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Ernährungsmythen

Ernährungsmythos Spinat aufwärmen
Darf man Spinat aufwärmen? Und fördert Schnaps die Verdauung? Die größten Ernährungsmythen im Überblick. (Sarycheva Olesia )

Darf man Spinat aufwärmen? Hilft Schnaps bei der Verdauung? Wir haben uns die populärsten Weisheiten zur Ernährung angesehen - und verraten, was wahr ist und was Mythos.

"Da, trink' ein Schnapser'l, das hilft bei der Verdauung", sagt der Großvater nach dem großen Fressen beim sommerlichen Grillgelage. Der scharfe Alkohol helfe dem Körper dabei, die edel marinierten Grillkoteletts besser in seine Bestandteile zu zerlegen. Aber stimmt das auch? Oder plappert der Volksmund hier nur Mythen nach, die von Mund zu Ohr von Generation zu Generation weitergegeben werden?

netdoktor macht den Faktencheck und deckt die populärsten Ernährungsmythen und Irrtümer auf.

 

Gesund leben ohne Fleisch - vegetarische und vegane Ernährung

Vor nicht allzu langer Zeit waren Vegetarierinnen und Vegetarier als alternative Spinner oder Hippies verrufen. Immer noch wird fleischlose Ernährung mit Mangelerscheinungen in Verbindung gebracht. Mittlerweile zeichnet sich ein Trend ab: vegetarische und vegane Ernährung kommt in Mode. Fast jede zehnte Österreicherin und jeder zehnte Österreicher verzichtet auf tierische Produkte oder zumindest auf Fleisch. Wie gesund der Verzicht aufs Tier wirklich ist, und worauf Vegetarierinnen und Vegetarier achten müssen, ist diesmal Thema beim Poddoktor.

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Hilft Schnaps bei der Verdauung?

Bleiben wir gleich beim Schnaps: Ein Stamperl Hochprozentiges hilft dem Körper angeblich, schwere Kost leichter zu verdauen.

Wahrheit oder Mythos?

Dass Schnaps die Verdauung anregen soll, ist ein Mythos! Streng genommen verlangsamen hochprozentige Alkoholika unsere Verdauung sogar.

Denn: Alkohol geht direkt vom Magen ins Blut über und beeinflusst zudem Areale im Gehirn, die die Verdauung steuern. Der Körper ist somit in erster Linie mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt – wodurch die Verdauung verzögert wird.

Schnaps und Co. rufen nach dem Essen freilich ein wohliges und entspanntes Gefühl nach dem Essen hervor. Dieser Effekt liegt daran, dass Alkohol die Blutgefäße erweitert, was entspannende Wirkung auf die Muskelzellen ausübt.

Da der Magen ebenfalls ein Muskel ist, entspannt sich dieser nach dem Konsum von starkem Alkohol. Mit der Anregung der Verdauung hat das allerdings nichts zu tun - dafür wird langsamer und entspannter verdaut.

netdoktor-Tipp: Greifen Sie nach einer üppigen Mahlzeit besser zu einer heißen Tasse Fenchel-, Salbei-, oder Pfefferminztee. Auch Kaffee oder ein Spaziergang bringen unseren Verdauungsapparat in Schwung.

+++ Mehr zum Thema: Wie super sind die Superfoods? +++

Cholesterin in Eiern - wirklich ungesund?

Spiegelei, Eierspeis', pochiertes Ei: Eier treiben unseren Cholesterinspiegel in ungesunde Höhen. Dadurch wächst das Risiko für Herz und Kreislauf.

Wahrheit oder Mythos?

Eier – besonders das in ihnen enthaltene Eigelb – sind reich an Cholesterin. Genau aus diesem Grund sind sie in Verruf geraten. Ein erhöhter Blutcholesterinspiegel soll das Risiko erhöhen, Herz-Kreislauferkrankungen zu entwickeln und in weiterer Folge einen Herzinfarkt zu erleiden. Jüngere Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass eine cholesterinarme Ernährung den Blutcholesterinspiegel nur gering senkt.

Dagegen hat die vermehrte Aufnahme von Fett mit der Nahrung einen stärkeren Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Überspitzt formuliert sollten Sie daher beim Frühstück eher auf fette Wurst als Ihr geliebtes weiches Ei verzichten.

