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Nahrungsmittelergänzung in der Schwangerschaft

Schwanger Nährstoffe
Der Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft steigt. Manche Nährstoffe gelten als kritisch und müssen nach Absprache mit dem Arzt supplementiert werden. (gpointstudio / iStockphoto)

Eine ausgewogene Ernährung versorgt Sie auch in der Schwangerschaft mit fast allen lebensnotwendigen Nährstoffen. Es gibt jedoch Vitamine und Mineralstoffe, die in höherem Ausmaß benötigt werden als unter "normalen" Umständen.

Zu diesen Nährstoffen zählen unter anderem:

Bei manchen Nährstoffen, wie z.B. Folsäure, kann es sinnvoll sein, ein Nahrungsergänzungsmittel (Supplement) zu sich zu nehmen. In jedem Fall sollte mit einem Arzt besprochen werden, ob der Bedarf über die reguläre Nahrungsaufnahme gedeckt werden kann oder zusätzlich Tabletten eingenommen werden sollten.

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Im Folgenden werden jene Nährstoffe erläutert, deren Verfügbarkeit in der Schwangerschaft kritisch sein kann.

Folsäure (Folat)

Folsäure wird als Vitamin für die Blutbildung und die Zellteilung benötigt. Sie ist daher wichtig für das Wachstum des Ungeborenen in der Frühschwangerschaft. Zwischen dem 21. und 28. Schwangerschaftstag wird besonders viel Folsäure benötigt, da sich in diesem Zeitraum die Neuralplatte – die Vorstufe von Gehirn und Rückenmark – zum Neuralrohr schließt. Ein Mangel an Folsäure kann zu einem Neuralrohrdefekt (auch "Spina bifida" genannt) führen und somit Fehlentwicklungen von Rückenmark, Zentralnervensystem und Lendenwirbelsäule nach sich ziehen. Fehlgeburt, Totgeburt oder schwere Schäden des Neugeborenen können die Folge sein.

+++ Mehr zum Thema: Anämie durch Folsäuremangel +++

Auch nach dem Neuralrohrschluss im Mutterleib spielt Folsäure noch eine wichtige Rolle:

  •  Bei einer ausreichenden Gabe des Vitamins können seltener Harnröhrendefekte und angeborene Herzfehler festgestellt werden.
  • Außerdem scheint die ausreichende Verfügbarkeit von Folsäure auch mit dem selteneren Auftreten von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
  • und dem Down-Syndrom (Trisomie 21) in Zusammenhang zu stehen.

Grundsätzlich nimmt ein Großteil der österreichischen Bevölkerung zu wenig Folsäure zu sich. Daher sollten sich Frauen spätestens dann um ihre Versorgung mit Folsäure kümmern, wenn eine Schwangerschaft bevorsteht, also wenn es einen aktuellen Kinderwunsch gibt. Der notwendige Mehrbedarf ist hoch und kann häufig nur durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gedeckt werden. Im Idealfall wird das Vitamin bereits vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft in Form von Supplementen eingenommen.

Wie hoch ist der Folsäurebedarf in der Schwangerschaft?

  • Der Bedarf an Folsäure beträgt unter "normalen" Umständen 300 μg (Mikrogramm) pro Tag.
  • Bei Kinderwunsch sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 μg synthetische Folsäure pro Tag als Nahrungsergänzung eingenommen werden. 
  • In der Schwangerschaft sollten insgesamt täglich 550 μg aufgenommen werden,
  • in der Stillzeit 450 μg.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob und welches Folsäure-Präparat Sie einnehmen sollen.

Wo ist Folsäure enthalten?

Folsäurequellen sind

  • Vollkornprodukte,
  • Gerste,
  • Weizenkeime,
  • Soja,
  • Bohnen,
  • Linsen,
  • Erbsen,
  • Blattgemüse wie Kohl und Spinat
  • sowie Obst,
  • Fleisch
  • und Fisch.

