Der Aufguss ist keine Notwendigkeit

Im Winter erfreut sich die Sauna besonderer Beliebtheit. Das Wechselspiel aus Wärme und Abkühlung tut Körper und Gemüt gut, stärkt die Abwehrkräfte und rundet so manchen Schitag ab. Um von der Sauna gesundheitlich zu profitieren und etwaige Gefahren zu vermeiden, sollte man einige Regeln kennen. Welche das sind, erklärt Saunaexperte ao. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Marktl im Interview mit NetDoktor.at.

Frage: Was bringt einem gesunden Menschen der Saunabesuch?

Marktl: Es gibt verschiedene medizinische Indikationen für die Sauna. Dazu gehört die sogenannte Abhärtung, dass man also durch die ständigen starken Temperaturwechsel das Immunsystem und die Abwehrleistung des Körpers fördern kann. Das Wechselspiel aus Heiß und Kalt führt dazu, dass sich die Gefäße abwechselnd zusammenziehen und erweitern. Das ist eine Art Gefäßtraining.

Saunieren kann aber auch bestimmte chronische Erkrankungen der Atemwege lindern, weil die Atemwege erweitert werden. Und es hilft bei bestimmten Erkrankungen des Bewegungsapparates, zum Beispiel bei chronisch degenerativen Arthrosen. Denn die Wärme führt zu einer Auflockerung des Gewebes, die Gelenksfunktion verbessert sich, die Muskeln werden weicher. Nicht zuletzt dient die Sauna dem Stressabbau und ist erholungsfördernd.

Frage: Wer darf überhaupt in die Sauna gehen - und wer nicht?

Marktl: Die Finnen sagen: "In die Sauna kann gehen, wer in die Sauna gehen kann." Für gesunde Menschen gibt es eigentlich keine Einschränkungen, auch kranke Menschen dürfen mit Vorbehalt saunieren. Tabu ist die Sauna bei akuten entzündlichen Erkrankungen, die sich durch die Wärme verstärken können - dazu zählen fieberhafte Erkrankungen und Gelenksentzündungen.

Allerdings kann man die Sauna präventiv verwenden: Wenn man das Gefühl hat, einen Schnupfen oder einen grippalen Infekt auszubrüten, kann man versuchen, das mithilfe der Sauna aufzufangen. Wenn der grippale Infekt oder die Entzündung bereits ausgebrochen ist, sollte man nicht in die Sauna gehen. Außerdem verbietet sich Saunieren bei allen sogenannten dekompensierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Sauna erfordert ein intaktes Kreislaufsystem. Wenn mein Herz seiner Pumpleistung nicht mehr optimal nachkommen kann, sollte der Arzt entscheiden, ob ich in die Sauna darf oder nicht. Im Allgemeinen empfiehlt sich da eher Zurückhaltung.

Frage: Worauf sollten Menschen mit Kreislaufproblemen beim Saunieren achten?

Marktl: Das Wesentliche bei der Sauna ist die Wechselwirkung zwischen starken Wärmereizen und Abkühlung. Bei korrektem Saunieren erreichen wir Temperaturerhöhungen im Körperinneren um ungefähr zwei Grad, bis hin zu maximal 40 Grad Celsius.

Probleme entstehen aber weniger durch die Wärme als durch falsches Abkühlen: Das Eintauchen ins kalte Tauchbecken führt zu einer extremen Erhöhung des Blutdrucks, den ein gesunder Mensch gut aushält. Ein Mensch mit Bluthochdruck oder einem labilen Kreislauf sollte diese Art der Abkühlung aber nicht durchführen. Er sollte lieber nur an der kühlen Luft herumgehen.

Frage: Wie oft sollte ein gesunder Mensch in die Sauna gehen?

Marktl: Optimal wäre einmal pro Woche - regelmäßig über Monate oder Jahre. Öfter schadet nicht, man kann im Prinzip auch jeden Tag gehen. Einmal im Monat ist ein bisschen wenig, und zwar deshalb, weil ja nicht der Akuteffekt der Sauna entscheidend ist, sondern die wiederholte Anwendung. Wer einmal monatlich sauniert, erreicht auf diese Weise keinen medizinisch therapeutischen Effekt.

Frage: Wie viele Saunagänge sollte man pro Besuch durchführen?

Marktl: Optimal sind drei Saunagänge pro Aufenthalt. Mehr bringt eigentlich nichts. Es spielen aber natürlich individuelle Gesichtspunkte eine Rolle, wenn jemandem zwei Durchgänge reichen, ist das auch gut. Man erlebt in der Sauna immer wieder Leute mit Rekordvorstellungen, denen es darum geht, die Zeit möglichst gut auszunutzen. Wer aber bei jedem Aufguss dabei ist und keine vernünftige Abkühlung praktiziert, hat das Prinzip der Sauna nicht verstanden.

