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Sicherheit von Kindern im Auto

Welches Rückhaltesystem sich für ein Kind eignet, hängt vor allem von der Größe und dem Körpergewicht des Kindes ab. (Syda Productions / Fotolia.com)

In Österreich verletzen sich mehr Kinder im Auto als auf der Straße. Autounfälle zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern.

Bei einem Aufprall mit Tempo 30 wirken auf jeden Insassen bereits Verzögerungskräfte, die dem 17-fachen Körpergewicht entsprechen. Bei abruptem Bremsen ist ein Festhalten oder Abstützen nicht mehr möglich.

Wer sollte angeschnallt werden?

Alle Insassen in einem motorisierten Fahrzeug müssen die vorhandenen Sicherungseinrichtungen benutzen! In Österreich ist der Fahrer dafür verantwortlich, dass Kinder bis 14 Jahre richtig gesichert sind – entweder mit einer geeigneten Kinderrückhalteeinrichtung (Kindersitz) oder mit dem Fahrzeuggurt im Auto. Alle Personen, die älter als 14 Jahre sind, sind selbst für ihre Sicherung im Auto verantwortlich. Wer nicht gesichert ist, macht sich strafbar und erhält im Schadensfall kein Schmerzensgeld.

Welche Vorschriften zur Kindersicherung gibt es?

Prinzipiell gilt: Kinder unter 150 cm Körpergröße benötigen eine Rückhaltevorrichtung, die dem Gewicht und der Größe des Kindes angepasst ist. Diese kann nur auf Fahrzeugsitzen verwendet werden, die über einen Sicherheitsgurt oder ISOFIX (spezielles Befestigungssystem) verfügen. Kinder über 150 cm Körpergröße müssen mit einem herkömmlichen Sicherheitsgurt im Auto gesichert werden.

Welche Sicherheitsvorkehrungen werden für Säuglinge empfohlen?

Für Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 15 Monaten oder einem Gewicht von maximal 13 Kilogramm gibt es folgende Sicherungsmöglichkeiten:

Babywanne (bis max. 10 kg Körpergewicht)

Neugeborene werden in einer Babywanne flach und quer zur Fahrtrichtung im Fahrzeug transportiert. Für die Befestigung sind dafür zwei Fahrzeugsitzplätze nebeneinander notwendig. Das Baby sollte mit dem Kopf zur Wagenmitte liegen, um den Kopf bei einem Stoß von der Seite so gut wie möglich zu schützen. Gut geeignet sind derartige Systeme für Neugeborene mit speziellen Bedürfnissen, wie z.B. kleine Frühchen, Kinder mit mobilen Monitoringsystemen (Sauerstoffsättigung oder Herzrhythmuskontrolle), aber auch für Kinder mit Hüftdysplasie und letztlich auch für Kinder, die in den ersten Lebensmonaten häufiger Langstrecken mit dem Auto zurücklegen müssen.

+++ Mehr zum Thema: So fährt Ihr baby sicher im Auto +++

Babyschale, rückwärts gerichtete Systeme für Kleinkinder

Alle Kindersitze sollten nach Möglichkeit in der zweiten oder dritten Sitzreihe eines Fahrzeugs verwendet werden. Vor allem deshalb, weil in der zweiten Sitzreihe (zumeist auf den äußeren Sitzplätzen) das moderne ISOFIX-Befestigungssystem vorhanden ist. Auf dem Beifahrersitzplatz dürfen rückwärtsgerichtete Systeme nur verwendet werden, wenn ein vorhandener Frontairbag sicher deaktiviert ist.

Verweildauer im Kindersitz

Für Kinder sind das Reisen im Auto und das Verharren im Kindersitz selten angenehm – einerseits wegen der für Kinder ungewohnten Einschränkung der Bewegungsfreiheit (psychische Belastung), andererseits wegen der kaum veränderbaren Sitzhaltung (physische Belastung). Achten Sie darauf, dass ein Baby, das noch nicht selbstständig sitzen kann, nicht länger als 30 Minuten am Stück in einer Babyschale verbringt. Diese Empfehlung gilt auch für zusätzliche Verweilzeiten, in denen nicht Auto gefahren wird, sondern das Kind z.B. in der Babyschale mit dem Kinderwagen geschoben wird. Einzelne längere (Urlaubs-)Fahrten sind möglich, allerdings mit regelmäßigen Pausen – spätestens nach einer Stunde.

+++ Mehr zum Thema: Kinder und Reisen +++

Wie sichert man Kleinkinder im Alter von 15 Monaten bis zu 4 Jahren (etwa 9–18 kg, 68–105 cm)?