+++ Mehr zum Thema: Folsäure +++

Jod

Zu einer bedarfsgerechten Ernährung zählt auch die ausreichende Versorgung mit Jod, z.B. durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz. Ein Jodmangel der Mutter kann sowohl die geistige als auch die körperliche Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Außerdem erhöht sich das Risiko einer Fehlgeburt. Ebenso können Hör- und Sprachstörungen auftreten. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel wird viel Jod benötigt, da sich in diesem Zeitraum die kindliche Schilddrüse bildet.

Der Bedarf (ca. 200 μg pro Tag für Nichtschwangere) an Jod ändert sich vor und während der Schwangerschaft wenig, die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 230 μg täglich für Schwangere, 260 μg für Stillende.

Wo ist Jod enthalten?

Enthalten ist dieses Spurenelement in Meerestieren sowie in Milch und Eiern, wenn die Tiere mit jodreichem Futter ernährt wurden. In Österreich ist das herkömmliche Speisesalz jodiert. Wenn man seine Speisen ein wenig salzt und ein- bis zweimal pro Woche Seefisch isst, wird in der Regel genügend Jod aufgenommen. Falls dem nicht so ist, muss Jod extra zugeführt werden.

+++ Mehr zum Thema: Schilddrüsenunterfunktion +++

Eisen

Als Bestandteil der roten Blutkörperchen ist Eisen für den Sauerstofftransport notwendig. Durch die vermehrte Blutbildung in der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf. Es wird etwa doppelt so viel Eisen wie sonst benötigt und das vor allem im dritten Schwangerschaftsdrittel. Allerdings erhöht sich während der Schwangerschaft auch der Anteil an Eisen, der aus der Nahrung aufgenommen wird. So wird einem Mangel teilweise entgegengewirkt.

Der Eisenbedarf liegt vor der Schwangerschaft bei 15 mg pro Tag und verdoppelt sich während der Schwangerschaft auf 30 mg pro Tag. Während der Stillzeit wird eine Eisenaufnahme von 20 mg täglich empfohlen.

Wo ist Eisen enthalten?

Eisen steckt in grünem Gemüse, einigen Obstsorten und Getreideprodukten. Die wichtigsten Quellen sind aber Fleisch und Leber. Daher sollten Schwangere zwei- bis dreimal pro Woche eine magere Fleisch- oder Wurstportion essen. Die Aufnahme von Eisen lässt sich durch die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C verbessern.

Schwangere, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, sollten mit ihrem Arzt ein besonderes Augenmerk auf die Eisenversorgung legen, Supplemente dürfen aber nur nach Verordnung durch den Arzt eingenommen werden.

+++ Mehr zum Thema: Eisen +++

Zink

Zink wird für die Zellteilung benötigt. Ein Zinkmangel geht mit niedrigem Geburtsgewicht einher. Bei ausgeprägtem Mangel steigt das Risiko einer Fehlgeburt.
Der Zinkbedarf beträgt vor der Schwangerschaft 7 mg pro Tag und erhöht sich während der Schwangerschaft auf 10 mg pro Tag. In der Stillzeit werden 11 mg täglich empfohlen.

Wo ist Zink enthalten?

Zinkreiche Lebensmittel sind

  • Lamm-, Rind- und Putenfleisch sowie
  • Sardinen,
  • Hartkäse,
  • Vollkornprodukte
  • und Weizenkeime.
  • Auch alle Hülsenfrüchte,
  • Mohn,
  • Nüsse
  • und Trockenfrüchte zählen dazu.

Magnesium

Dieser Mineralstoff spielt in der Schwangerschaft bei der Produktion und Veränderung von Eiweiß im Körper eine große Rolle. Ebenso ist Magnesium an der Erregungsleitung vom Nerv zum Muskel maßgeblich beteiligt. Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel besteht ein erhöhter Magnesiumbedarf. Bei einem Mangel an Magnesium kann es zu Krämpfen oder auch frühzeitiger Wehentätigkeit kommen.

