Schwangerschaftstests

Schwangerschaftstest Ergebnis Früherkennung
Positiver Schwangerschaftstest (© SyB - Fotolia.com / Fotolia.com)

Schwangerschaftstests beruhen auf dem Nachweis des Schwangerschaftshormons Beta-HCG (Beta-Humanes Choriongonadotropin) im Urin oder im Blut. Dieses Hormon wird nach der Befruchtung aus den Zellen der frühen Form des Mutterkuchens – den sogenannten Synzytiotrophoblasten – gebildet. Das Hormon bewirkt die verstärkte Bildung von Östrogenen und Gestagenen, was für die Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft notwendig ist.

Kurzfassung:

  • Die Grundlage aller Schwangerschaftstests ist die Messung der Menge des Schwangerschaftshormons Beta-HCG.
  • Bei den Schwangerschaftstests unterscheidet man Urintests und Bluttests. Im Blut gelingt der Beta-HCG-Nachweis früher als im Urin.
  • Es gibt einige Möglichkeiten, warum ein Schwangerschaftstest falsch-positiv oder falsch-negativ ausfallen kann, z.B. die zu frühe Anwendung oder die Einnahme von Medikamenten.
  • Nur der Ultraschall ist in der Lage eine qualitative Aussage über eine Schwangerschaft zu machen. Er zeigt, ob die SS gut eingenistet ist (z.B. am richtigen Ort, mit Herzaktion, Einling/Mehrlingsschwangerschaft usw.).

Wann sollte man einen Schwangerschaftstest machen?

Einen Schwangerschaftstest sollte man generell dann durchführen, wenn man körperliche Veränderungen verspürt, die auf eine Schwangerschaft hinweisen, oder wenn die Regelblutung ausbleibt. Es gibt folgende Untersuchungsmethoden, um eine Schwangerschaft festzustellen:

  • Urin(früh)test
  • Bluttest
  • Ultraschall

++ Mehr zum Thema: Schwangerschaftsanzeichen ++

Ab wann ist ein Schwangerschaftstest aussagekräftig?

Urintest

Die Verlässlichkeit von Schwangerschaftstests mit Urin wird mit 90–99% angegeben – je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto aussagekräftiger ist das Testergebnis. Ein Urintest liefert etwa zwei Tage nach Ausbleiben der Regel (ca. 14 Tage nach der Befruchtung der Eizelle) ein sehr sicheres Ergebnis, ob eine Schwangerschaft vorliegt. Urintests sind in allen Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich, können aber wie der Bluttest auch vom Arzt durchgeführt werden.

Ab wann Schwangerschaftstest machen
(netdoktor.at/K. Summer, A.Kovacs)

Urinfrühtest

Moderne Urintests (Schwangerschaftsfrühtests) sind schon so empfindlich, dass der Nachweis des Schwangerschaftshormons Beta-HCG im Morgenurin bereits etwa zwei Tage vor der zu erwartenden Regel gelingt. Die Fehlerquote dieser Tests ist allerdings sehr hoch, deshalb sollten Frauen einen Urintest besser nach Ausbleiben der Regeln anwenden.

Bluttest

Im Blut gelingt der Nachweis einer bestehenden Schwangerschaft bereits eine Woche vor der zu erwartenden Regel (ca. 6 bis 9 Tage nach der Befruchtung).

Ultraschall

Bereits wenige Tage nach Ausbleiben der Regel lässt sich im vaginalen Ultraschall die Einnistung einer SS darstellen.

++ Mehr zum Thema: Laborwert Beta-HCG ++

Wie wird der Urin(früh)test durchgeführt?

Schwangerschaftstest positiv Kontrollstreifen
(Syda Productions / Shutterstock)

Beim Urintest muss man ein Teststäbchen einige Sekunden in ein Gläschen mit Urin eintauchen oder in den Urinstrahl halten und eine gewisse Zeit warten, bis dieser mit dem Nachweismedium reagiert hat.

Auf dem Stäbchen gibt es meist ein Kontrollfenster und ein zweites Fenster, welches das Testergebnis anzeigt. Der Kontrollstreifen ist meist dicker als der Teststreifen – das bedeutet nicht, dass der Test fehlerhaft ist. Weiters gibt es auch Schwangerschaftstests mit digitalen Anzeigen.

