Blutungen in der Frühschwangerschaft

Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft
Hellrote, starke Blutungen in der Schwangerschaft sollten immer Anlass sein, sofort in ein Krankenhaus zu fahren. (Adam Gregor / Shutterstock)

Blutungen in der Frühschwangerschaft, also in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten (1. Trimenon), treten bei durchschnittlich einer von fünf Frauen auf. Sie können unterschiedlicher Natur sein und müssen nicht zwangsläufig auf eine drohende Fehlgeburt hinweisen.

Informationen auf dieser Seite:

Wie werden Blutungen abgeklärt?
Wie schnell sollten Blutungen abgeklärt warden?
Ursachen für Blutungen in der Frühschwangerschaft

Leichte, schmerzlose Blutungen sind häufig harmlos, müssen aber - wie alle Blutungen, die im Zuge der Schwangerschaft auftreten - in jedem Fall umgehend durch einen Gynäkologen abgeklärt werden.

Wie werden Blutungen in der Frühschwangerschaft abgeklärt?

Bei Blutungen aller Art sollte stets eine frauenärztliche Untersuchung erfolgen. Als zentrale diagnostische Maßnahme spielt die Ultraschalluntersuchung eine Hauptrolle. Die Erfassung einer Schwangerschaft mittels Ultraschall ist ab der sechsten Schwangerschaftswoche möglich. Zu diesem Zeitpunkt ist manchmal bereits der Herzschlag des Embryos sichtbar.

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Zusätzlich kann sich die Messung des Schwangerschaftshormons beta-HCG bei bestimmten Verdachtsdiagnosen als hilfreich erweisen. Beta-HCG wird zirka ab dem fünften Tag nach der Befruchtung gebildet und ist im ersten Schwangerschaftsdrittel für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft zuständig.

Bei einem natürlichen Schwangerschaftsverlauf verdoppeln sich die beta-HCG-Werte im Blut alle zwei Tage und erreichen zwischen der achten und zehnten Schwangerschaftswoche ein Maximum. Danach fallen sie kontinuierlich langsam wieder ab. Bei Blutungen unklarer Ursache können mittels regelmäßiger beta-HCG-Bestimmung der Schwangerschaftsverlauf überwacht und gegebenenfalls entsprechende ärztliche Maßnahmen vorgenommen werden.

Wie schnell sollten Blutungen abgeklärt werden?

Bei starken Blutungen oder gleichzeitig auftretenden Schmerzen ist es ratsam, sich umgehend in eine Klinik zu begeben. Leichtere Blutungen und Schmierblutungen können vom jeweiligen Gynäkologen abgeklärt werden. Wie schnell man eine Blutung abklären sollte, hängt u.a. auch von ihrem Aussehen ab:

Hellrote Blutungen in Periodenstärke

Hellrote, starke Blutungen sollten immer Anlass sein, sofort in ein Krankenhaus zu fahren. Das gilt für jeden Zeitpunkt in der Schwangerschaft.

Dunkle, braune Blutungen

Dunkle, braune Blutungen mit eventuellen Schleimbeimengungen sprechen für "altes Blut". Oft erscheinen diese wie eine schwache Regelblutung, teils sogar weniger stark. Auch diese Blutungsform macht eine Abklärung erforderlich. Normalerweise muss dies aber nicht so umgehend erfolgen wie bei starken, hellroten Blutungen.

Blutungen und Schmerzen

Wenn Blutungen in Kombination mit Schmerzen auftreten, ist es wichtig, sofort eine Klinik aufzusuchen. Es könnte sich um eine Fehlgeburt oder eine Eileiterschwangerschaft handeln.

Leichte Schmierblutungen

Auch diese Form der Blutung sollte man abklären - um einfach sicher zu gehen, dass keine schwerwiegenden Ursachen dahinter stecken.

Ursachen für Blutungen in der Frühschwangerschaft

Nidationsblutung (Einnistungsblutung)

Die Nidationsblutung kann auftreten, wenn sich das befruchtete Ei in der Gebärmutter einnistet. Dieser Vorgang geschieht zirka zehn Tage nach der Befruchtung und beruht auf Verletzungen kleiner Blutgefäße in der Gebärmutter durch das befruchtete Ei.