Für Kinder dieser Altersgruppe gibt es Autositze, die zumeist auf den Sitzplätzen der zweiten Sitzreihe befestigt werden können. Die Befestigung im Fahrzeug sollte vorzugsweise mit der modernen Sicherungstechnik ISOFIX erfolgen, die mittlerweile in fast allen Fahrzeugen verfügbar ist. Neben Kindersitzen mit Hosenträgergurten, die man vorwärts oder rückwärts verwenden kann, gibt es auch Systeme mit Fangkörper. Kleinkinder sollten aus Sicherheitsgründen so lange wie möglich gegen die Fahrtrichtung im Auto transportiert werden. Praxiserfahrungen zeigen, dass eine rückwärtsgerichtete Sicherung bis etwa 2,5 Jahre für die meisten Familien und Kinder problemlos möglich ist. Beachten Sie in jedem Fall sowohl die vom Kindersitzhersteller mitgelieferte Betriebsanleitung als auch jene des Fahrzeugs!

Wie sichert man Kinder mit etwa 3,5 Jahren bzw. Kinder bis zu einer Körpergröße von 150 cm (15–36 kg und mehr)?

Kinder dieser Altersgruppe werden in der Regel mit sogenannten Sitzkissen mit Rückenlehne im Fahrzeug transportiert. Die Sicherung von Sitz und Kind erfolgt hier in der Regel mit dem Fahrzeug-Dreipunktgurt. Das Sitzkissen dient dem Höhenausgleich und sorgt mit den am Sitz angebrachten Gurtführungen für einen sicheren Verlauf des Beckengurtes. Die Rückenlehne bietet einen guten Schutz bei einem Seitenaufprall, verhindert das Herausrutschen des Kindes aus dem Schultergurt beim Einschlafen und sorgt für eine entspannte Schlafposition. Im Handel sind auch Sitzkissen ohne Rückenlehne erhältlich. Diese sind zwar für den gleichen Gewichtsbereich zugelassen, jedoch entfallen hier alle Sicherheits- und Komfortvorteile, die mit einer Rückenlehne verbunden sind.

Worauf ist beim Angurten größerer Kinder zu achten?

Auf folgende Dinge sollten Sie beim Angurten unbedingt achten, um die Sicherheit des Kindes zu garantieren:

• Alle Gurte müssen so straff wie möglich am Körper geführt werden.

• Dicke Kleidung muss zumindest geöffnet werden, um eine sichere Gurtführung nahe am Körper zu ermöglichen.

• Achten Sie darauf, dass die Gurte korrekt angelegt und nicht verdreht sind.

• Kontrollieren Sie auch bei größeren Kindern immer wieder die korrekte und straffe Gurtführung.

+++ Mehr zum Thema: Mit Kindern auf Reisen +++

Was ist beim Kauf eines Kindersitzes zu beachten?

Welches Rückhaltesystem sich für Ihr Kind eignet, hängt vor allem von der Größe und dem Körpergewicht des Kindes ab. Probieren Sie daher unbedingt vor dem Kauf eines Autokindersitzes das Modell mit Kind im eigenen Auto aus. Erkundigen Sie sich, welche Kindersitze für Ihr Auto geeignet sind bzw. empfohlen werden. Achten Sie außerdem darauf, dass auf dem Kindersitz ein ECE-Prüfzeichen angebracht ist. Lassen Sie sich gegebenenfalls den Einbau des Sitzes und das richtige Angurten des Kindes von einem Fachmann zeigen.

Ist ein gebrauchter Kindersitz sicher?

Hat ein Kindersitz einen Verwendungszyklus (ein Kind) durchlaufen, ist zu klären, ob sich der Sitz noch für ein weiteres Kind verwenden lässt. Weist der Sitz sichtbare Mängel auf oder sind Sie sich nicht ganz sicher, verwenden Sie ihn nicht – das Leben Ihres Kindes kann von ihm abhängen! Wichtig: Seit 2010 dürfen nur mehr Kindersitze verwendet werden, die mindestens den ECE-Normen 44.03, 44.04 oder 129/1 entsprechen. Die Benützung älterer Modelle (z.B. 44.02) ist verboten.

Warum sind Airbags für Kinder gefährlich?

Airbags sind für Erwachsene konzipiert. Die Austrittsgeschwindigkeit eines Frontairbags liegt bei rund 300 km/h und erfolgt in einem sehr kurzen Zeitfenster von 13 Millisekunden, also explosionsartig. Der Airbag wird mit einer solchen Wucht aufgeblasen, dass er ein Kind auf dem Beifahrersitz erschlagen oder ersticken kann.

