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Verbrennungen bei Kindern

Verbrennung Baby
Krabbelnde Säuglinge sollten nie unbeaufsichtigt sein. Bringen Sie am Herd Sicherheitsgitter an. (artursfoto / iStockphoto)

Verbrennungen und Verbrühungen gehören zu den häufigsten Unfällen im Kindesalter. Wie Sie im Notfall richtig reagieren, lesen Sie hier.

Was ist eine Verbrennung?

Zu einer Verbrennung kommt es, wenn Hitze auf die Haut einwirkt. Ist trockene Hitze (z.B. Feuer, Strom, Dämpfe, Gase) die Ursache, spricht man von einer Verbrennung, bei Flüssigkeiten (z.B. kochendes Wasser, Säuren oder Laugen) handelt es sich um eine Verbrühung. Besondere Vorsicht ist bei heißem Öl oder Fett geboten. Heißes Öl erreicht höhere Temperaturen als erhitztes Wasser. Es speichert die Hitze und haftet besonders stark an der Haut oder der Kleidung. Verbrennungen mit Öl führen häufig zu ausgeprägten Brandwunden. Besonders gefürchtet sind dabei Narbenbildungen bei Kleinkindern, die ein Leben lang Probleme bereiten können.

Kinder bis zu 4 Jahren, sind besonders häufig von Verbrennungen und Verbrühungen betroffen.  Mit zunehmender Mobilität des Babys wächst die Gefahr, sich zu verbrennen. Der häufigste Unfallort ist die Küche, krabbelnde Babys können sich aber auch an der Heizung verbrennen.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung von Verbrennungen +++

Anzeichen für Verbrennungen und Verbrühungen

Die Ausprägung der Symptome ist abhängig von Dauer und Intensität der Hitzeeinwirkung. Mögliche Anzeichen sind:

  • Schmerzen
  • Rötung
  • Blasenbildung, sich schälende Haut
  • weiße oder verkohlte schwarze Haut

Kleine oder große Verbrennung?

Kleine Verbrennungen können sehr schmerzhaft sein, bei großen bzw. schweren Verbrennungen ist das Schmerzempfinden aufgrund der zerstörten Nervenendungen oft gestört. Das heißt, der Patient empfindet wenig oder gar keine Schmerzen.

Eine schwere Verbrennung kann nicht nur lokale, sondern den ganzen Körper betreffende Reaktionen auslösen – ein Kreislaufschock kann auftreten. Bei Kindern besteht dieses Risiko bereits ab 5% verbrannter Körperoberfläche. Zur Beurteilung ob es sich um eine kleine oder große Verbrennung handelt, kann die sogenannte Handflächenregel herangezogen werden: Die Handfläche des Kindes entspricht 1% seiner Körperoberfläche.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei kleineren Verbrennungen oder Verbrühungen

  • Bei Verbrühung: Kleidung sofort entfernen.
  • Bei Verbrennung: Kleidung nur entfernen, wenn sie nicht haftet.
  • Größere Kinder: Betroffene Körperstelle unter handwarmem Wasser für max. 10 Minuten kühlen. Wenn dem Kind kalt wird, Behandlung sofort stoppen.
  • Säuglinge und Kleinkinder: Wenn eine größere Hautfläche betroffen ist, dann keine Kühlung durchführen, da es schnell zu einer lebensgefährlichen Unterkühlung kommen kann.
  • Kleine Verbrennungen oder Verbrühungen geringen Grades (ohne Blasenbildung) bei größeren Kindern kühlen und an der Luft heilen lassen (nicht mit einem Pflaster oder Verband abdecken).
  • Verbrennungen und Verbrühungen bei Kleinkindern oder Säuglingen sollten immer von einem Arzt begutachtet werden. Bei größeren Kindern gilt: Ist die Verbrennung größer als die Handfläche oder befindet sich die Verbrennung an einer heiklen Stelle, ist eine ärztliche Begutachtung ratsam. Insbesondere bei Handflächen muss man auf Narbenbildung achten, da die Beweglichkeit der Hand eingeschränkt werden könnte. Daher werden bei Verbrennungen und Verbrühungen fallweise auch plastische Chirurgen zur Begutachtung herangezogen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei großflächigeren Verbrennungen oder Verbrühungen