Frage: Sie meinen Menschen, die immer erst kurz vor dem Aufguss mit dem Durchgang beginnen?

Marktl: Nur zum Aufguss in die Sauna zu gehen, weil das ja so spektakulär und heiß ist, ist aus gesundheitlicher Sicht abzulehnen. Man muss dem Organismus die Möglichkeit geben, sich langsam an die Hitze zu gewöhnen. Eine Aufenthaltsdauer von 12 bis 15 Minuten hat sich empirisch bewährt, denn das ist in etwa die Zeit, die der Körper braucht, um seine Regulationen gestalten zu können. Gesundheitlich gesehen ist der Aufguss keine Notwendigkeit. Aber er ist ganz nett, weil durch die subjektive Erwärmung die Abkühlprozedur im Anschluss angenehmer ist.

Frage: Ein voller Bauch sauniert nicht gerne. Wie lange sollte man vor dem Saunieren nichts essen - und wie viel während eines Saunabesuchs trinken?

Marktl: Mit einem allzu vollen Bauch würde ich nicht in die Sauna gehen. Denn während wir verdauen, zieht sich das Blut in den Verdauungstrakt zurück. Wir brauchen es aber in der Sauna für die Durchblutung der Haut und der Muskulatur.

Man sollte daher zwei, drei Stunden vor der Sauna eine leichte Mahlzeit zu sich nehmen. Mit ganz leerem Magen zu saunieren ist allerdings auch nicht gut, weil man dann eine Kreislauflabilität riskiert. Die Sauna ist übrigens keine Gewichtsregulierungsmaßnahme, der Gewichtsverlust ist reiner Flüssigkeitsverlust. Man verliert zwei bis drei Liter Flüssigkeit bei einem Saunabesuch. Das sollte man ersetzen, am besten durch Wasser und verdünnte Fruchtsäfte.

Frage: Alkoholische Getränke haben in der Sauna vermutlich nichts verloren.

Marktl: Alkohol verbietet sich deshalb, weil er sehr stark gefäßerweiternd wirkt. Wer in der Sauna Alkohol trinkt, riskiert einen Kreislaufkollaps, weil die Blutgefäße in der Körperperipherie, in der Haut, stark aufgehen, und der Blutdruck in Folge stark abfällt.

Frage: Was ist von Aufgüssen mit Alkohol zu halten?

Marktl: Alkohol in jeder Form ist in der Sauna tabu. Er verdunstet beim Aufguss sehr schnell, wird durch die Schleimhäute des Atmungstraktes aufgenommen und wir haben eine Alkoholwirkung im Inneren des Körpers. Er ist in der Sauna also eindeutig abzulehnen - als Getränk wie als Aufguss.

Frage: Sport und Sauna sind dagegen eine günstige Kombination. In welcher Reihenfolge?

Marktl: Vor dem Saunagang zu sporteln ist gut, denn durch die körperliche und muskuläre Betätigung werden in den Muskeln Stoffwechselsubstanzen wie Milchsäure angehäuft. Die anschließende Wärme bewirkt eine Verbesserung der Muskeldurchblutung, die diese Stoffwechselsubstanzen schneller aus dem Muskel entfernt.

Das ist einer der Hauptgründe, warum Profisportler nach Wettkampf oder Training in die Sauna gehen. Sich nach dem Saunieren körperlich anzustrengen, ist nicht empfehlenswert, weil man dadurch den Erholungseffekt zunichtemacht.

Frage: Wie beurteilen Sie die Verwendung ätherischer Öle?

Marktl: Düfte können den Erholungseffekt der Sauna verstärken. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber im Prinzip braucht man sie nicht.

Frage: Viele Wellnessresorts und -hotels bieten neben der klassischen finnischen Sauna auch Dampfbäder, weniger heiße Kräutersaunen und ähnliches mehr. Was halten Sie vom "Hopping" zwischen diesen Einrichtungen?

Marktl: Das ist Wellness und Freizeitspaß, bringt aber eigentlich keinen gesundheitlichen Mehrwert. Die klassische Sauna hat klare Indikationen, einen klaren Ablauf, dazu gibt es eine Menge an wissenschaftlichen Untersuchungen. Der Rest ist Freizeitvergnügen.

Der Mensch liebt die Wärme, wenn es dann noch duftet und vielleicht leise Musik ertönt, fühlen wir uns wohl. Dagegen ist nichts einzuwenden. Einen gesundheitlich besonders positiven Nutzen hat das wie gesagt nicht, aber das muss ja nicht immer sein.

 

Danke für das Interview.

Zur Person: Ao. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Marktl leitet das Boltzmann-Institut zur Erforschung physiologischer Rhythmen in Bad Tatzmannsdorf.

zu Webseite des Ludwig-Botzmann-Institutes

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