Krise nach 10 - 15 Ehejahren

Paar nach Streit (mast3r / Shutterstock)

Nach 10 bis 15 Jahren Ehe kann es zwischen den beiden Ehepartnern kräftig kriseln. Der Grund dafür liegt häufig in einem Zusammenspiel der Pubertätskrise der Kinder und der 40-Jahre-Krise der Erwachsenen (zwischen 35 und 50 Jahre.)

Viele Frauen möchten sich gerne scheiden lassen, wenn sie das Alter um die 40 erreicht haben. "Erst waren es meine Eltern, dann mein Mann, und jetzt tyrannisieren mich meine Teenage-Kinder- jetzt reicht es mir."

Ich frage immer: "Warum hast du dir das immer gefallen lassen?" Im übrigen eine gute Frage, die man sich selbst stellen kann, wenn man sich unterdrückt fühlt. Anstatt sich scheiden zu lassen ist es eine gute Idee, nein zu sagen und zu verlangen, dass die Familie die persönliche Grenze nicht überschreitet.

Frauen um die Vierzig stürzen sich oft auf neue Projekte, beginnen ein Studium etc.. Ein Mann in diesem Alter fühlt sich geschmeichelt, wenn er von fremden Damen Komplimente bekommt. Das verleitet ihn, sich in eine Verliebtheit oder Untreue zu stürzen.

Mutter ist streng und sagt nein. Vater ist empfindlich und sensibel, oder die Kinder befinden sich mitten in ihrer "Sturm und Drang" Phase (die Pubertät beginnt ab dem 12.-13. Lebensalter). Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn sich eine Krise entwickelt. Diese Lebenskrise wird auch in der Weltliteratur geschildert:

Dantes "Divina Commedia" ist dafür eines der vielen literarischen Beispiele , wie Menschen plötzlich eine Revision ihres Lebens vornehmen: "Als ich halbwegs durch die Bahn meines Lebens gelangt war, befand ich mich im düsteren Wald, ich befand mich an einem Ort, wo ich weder einen Weg, noch eine Spur erahnen konnte."

"Es wirkt", schreibt der schwedische Psychiater Johan Culberg in "Krise und Entwicklung", als ob diese Umstellung bei vielen unbewusst geschieht, aber unter heftigem Widerstand. Man kommt in eine Lebensroutine und hat das Gefühl, langsam zu erstarren. Deshalb erleben viele eine Art von Panik und bekommen Lust, auszubrechen. Man fängt an, physisch hart zu trainieren, sich etwas jugendlicher zu kleiden, oder sich auf irgendeine Art und Weise den mehr oder weniger sarkastischen Kommentaren der Umgebung auszusetzen."

Das ist auch das Alter, wo viele darauf zurückblicken, was sie eigentlich erreicht haben. Einige fangen mit einer Weiterbildung an, andere beginnen, sich politisch zu engagieren, während wiederum andere sich in eine Verliebtheit stürzen. All das kann eine Ehe an den Rand des Abgrunds bringen, aber es kann auch eine Erneuerung bedeuten, wenn die Person, die verliebt ist, wiedergeliebt wird und dadurch entdeckt, dass er oder sie es wert ist, geliebt zu werden. Das kann neue Kraft und Inspiration zur Neueinschätzung einer versinkenden Ehe bedeuten, wenn sie solch einer Belastung standhalten kann.

Die Pubertät kann eine langsame Veränderung sein, aber oft ist es jedoch ein heftiger und schmerzvoller Prozess, wo der junge Mensch darum kämpft, seine eigene Identität zu finden und dazu Stellung nehmen muss, was er oder sie meint und wofür er oder sie steht. Zur gleichen Zeit wird geprüft, wozu man taugt.

Die Gefühle schwanken von Ausgelassenheit zu tiefster Mutlosigkeit und können sich auch in Depressionen manifestieren. Auf der einen Seite möchte man gerne noch etwas Kind sein, auf der anderen Seite schon erwachsen, und das am liebsten gleich . Es ist ein Randdasein, wo man sich zwischen zwei Stühlen platziert fühlt.

Es ist nicht angenehm "der - oder - die Kleine" zu sein, aber man wird unsicher, wenn man erwachsen sein soll, mit all den Anforderungen, die an einen gestellt werden. Man gehört noch nicht zu den Erwachsenen, und man gehört nicht mehr länger zu den Kindern. Es handelt sich dabei um einen Befreiungsprozess von den Eltern, eine Abgrenzung von dem eigenen früheren Standpunkt,.

Je stärker ein Kind gefühlsmäßig an die Eltern gebunden ist, um so heftiger ist der Befreiungsprozess.