Vor der Schwangerschaft liegt der Bedarf bei 300 mg täglich, während der Schwangerschaft bei 310 mg, wobei Schwangere unter 19 Jahren 350 mg täglich benötigen. In der Stillzeit steigt der Bedarf nochmal auf 390 mg.

Wo ist Magnesium enthalten?

Lebensmittel, in denen Magnesium enthalten ist, sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Tofu, Nüsse, Samen, Fleisch, Gemüse und Bananen.

+++ Mehr zum Thema: Magnesium +++

Kalzium (Calcium)

Dieser Mineralstoff wird in erster Linie für den Knochenaufbau benötigt. Nimmt die werdende Mutter mit der Nahrung nicht ausreichend Kalzium zu sich, greift der Organismus auf die Kalziumvorräte in den Knochen und Zähnen zurück.
Es sollten vor und während der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit ca. 1.000 mg Kalzium pro Tag aufgenommen werden. Schwangeren und Stillenden unter dem 19. Lebensjahr wird eine etwas größere Menge (1.200 mg) empfohlen.

Wo ist Kalzium enthalten?

Hauptquelle für diesen Nährstoff sind Milch und Milchprodukte, deren regelmäßiger Verzehr Schwangeren ausdrücklich empfohlen wird. Allerdings gibt es Frauen, die aus Geschmacks- oder Gewissensgründen keine Milchprodukte zu sich nehmen bzw. diese nicht vertragen (Laktoseintoleranz). In diesem Fall sind Hülsenfrüchte, Gemüse wie Brokkoli, Fenchel, Mangold und Grünkohl oder Samen wie Sesam wichtige Kalziumlieferanten, die gegebenenfalls durch mit Kalzium angereicherte Fruchtsäfte oder Supplemente ergänzt werden sollten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt falls Sie auf den Verzehr von Milchprodukten verzichten.

+++ Mehr zum Thema: Kalzium +++

Vitamin B12

Vitamin B12 hat wichtige Funktionen im Körper. Es wirkt bei der Zellteilung und somit im Wachstum mit und ist ein wichtiger Faktor bei der Blutneubildung. Das Vitamin kann durch den Darm allerdings nicht direkt aufgenommen werden, sondern muss sich vorher mit einer von der Magenschleimhaut ausgeschiedenen Substanz, dem so genannten "Intrinsic Factor", verbinden.

Schwere Vitamin-B12-Mangelzustände bezeichnet man als perniziöse Anämie. Meist ist die Ursache dafür eine Erkrankung der Magenschleimhaut, die mit einer Verdünnung und Funktionsstörung derselben einhergeht. Dadurch wird zu wenig Intrinsic Factor gebildet, folglich wird zu wenig Vitamin B12 über den Darm aufgenommen, was zu einer Störung der Blutneubildung und zu einer Blutarmut (Anämie) führt.

Der reguläre Bedarf beträgt 3 μg  pro Tag und erhöht sich in der Schwangerschaft auf 3,5 μg täglich. Stillende brauchen etwa 4 μg  pro Tag.

Wo ist Vitamin B12 enthalten?

Vitamin B12 ist vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, Innereien und Fisch enthalten.

Veganerinnen müssen Vitamin B12 einnehmen, sowohl vor als auch während und nach der Schwangerschaft. Ihre Ernährung sollte gut geplant sowie ärztlich überwacht sein, da sonst Mangelzustände auftreten können, die schwere Schädigungen beim Ungeborenen hervorrufen kann.

+++ Mehr zum Thema: Vitamin B12 +++

Vitamin B6

Vitamin B6 ist bei Eiweiß umbauenden Stoffwechselvorgängen und während des Wachstums wichtig. Die Leistung von Herz, Gehirn und Leber ist von diesem Vitamin abhängig. Es ist ebenfalls ein Baustein der Botenstoffe, die für die Reizübertragung zwischen Nervenzellen verantwortlich sind.

Der Tagesbedarf einer Frau beträgt ca. 1,2 mg pro Tag. In der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit erhöht sich der Bedarf auf 1,9 mg pro Tag.

Wo ist Vitamin B6 enthalten?

