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Erste Beziehungskrise: Häufig nach der Geburt des ersten Kindes

Beziehung Streit Geburt
Die Basis einer guten Beziehung ist offene Kommunikation, Freiraum sowie Verständnis für den Partner bzw. die Partnerin. (04-28-11 © Ridofranz)

Beziehungen haben Konfliktpotenzial, in manchen Phasen besonders. Oft kracht es bei einschneidenden Veränderungen wie der Geburt des ersten Kindes. Die Krise kann sich schon in der Schwangerschaft abzeichnen oder auch erst nach der Geburt eintreten.

Das Leben steckt voller Herausforderungen, eine besonders große ist die Geburt des ersten Kindes. Das Leben ändert sich, eine neue Routine kehrt ein, Schlafmangel und etwaige Unsicherheiten sowie die Angst etwas falsch zu machen zehren an den Nerven. Das kann zu einer verminderten Stressresistenz führen, die Toleranzschwelle ist niedriger. Da kann es schon vorkommen, dass es zu ernsten Zerwürfnissen in der Ehe oder der Beziehung kommt. 

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Unterschiedliche Erwartungen an den Partner

Jeder Mensch ist anders, jeder hat eine andere Vergangenheit, seine eigenen Erfahrungen gemacht und geht mit verschiedenen Situationen unterschiedlich um. Man kann und muss nicht immer einer Meinung sein. Vielleicht erfüllt man nicht die Erwartungen des anderen. Es kann auch sein, dass der andere nicht den persönlichen Erwartungen entspricht.

Vorerst geliebte Eigenheiten werden oft lästig

Manchmal sind es die Eigenheiten des Partners, die am Anfang so faszinierend waren, die nach einer gewissen Zeit aber als störend empfunden werden. So kann die Unordnung der Partnerin oder des Partners anfänglich als "süß-chaotisch" und später aber als unerträglich empfunden werden. In Extremsituationen, wie einem dauerhaft erhöhten Stresspegel, können solche Kleinigkeiten schnell das Fass zum Überlaufen bringen und einen großen Streit auslösen.

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Konflikte aus der Vergangenheit

Die oft heftigen Reaktionen, die zu Streitereien führen, können auch darauf zurückzuführen sein, dass gewisse Erlebnisse und Erfahrungen aus der Vergangenheit auftauchen, weil man sich gefühlsmäßig so stark an einen anderen Menschen bindet. So stark war man vielleicht nur an seine Mutter oder seinen Vater in den Kindesjahren gebunden. Die Angst vor Niederschlägen und Enttäuschungen oder vielleicht dramatischen Situationen, die man erlebt, aber verdrängt hat, können wieder zutage treten.

Kompromisse finden und zusammenarbeiten

Wenn man sich aneinander gewöhnen soll, ohne dass die eigene Identität bedroht wird oder man sich ihrer beraubt fühlt, kommt man nicht daran vorbei, bestimmte Entscheidungen zu treffen und Kompromisse einzugehen. "Alles oder nichts" kann sehr leicht und schnell zum Ende der Partnerschaft führen. Hier gilt es, zusammen zu arbeiten und sowohl die eigenen, als auch die Gefühle und Bedürfnisse des anderen zu berücksichtigen und den Mut aufzubringen, eindeutig "Ja" oder "Nein" zu sagen. Grundlegend muss man sich aber auch darüber austauschen, wo die Wünsche des anderen liegen. Eine Partnerschaft bedeutet ein ständiges Arbeiten daran und ein gegenseitiges Abstecken von Grenzen und Freiräumen.

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Bleiben wir trotz Krise zusammen?

Wie Krisen und Konflikte zu Beginn einer Beziehung oder einer Ehe gelöst und bewältigt werden, beeinflusst das Fundament dafür, wie spätere Krisen gelöst werden.

Wenn beide Partner sehr jung sind, ist das Risiko, dass sie sich in gegenseitige Richtungen entwickeln, sehr groß. Häufig arbeiten die Partner in unterschiedlichen Bereichen, der eine oder die eine ist vielleicht zuhause, hat eine ganz andere "Lebenswelt" als der Arbeitende. Man ist nicht den gleichen Einflüssen ausgesetzt. 

Es kann passieren, dass die Partner sich langsam auseinanderleben, es sei denn, beide leisten einen Beitrag dazu, dass sie sich zusammen weiterentwickeln. Das besteht beispielsweise in einem Austausch und einem stetigen Reflektieren der Einstellungen zueinander und zur Lebenssituation.