Schwangerschaftstest negativ
(alekso94 / Shutterstock)

In der Packungsbeilage, die man immer genau lesen sollte (!), werden die einzelnen Schritte und die Ergebnisanzeige ausführlich erklärt. Auch leichte Verfärbungen im Ergebnisfeld (z.B. ein ganz blasser Strich) können auf eine Schwangerschaft hindeuten, weswegen zur Sicherheit ein paar Tage später eine Kontrolle durchgeführt werden sollte.

Mittlerweile werden auch Schwangerschaftstests angeboten, die durch die Höhe der Menge an Beta-HCG im Urin das Alter der Schwangerschaft ungefähr anzeigen können.

Im Morgenurin ist die Konzentration des Beta-HCG am größten, weshalb mit dem ersten Urin am Morgen der Nachweis für eine Schwangerschaft am frühesten gelingt. Auf Frauen, die nachts arbeiten, trifft dies nicht zu. Sie sollten den Schwangerschaftstest nach einer eingelegten Ruhephase durchführen.

Wie wird der Blut-Test durchgeführt?

Nachdem beim Arzt oder im Labor Blut abgenommen wurde, wird die Menge an Beta-HCG im Blut gemessen. So kann zum einen festgestellt werden, ob eine Schwangerschaft vorliegt, zum anderen kann auch exakt bestimmt werden, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist.

Ein Bluttest wird unter anderem dann durchgeführt, wenn:

  • der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft vorliegt
  • man eine Schwangerschaft schon feststellen möchte, noch bevor dies mit dem Urintest gelingt
  • man andere Fehlentwicklungen von Schwangerschaften ausschließen möchte, z.B. eine Blasenmole.

Verlauf der Beta-HCG-Konzentration in den ersten Schwangerschaftswochen

In den ersten Wochen steigt die Hormonkonzentration im Blut stetig an, sie verdoppelt sich etwa alle zwei Tage. Das Maximum wird ca. zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche erreicht. Danach benötigt die Schwangerschaft in der Gebärmutter die Hormonproduktion aus dem Eierstock nicht mehr; der Mutterkuchen ist so weit ausgereift, dass er die schwangerschaftserhaltenden Hormone selbst bildet.

Es kommt zu einem Abfall von Beta-HCG im Blut, sodass in etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche die Tests im Urin nur mehr schwach positiv sind.
Da die Konzentration des Beta-HCG individuell von Woche zu Woche sehr unterschiedlich sein kann – die folgende Tabelle zeigt die stark auseinandergehenden Referenzwerte –, müssen in der Regel zwei aufeinanderfolgende Blutuntersuchungen durchgeführt werden. Die Entwicklung der Konzentration des Schwangerschaftshormons ist wesentlich aussagekräftiger als nur ein einzelner gemessener Wert.

Schwangerschaftswoche Mindestmenge Höchstmenge
3. 6 mU/ml 70 mU/ml
4. 10 mU/ml 750 mU/ml
5. 220 mU/ml 7.140 mU/ml
6. 160 mU/ml 31.800 mU/ml
7. 3.700 mU/ml 164.000 mU/ml
8. 32.000 mU/ml 150.000 mU/ml
9. 63.800 mU/ml 151.400 mU/ml
10. 46.500 mU/ml 187.000 mU/ml
12. 27.800 mU/ml 211.000 mU/ml
14. 14.000 mU/ml 62.500 mU/ml
Tab.: Konzentration des Schwangerschaftshormons Beta-HCG im Blut

Welche Bedeutung hat das Beta-HCG noch?

  • Das Beta-HCG wird für das Schwangerschaftserbrechen verantwortlich gemacht.
  • Es ist ein Parameter, der Aussagen über eventuelle Chromosomenschäden zulässt. Der Wert kann beispielsweise bei Kindern mit Chromosomenstörungen (Down-Syndrom) erhöht sein
  • Erhöhte Beta-HCG-Werte können auf eine Mehrlingsschwangerschaft hinweisen.
  • Erhöhte Beta-HCG-Werte können auch bei Tumoren wie der Blasenmole (eine tumorartige Fehlentwicklung der Leibesfrucht), beim Chorionkarzinom (ein Keimzelltumor) oder bei Eierstockkrebs, Blasenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Magenkrebs, Lungenkrebs und Leberkrebs vorliegen.
  • Therapeutisch setzt man Beta-HCG zur Auslösung eines Eisprungs und zur Unterstützung bei der künstlichen Befruchtung (IVF, ICSI) ein.
  • Mit einer regelmäßigen Beta-HCG-Messung kann man eine gesunde bzw. intakte Schwangerschaft von einer Einnistung der Frucht außerhalb der Gebärmutterschleimhaut (Extrauteringravidität, in erster Linie Eileiterschwangerschaft), einer Fehlgeburt oder einer Blasenmole unterscheiden. Dafür sind meist tägliche Blutabnahmen erforderlich.
  • Der Beta-HCG-Wert im Blut kann bei Präeklampsie (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck) und Eklampsie (Verschlechterung der Präeklampsie-Symptome bis hin zum Koma) erhöht sein.
  • Heute hat der Ultraschall in fast allen Fragestellungen die Beta-HCG Bestimmung im Blut weitgehend abgelöst.