Denn: Das in unseren Breiten viel verspeiste Hühnerei liefert dem Körper wichtige Nährstoffe. Neben Kalzium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Eisen, Zink, Jod, Fluor und Selen, enthält es die Vitamine A, B2 und B12, D, E sowie Folsäure. Zudem ist es ein wertvoller Eiweißlieferant: Die biologische Wertigkeit des Hühnereis liegt bei 100 Prozent. Das bedeutet, dass aus 100 g Hühnereieiweiß 100 g körpereigenes Eiweiß hergestellt werden kann.

Zudem wirken proteinreiche Lebensmittel sättigend. Der Verzehr von Eiern zum Frühstück fördert Studien zufolge das Sättigungsgefühl - somit wird im Laufe des restlichen Tages weniger gegessen.

netdoktor-Tipp: Die Inhaltsstoffe des Eis machen es zu einem wertvollen Lebensmittel und sind ein wichtiger Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung. Laut österreichischer Ernährungspyramide können Sie - sofern Sie nicht vegetarisch oder vegan leben - zwei bis drei Mal pro Woche Eier verzehren. Wichtig: Achten Sie beim Kauf auf die Herkunft!

++ Mehr zum Thema: Vegetarische & vegane Ernährung - So vermeiden Sie Mängel ++

Ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages?

In der Früh wie ein Kaiser, zu Mittag wie ein König und am Abend wie ein Bettler, wussten schon unsere Großeltern. Anders gesagt: Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.

Wahrheit oder Mythos?

Neben der Tatsache, dass sich diese Einteilung unserer Mahlzeiten mit einem modernen Lebensstil oftmals nicht vereinbaren lässt, hat der Zeitpunkt der Kalorienaufnahme auch keine Auswirkung auf unsere Figur. Denn unserem Körper ist es egal, wann die Kalorien zugeführt werden. Am Ende des Tages zählt die Summe der aufgenommenen Energie.

++ Mehr zum Thema: Energiespender Frühstück ++

Wer einen stressigen Alltag hat, wo kaum Zeit für ein entspanntes und ausgiebiges Frühstück bzw. Mittagessen bleibt, der hat keine andere Wahl: das Abendessen stellt die Hauptmahlzeit des Tages dar. Dabei sollten natürlich die Mengen nicht außer Acht gelassen werden. Ein sehr schweres, energiereiches und ausgiebiges Essen am Abend verursacht Völlegefühl und Magendrücken, was sich negativ auf die Schlafqualität auswirken kann.

netdoktor-Tipp: Stellt auch in Ihrem Leben das Abendessen die wichtigste Mahlzeit des Tages dar? Dann sollten Sie, Ihrem Schlaf zu Liebe, trotzdem versuchen, zwei bis drei Stunden vor dem zu Bett gehen nichts mehr zu essen. So können Sie Einschlaf- bzw. Durchschlafschwierigkeiten entgegenwirken.

Darf ich Spinat und Pilze aufwärmen?

Manche Speisen eignen sich nicht als Rest'l-Essen. Spinat und Schwammerl, heißt es, darf man nicht ein zweites Mal aufwärmen.

Wahrheit oder Mythos?

Teils Wahrheit, teils Mythos: rein von der Hygiene her betrachtet, liegt das Geheimnis in sachgemäßer Kühlung und "korrektem" Erhitzen. Werden Creméspinat und Schwammerlgulasch nach dem Essen gleich in den Kühlschrank verfrachtet und später auf über 70 Grad Celsius erhitzt, ist man auf der sicheren Seite und kann die Speisen bedenkenlos ein zweites Mal genießen. Bei Zimmertemperatur sowie beim Warmhalten gerade bei Pilzgerichten wird die Vermehrung verderbniserregender Keime begünstigt.

netdoktor-Tipp: Verwenden Sie nur frische Pilze und säubern Sie diese vor Verzehr gründlich. Nach der Zubereitung sollten Sie diese im Kühlschrank nicht länger als 24 Stunden lagern. Wenn Sie jedes Risiko vermeiden wollen, greifen Sie auf industriell verarbeitete Pilze – getrocknet, gefroren, vakuumverpackt oder sterilisiert – zurück. Diese Produkte können Sie ohne Bedenken ein zweites Mal erhitzen.

Im Falle des Spinats geht das gesundheitliche Risiko aber nicht nur von den Bakterien aus - auch der Nitratgehalt in der Pflanze spielt eine Rolle. Die Spinatpflanze reichert während des Wachstums größere Mengen Nitrat an. Die Höhe des Gehalts hängt von der Sorte, der Jahreszeit und dem Nährstoffgehalt des Bodens ab. In rohem, zerkleinertem oder auch in gekochtem Spinat, der länger liegt, können Bakterien das Nitrat in Nitrit umwandeln. Aus Nitrit können wiederum im sauren Milieu des Magens Nitrosamine entstehen – und diese Stoffe gelten als krebserregend.