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Die Geburt des ersten Kindes kann alles ändern

Mit einem Baby ist die Zeit zu zweit erstmal vorüber. Für beide Partner beginnt eine Neuorientierung in der Partnerschaft, eine neue Gemeinsamkeit muss sich finden, und das ist sehr schwer, wenn man täglich mit der Versorgung von einem oder manchmal auch mehreren Kindern beschäftigt ist (auch die Geburt des zweiten Kindes kann erst Auslöser für eine Beziehungskrise werden). Das, was auf einen zukommt, ist unterschiedlichen Erwartungen unterworfen: Man hört einerseits sehr viel von den Anstrengungen, die ein Säugling mit sich bringt, und trotzdem rückt vor der Geburt des Kindes oft der Traum und die unrealistische, romantische Vorstellung vom zauberhaften und duftenden Wesen, das froh und lächelnd in der Wiege liegt, in den Vordergrund.

Eltern sein ist anstrengend

Die Wirklichkeit sieht meist anders aus. Mangel an Schlaf, ein schreiendes und unruhiges Kind, das die ganze Zeit herumgetragen werden möchte, entsprechen mitunter eher der Realität. Schreien ist für das Kind im Babyalter die einzige mögliche Form zu kommunizieren, seine Bedürfnisse zu äußern. Diese zermürbenden Prüfungen des Alltags belasten oft eine Partnerschaft.

Die Väter freuen sich auf die Kinder genau so wie die Mütter. Trotzdem schleicht sich bei ihnen öfter das Gefühl ein, auch wenn sie es vom Kopf her anders sehen wollen, dass das Kind zwischen ihnen und dem Partner steht. Es entsteht manchmal Eifersucht auf das Kind, es wird als "Konkurrent" hinsichtlich der Aufmerksamkeit der Partnerin empfunden.

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Oft werden Väter aus der Versorgung des Babys – aus welchen Gründen auch immer – herausgehalten, weshalb sie sich noch stärker isoliert fühlen. Diese fehlende Nähe in der Partnerschaft kann sich in der Folge auch negativ auf das Sexualleben auswirken.

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Keine Gefühle mehr für den Partner nach der Geburt?

Die Mutter bekommt, anstatt der Unterstützung ihres Mannes, noch ein Kind hinzu. Da sie sich selbst zerbrechlich und unzureichend fühlt, reagiert sie aggressiv und feindlich, und der Mann fühlt sich schließlich noch mehr vernachlässigt. In den meisten Fällen ist die Mutter vor der Geburt des Kindes einer Beschäftigung außerhalb des Hauses nachgegangen und empfindet infolge die Isolation als erdrückend. Vielleicht beneidet sie auch ihren Partner darum, dass er im Berufsleben steht und dadurch Kontakt zu anderen Menschen hat.

Trotz der Belastung gibt es auch Frauen, die unbewusst den Kontakt des Vaters mit dem Kind verhindern, und dieser gibt es dann auf, nach einem harmonischen Verhältnis zu streben, und überlässt ihr die gesamte Verantwortung.

In dieser "neuen Krise" nach der Geburt ist die Kommunikation der Partner entscheidend. Sie müssen aussprechen, was sie belastet, stört oder auch, womit sie zufrieden sind. Sie müssen zusammen ihre neuen Rollen finden.

Sexuelle Probleme nach der Geburt eines Kindes

Möglicherweise ist die Mutter besonders viel mit dem Kind beschäftigt und aufgrund der ewigen Unruhe – besonders während der Nacht – ständig müde. Die Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit, die sie dem Kind entgegenbringt, erschöpft sie, und für den Partner bleibt nicht mehr viel übrig. 

In dieser Situation steht der Wunsch nach Sex bei vielen Frauen sehr weit hinten auf der Wunschskala. Manche Frauen verlieren sich so sehr in ihrer Mutterrolle, dass sie keinen Abstand mehr dazu finden. Dazu kann auch kommen, dass sich die Frau in ihrem Körper nach der Geburt noch nicht so wohl fühlt. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt für den Mann. Wenn er seiner Partnerin helfen will, sollte er ihr zeigen, dass er sie trotz der körperlichen Veränderungen begehrenswert findet.

+++ Mehr zum Thema: Sexuelle Probleme der Frau +++

Fehlender Sex als Krisenauslöser?

Die sexuellen Probleme nach der Geburt eines Kindes können mitunter Ausgangspunkt für schwere Krisen und Veränderungen sein. Manche Frauen haben das Gefühl, dass die sexuelle Lust völlig verschwunden ist, und ziehen sich zurück. Die Männer sind enttäuscht und ihrerseits frustriert und ziehen sich ebenfalls zurück. Manchmal ist es in diesem Lebensabschnitt durchaus empfehlenswert, über die sexuellen Probleme mit einem Arzt oder einem Familientherapeuten zu reden, um eine gründliche Erläuterung über die Zusammenhänge zu bekommen, damit sich die Partner nicht noch weiter voneinander entfernen.

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