Baby- oder Kindersitze dürfen Sie auf gar keinen Fall auf Sitzen mit Airbag anbringen, egal, ob das Kind darin mit dem Rücken oder dem Gesicht zur Fahrtrichtung sitzt! Befolgen Sie außerdem unbedingt die Sicherheitsempfehlungen des Fahrzeugherstellers. In fast allen modernen Autos besteht die Möglichkeit, den Frontairbag des Beifahrers abzuschalten. In diesem Fall können Sie auch Kinder auf dem Beifahrersitz transportieren. Denken Sie aber daran, den Airbag wieder einzuschalten, wenn ein Erwachsener mitfährt.

Welche Sicherheitsregeln sollten außerdem im Auto gelten?

Auch wenn man es leicht vergisst – Autofahren ist nicht ungefährlich. Beim Autofahren mit Kindern sollten daher besondere Sicherheitsregeln gelten:

• Kontrollieren Sie vor jeder Fahrt den Kindersitz und dessen Anbringung/Befestigung.

• Stellen Sie sicher, dass alle Gurte straff gezogen sind.

• Vermeintliche Komfortverbesserungen durch zusätzliche Kissen oder zusammengerollte Handtücher sind nur zulässig, wenn dies in der Gebrauchsanleitung des Kindersitzherstellers angegeben wird. Vermeintliche "Verbesserungen" können bei Schutzprodukten lebensbedrohlich sein.

• Jeder Fahrzeuginsasse sollte ordentlich gesichert sein – auch Sie. Fahren Sie nicht los, ehe Sie sich davon überzeugt haben.

• Verhältnismäßige Ruhe im Auto ist ebenfalls wichtig. Schreien oder Herumzappeln lenkt den Fahrer ab. Um die Kinder sollte sich während der Fahrt daher ausschließlich ein mitfahrender Erwachsener kümmern.

• Fahren Sie allein mit einem Kind und es wird nörgelig oder möchte etwas haben, halten Sie an.

• Sorgen Sie für Abwechslung beim Fahren, indem Sie beispielsweise Audio-CDs für Kinder oder ausreichend Lesestoff mitführen. Größere Kinder haben gerne Spiele wie "Wer entdeckt mehr rote Autos?".

• Sorgen Sie auch für ausreichend Essen und Trinken sowie für genügend Pausen.

• Sperriges Gepäck oder auch mitgeführte Hunde gehören sicher im Laderaum verwahrt. Die Vorschriften zur Ladungssicherung gelten auch für PKW.

• Ein Kind sollte nie alleine im Auto zurückgelassen werden.

+++ Mehr zum Thema: Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien +++

Es sollte stets ein Erwachsener sein, der den Gurt eines Kindes öffnet!

Bringen Sie einem Kind gar nicht erst bei, wie man einen Gurt öffnet, da Sie sonst nie sicher sein können, ob das Kind wirklich angeschnallt ist. Besonders auf längeren Fahrten kann es für Kinder oft unangenehm oder langweilig werden, in einem Kindersitz festgeschnallt zu sein. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ein Kind, das den Gurt lösen kann, dies auch tut. Hat Ihr Kind seinen Gurt gelöst oder geöffnet, fahren Sie an die Seite und machen Sie dem Kind klar, dass es erst weitergeht, wenn alle angeschnallt sind. Öffnet Ihr Kind seinen Gurt öfter, tauschen Sie den Verschluss gegebenenfalls gegen einen aus, den das Kind nicht selbstständig öffnen kann.

+++ Mehr zum Thema: Kindersichere Wohnung +++

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Autoren:
Dr. Edgar Tichatschek
Medizinisches Review:

Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

http://www.autokindersitz.at

Webseite des österreichischen Bundeskanzleramts zum Thema "Kindersicherung"; https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/6/Seite.063800.html (zuletzt aufgerufen am 09.05.2017)

Webseite des ÖAMTC: Die richtige Kindersicherung im Auto; http://www.oeamtc.at/portal/die-richtige-kindersicherung-im-auto+2500+1095922 (zuletzt aufgerufen am 09.05.2017)

Webseite des ARBÖ: Kindersicherung – größte Sorgfalt für die Kleinen; http://www.arboe.at/auto-motor-rad/rund-ums-auto/kinder-sicher-im-auto/ (zuletzt aufgerufen am 09.05.2017)

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