Die Einnistungsblutung ist eine harmlose Blutung und zeichnet sich dadurch aus, dass sie – im Gegensatz zu einer Regelblutung – gleichbleibend schwach ist und nach kurzer Zeit (oft nach wenigen Stunden) abklingt. Das Blut ist eher hell und tritt in Form von Tröpfchen oder Schlieren aus.

Blutungen nach Geschlechtsverkehr

Nachdem die Geschlechtsorgane während der Schwangerschaft besonders gut durchblutet werden, kann es auch nach dem Geschlechtsverkehr zu Blutungen kommen. Es handelt sich dabei um eine Schmierblutung, die sehr rasch wieder abklingt.

Blutungen nach PAP-Abstrich

Ein Abstrich der Gebärmutterschleimhaut (Krebsabstrich) wird in der Schwangerschaft meist nur bei Verdacht auf eine HPV-Infektion durchgeführt; dabei kann es infolge einer leichten Schleimhautverletzung ebenfalls zum Auftreten von kurzfristigen Blutungen kommen.

Hämatome in der Gebärmutter

Hämatome (Blutergüsse) in der Gebärmutter können sich ebenfalls in Form von nach außen tretenden Blutungen manifestieren. Der Nachweis eines Hämatoms erfolgt mittels einer Ultraschalluntersuchung, der Befund ist in den meisten Fällen harmlos. Hämatome können durch Risse von Blutgefäßen in der Gebärmutterschleimhaut entstehen, selten ist eine vorzeitige Plazentaablösung dafür verantwortlich.

Extrauterine Schwangerschaft

Eine extrauterine Schwangerschaft oder Extrauteringravidität liegt vor, wenn sich das befruchtete Ei außerhalb der Gebärmutter eingenistet hat. In den meisten Fällen erfolgt die Einnistung im Bereich der Eileiter (Eileiterschwangerschaft). Diese kann zu ernsthaften Komplikationen wie dem Zerreißen der Eilleiterwand führen, was einen Blutaustritt in die Bauchhöhle zur Folge haben kann und daher umgehender medizinischer Maßnahmen bedarf. Insbesondere, wenn Blutungen in Kombination mit Schmerzen auftreten, ist an eine Eileiterschwangerschaft zu denken.

Im Ultraschall wird bei einer extrauterinen Schwangerschaft üblicherweise das Bild einer "leeren Gebärmutter" festgestellt. Wenn zusätzlich das beta-HCG in einem der Schwangerschaftsdauer entsprechenden Normbereich liegt, ist dies ein weiterer Hinweis auf das Vorliegen einer extrauterinen Schwangerschaft. Sie erfordert umgehende medizinische Notfallmaßnahmen im Sinne einer Kürettage (Ausschabung) und/oder Laparoskopie (Operation mittels Bauchspiegelung).

Weitere Ursachen

Pseudomenstruation

In manchen Fällen kommt es am Beginn der Schwangerschaft zu regelmäßigen "Pseudomenstruationsblutungen", die im bisherigen Rhythmus des Menstruationszyklus auftreten. Meistens sind diese Blutungen schwächer als vor der Schwangerschaft. Bei manchen Frauen hat dies zur Folge, dass sie ihre Schwangerschaft erst spät bemerken.

Abnormale Einnistung in der Gebärmutter

Auch bei einer Einnistung der befruchteten Eizelle an ihrem vorgesehenem "Zielort", der Gebärmutter, können Komplikationen auftreten, die zu Blutungen und Schmerzen führen: Beispielsweise ist es möglich, dass sich bei Frauen, die bereits einmal oder öfter per Kaiserschnitt entbunden haben, das befruchtete Ei in der von einem vorangegangenem Kaiserschnitt stammenden Narbe einnistet. Die daraus resultierenden Blutungen können lebensbedrohlich sein. Das rechtzeitige Erkennen der Situation erfordert das geschulte Auge eines(r) erfahrenen Gynäkologen/In.

