Abtreibung

Bein einer Patintin auf der Untersuchungsliege
Bein einer Patintin auf der Untersuchungsliege (09-15-09 © Jenny Swanson / iStockphoto)

Viele Schwangerschaften sind nicht geplant, manche auch ungewollt. Oft gerät dann die eigene Lebensplanung ins Wanken: Die finanziellen Rahmenbedingungen, die Arbeitsplatzsituation oder Probleme in der Partnerschaft stellen eine Schwangerschaft mitunter in Frage.

In dieser schwierigen Situation haben Sie Anspruch auf kostenlose, anonyme psychosoziale Beratung. Ziel der psychosozialen Beratung ist, dass Sie eine Entscheidung treffen können, die für Sie – Ihre individuelle Situation, Geschichte und Rahmenbedingungen – passt. Es soll eine Entscheidung sein, mit der Sie für den Rest Ihres Lebens gut leben können.

Manchmal können Paare diese Entscheidung gemeinsam treffen – manchmal aber auch nicht. Die Letztentscheidung über das Fortführen oder Beendigen einer Schwangerschaft liegt immer bei der Frau – auch dann, wenn sie verheiratet ist.

Was benötigen Sie für einen Schwangerschaftsabbruch?

  • Blutgruppennachweis, falls vorhanden (z.B. vorhandener Mutter-Kind-Pass oder Blutspendeausweis)
  • Arzthonorar in bar (bei Anmeldung erfragen)

Wie viel kostet ein Schwangerschaftsabbruch?

Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch werden in Österreich im Allgemeinen nicht von der Krankenkasse übernommen. Der zu bezahlende Betrag liegt zwischen 350 und 800 Euro. Manchmal werden noch Zusatzkosten (etwa für Ultraschall oder die Rhesus-Spritze) verrechnet.

Die "Pille danach"

Nicht zu verwechseln mit der Abtreibungspille ist die sogenannte "Pille danach". Dabei handelt es sich um eine einmalige Hormongabe, die als Notfallverhütung spätestens 72–120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden muss. Je weniger Zeit zwischen dem Geschlechtsverkehr und der Einnahme verstreicht, desto wirksamer ist diese Methode.

Die „Pille danach“ ist keine Abtreibungspille; vielmehr verhindert oder verzögert sie den nächsten Eisprung bzw. verändert sie die Zusammensetzung des Gebärmutterhalsschleims, sodass keine Befruchtung stattfinden kann.

++ Mehr zum Thema: Notfallverhütung ++

Gesetzliche Regelung

Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr ist eine "einsichts- und urteilsfähige" (so die gesetzliche Formulierung) junge Frau berechtigt, alleine über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden.

Der Anspruch auf psychosoziale Beratung ist allerdings gesetzlich nicht geregelt, da in Österreich die Themen Familienplanung, Verhütung und Schwangerschaftsabbruch als private Themen angesehen werden. So werden deshalb beispielsweise die "Pille" und andere hormonelle Methoden der Verhütung im Gegensatz zu anderen Ländern auch nicht von der Krankenkasse finanziert.

Gesetzlich geregelt ist in Österreich jedoch, unter welchen Umständen ein Schwangerschaftsabbruch nicht strafbar ist (§ 97 StGB, Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs). Und zwar, wenn

  • der Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft nach vorhergehender ärztlicher Beratung von einem Arzt vorgenommen wird;
  • der Schwangerschaftsabbruch zur Abwendung einer nicht anders abwendbaren ernsten Gefahr für das Leben oder eines schweren Schadens für die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren erforderlich ist oder eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde, oder die Schwangere zur Zeit der Schwängerung unmündig gewesen ist und in allen diesen Fällen der Abbruch von einem Arzt vorgenommen wird;
  • der Schwangerschaftsabbruch zur Rettung der Schwangeren aus einer unmittelbaren, nicht anders abwendbaren Lebensgefahr unter Umständen vorgenommen wird, unter denen ärztliche Hilfe nicht rechtzeitig zu erlangen ist.

Gesetzliche Fristen

Aus juristischer Sicht ist es also grundsätzlich für jede Frau straffrei, innerhalb der gesetzlichen 3-Monats-Frist (also etwa bis zur 12.–13. Schwangerschaftswoche) einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Man spricht in diesem Fall von einem Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ärztliche Beratung.

