Die Geburt: Eröffnungsperiode

In der Eröffnungsperiode öffnet sich langsam der Muttermund. Meistens kommt es dabei zum Blasensprung. (Olesia Bilkei / Fotolia.com)

Der Ablauf einer vaginalen Geburt gliedert sich in drei Phasen: die Eröffnungsperiode, die Austreibungsperiode und die Nachgeburtsperiode. Die Eröffnungsperiode ist dadurch gekennzeichnet, dass die Wehen in regelmäßigen und relativ kurzen Abständen - etwa alle drei bis sechs Minuten - kommen.

Die Wehen in der Eröffnungsperiode werden als schmerzhaft empfunden und sind "muttermundwirksam". Das bedeutet, dass sich der Gebärmuttermund im Zuge der Wehen immer weiter auflockert und weitet, bis er schließlich vollständig eröffnet ist (von null auf zehn cm).

Die Eröffnungsperiode dauert bei Erstgebärenden circa zehn bis zwölf Stunden, bei Mehrgebärenden circa sechs bis acht Stunden und endet mit dem vollständig eröffneten Muttermund. Die Zeiten sind aber sehr variabel, weil die Frauen meistens die noch unregelmäßigen Wehen als Eröffnungswehen empfinden.

Was passiert in der Eröffnungsperiode?

Die Eröffnungsperiode wird in zwei Phasen unterteilt: eine so genannte Latenz- und eine Aktivphase. In der Latenzphase verkürzt sich zunächst der Gebärmutterhals, der Muttermund öffnet sich dabei nur gering. Diese Phase dauert bei Erstgebärenden besonders lang (circa acht Stunden), bei Mehrgebärenden etwa vier Stunden. Sobald der Gebärmutterhals vollständig verkürzt ist, beginnt die Aktivphase. Dabei erweitert sich der äußere Muttermund, was mit kräftigeren und häufigeren Wehen einhergeht. Diese Phase dauert bei Erstgebärenden etwa drei bis vier Stunden, bei Mehrgebärenden entsprechend kürzer.

Der Muttermund öffnet sich während der Eröffnungswehen langsam, indem die Muskelfasern sich an die Gebärmutterseiten verlagern. Gleichzeitig tritt der Kopf des Kindes immer tiefer. Durch den Druck des Köpfchens wird der Muttermund zusätzlich passiv gedehnt. Während der Eröffnungsphase kommt es meistens zum Blasensprung.

Blasensprung

Wenn die Fruchtblase platzt, befindet sich die Schwangere in der Geburt, egal ob mit oder ohne Wehen. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Blasensprung stattfindet, unterscheidet man:

  • "Vorzeitigen Blasensprung": Die Fruchtblase springt vor dem Beginn der Eröffnungswehen.
  • "Frühzeitigen Blasensprung": Die Fruchtblase springt während der Eröffnungsphase, allerdings noch bevor der Muttermund vollständig geöffnet ist.
  • "Rechtzeitigen Blasensprung": Bei vollständigem Muttermund kommt es zum Fruchtwasserabgang.
  • "Verspäteten Blasensprung": Die Fruchtblase springt erst in der Austreibungsperiode.

Weitere Formen, die vom Geburtshelfer unterschieden werden:

  • "Hoher Blasensprung": Dabei ist ein kleines Leck in der Fruchtblase oberhalb des Muttermundes vorhanden, aus dem Fruchtwasser austritt, von der Scheide aus ist aber noch eine prall gefüllte Blase zu tasten.
  • "Zweizeitiger Blasensprung": Dabei liegt ein "hoher Blasensprung" vor und die Vorblase platzt.

Warum macht man sich die Mühe, so etwas zu unterscheiden?

Durch den Blasensprung besteht eine Verbindung zwischen Scheide, Kind und Gebärmutterhöhle. Es ist zu beobachten, dass bei lang bestehendem Blasensprung vermehrt Infektionen auftreten, seitens der Mutter und auch beim Kind. Deshalb kontrolliert man in diesen Fällen die Entzündungswerte im Blut der Schwangeren und gibt eventuell ein Antibiotikum.

Die Eröffnung der Fruchtblase führt meist zu einer Beschleunigung des Geburtsvorganges. In einigen Fällen (z.B. wenn die Wehen nicht häufig oder nicht stark genug sind) kann der Arzt oder die Hebamme die Fruchtblase manuell eröffnen, um die Geburt voranzutreiben. Nach dem Blasensprung werden die Wehen stärker und treten häufiger auf.

Eröffnungswehen

Die Eröffnungswehen werden unterschiedlich stark empfunden. Das Schmerzgefühl ist sehr individuell und jede Frau kommt unterschiedlich mit den Schmerzen klar. Gegen Ende der Eröffnungsphase können die Wehen alle zwei bis drei Minuten kommen und jeweils bis zu 90 Sekunden dauern.

Viele Frauen haben im Verlauf der Schwangerschaft Vorbereitungskurse besucht, in denen sie über den Ablauf der Geburt und über den Umgang mit den Wehenschmerzen informiert wurden. Es gibt Atemtechniken, die helfen, die Wehen zu "veratmen". Das fördert die allgemeine Entspannung, die wiederum der Öffnung des Muttermundes zu Gute kommt. Ihre Hebamme wird Sie anleiten, wie Sie atmen sollen und Ihnen dabei helfen, die für Sie angenehmste Liegeposition zu finden.

Alles, was entspannend wirkt, ist gut. So kann der Partner den Rücken massieren, es werden homöopathische Globuli angeboten, Bachblüten, Aromatherapie, Musik und vieles mehr. Zur Entspannung und gegen die Schmerzen wird erfolgreich Akupunktur eingesetzt. Auch die Gabe einer Periduralanästhesie (PDA) ist auf Wunsch in der Eröffungsphase möglich.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Petra Welskop
Redaktionelle Bearbeitung:
Helga Quirgst, MSc

Aktualisiert am:
Quellen

Weyerstahl T., Stauber M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Duale Reihe; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart; 4.Auflage 2013

Huch R., Largo R.: Schwangerschaft, Geburt und erste Babymonate; TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co KG Stuttgart; 2009

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