Die Pubertät ist eine Art psychische Krise, die zu den gewaltigeren Entwicklungskrisen zählt. Es kommt zu erbitterten Kämpfen zwischen den Eltern und Kindern - bzw. mit den Lehrern. Die Jungen fühlen sich gedemütigt und haben das Gefühl, dass auf sie herumgetreten wird. Sie fühlen sich als kleine Kinder, ohne eigene Selbstständigkeit und ohne Verständnis seitens der Erwachsenen.

Viele Eltern bekommen Angst, wenn ihr kleiner Junge plötzlich abweisend und provozierend auftritt und mehr Rücksicht auf seine Freunde, als auf die eigene Familie nimmt.

Es ist eigentlich verständlich, dass Eltern nach einer Entschuldigung für das Benehmen der Kinder suchen, weil sie Angst vor der Zukunft haben und in ihrer Fantasie ihre Kinder in Schwierigkeiten kommen sehen.

Sie geben sich selbst und gegenseitig die Schuld dafür, dass sie die Erziehung nicht bewältigen konnten. Was haben wir nur falsch gemacht? Einige fangen vielleicht sogar zu denken an, ob es vielleicht erbliche Faktoren sind, dass ihr Kind sich so störrisch verhält.

Eltern machen sich Gedanken darüber, was wohl der Grund dafür sein kann, dass der Jugendliche plötzlich das Gefühl und Verständnis für andere Menschen verliert. Was da wohl noch alles passieren kann? Probleme mit Drogen und Alkohol bzw. Schwierigkeiten in der Schule etc.

Ich glaube, dass sich besonders Buben in diesem Alter in unserer wohlorganisierten Gesellschaft langweilen. Sie haben so viele Aggressionen, die sie nicht auf einer akzeptablen Art und Weise loswerden können. Das, was sie gerne mögen, macht meistens Krach, und dann werden sie oft als verhaltensgestört bezeichnet. Nur sehr wenige Eltern können es aushalten, mit einer Horde lärmender Teenager unter einem Dach zusammenzusein. Und genau in dieser Zeit, haben die jungen Leute das Bedürfnis in einer Gruppe zu sein. Das Zusammensein mit Gleichaltrigen dient zur Unterstützung der Selbstsicherheit.

Aber auch Mädchen sind während dieser Zeit außerordentlich schwierig, aber oft auf eine andere Art und Weise. Sie haben ebenfalls keine Vorliebe für andere Menschen - oder überhaupt nicht für die Eltern oder deren Familien.

Sie können auch aggressiv werden, oft wenden sich jedoch die Aggressionen gegen sie selbst. Sie weinen viel, oder geben sich selbst auf. Sie können Stunden vor dem Spiegel verbringen und jammernd mit sich selbst darüber einig werden, wie hässlich und unmöglich sie sind. Der Pickel auf der Nase kann die Welt zum Zusammenstürzen bringen . Sie befinden sich im Waschalter und können das Badezimmer für Stunden beschlagnahmen. Einige ziehen sich einfach zurück und verbleiben Tage unter der Bettdecke.

Es ist wohl ein ausgesprochen geringer Trost, dass dieses Verhalten in den allermeisten Fällen vorübergeht. Wenn ich gefragt werde, wann diese Phase beendet ist, dann antworte ich immer, dass die Kinder mit Sicherheit aus der Pubertät sind, wenn sie 26-27 Jahre alt geworden sind.

Aber während die Eltern mitten drin sind, können sie selber eine Krise erleben, die von Schlaflosigkeit und Angstanfällen geprägt ist, und das macht die Situation so ausweglos, dass von außen Hilfe gesucht werden muss.

Aber was kann man selbst dagegen tun?

Kinder werden im übrigen unsicher, wenn sie entdecken, dass sie Mutti und Vati kontrollieren können. Sie haben das Bedürfnis zu wissen, wie weit sie gehen können. Sie brauchen Grenzen. Aber diese Grenzen sollen nicht nach dem Alter des Kindes gesetzt werden, sondern sich danach richten, wie weit das Kind entwickelt ist, und das ist eine der schwierigsten Anforderungen, die an die Eltern gestellt wird.

In einigen Fällen können Teenagerkinder ein so großes Irritationsmoment darstellen, dass die Ehe in den Zustand der Auflösung gerät. Es können nicht die jungen Leute sein, die nun handeln sollen, sondern die Erwachsenen.

Es ist niemals die "Schuld" der jungen Leute. Es ist das Zusammenspiel zwischen den Erwachsenen, das die jungen Leute in die Klemme drängt.

Ich treffe oft Erwachsene, die davon überzeugt sind, dass sie als Kind schuld daran waren, dass sich ihre Eltern  scheiden ließen, da sie sich unmöglich benommen hatten, und das bedrückt sie sehr - und sie fühlen sich schuldig.

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