Vitamin B6 findet sich vor allem in tierischen Lebensmitteln sowie auch in Nüssen, Samen, Getreide und Hefe.

Wichtige Quellen für die Gruppe der B-Vitamine sind generell Eier, Fleisch und Fisch, Innereien, Nüsse, Pilze sowie Milchprodukte.

+++ Mehr zum Thema: Ein Baby vegan ernähren? +++

Vitamin D

Es übernimmt eine wichtige Rolle im Knochenbau und bei der Zahnentwicklung. Vitamin D führt dazu, dass die Kalzium- und Phosphataufnahme aus dem Darm verbessert wird. Weiters erhöht es die Mineralisierung des Knochens und steigert die erneute Aufnahme von Kalzium in den Nieren.

Ein Mangel an Vitamin D während der Schwangerschaft führt sowohl bei der Mutter als auch beim Kind zu verschiedenen Störungen. Dazu zählen Beeinträchtigungen des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels oder eine schmerzhafte Knochenerweichung (Osteomalazie) sowie die unzureichende Ausbildung des Zahnschmelzes.

Der Bedarf an Vitamin D ändert sich vor und während der Schwangerschaft kaum: 20 μg gilt als zu erreichender Tageswert für Nichtschwangere, Schwangere und Stillende.

Wo ist Vitamin D enthalten?

Enthalten ist dieses Vitamin vor allem in fetten Fischen wie Hering oder Lachs, Eigelb, Vitamin-D-angereicherter Margarine und Fleisch. Nicht zu vergessen ist die Bildung von Vitamin D durch die Einwirkung von Sonnenlicht auf die Haut.

+++ Mehr zum Thema: Vitamin D +++

Omega-3-Fettsäuren

Diese Fettsäuren werden für das vermehrte Zellwachstum in der Schwangerschaft dringend benötigt. Im letzten Schwangerschaftsdrittel erfolgen die Gehirnreifung und die Ausreifung der Sehkraft. Diese Prozesse werden vor allem durch den Verzehr von Fischölen oder Ölen aus Mikroalgen positiv beeinflusst. Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können die Intelligenz des Kindes positiv beeinflussen. Zudem helfen sie dabei, ein niedriges Geburtsgewicht zu verhindern, und haben positive Auswirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf. Auch die Gefahr einer Frühgeburt sinkt.

+++ Mehr zum Thema: Omega-3-Fettsäuren +++

Wo sind Omega-3-Fettsäuren enthalten?

Generell, speziell jedoch in der Schwangerschaft, wird empfohlen, ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche zu essen.

Geeignete Quellen sind überdies Rapsöl, Leinöl und Walnussöl, fettreiche Fische wie Lachs, Makrele oder Hering.

Veganerinnen sollten ein Präparat auf Mikroalgenbasis einnehmen. Sprechen Sie dazu mit Ihrem Arzt.

+++ Mehr zum Thema: Richtig essen in der Schwangerschaft +++

Nicht eigenmächtig Nahrungsergänzung schlucken

Es gibt verschiedene Einzel- und Multivitamin-Mineralstoffpräparate auf dem Markt, die eine Unterversorgung mit den genannten Vitaminen und Mineralstoffen in der Schwangerschaft und Stillzeit verhindern sollen. Sie sind speziell auf den Bedarf von Schwangeren zugeschnitten. Generell sollten Sie aber jede Einnahme eines Präparats mit Ihrem Arzt besprechen.

Noch mehr Informationen zum Thema finden Sie hier.

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Autoren:

Medizinisches Review:

Redaktionelle Bearbeitung:
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Aktualisiert am:
Quellen

Elmadfa I et al: Österreichischer Ernährungsbericht 2012. 1. Auflage, Wien 2012

Hanreich I: Essen und Trinken – Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit. 1. Auflage, Wien 2006

Österreichische Gesellschaft für Ernährung. Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit: https://www.oege.at/index.php/bildung-information/empfehlungen/personengruppen (letzter Zugriff am 30.04.2020)
 

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