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Weiße Finger und Zehen bei Kälte: Was kann das sein?

weiße Finger, Kälte
Die Symptome können auf das Raynaud-Phänomen hindeuten. (pepifoto / iStockphoto)

Frage: Ich bekomme von der Kälte weiße Finger und Zehen. Welche Ursache kann das haben?

Antwort: Eine anfallsartig auftretende, häufig durch Kälte getriggerte Weißverfärbung der Finger- oder Zehenabschnitte wird als Raynaud-Phänomen bezeichnet. Der Mechanismus dahinter ist eine krampfartige Anspannung der Gefäßmuskulatur, die zu einer Einschränkung der Durchblutung führt. Auf pathophysiologischer Ebene kommt es zu Verschiebungen im Gleichgewicht zwischen gefäßerweiternden und gefäßverengenden Botenstoffen. Medizinisch lässt sich hierbei ein sogenanntes primäres von einem sekundären Raynaud-Phänomen unterscheiden.

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Das primäre Raynaud-Phänomen zeigt ebendiese Krämpfe in der Gefäßmuskulatur, ausgelöst durch einen externen Kältereiz oder emotionale Stresssituationen. Es findet sich eine meist symmetrisch auftretende Abblasung der betroffenen Hautpartien, die bei Wiedererwärmung auch deutlich rot oder sogar bläulich werden können. Schmerzen werden häufig auch bei Wiedererwärmung verspürt. Diese Erscheinungen treten ohne Hautdefekte auf. Hingegen tritt das sekundäre Raynaud-Phänomen im Rahmen verschiedener zugrunde liegenden Erkrankungen auf und ist auch mit der Möglichkeit von durchblutungsbedingen Hautdefekten verknüpft.

Eine ausführliche Anamnese ist im Abklärungsprozess wichtig, da diese Anhaltspunkte für das Vorliegen einer sekundären Variante ergeben können. Erfragt werden soll Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens, gesamte Dauer der Erkrankung und Ausprägung der Gefäßmuskelkrämpfe, sowie allfällige anfallsauslösende Ursachen und eingenommene Medikamente sowie konsumierte Genussmittel (Kaffee, Nikotin, Drogen, etc.). Auch die Berufsanamnese ist wichtig. Wiederkehrende Vibrationstraumen wie beispielsweise bei Handwerkern (Bohrmaschine, Rasenmäher oder Presslusthammer) werden oftmals übersehen.

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Die klinische Untersuchung umfasst neben einer klinischen Inspektion von Händen und Füßen und Erhebung des Pulsstatus auch die Durchführung von Provokationsmanövern (Kompressionstests, oder Kälteexposition).

Die apparative Diagnostik besteht aus oszillographischen und/oder plethysmographischen Untersuchungen, der farbkodierten Duplexsonographie und der gegebenenfalls einer Thermographie. Die Vornahme einer Thermographie, mit deren Hilfe die Oberflächentemperatur auch exakt bestimmbar und farblich markiert sichtbar gemacht wird, ist meist spezialisierten Zentren vorbehalten. Ähnlich hält es sich mit der mikroskopischen Darstellung und Beurteilung der Gefäße im Nagelfalzbereich. Anhand einer sogenannten Kapillarmikroskopie können morphologische Veränderungen als Zeichen einer zugrunde liegenden Erkrankung festgestellt werden. Zusätzlich ist noch eine Blutanalyse mit diversen immunologischen Parametern (Lupus-Ak, ANCAs, ANAs inkl Subsets La, Ro, SCl-70, Jo1, etc.) sinnvoll.

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Die Therapie des Raynaud-Phänomens muss im Hinblick auf die Genese kategorisiert werden. Bei Patienten mit einem primären Raynaud-Phänomen, wo ja keine grundlegende Erkrankung behandelt werden kann, sind allgemeine Empfehlungen, wie Schutz vor Kälte und Nässe auszusprechen. Tätigkeiten, die mit stärkeren Vibrationen (im Extremitäten Bereich verknüpft sind dann ebenso zu meiden. Die Anwendung von Salben und Tinkturen ist nur eingeschränkt systematisch untersucht worden und muss von Fall zu Fall evaluiert und empfohlen werden. Gefäßerweiternde Medikamente wurden studientechnisch untersucht und können im Bedarfsfall erwogen werden. Blutdruckmedikamente wie Kalzium-Antagonisten oder auch Blocker des RAAS führen zu einer Gefäßerweiterung. Deren Einsatz ist jedoch häufig dadurch limitiert, dass betroffene Patienten meist eher einen niedrigen Blutdruck haben und somit von diesem Therapieansatz nicht relevant profitieren.

Intravenöse Infusionsserien mit gefäßaktiven Medikamenten (Prostanoiden, etc.) sind Patienten mit einem sekundären Raynaud-Phänomen vorbehalten und meist auch erst dann, wenn schon tropische Läsionen vorhanden sind, oder im Entstehen sind. Die prophylaktische Gabe hat sich als nicht-effektiv erwiesen im Hinblick auf das Auftreten von Gewebsdefekten, da diese Substanzen meist sehr flüchtig wirken und somit leider keinen Langzeiteffekt haben.

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