Piercings

Piercings sind längst nicht mehr "Ultra-Ausgeflippten" vorbehalten, sondern seit den 90er-Jahren zum trendigen Körperschmuck avanciert.

Vor allem das Tragen von Metall-Schmuckstücken im Intimbereich wird immer mehr als eine Möglichkeit angesehen, individuelle Akzente der besonderen Art zu setzen bzw. eine neue Form der Lust zu entdecken.

++ Mehr zum Thema: Intimpiercings ++

Wie werden Piercings durchgeführt?

Heutzutage kommen entweder Hohlrund-Nadeln, die anschließend gereinigt und desinfiziert werden müssen, oder Einmal-Nadeln zur Anwendung. Die Einweg-Nadeln sind meist schärfer, wodurch der Stichkanal präziser gestochen werden kann. Das Gewebe wird glatt durchdrungen und die Wunden heilen besser. Dadurch, dass die Nadel hohl ist, wird ein Kanal gestochen - praktisch ausgestanzt.

Die ersten eingesetzten Schmuckstücke sollten aus Titan-Legierungen bestehen und eine völlig glatte Oberfläche aufweisen. Durch die Einlage wird der Stichkanal offen gehalten und in der Folge beginnt der Organismus die Oberfläche im Stichkanal mit Haut auszukleiden (Epithelisierung). Nickelhaltige Piercings - dazu gehört auch Chirurgenstahl - dürfen anfangs nicht verwendet werden. Neuere Materialien werden häufig mit Titan - das sich bereits in der Chirurgie bewährt hat - kombiniert.

Um Wund-Infektionen und die Übertragung von Krankheiten wie HIV und Hepatitis zu vermeiden, sind strenge Hygiene-Richtlinien zu berücksichtigen. Zudem werden dadurch auch Entzündungsreaktionen nach dem Piercen vermindert.

Wie ist die Rechtslage beim Piercing? 

Ein Piercing ist durchaus mit einem operativen Eingriff vergleichbar. Prinzipiell gehört das Piercen in die Hand eines Arztes. Die Rechtslage ist dahingehend jedoch noch nicht geklärt. Im eigentlichen Sinne stellt Piercing eine vorsätzliche Körperverletzung dar und ist nur deshalb straffrei, weil die betreffende Person in den Eingriff einwilligt (schriftliche Einverständniserklärung). Der Einwilligung muss eine Aufklärung über die Risken vorausgehen. Unabdingbare Voraussetzung ist die Urteilsfähigkeit des Klienten. Jugendliche unter 18 Jahren benötigen die Einwilligung der Erziehungsberechtigten, bei unter 16-Jährigen müssen die Eltern mitunter beim Piercen sogar anwesend sein.

Wie pflegt man Piercings?

Bei der täglichen Pflege muss sehr gründlich vorgegangen werden, gewaschene Hände sind unbedingte Voraussetzung. Bis zum Ende der Abheilungsphase darf die Stichstelle ansonsten nicht berührt werden. Reine Haut-Piercings sollten zu Beginn mit Hautdesinfektionsmittel, danach - in den ersten ein bis zwei Monaten - nur mit Wasser und milder Seife gereinigt werden. Öffentliche Bäder und Seen sowie Sauna und Dampfbad etc. sind in der Anfangsphase eher tabu.

Piercings im Mundbereich müssen anfänglich mehrmals am Tag gereinigt werden. Hierzu eignen sich Kamille-Spülungen oder spezielle medizinische Lösungen. Zigaretten, Alkohol, saure oder salzige Speisen sollte man eher meiden. Auf Küssen und Oralsex muss in der ersten Zeit ebenfalls verzichtet werden.

Gepiercte Körperstellen bedürfen auch nach der Heilung entsprechender Pflege, da sich in den Stichkanälen abgestorbene Hautzellen, Talg- und Schweißreste etc. ansammeln. Deshalb sollte man die Schmuckstücke regelmäßig herausnehmen und reinigen. Der Stichkanal ist gesondert zu säubern.

Wie lange dauert die Heilung eines Stichkanals?