Kann der Schwangerschaftstest ein falsches Ergebnis anzeigen?

Sicherlich kann es auch zu einem falschen Testergebnis kommen. Die Gründe dafür können unter anderem eine ungenaue Handhabung, die Überschreitung des Ablaufdatums bzw. eine falsche Lagerung des Tests sein.

Zudem gibt es bestimmte Medikamente – einige Hormonpräparate, Antidepressiva etc. –, die das Resultat beeinflussen. Der Test sollte bei Raumtemperatur durchgeführt werden, da Temperaturänderungen ebenfalls Einfluss auf das Ergebnis nehmen (siehe Packungsbeilage).

Ursachen für einen falsch-negativen Test:

  • Der Test wurde zu früh durchgeführt – zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine ausreichend hohen Beta-HCG-Spiegel im Urin vorhanden waren.
  • Die getestete Harnmenge war zu groß bzw. man hat den Streifen zu lange in den Urin gehalten.
  • In späten Schwangerschaftsabschnitten kann der Test negativ ausfallen, weil die Konzentration des Beta-HCG wieder abgefallen ist.
  • Nachtschichtarbeit

Ursachen für einen falsch-positiven Test:

  • Eine Befruchtung und Einnistung der Eizelle hat stattgefunden, es ist aber in den ersten Tagen zu einer Fehlentwicklung der Fruchtanlage gekommen (Frühestabort, sehr frühe Fehlgeburt).
  • Verschiedene Krebserkrankungen führen zu einer Erhöhung des Beta-HCG.
  • Anwendung von Medikamenten, die HCG enthalten (z.B. bei durchgeführter künstlicher Befruchtung)

+++ Mehr zum Thema: Eisprung und Befruchtung +++

Wie wird ein Ultraschall durchgeführt?

Dabei wird mit Hilfe eines Ultraschallgerätes die Fruchthöhle in der Gebärmutter, später auch die Embryonalanlage und ab der 7. SSW der Herzschlag, sichtbar gemacht und eine Mehrlingsschwangerschaft ausgeschlossen. Die Untersuchung wird von einem Gynäkologen durchgeführt. 

+++ Mehr zum Thema: Ultraschall +++

Untersuchungsarten einer Schwangerschaft im Überblick:

Art der Untersuchung Zeitpunkt Was wird untersucht?
Urintest (Trefferquote: 90 – 99%) 2 Tage nach Ausbleiben der Periode hCG Hormon im Urin
Urinfrühtest ca. 2 Tage vor der erwarteten Regelblutung (Achtung: hohe Fehlerquote) hCG Hormon im Urin
Bluttest (Trefferquote: 100%) 6 bis 9 Tage nach der Befruchtung hCG Hormon im Blut
Ultraschall Einige Tage nach Ausbleiben der Regel Einnistung wird visuell dargestellt 

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Michael Elnekheli
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag.(FH) Silvia Hecher, MSc

Aktualisiert am:
Quellen

Gynäkologie und Geburtshilfe, M. Breckwoldt et al., Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2008
Parameterkatalog der Klinischen Abteilung für Medizinische und Chemische Labordiagnostik. AKH Wien, Wiener Krankenanstaltsverbund; https://www.akhwien.at/default.aspx?pid=3985 (Zugriff: 21. Jänner 2019)

Diedrich, Holzgreve, Jonat, Schultze-Mosgau, Schneider, Weiss (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Springer Verlag, Heidelberg 2007

Sivasubramaiyan K, et al: Y-27632 enhances differentiation of blastocyst-like cystic human embryoid bodies to endocrinologically active trophoblast cells on a biomimetic platform. J Biomed Sci 2009 Sep 22; 16:88

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