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Übelkeit in der Schwangerschaft

Viele Frauen sind von Schwangerschaftsübelkeit betroffen.
Mehr als die Hälfte aller schwangeren Frauen leidet in den ersten Wochen der Schwangerschaft unter Übelkeit. (g-stockstudio / iStockphoto)

Viele Frauen kämpfen während der Schwangerschaft mit Übelkeit – bis zu einem gewissen Ausmaß ist Schwangerschaftsübelkeit völlig normal. Bei mehr als der Hälfte aller schwangeren Frauen tritt die Übelkeit morgens auf, kann aber auch den ganzen Tag über anhalten.

Kurzfassung:

  • Etwa 25% aller Schwangeren sind von Übelkeit betroffen, 50% haben zusätzlich Erbrechen.
  • Verschiedene Ursachen können zu Schwangerschaftsübelkeit führen.
  • Erbricht eine Schwangere mehrmals täglich und kann keine Flüssigkeit oder Nahrung bei sich behalten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.
  • Präparate wie Vitamin B6 oder Ingwerkapseln können die Übelkeit lindern.

Übelkeit in der Schwangerschaft wird auch als "Morgenübelkeit" bezeichnet, wobei die meisten Schwangeren den ganzen Tag die Beschwerden haben. Oft machen sich die Anzeichen bereits bemerkbar, obwohl noch gar kein Schwangerschaftstest vorliegt. Die Beschwerden beschränken sich meist auf das erste Schwangerschaftsdrittel – in seltenen Fällen können sie während der ganzen Schwangerschaft bestehen bleiben. Häufig kommt es zusätzlich auch zu Erbrechen (Emesis). 

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Welche Ursachen können zu Schwangerschaftsübelkeit führen?

Weshalb es in der Schwangerschaft zu Übelkeit und Erbrechen kommen kann, ist noch nicht restlos geklärt. Mehrere Faktoren werden diskutiert:

  • Hormone (höherer hCG- und Prostaglandin-Spiegel)
  • verminderte Muskelspannung am Mageneingang
  • Vitamin-B6- und Zink-Mangel
  • gesteigerte Geruchsempfindlichkeit
  • Stress

Auch gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen schwerem Erbrechen und einer Infektion mit Helicobacter pylori, weswegen bei fehlendem Ansprechen auf Medikamente nach einer solchen Infektion gesucht werden sollte. Auch ein höheres Alter der werdenden Mutter, Beschwerden in vorhergehenden Schwangerschaften sowie Mehrlingsschwangerschaften gelten als Risikofaktoren für schwere Übelkeit und Erbrechen.

Nicht zuletzt dürften eine genetische Veranlagung sowie auch psychische Faktoren eine Rolle spielen.

Können Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen gefährlich sein?

Erbricht die Schwangere öfter als fünfmal täglich und kann gar keine Nahrung bei sich behalten, spricht man von einer Hyperemesis gravidarum. Frauen mit dieser schweren Form der Schwangerschaftsübelkeit brauchen eine ärztliche Therapie, denn unbehandelt kann dies schwere Folgen für Mutter und Kind haben.

Durch häufiges Erbrechen kommt es zu einem hohen Verlust an Flüssigkeit, Salz oder Nahrung. In ernsten Fällen kann der Körper austrocknen. Auch wenn die Schwangere nicht Wasser lassen kann, einen trockenen Mund und trockene Lippen bekommen hat, sollte ein Arzt verständigt werden.

+++ Mehr zum Thema: Hyperemesis gravidarum +++

Ansonsten müssen sich werdende Mütter deshalb keine Sorgen machen: Übelkeit und Erbrechen galten zwar früher fälschlicherweise als ungünstige Prognosezeichen. Doch tatsächlich ist dadurch weder die Frühgeburten- noch die Fehlbildungsrate erhöht. Auch dafür, dass das Fehlen dieser Symptome mit einer ungünstigen fetalen Entwicklung einhergehe – wie zwischenzeitlich spekuliert wurde – gibt es keinen Beleg.

Übelkeit: Wann sollten Schwangere einen Arzt aufsuchen?

