeugen können. Neben Muttermilch kann alternativ spezielle hypoallergene Säuglingsnahrung als Ersatz für Muttermilch verwendet werden. Die Produkte sollten stets in Absprache mit Arzt oder Apotheker ausgewählt werden, da nicht jedes Produkt gleich gut geeignet ist.

Mit Ende des 6. Lebensmonats des Kindes sollte mit der Einführung von Beikost begonnen werden. Dabei ist – entgegen der weitverbreiteten Meinung – keine strikte Reihenfolge der eingeführten Lebensmittel einzuhalten.

Auch das Vermeiden allergener Lebensmittel hat keinen vorbeugenden Effekt auf die Entstehung von Allergien. Es wird daher nicht von deren Verzehr abgeraten. Demzufolge können in der Beikost Fisch, Eier oder Nüsse in babytauglicher Zubereitungsform gegeben werden. Nüsse sollten allerdings aufgrund der Einatmungs- und Erstickungsgefahr nur in geriebener Form und vermischt mit Brei gegeben werden.

(Stand der medizinischen Information: Januar 2021)

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Autoren:

Medizinisches Review:
PD Dr. Dr. med. Ahmad Jalili
Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

Leitlinie Neurodermitis; federführende Fachgesellschaft: Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG); Entwicklungsstufe S2k; AWMF-Registernummer: 013-027; letzte Überarbeitung 03/2015; gültig bis 05/2018

Werfel T et al.: Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis. 09/2011
 

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