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HIV und AIDS in der Schwangerschaft

HIV, AIDS, Schwanger
Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung des ungeborenen Kindes ist sehr gering. (Halfpoint / Shutterstock)

HIV-infizierte Schwangere können das Virus grundsätzlich auf ihr Kind übertragen. Unter Einhaltung bestimmter Vorsorgemaßnahmen sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung aber auf unter 2%.

HIV ist eine virale Infektionskrankheit, die auf unterschiedlichen Wegen übertragen werden kann. Damit sind auch Kinder infizierter Schwangerer potenziell gefährdet, sich zu infizieren.

Übertragungswege:

  • Blut
  • Sperma
  • Vaginalsekret
  • Muttermilch

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HIV-Test am Beginn der Schwangerschaft

Bei jeder Schwangeren wird am Beginn der Schwangerschaft routinemäßig auch ein HIV-Test durchgeführt. Der Test wird im Mutter-Kind-Pass dokumentiert, das Ergebnis aber nicht eingetragen. Fällt der HIV-Test positiv aus, erfolgt eine Anbindung an ein auf HIV spezialisiertes Zentrum.

Infizierte Frauen, die bereits von ihrer Erkrankung wissen, entscheiden sich oftmals für ein Kind, da die moderne HIV-Kombinationstherapie eine nahezu normale Lebenserwartung bei sehr guter Lebensqualität ermöglicht.

+++ Mehr zum Thema: Therapie des HIV +++

Für Frauen, die erst während der Schwangerschaft von ihrer HIV-Infektion erfahren, bedeutet diese Nachricht oftmals eine große Herausforderung, da sie nicht nur mit ihrer eigenen Erkrankung zurechtkommen müssen, sondern auch ihr Kind einem potenziellen Erkrankungsrisiko aussetzen.

In beiden Fällen ist die Beratung und engmaschige Betreuung durch Ärzte und Psychologen, die mit der Thematik vertraut sind (HIV-Zentren, niedergelassene Frauenärzte), von besonderer Bedeutung – sowohl für die schwangere Frau als auch für das noch ungeborene Kind.

+++ Wie wird eine HIV-Infektion festgestellt? +++

Mögliche Übertragung auf das Kind

Die Virusübertragung von der Mutter auf das Kind (vertikale Transmission) kann zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgen, am häufigsten aber bei der Geburt:

  • Während der Schwangerschaft
  • Während der Geburt
  • Nach der Geburt

Verringerung des Ansteckungsrisikos für das Kind

Ohne jegliche Schutzmaßnahmen werden 15 bis 45% der Kinder HIV-kranken Mütter infiziert. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung kann aber unter Einhaltung bestimmter Maßnahmen auf 2% reduziert werden:

Antiretrovirale Therapie der Mutter

Je geringer die Viruslast der Mutter, desto geringer ist auch die Ansteckungsgefahr für das Baby. Eine antiretrovirale Therapie der Mutter senkt also das Ansteckungsrisiko für das Kind.

Erhält die Mutter bereits vor der Schwangerschaft eine Therapie, muss mit Eintritt der Schwangerschaft individuell geklärt werden, ob diese weiter zu nehmen ist.

Hat die Mutter bis zum Eintritt der Schwangerschaft keine Therapie erhalten, wird in der Regel ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel damit begonnen.

Geplanter Kaiserschnitt/vaginale Geburt unter bestimmten Voraussetzungen

Das größte Risiko für das Baby, sich zu infizieren, stellt die Geburt dar. Da aber auch jeder Kaiserschnitt per se ein Komplikationsrisiko birgt, wird in jedem Fall individuell abgewogen, wie die Entbindung stattfinden soll.

