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Erste Hilfe bei Vergiftungen

Vergiftungsgefahr für Kinder
Reinigungsmittel stellen besonders für kleine Kinder eine große Gefahr da. Bewahren Sie diese sicher und unerreichbar auf! (Helin Loik-Tomson)

Vor allem Kinder bis zum Alter von sechs Jahren nehmen oft aus Neugierde bunte Pillen, Pflanzenteile oder Reinigungsmittel zu sich. In über 90 Prozent aller Fälle vergiften sich Kinder zu Hause.

Was sind Vergiftungen?

Wenn das Kind giftige Substanzen aufnimmt, die seinem Körper Schaden zufügen, spricht man von einer Vergiftung (Intoxikation). Giftige Stoffe können Medikamente (in 40 Prozent der Vergiftungsfälle), Putz- und Reinigungsmittel, Zigaretten, Alkohol, giftige Pflanzen und Pilze sein.

+++ Mehr zum Thema: Notfälle bei Säuglingen und Kleinkindern +++

Was sind Anzeichen einer Vergiftung?

Die Symptome einer Vergiftung hängen unter anderem von der Menge und Art der giftigen Substanz ab. Manche Substanzen sind bereits in kleinen Mengen giftig, andere erst in größeren Dosen. Außerdem können Menschen unterschiedlich auf ein Gift reagieren. Folgende Symptome können bei einer Vergiftung auftreten:

  • Ungewöhnliches Verhalten, z. B. Erregungszustände, Zittrigkeit, Gangunsicherheit, Müdigkeit, Bewusstseinstrübung, Teilnahmslosigkeit bis hin zu Bewusstlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Speichelfluss
  • Krampfartiger Bauchschmerz
  • Kopfschmerz, Schwindel
  • Atemstörung bis hin zu Blaufärbung der Lippen und Atemstillstand
  • Schock
  • Herz-Kreislauf-Versagen

Wie schnell macht sich eine Vergiftung bemerkbar?

In der Regel treten die Symptome schon kurz nach dem Kontakt mit dem Giftstoff auf. Bei einigen Substanzen können sich die Beschwerden aber auch erst nach einem längeren Zeitraum zeigen.

Vergiftung: Wann zum Arzt?

Vergiftungen können harmlos, aber auch tödlich verlaufen. Für den Laien ist es schwer, die Lage richtig einzuschätzen, darum sollte immer ein Arzt über die weitere Vorgehensweise entscheiden. Das gilt bereits beim Verdacht auf eine Vergiftung.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Vergiftung

Das Kind hat keine oder nur leichte Symptome:

  • Bewahren Sie Ruhe und beruhigen Sie Ihr Kind! Rufen Sie den Kinderarzt an.
  • Bei Hautkontakt mit giftiger Substanz, die betroffene Stelle mit Wasser spülen. Bei Augenkontakt für mindestens 15 Minuten mit Wasser spülen. Bei verschluckter Substanz Mundhöhle reinigen (auswischen oder mit Wasser spülen).
  • Bei Medikamenten unbedingt die Originalverpackung (Schachtel, Dose, Flasche, Blister etc.) aufbewahren.
  • Provozieren Sie auf keinen Fall ein Erbrechen!
  • Wählen Sie den Notruf der Vergiftungsinformationszentrale (01 406 43 43). Geben Sie Art und Menge der giftigen Substanz an, die es eingenommen hat. Bewahren Sie alle Reste des Eingenommenen auf (z. B. Tabletten, Pflanzenteile, Pilze oder Chemikalienverpackungen). Nehmen Sie diese mit zum Arzt oder ins Krankenhaus, damit der Arzt feststellen kann, um welche Vergiftung es sich handelt.

Das Kind zeigt Anzeichen akuter Lebensgefahr:

  • Zeigt das Kind bedrohliche Zustände wie Bewusstlosigkeit, Atemstillstand oder Kreislaufstillstand müssen umgehend lebenserhaltende Maßnahmen ergriffen und die Rettung (144) verständigt werden.