Bei folgenden Anzeichen sollte eine werdende Mutter, die Schwangerschaftsübelkeit hat, ihren Gynäkologen aufsuchen:

  • Bei Erbrechen mehr als 3-4 Mal pro Tag
  • Wenn das Erbrochene blutig ist oder wie Kaffeesatz aussieht.  
  • Wenn die Schwangere mehr Flüssigkeit verliert, als sie aufnehmen kann.
  • Gewichtsverlust

Wie erfolgt die Behandlung von Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen?

In leichteren Fällen von Übelkeit und Erbrechen kann durch Verhaltensänderungen sowie durch natürliche Mittel eine Besserung der Beschwerden erreicht werden.

  • Präparate wie Vitamin B6 (Pyridoxin) oder Ingwerkapseln können gegen Übelkeit helfen, sollten aber nur nach Absprache mit dem Gynäkologen eingenommen werden.
  • Um einer durch mehrmaliges Erbrechen verursachten Austrocknung vorzubeugen, muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. In schweren Fällen müssen die Wassermengen durch die Vene (intravenös) zugeführt werden.
  • Bei einer sogenannten katabolen Stoffwechsellage werden die Fettreserven im Körper verbraucht. In diesem Fall muss ebenfalls eine Therapie im Krankenhaus erwogen werden. Man erkennt diese Situation durch den Nachweis von Ketonkörpern im Urin, also Fettabbauprodukte. Diese sollen eine ungünstige Wirkung auf das Kind in der Gebärmutter haben. 
  • Auch Akupressur/Akupunktur, Shiatsu oder Yoga für Schwangere können zu einer Besserung beitragen. Wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit gibt es allerdings nur zur Akupressur. Es konnte gezeigt werden, dass eine Aktivierung des Punktes P6 (Neiguan-Punkt) am Handgelenk durch das Tragen eines speziellen Akupressurbandes die Beschwerden lindern kann.

Was können Schwangere sonst noch gegen Übelkeit tun?

  • Ausreichend Wasser, verdünnten Fruchtsaft oder Kräutertee trinken
  • Stress vermeiden und Ruhepausen einhalten
  • Alle 2–3 Stunden kleine, kohlenhydratreiche, fettarme Mahlzeiten essen
  • Stark gewürzte Speisen meiden
  • Morgens vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit essen (trockene Kekse, Zwieback, Weißbrot)
  • Nach dem Essen sitzen bleiben, nicht hinlegen (hinlegen ist nicht gut, weil bei Reflux die Schmerzen und Übelkeit im Liegen verstärkt werden)
  • Gerüche vermeiden, die Übelkeit auslösen
  • Regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft
  • evtl. die Einnahme von Eisentabletten pausieren (nur nach Rücksprache mit dem Arzt)

+++ Noch mehr Tipps gegen Übelkeit in der Schwangerschaft +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Mag. Dr. med. Micha Bitschnau
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Aktualisiert am:
Quellen

British Medical Journal (BMJ); https://www.bmj.com/content/363/bmj.k5000 (letzter Zugriff 20.04.2020)

Patienteninformation „Morning Sickness“ der British Medical Journal (BMJ) Group; clinicalevidence.bmj.com/x/pdf/clinical-evidence/en-gb/summary/532566.pdf (letzte Aktualisierung: Oktober 2012)

Guideline „Nausea and vomiting of pregnancy“ des American College of Obstetricians and Gynecologists 2004; www.guideline.gov/content.aspx?id=10939 (letzte Aktualisierung: Juni 2009)

Hyperemesis/Emesis gravidarum. Information des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin; www.embryotox.de/hyperemesis_gravidarum_emesis_gr.html (letzte Aktualisierung: März 2012)

Festin M: Nausea and vomiting in early pregnancy. Clinical Evidence 2009; 06: 1405

Griffiths JD et al: Cochrane Database Syst Rev, 2012 Sep 1; www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22972112

Konnaris C: Hyperemesis gravidarum. Gyn-Aktiv 03/2012, S. 79-80

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