Die Heilung ist abhängig von der Stelle des Piercings. Hinzu kommen individuelle Veranlagung, Lebensstil, Umwelteinflüsse und Pflege des Schmuckstückes. Grundsätzlich darf dieses während der gesamten Heilungsdauer nicht entfernt werden. Der Stichkanal wird während der Heilphase von außen nach innen mit Haut überzogen. Dieser Vorgang dauert abhängig von Gewebeart und -dicke unterschiedlich lang.

Wer sollte auf Piercings verzichten bzw. wann ist besondere Vorsicht geboten?

Bei angeborenen Herzfehlern oder operierten Herzklappen besteht bei allen Eingriffen im Körper das Risiko einer Entzündung der Herzinnenwand, einer so genannten Endokarditis. Deshalb ist, wenn man nicht von einem Piercing absehen möchte, unbedingt eine Vorbeugung mittels Antibiotika zu empfehlen.

Durch einen Fallbericht von Dr. Ochsenfahrt, Abt. Herzchirurgie der Universitätsklinik Ulm, wird dies sehr deutlich: Ochsenfahrt beschreibt den Fall eines jungen Mannes mit operierten Herzklappen, der sich ein Brustwarzen-Piercing stechen ließ. Durch eine lokale, entzündliche Reaktion breitete sich die Infektion auf die Herzklappen aus, so dass ein erneuter Klappenersatz notwendig wurde.

Bei Menschen mit geschwächter Abwehrlage oder einer Neigung zu Entzündungen sollte ebenfalls vorsichtig vorgegangen werden. Zu dieser Risiko-Gruppe zählen beispielsweise Diabetiker bzw. Patienten, die regelmäßig Kortison verwenden, etc. Im Zweifelsfall ist es ratsam, sich vor dem Piercing mit einem Arzt zu besprechen. Die Wahl der Piercing-Stelle sollte in den genannten Fällen erst nach äußerst kritischer Beurteilung getroffen werden. Auch bei der Einnahme bestimmter Medikamente - z. B. zur Hemmung der Blutgerinnung - darf ein Piercing nicht ohne weiteres gesetzt werden.

Aus einer Studie des Dermatologen Dr. A. Ehrlich, Kansas City, USA, geht hervor, dass die Häufigkeit von Nickel-Allergien bei Männern in Abhängigkeit von der Anzahl der Piercings ansteigt.

Bauchnabel-Piercing

Dieses Piercing wird in Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) gestochen. Die vollständige Heilung kann bis zu sechs Monate (in Extremfällen auch länger) in Anspruch nehmen. Besonderer Nachteil: Bauchspiegelungen (Laparoskopien) sind nicht oder nur mehr erschwert möglich.

Piercing der Lippen bzw. des Lippenbands

Die Einlage ist einfach und schnell. Im Normalfall verläuft im Mundbereich die Heilung sehr rasch. Bei Lippenringen kann dies jedoch bis zu sieben Wochen dauern. Zu beachten ist, dass Piercings im Mundbereich mitunter Zahnfleisch-Reizungen und Zahnschäden hervorrufen.

Zungen-Piercing

Diese Piercings heilen schnell. Der Stichkanal ist meist innerhalb von ein bis drei Wochen epithelisiert - also mit Haut ausgekleidet.

Brustwarzen-Piercings

Gepierct wird unter lokaler Betäubung oder Vereisung. Völlige Schmerzfreiheit kann dadurch bei dieser Körperpartie jedoch nicht garantiert werden. Zu beachten ist außerdem, dass bei Frauen Verletzungen der Milchgänge verursacht werden können, die in weiterer Folge eventuell Probleme beim Stillen bereiten. Die Heilung erfolgt innerhalb einiger Monate, kann jedoch in Einzelfällen auch bis zu einem Jahr dauern. Der Stichkanal verläuft entweder horizontal oder vertikal durch die Brustwarze. Es besteht aber auch die Möglichkeit durch den Brustwarzenvorhof zu stechen. Die gepiercte Brustwarze nimmt an Größe zu.

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