Wenn aus ärztlicher Sicht eine medizinische Indikation vorliegt, gilt ein Schwangerschaftsabbruch auch nach dem 3. Schwangerschaftsmonat als legal. Das gilt unter anderem für Chromosomenstörungen, schwere Fehlbildungen oder wenn die Fortsetzung der Schwangerschaft ein hohes gesundheitliches Risiko für die Frau darstellen würde.

Zu beachten ist, dass ein Schwangerschaftsabbruch nach dem 3. Schwangerschaftsmonat eine eingeleitete Geburt darstellt, Sie also Ihr Kind vaginal gebären müssen.

Falls Sie sich für den Abbruch der Schwangerschaft entschieden haben, stehen zwei Methoden zur Auswahl. Beide sind absolut wirksam und sicher.

Chirurgischer Schwangerschaftsabbruch

Diese Methode des Schwangerschaftsabbruchs (auch Saug-Kürettage genannt) kann etwa von der 5. Schwangerschaftswoche bis zum Ende des 3.

Schwangerschaftsmonats durchgeführt werden. Nach einer Ultraschalluntersuchung erfolgt der Eingriff unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie), im Dämmerschlaf (entspannter, schläfriger Wachzustand) oder unter Vollnarkose.

Der Muttermund wird bei diesem Eingriff leicht gedehnt und die Schwangerschaftsanlage mit einem Röhrchen aus der Gebärmutter abgesaugt. Mittels Ultraschall wird sichergestellt, dass keine Gewebereste zurückgeblieben sind. Der Eingriff verursacht im Normalfall keine Schmerzen und dauert insgesamt nur einige Minuten. Direkt nach der Behandlung können kurzfristig Krämpfe im Unterbauch auftreten, ähnlich wie bei einer Regelblutung. Sie sind dadurch bedingt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht.

Für gewöhnlich wird ein Schwangerschaftsabbruch ambulant vorgenommen; das bedeutet, Sie können ein bis zwei Stunden nach dem Eingriff wieder nach Hause gehen. Eine ärztliche Nachuntersuchung ist nach etwa zehn Tagen erforderlich. Nur in seltenen Fällen kommt es zu Nachblutungen oder Entzündungen, die aber im Allgemeinen gut behandelt werden können.

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Neben dem chirurgischen Eingriff haben Frauen in Österreich seit 1999 die Möglichkeit, die Schwangerschaft auch medikamentös zu beenden. Die Abtreibungspille Mifegyne® mit dem Inhaltsstoff Mifepriston kann ab dem Zeitpunkt der Feststellung der Schwangerschaft bis zum 63. Tag der Schwangerschaft (Ende der 9. Schwangerschaftswoche) eingenommen werden.

++ Mehr zum Thema: Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch ++

Die Abtreibungspille sorgt dafür, dass die schwangerschaftserhaltenden Hormoneffekte ausbleiben, wodurch die Schwangerschaft beendet wird. 48 Stunden nach der Einnahme wird ein weiteres Medikament, für gewöhnlich mit dem Wirkstoff Misoprostol, verabreicht. Dieses Hormon bewirkt das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur und löst eine Blutung aus.

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch wird also in zwei aufeinander folgenden Phasen durchgeführt:

  1. Einnahme der Abtreibungspille und anschließender Aufenthalt in einem Ambulatorium oder Krankenhaus von etwa einer Stunde;
  2. Nach 36 bis 48 Stunden Einnahme von Misoprostol (ein Prostaglandin) zur Auslösung der Schwangerschaftsabbruchsblutung; dieses Medikament kann sowohl ambulant als auch zu Hause eingenommen werden. Ein bis zwei Wochen später erfolgt eine Nachuntersuchung mittels Ultraschall.

Wichtig: Mit der Einnahme von Mifepriston wird ein Prozess in Gang gesetzt, der nicht mehr rückgängig zu machen ist. Auch wenn Sie kein Prostaglandin einnehmen würden, käme es in 60–80% zu einem Abbruch, verbunden mit stärkeren Blutungen.

Einnahmemodus abhängig vom Schwangerschaftstag

Bis zum 49. Tag der Schwangerschaft nehmen Sie erst 600 mg Mifepriston (3 Tabletten) oral (über den Mund) ein. 36 bis 48 Stunden später nehmen Sie insgesamt 400 µg (Mikrogramm) Misoprostol (2 Tabletten) oral ein. Zwischen dem 49. und 63. Tag muss das Misoprostol vaginal – also in die Scheide – und in einer höheren Dosierung (800 µg; 4 Tabletten) verabreicht werden.