Gekochten Spinat sollte man daher ehebaldigst aufbrauchen. Das einmalige Erwärmen stellt für die Gesundheit keine Gefahr dar (wenn Sie den Spinat sachgemäß gekühlt haben).

Wichtig: Das Wiederaufwärmen des Spinats (auf über 70 Grad Celsius) ist für Erwachsene also unbedenklich. Babys und Kleinkinder sind hingegen weitaus empfindlicher. Denn Nitrit beeinflusst die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren. Es wandelt den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der den Sauerstoff transportiert, in Methämoglobin um.

Methämoglobin kann den Sauerstoff in der Lunge nicht binden, sodass es in weiterer Folge den Körperzellen an Sauerstoff mangelt. Resultat ist die sogenannte Blausucht, bei der es zur inneren Erstickung kommt. Erwachsene verfügen - im Gegensatz zu Babys und Kleinkindern - über ein Enzym, das die Bindung zwischen Nitrit und Hämoglobin relativ rasch lösen kann – es kommt somit zu keinem Sauerstoffmangel.

netdoktor-Tipp: Vitamin C hemmt die Bildung von Nitrosaminen. So ist es nicht nur wegen des Geschmacks empfehlenswert, einen Spritzer Zitronensaft zum Spinat zuzugeben, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht.

Kommt der Bierbauch - nomen est omen - tatsächlich nur vom Bier?

Manch einer trägt ihn mit Stolz, andere haben schwer an ihm zu tragen: der Bierbauch. Aber kommt die so genannte "Wamp'n" wirklich vom exzessiven Genuss des Gerstensaftes?

++ Mehr zum Thema: Hält Bier gesund? ++

Wahrheit oder Mythos?

Wahr ist, dass alkoholische Getränke und somit auch Bier viele leere Kalorien – Alkohol ist kein Nährstofflieferant – liefern. Falsch ist allerdings, dass überschüssige Energie, die durch Alkohol aufgenommen wird, sich nur am Bauch in Form von Fettpölsterchen festsetzt. Wo sich die überschüssigen Pfunde ansetzen, ist teilweise genetisch bedingt. Es handelt sich also auch hier um einen (Teil-)Mythos.

Ein Bierbauch ist nicht nur ästhetisch, sondern auch gesundheitlich kritisch zu sehen. Bauchfett ist besonders stoffwechselaktiv und regt die Bildung von Hormonen und entzündungsfördernden Substanzen an. Die entzündungsfördernden Substanzen sind an der Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen und Typ 2 Diabetes beteiligt. Zudem gilt: Je größer der Taillenumfang, desto höher ist das Risiko für eine ungünstige Relation der Blutfette, erhöhtem Blutdruck und Insulinresistenz.

Bierkonsum alleine macht freilich noch keinen Bierbauch. Neben der genetischen Komponente – eine bestimmte Genvariante des Enzyms ACE (Angiotensin-konvertierendes Enzym) – beeinflusst auch die Ernährung und ein Mangel an Bewegung die Entstehung eines Bierbauchs.

Ein besonderes Risiko besteht zudem für Raucher: Die Wissenschaft vermutet, dass Nikotin die Bildung von tiefliegenden Fettschichten fördert, indem es den Hormonhaushalt beeinflusst.

netdoktor-Tipp: Dass der sogenannte Bierbauch nicht alleine vom Bierkonsum kommt, ist kein Freibrief, literweise Bier zu trinken. Denn die überschüssige Energie setzt sich in jedem Fall an – wo, ist allerdings eine Frage der Veranlagung und des individuellen Lebensstils!

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Quellen


Elmadfa I, Leitzmann C: Vitamin C. In: Ernährung des Menschen. 4. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, 405-415

Heinrich H et al: Effect on gastric function ans dymptoms of drinking wine, black tea, or schnaps with a Swiss cheese fondue: randomised controlled crossover trial. Brit Med J 341 (2010)

Ratliff J et al: Consuming eggs for breakfast influences plasma glucose and ghrelin, while reducing energy intake during the next 24 hours in adult men. Nutr. Res 20(2): 96-103 (2010)

European Food Information Council (EUFIC): Warum wird empfohlen Pilze nicht wieder aufzuwärmen. Gibt es Unterschiede zwischen frischen Pilzen und Dosenpilzen? www.eufic.org/page/de/page/FAQ/faqid/warom-pilze-nicht-aufwarmen/ (abgerufen am 13.06.2014)
 

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