  • Es besteht die akute Gefahr einer Unterkühlung und eines Schocks. Rufen Sie sofort den Rettungsdienst (144)!
  • Eventuellen Kleiderbrand sofort mit Wasser löschen oder die Flammen mit einer dicken Decke ersticken.
  • Bei einer größeren Verbrühung: Kleidung rasch entfernen!
  • Bei größerer Verbrennung: Kleidung am Körper lassen, da diese "miteingebrannt" ist und es zu zusätzlichen Hautverletzungen kommen kann.
  • Den betroffenen Bereich mit einem sterilen Brandtuch abdecken. Die mit Metalline beschichtete Seite auf die verletzte Haut auflegen und locker mit einer Mullbinde oder einem Dreieckstuch fixieren. Das Brandtuch verklebt nicht mit der Wunde, ist wärmeerhaltend und schützt vor einer Verschmutzung.
  • Keine "Hausmittel" wie Salben, Puder, Öle, Desinfektionsmittel etc. anwenden!
  • Vorsicht bei Verbrennungen im Gesicht: Das Kind kann Rauch eingeatmet haben. Es besteht die Gefahr der Atemnot, da die Schleimhäute anschwellen und die Atmung behindern können.

Erste Hilfe Maßnahmen in diesem Fall:

  • Rettungsdienst (144) verständigen
  • Kind ansprechen und beruhigen
  • Aufrechte Sitzposition, um die Atmung zu erleichtern
  • Atmung kontrollieren
  • Brandwunden im Gesicht nicht abdecken
  • Kind warm halten!

+++ Mehr zum Thema: Richtig Erste Hilfe leisten +++

Wie kann man Verbrennungen und Verbrühungen vorbeugen?

  • Lassen Sie krabbelnde Säuglinge nie unbeaufsichtigt.
  • Um einer Verbrennung an der Heizung vorzubeugen, müssen Oberflächen an Heizungen oder Kaminöfen gesichert bzw. abgedeckt sein.
  • Bringen Sie um den Herd ein Sicherheitsgitter an. Am häufigsten verbrühen sich Kinder, wenn sie Töpfe mit kochendem Inhalt vom Herd ziehen. Stiele von Pfannen und Töpfen sollten immer nach hinten gedreht werden.
  • Überprüfen Sie das Badewasser immer mit einem Thermometer (max. 37 °C).
  • Sie sollten die Temperatur von Speisen und Milchflaschen vor dem Füttern immer selbst überprüfen.
  • Vorsicht: Erhitzen Sie Speisen oder Getränke eher nicht in der Mikrowelle, da sie sich nicht gleichmäßig erwärmen.
  • Nehmen Sie selbst keine heißen Getränke zu sich, solange Sie Ihren Säugling auf dem Arm tragen.
  • Lassen Sie brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt.
  • Zündhölzer und Feuerzeuge sollten immer kindersicher aufbewahrt werden.
  • Elektrische Kabel von Bügeleisen, Wasserkochern etc. sollten für Kinder nicht erreichbar sein.

+++ Mehr zum Thema: Kindersichere Wohnung +++

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Priv.-Doz. DDr. Tamás Fazekas

Aktualisiert am:
Quellen

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Notfall bei Kindern: Verbrennung und Verbrühung unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/erste-hilfe/kindernotfaelle/verbrennung-verbruehung (letzter Zugriff: 04.05.2020)
Österreichisches Rotes Kreuz: Verbrennung unter https://www.roteskreuz.at/site/erste-hilfe/erste-hilfe-im-detail/erste-hilfe-tipps/verbrennungen/?gclid=Cj0KCQjw17n1BRDEARIsAFDHFezXYrqU173n7kM-AYHks6GjbrNsjHq3mGo5Nd8qcR5Mp8gO1uBHqOAaArh8EALw_wcB (letzter Zugriff: 06.05.2020)

AWMF Leitlinie (https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-128l_S2K_Thermische_Verletzungen_Kinder_2015-04-abgelaufen.pdf)

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