Geburtsvorbereitung

Schwangere Frau sitzt im Schneiderschitz
Schwangere im Lotussitz: Mit Yoga lässt sich die Atemtechnik verbessern, bei der Entbindung können Frauen genau davon profitieren (szefei )

Geburtsvorbereitungskurse dienen nicht nur der allgemeinen Information von Schwangeren, sondern sie sollen durch Übungen und Gespräche auch gezielt Ängste vor der Geburt abbauen.

Durch den Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses wird die Frau von einer Hebamme durch die Schwangerschaft begleitet und auf die Geburt und die erste Zeit mit dem Neugeborenen vorbereitet. Zudem lernt man andere Schwangere kennen und hat die Möglichkeit, sich auszutauschen und Erfahrungen miteinander zu teilen.

Was geschieht in einem Geburtsvorbereitungskurs?

In einem Geburtsvorbereitungskurs erhält die Schwangere ausführliche Informationen über die kommenden Wochen der Schwangerschaft, den Ablauf im Kreißsaal und die einzelnen Phasen der Geburt. Verschiedene Gebärhaltungen während der Entbindung und Möglichkeiten zur Schmerzerleichterung werden besprochen. Dies hilft dabei, zu entscheiden, wie man sich persönlich den Ablauf der Geburt wünscht.

Es werden diverse Entspannungsübungen und Atemtechniken geübt, die für die Schmerzverarbeitung während der Wehen förderlich sind und zudem die Versorgung des Ungeborenen unterstützen. Ebenfalls wird das Hecheln erklärt. Die Gymnastik, die während der Kurse gezeigt wird, unterstützt den Stoffwechsel, die Entspannung und das Wohlbefinden auch mit "dickem Bauch".

Zudem bietet ein Geburtsvorbereitungskurs ausreichend Möglichkeit, offene Fragen und eventuelle Ängste mit einer Hebamme oder anderen schwangeren Frauen zu teilen und so Unsicherheiten abzubauen.

Die Hebamme informiert zudem über die erste Zeit mit dem Neugeborenen. Die werdende Mutter erhält Tipps, worauf etwa bei der Einrichtung des Kinderzimmers, der Erstausstattung für das Baby oder der Körperpflege des Neugeborenen zu achten ist.

Welche Arten von Geburtsvorbereitungskursen gibt es?

Es gibt viele verschiedene Arten von Kursen und man sollte sich im Vorfeld genau über das Angebot informieren, um den individuell passenden zu finden. Einige Kurse finden wöchentlich über einen regelmäßigen Zeitraum statt, andere werden geblockt an einem Wochenende abgehalten. Es wird empfohlen, etwa zwischen der 25. und der 30. Schwangerschaftswoche damit zu beginnen.

Einige Kurse sind nur für die Schwangere gedacht, bei anderen ist auch der Partner willkommen. Auch diesbezüglich sollte man einen Kurs nach seinen persönlichen Wünschen auswählen. In Paarkursen wird auch der werdende Vater auf die Geburt vorbereitet und erhält Tipps, wie er die Frau während der Wehen unterstützen kann. Auch Paargymnastik, also Gymnastik, bei der der Partner hilfreich mitwirken kann, wird erklärt. In diesen Bereich fällt auch die Massage. Hebammen erklären den Männern, wie sie bei ihren Frauen zur Entspannung durch Massage der Kreuzbeinregion und des Schultergürtels beitragen können. Dies unterstützt den Bezug des Vaters zur Schwangeren und auch während der Geburt kann der werdende Vater aktiv unterstützend helfen, was für die Männer, die sonst meistens eher hilflos an der Seite stehen, wichtig ist.

Man kann sich in der Klinik, in der man entbinden möchte, informieren, welche Kurse angeboten werden, oder z.B. auf der Homepage des Österreichischen Hebammengremiums (www.hebammen.at) eine Hebamme in der Nähe finden, die Kurse anbietet. Die Stadt Wien bietet unter www.wien.gv.at/sozialinfo/content/de/10/Institutions.do?senseid=1404 Anlaufstellen und Geburtsvorbereitungskurse an. Die Kurse der Familienhebammen der MA 15 etwa sind kostenlos. Auch Eltern-Kind-Zentren und viele Volkshochschulen in allen Bundesländern bieten Vorbereitungskurse an.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Angst vor der Geburt zu reduzieren?

Durch den Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses und umfangreiche Informationen kann die Angst vor dem Unbekannten genommen werden und - was oft noch viel wichtiger ist - ein Vertrauensverhältnis zur Hebamme aufgebaut werden, sodass sich die Schwangere, wenn es los geht, fallen und führen lassen kann.

Zur psychologischen Vorbereitung auf die Geburt haben sich einige Entspannungstechniken bewährt, zu den beliebtesten gehört die Methode nach Lamaze. Diese Methode basiert auf der Überlegung, dass die Angst den empfundenen Schmerz beeinflusst. Kann man die Angst reduzieren und die Entspannung fördern, so wird der Schmerz besser verarbeitet und der Schmerzmittelbedarf sinkt.

Auch autogenes Training kann für die Geburt und für die Zeit bis zur Geburt eine unterstützende Methode für die Schwangere sein. Hebammen können ausführliche Auskünfte über die einzelnen Methoden geben, sodass jede Frau die für sie passende finden kann.

Es gibt zur Vorbereitung auf die Geburt auch die Möglichkeit, in den letzten Wochen der Schwangerschaft Akupunktur, Homöopathie oder Phytotherapie anzuwenden.
Meistens sind die Hebammen auf bestimmte Gebiete spezialisiert und können so eine entsprechende Vorbereitung zur rechten Zeit beginnen.

Gibt es Schwangere, denen von einem Geburtsvorbereitungskurs abgeraten werden muss?

Nein, Geburtsvorbereitungskurse sind für alle schwangeren Frauen geeignet. Auch für Frauen, bei denen ein Kaiserschnitt geplant ist, können diese Kurse hilfreich sein, da dort nicht nur der Ablauf einer Geburt, sondern z.B. auch sämtliche Fragen zur Schwangerschaft und zur ersten Zeit mit dem Baby besprochen werden. Auch Sorgen und Unsicherheiten rund um den Kaiserschnitt können mit der Hebamme geteilt werden. Ebenso können Frauen, die bereits Kinder haben, vom Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses und vom Kontakt zu anderen Schwangeren profitieren.

Liegt eine Risikoschwangerschaft vor oder kommt es zu Komplikationen (z.B. vorzeitige Wehen), sollten bestimmte Übungen nicht durchgeführt werden. Das ist den Hebammen aber bekannt. Die betroffenen Schwangeren sollten sie daher auf jeden Fall über eventuell bestehende Komplikationen informieren. Sonst gibt es keine Kontraindikationen, diesen Kurs nicht zu besuchen, denn gerade bei bestehenden Komplikationen können entspannende Maßnahmen förderlich sein und das Wohlbefinden der Schwangeren unterstützen.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Petra Welskop
Redaktionelle Bearbeitung:
Philip Pfleger

Aktualisiert am:
Quellen

Geist C., Harder U., Stiefel A.: Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart, 5. Auflage 2012

Jahn-Zöhrens U.: Entspannt erleben – Schwangerschaft und Geburt. Hrsg.: Deutscher Hebammenverband e.V.; TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage, Stuttgart 2011

Huch R., Largo R.: Schwangerschaft, Geburt und erste Babymonate. TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage, Stuttgart 2009

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