++ Mehr zum Thema: Erste Hilfe Maßnahmen & Notrufnummern ++

Wie können Sie verhindern, dass sich Ihr Kind vergiftet?

  • Lassen Sie einen krabbelnden Säugling nie unbeaufsichtigt.
  • Bewahren Sie Medikamente an einem Ort auf, der für Kinder unzugänglich ist. Am besten eignet sich hierfür ein verschließbares Hausapotheken-Schränkchen in ausreichender Höhe.
  • Schließen Sie Medikamente nach jedem Gebrauch weg, auch wenn die Präparate mehrmals täglich eingenommen werden müssen.
  • Lassen Sie Arzneimittel niemals herumliegen, auch wenn es nur Nasentropfen sind. Vor allem Pillen mit bunten, attraktiven Farben haben große Ähnlichkeit mit Bonbons und verleiten Kleinkinder dazu, sie zu probieren.
  • Besprechen und überprüfen Sie diese Vorsichtsmaßnahmen auch in anderen Haushalten, in denen sich Ihr Kind aufhält, z. B. bei den Großeltern oder der Tagesmutter.
  • Bewahren Sie Haushaltschemikalien wie Putz-, Spül- und Waschmittel immer für Kinder unerreichbar auf, am besten in einem verschließbaren Schrank in ausreichender Höhe.
  • Füllen Sie niemals Chemikalien in Lebensmittelverpackungen um, z. B. in eine Saftflasche. Die Kinder freuen sich über die entdeckte vermeintliche Saftflasche, nehmen einen Schluck und können schwere bis lebensbedrohliche Verätzungen der Speiseröhre erleiden.
  • Kennzeichnen Sie Gefäße mit Chemikalien oder anderen Giften immer deutlich und achten Sie auf kindersichere Verschlüsse.
  • Lassen Sie sich nicht ablenken, wenn Sie gerade Haushaltschemikalien geöffnet haben. Verschließen Sie die Flasche oder den Behälter wieder, wenn Sie sich anderen Kindern zuwenden, einen Anruf beantworten oder wenn es an der Haustür klingelt.
  • Lassen Sie Zigarettenstummel und -packungen auf keinen Fall herumliegen. Kleinkinder beobachten das Verhalten der Erwachsenen und würden auch gerne den Zigarettenstummel ausprobieren, den der Erwachsene gerade noch so genüsslich im Mund hatte. Sie holen ihn aus dem Aschenbecher und stecken ihn in den Mund. Schon die Tabakreste können Vergiftungen hervorrufen. Bedenken Sie auch, dass passives Rauchen ebenfalls gesundheitsschädlich ist.
  • Lassen Sie keine alkoholischen Getränke frei zugänglich für Kinder herumstehen. Schon geringe Mengen Alkohol sind für Kleinkinder sehr gefährlich. Schließen Sie deshalb alkoholische Getränke immer weg, so dass auch ältere Kinder nicht in die Versuchung kommen, die Getränke, die den Eltern so gut schmecken, zu probieren.
  • Züchten Sie keine giftigen Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon, wenn Kleinkinder in Ihrem Haushalt leben.
  • Klären Sie Ihre Kinder schon frühzeitig, aber altersgerecht über die Gefahren von Medikamenten, Haushaltschemikalien, Giftpflanzen, Pilzen, Zigaretten und Alkohol auf.

+++ Mehr zum Thema: Kindersichere Wohnung +++

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Priv.-Doz. DDr. Tamás Fazekas

Aktualisiert am:
Quellen

Thieme, Pädiatrie: Deutschlandweites Vergiftungsspektrum im Kindes- und Jugendalter unter https://www.thieme.de/de/paediatrie/Vergiftungsspektrum-Kindesalter-137937.htm (Letzter Zugriff: 06.05.2020)

Erste Hilfe für Kinder und Babys unter https://www.erste-hilfe-fuer-kinder.de/erste-hilfe-themen/vergiftungen-bei-kindern.html (Letzter Zugriff: 06.05.2020)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Vergiftungen unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/vergiftungsinformation/inhalt (Letzter Zugriff: 06.05.2020)
 

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