Inkomplette/komplette Fehlgeburt

Eine Fehlgeburt wird in der Fachsprache als "Abortus" bezeichnet, wobei zwei Arten unterschieden werden:

  • die inkomplette Fehlgeburt (Abortus incompletus)
  • die komplette Fehlgeburt (Abortus completus)

Eine "inkomplette Fehlgeburt" zeichnet sich dadurch aus, dass nur ein Teil des abgestorbenen Fruchtmaterials abgestoßen wird, der Rest befindet sich noch in der Gebärmutter. In diesem Fall ist die Durchführung einer Kürettage zur Ausschabung des abgestorbenen Zellmaterials unumgänglich. Hingegen ist bei einer kompletten Fehlgeburt kein Fruchtmaterial in der Gebärmutter nachweisbar. Aus diesem Grund kann auf eine Kürettage verzichtet werden.

Eine drohende Fehlgeburt hingegen wird mit "Abortus imminens" umschrieben. Der Befund "Abortus imminens" wird bei fast allen Blutungen unklaren Ursprungs gestellt und muss nicht immer bedeuten, dass tatsächlich eine Fehlgeburt stattfinden wird.

Eine drohende Fehlgeburt manifestiert sich häufig in Form von Blutungen in Kombination mit Unterleibsschmerzen. Diagnostisch werden eine Ultraschalluntersuchung zum Nachweis des Herztons des Ungeborenen sowie die Bestimmung des beta-HCG-Spiegels durchgeführt.

Auch bei Auftreten von stärkeren Blutungen, die mit der Ausscheidung von Blutpfropfen einhergehen, ist ein unkomplizierter weiterer Schwangerschaftsverlauf möglich, sofern bei den regelmäßigen, nachfolgenden gynäkologischen Kontrolluntersuchungen keine Anomalien im Ultraschall oder vom Normbereich abfallende beta-HCG-Werte festgestellt werden.

Blasenmole

Unter einer Blasenmole versteht man die abnorme Wucherung bestimmter Zellen (Trophopblasten), die bestimmungsgemäß die Plazenta (Mutterkuchen) bilden sollen. Eine Blasenmole kann ebenfalls zu Blutungen und Schmerzen führen. Bei Vorliegen einer Blasenmole lässt sich im Ultraschall ein charakteristisches Muster erkennen. Zudem sind die beta-HCG-Werte abnorm erhöht.

Eine Blasenmole kann, muss aber nicht mit einer Lebendschwangerschaft einhergehen. Sollte es zur Entwicklung eines Embryos kommen, ist dieser nicht lebensfähig und muss - zusammen mit der abnormen Zellwucherung - mittels Kürettage entfernt werden. Die Blasenmole zählt zu den seltenen Komplikationen, die im Zuge einer Schwangerschaft auftreten können.

Was kann ich selbst dazu beitragen, um eine Fehlgeburt zu verhindern?

Die Ursache für eine Fehlgeburt ist nur in seltenen Fällen zu ermitteln. Zwar gilt, dass Spätgebärende aufgrund einer Zunahme von Eizellen mit Chromosomenstörungen ein höheres Risiko für eine Fehlgeburt aufweisen; dennoch zeigen Untersuchungen an abgegangenen Feten oft keine eindeutige Ursache für die Fehlgeburt.

Von daher können auch keine allgemein gültigen Empfehlungen zur Vermeidung einer Fehlgeburt ausgesprochen werden. In der aktuellen Literatur wird weitestgehend eine "normale" Lebensführung empfohlen, wobei unnötiger Stress körperlicher oder psychischer Natur nach Möglichkeit vermieden werden sollte.

Die Hormone beta-HCG und Progesteron (Gelbkörperhormon) werden oft bei einer drohenden Fehlgeburt verschrieben – Studien konnten bisher jedoch nicht beweisen, dass sich dadurch eine Fehlgeburt verhindern lässt.

Darf ich Sex haben?

Wie bereits erwähnt, kann es im Zuge des Geschlechtsverkehrs zu Blutungen kommen. Sobald die Ursache abgeklärt ist, steht es Ihnen frei, sexuell aktiv zu sein.

Darf ich Sport machen?

Prinzipiell wird die Ausübung von ungefährlichen Sportarten in der Schwangerschaft sogar empfohlen. Bei Auftreten von Blutungen sollten Sie jedoch umgehend Ihren Arzt/Ihre Ärztin konsultieren.

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Autoren:

Medizinisches Review:
OA Dr. Josef Halasz, Facharzt für Gynäkologie & Geburtshilfe
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. (FH) Silvia Hecher, MSc

Aktualisiert am:
Quellen

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