Voraussetzungen für eine vaginale Geburt:

  • Schwangere bekommt antiretrovirale Therapie
  • Viruslast der Mutter ist zum Zeitpunkt der Geburt sehr niedrig (Idealerweise unter der Nachweisgrenze)
  • Beratung durch einen auf das Thema spezialisierten Geburtshelfer

Treffen diese Voraussetzungen nicht zu, erfolgt ein geplanter – also bereits einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführter – Kaiserschnitt. Dies ist normalerweise ab der 37. Woche möglich.

Muttermilchersatzprodukte

HI-Viren können auch über Muttermilch übertragen werden, infizierte Mütter sollten daher nicht stillen. Stattdessen wird zu Muttermilchersatzprodukten geraten.

Vorbeugende antiretrovirale Therapie des Neugeborenen

Da es bei der Geburt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer Infektion des Kindes kommen kann (Kontamination des Fruchtwassers nach Öffnen der Fruchtblase, über Vaginalsekret oder mütterliches Blut bei Spontangeburt) werden Kinder HIV-infizierter Mütter nach der Geburt für 6 Wochen vorsichtshalber mit einem antiretroviralen Medikament behandelt.

Faktoren, die ein Ansteigen der Infektionswahrscheinlichkeit für das Kind erhöhen

  • Fortgeschrittenes Krankheitsstadium der Mutter
  • Niedrige Anzahl an T-Helferzellen oder CD4-Zellen
  • Erhöhte Viruskonzentration
  • Bestimmte Virusvarianten und bestehende Koinfektionen (z.B. Hepatitis C )
  • Frühgeburt, vorzeitiger Blasensprung, vorzeitige Wehen

Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft

Zunächst gelten die gleichen Vorsorge-Richtlinien wie bei Nicht-Infizierten. Zusätzlich zu den empfohlenen Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen sollten aber regelmäßige Laborkontrollen erfolgen, insbesondere dann, wenn die werdende Mutter eine antiretrovirale Therapie erhält.

Darüber hinaus werden regelmäßige gynäkologische Kontrollen durchgeführt, um Infektionen der Scheide und des Muttermunds, die als Ursachen für einen vorzeitigen Blasensprung oder vorzeitige Wehen in Frage kommen, ausschließen zu können. Da auch Zellveränderungen am Genitale, insbesondere am Muttermund bei HIV-positiven Frauen häufiger auftreten und sich verschlechtern können, werden regelmäßige Kolposkopien empfohlen. Außerdem wird das Kind engmaschig mittels Ultraschalls untersucht. Fruchtwasseruntersuchungen, die eine potenzielle Infektionsgefahr für das Kind darstellen, werden nach Möglichkeit nicht durchgeführt.

Wie erfolgt die Therapie der werdenden Mutter?

Die HIV-Behandlung wird immer an den individuellen Fall (klinischer Gesundheitszustand, Blutbefund) angepasst. Dabei gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Ist das Baby gesund?

Um festzustellen, ob sich das Baby infiziert hat, muss beim Baby ein direkter Nachweis von HI-Viren (PCR-Test) durchgeführt werden. Kann bei mehreren in den ersten 6 Lebensmonaten durchgeführten PCR-Tests keine Viren im Blut des Kindes nachgewiesen werden, ist es nicht infiziert.

Indirekte Tests – wie die Suche nach Antikörpern – im Blut des Kindes sind nicht sicher aussagekräftig, da diese auch von der Mutter stammen können (Nestschutz). Mütterliche Antikörper sind erst nach 18 Monaten sicher aus dem Blut des Kindes verschwunden.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. med. Eva Lehner-Rothe
Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

Gesundheit.gv.at, HIV/AIDS: Schwangerschaft und Stillzeit,  
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/immunsystem/hiv-aids/leben-mit-hiv/schwangerschaft (letzter Zugriff am 23.04.2020)

AIDS Hilfe Österreich, HIV-positiv und schwanger, http://www.aids.at/wp-content/uploads/Aspekte-08-Schwangerschaft-und-HIV.pdf (letzter Zugriff am 23.04.2020)

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