Wann darf Mifegyne® nicht angewendet werden?

Mifegyne® darf nicht angewendet werden bei:

  • chronischem Nierenversagen
  • Überempfindlichkeit gegen Mifepriston oder einen anderen Bestandteil
  • schwerem, therapeutisch nicht kontrolliertem Asthma
  • angeborener Porphyrie (Fehlbildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin)
  • einer nicht durch Ultraschall oder einen biologischen Test bestätigten Schwangerschaft
  • vermuteter extrauteriner Schwangerschaft (v.a. Eileiterschwangerschaft)

Ein intrauterin liegendes Intrauterinpessar ( Spirale, Verhütungskettchen) muss vor dem Schwangerschaftsabbruch entfernt werden!

Welche Methode des Schwangerschaftsabbruchs ist besser?

Mit beiden Methoden gibt es ausreichend Erfahrung, beide sind gut wirksam und haben kaum Nebenwirkungen.

Der große Vorteil des medikamentösen Abbruchs ist, dass die Abtreibung bereits sehr früh durchgeführt werden kann und kein operativer Eingriff notwendig ist. Der Abbruch mit Mifegyne® ist allerdings ein Prozess, der ein paar Tage andauert. Sie sind die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein und erleben den Schwangerschaftsabbruch dadurch möglicherweise auch intensiver.

Für den chirurgischen Abbruch spricht, dass es sehr rasch geht und es danach meist nur zu einer kurzen Blutung kommt.

Bei beiden Methoden treten geringe bis stärkere Schmerzen durch die Kontraktion der Gebärmutter auf. Ihr Arzt wird Ihnen deshalb empfehlen, rechtzeitig Schmerzmittel einzunehmen. Es gibt aber auch Frauen, die gar keine Schmerzen verspüren.

Worauf sollten Sie nach einem Schwangerschaftsabbruch achten?

Die nach einem Schwangerschaftsabbruch auftretenden Krämpfe sind meistens nicht stärker als bei der normalen Menstruation. Zu Komplikationen kommt es nur in äußerst seltenen Fällen. Unabhängig von der Behandlungsmethode sollten Sie sich nach dem Schwangerschaftsabbruch schonen, da Sie für Entzündungen anfälliger sind. Beachten Sie folgende Empfehlungen:

  • Benutzen Sie keine Tampons, sondern Binden.
  • Verzichten Sie auf Geschlechtsverkehr.
  • Verzichten Sie aufs Baden und Schwimmen. Duschen und waschen ist erlaubt.
  • Im Normalfall dauert es etwa vier bis sechs Wochen bis zur nächsten Regelblutung. Um nicht sofort erneut schwanger zu werden, sollten Sie nach dem Schwangerschaftsabbruch wirksame Verhütungsmaßnahmen ergreifen!

Ein komplikationsloser Schwangerschaftsabbruch hinterlässt keine Spuren und ist somit auch später von niemandem mehr feststellbar. In den allermeisten Fällen ist auch kein negativer Einfluss auf die Fruchtbarkeit zu erwarten. Etwa zwei bis vier Wochen nach dem Abbruch findet der nächste Eisprung statt und die Frau kann wieder schwanger werden.

Psychische Verfassung nach einem Schwangerschaftsabbruch

Bisherige Untersuchungen haben ergeben, dass ein legaler Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft vor Ende des 3. Schwangerschaftsmonats für die meisten Frauen nicht zu einer schweren psychischen Belastung führt. Die Betroffenen scheinen dieses Ereignis vielmehr gut zu bewältigen und ihr Leben normal weiterzuführen. Ein Schwangerschaftsabbruch kann durchaus auch als Befreiung und Erleichterung erlebt werden. Die Zeit der größten Belastung ist wahrscheinlich die Zeit, bevor die Entscheidung getroffen wird. Zeitweise Phasen der Traurigkeit sind Teil eines normalen Verarbeitungsprozesses, wie in jeder anderen Krisensituation auch. Eine wichtige Voraussetzung für eine gute Bewältigung ist, dass Sie die Entscheidung ausreichend informiert und selbstbestimmt getroffen haben.

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Autoren:

Medizinisches Review:
pro:woman Ambulatorium, Wien
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag.(FH) Silvia Hecher, MSc

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