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Scheidenflora und Scheidenmilieu

Scheidenflora
Als Scheidenflora wird die natürliche Keimbesiedelung der Scheide genannt. (Barabasa / Shutterstock)

Als Scheidenflora wird die natürliche Keimbesiedelung der Scheide genannt. Sie reguliert das Milieu der Scheide und erfüllt wichtige Funktionen in der Abwehr von Krankheitserregern.

In der Scheide befindet sich eine Vielzahl an Mikroorganismen, die eine wichtige Schutzfunktion haben: Sie schützen die Vagina vor krankmachenden Keimen. Die Zusammensetzung dieser Mikroorganismen ist in einer gesunden Scheide in einem ausgewogenen Gleichgewicht. Gewinnt ein Bakterium oder ein Pilz die Überhand, kippt dieses Gleichgewicht, und die Scheide erkrankt.

Milchsäurebakterien

Im normalen Scheidensekret findet sich neben Schleimhautzellen auch eine Vielzahl an Bakterien (ca. 100 Millionen Keime pro Milliliter). Bei diesen ansässigen (autochthonen) Bakterien handelt es sich in erster Linie um Milchsäurebakterien (Lactobazillen). Diese gedeihen in der nahezu eisenfreien Umgebung der Scheide besser als die meisten anderen Keime. Lactobazillen setzen den aus den Zellen der Vagina stammenden Zucker in Milchsäure (Laktat) um und bewirken dadurch eine Absenkung des pH-Wertes in der Scheide. Ein niedriger pH-Wert wiederum ist kein guter Nährboden für andere Keime, sie werden dadurch in Schach gehalten.

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Der pH-Wert der Scheide

Im Normalfall liegt der pH-Wert der Scheide durch das Laktat der Milchsäurebakterien unter 4,5 und damit deutlich unter dem pH-Wert unserer Haut, der etwa 5,5 beträgt.

Dieses saure Milieu der Scheide ist für die Vermehrung der meisten anderen Keime (abgesehen von Milchsäurebakterien) ein denkbar ungünstiges Umfeld. Ein niedriger Scheiden-pH ist somit einen wirksamen Schutz gegen die Besiedelung der Scheide durch Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Einzeller (Protozoen) dar.

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Die meisten Milchsäurestämme bilden neben Laktat noch weitere Stoffe, die das Wachstum von konkurrierenden Keimen hemmen, wie etwa Wasserstoffperoxid oder antibiotisch wirksame Eiweißmoleküle. In den meisten Fällen finden sich im Scheidensekret von gesunden Frauen fünf bis acht verschiedene Stämme von Milchsäurebakterien. Die genaue Zusammensetzung der in der Scheide ansässigen Stämme kann allerdings von Frau zu Frau stark variieren.

Transiente Keime

Neben den dominierenden Milchsäurebakterien kann man in einem gesunden Scheidenmilieu meist noch weitere Bakterienarten, wie etwa Streptokokken, Staphylokokken oder Enterobakterien, finden - wenngleich in deutlich geringerem Ausmaß. Darüber hinaus können auch geringe Mengen von Pilzen gefunden werden. Weil solche Keime aber nicht dauerhaft in der Scheide ansässig sind, spricht man in diesen Fällen von einer transienten, also vorübergehenden Besiedelung.

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Hormonell bedingte Veränderungen der Scheidenflora

Die Zusammensetzung der Scheidenflora ist im Laufe des Lebens hormonbedingten Veränderungen unterworfen. Da es unter dem Einfluss von Östrogenen zu einer Erhöhung des Zuckergehaltes in der Scheide kommt, finden die Lactobazillen bei hohen Östrogenwerten ideale Bedingungen für ihre Vermehrung vor. Sie stehen somit indirekt unter dem Einfluss dieser Hormone.

  • Vor der Pubertät

Vor der Pubertät, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die Eierstöcke noch keine Östrogene abgeben, weisen Mädchen eine Keimbesiedelung der Scheide auf, die in etwa jener der normalen Haut entspricht.

  • Während bzw. nach der Pubertät

Erst mit dem Einsetzen der Östrogenproduktion durch die Eierstöcke in der Pubertät kommt es zu einer bleibenden Besiedelung der Scheide durch Milchsäurebakterien.

  • Weiblicher Zyklus

Auch während des monatlichen Zyklus der Frau kommt es zu charakteristischen Schwankungen in der Zusammensetzung der Scheidenflora, wobei sich die Laktobazillen vor allem in der ersten Hälfte des Zyklus (follikuläre Phase) besonders stark vermehren können.

  • Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft bleibt die Zusammensetzung der Scheidenflora weitgehend stabil. Der pH-Wert der Scheide kann jedoch ansteigen, weswegen regelmäßige Kontrollen anzuraten sind, um mögliche Infektionen rechtzeitig erkennen zu können.

  • Nach dem Wechsel

Nach der Menopause kommt es durch den Abfall des Östrogenspiegels wieder zu einer Veränderung in der Zusammensetzung der Scheidenflora. Die Milchsäurebakterien müssen einer bakteriellen Besiedelung weichen, die jener der Haut vergleichbar ist.

Veränderung der Scheidenflora durch äußere Einflüsse

  • Einnahme von Antibiotika

Die Einnahme von Antibiotika – insbesondere durch sogenannte β-Laktam-Antibiotika wie Penicillin – kann es zu Veränderungen der Scheidenflora kommen. Grund dafür liegt in der Wirkungsweise einiger antibiotischen Stoffe: Sie richten sich nicht nur gegen die eigentlich zu bekämpfenden Bakterien, sondern vermindern auch die Anzahl an Milchsäurebakterien in der Scheide.

Allerdings beeinflussen nicht alle Antibiotika die natürliche Flora der Scheide. Metronidazol zum Beispiel zeigt in der Regel kaum bis keine Wirkung auf die Milchsäurebakterien der Scheide.

  • Einnahme von Hormonen

Auch Hormonpräparate (z.B. die Pille) können sich auf die Scheidenflora auswirken.

  • Übermäßige Hygiene

Weiters kann das saure Scheidenmilieu auch durch übertriebene Hygienemaßnahmen gestört werden. Besonders der Einsatz von Seifen im Genitalbereich oder die Anwendung von Intimsprays können der Scheidenflora zusetzen. Zur Reinigung des äußeren Genitales ist Wasser völlig ausreichend. Scheidenspülungen gilt es generell zu unterlassen. Eine gesunde Scheide reinigt sich von selbst!

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  • Feuchte, warme Umgebung

Eine feuchte und warme Umgebung verstärkt das Wachstum von Keimen. Man sollte daher darauf achten, den Intimbereich stets gut abzutrocknen und nach Möglichkeit keine synthetische Unterwäsche zu tragen. Letztere kann den Schweiß besonders schlecht an die Umgebung abgegeben - eine ideale Umgebung für das Wachstum von krankheitserregenden Pilzen und Bakterien ist die Folge.

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  • Andere Erkrankungen

Auch im Zuge von Erkrankungen wie etwa bei Diabetes oder im Rahmen einer Immunschwäche können Veränderungen der Scheidenflora auftreten. Im Falle von häufigen Pilzinfektionen der Scheide sollte daher immer eine Abklärung auf möglicherweise zugrundeliegende Erkrankungen erfolgen.

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Quellen

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