Esmarch-Handgriff bei Erwachsenen

Von , Wissenschaftsjournalistin
und , Medizinjournalistin
Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Mit dem Esmarch-Handgriff kann man als Ersthelfer den Mund eines Bewusstlosen öffnen – notfalls gewaltsam, falls die Kiefermuskeln verkrampft sind. Dann kann man nachsehen, ob Mund- und Rachenraum frei sind oder Fremdkörper entfernt werden müssen (zum Beispiel Erbrochenes). Erfahren Sie hier, wie der Esmarch-Handgriff genau ausgeführt wird und welche Risiken er birgt.

Esamrch-Handgriff

Kurzübersicht

  • Was ist der Esmarch-Handgriff? Ein spezieller Handgriff, mit dem ein Ersthelfer die Atemwege eines Bewusstlosen öffnet.
  • So geht der Esmarch-Handgriff: Hinter den Betroffenen knien, Daumen aufs Kinn, die restlichen Finger unter die Kieferknochen legen und dann den Unterkiefer nach vorne und das Kinn nach unten drücken.
  • In welchen Fällen? Bei Bewusstlosen, um Mund- und Rachenraum von eventuellen Fremdkörpern zu befreien oder eine Atemhilfe zu platzieren.
  • Risiken: Beim klassischen Esmarch-Griff wird der Kopf des Betroffenen nach hinten überstreckt. Das kann bei Halswirbelverletzungen das Rückenmark schädigen.

Achtung!

  • Der korrekte Esmarch-Handgriff ist schwer zu erlernen.
  • Bei (Verdacht auf) Verletzungen der Halswirbelsäule wendet man deshalb den modifizierten Esmarch-Handgriff an. Der Kopf bleibt dabei in neutraler (normaler) Position.
  • Tragen Sie beim Esmarch-Handgriff (wie generell bei Erste-Hilfe-Massnahmen) nach Möglichkeit Einmalhandschuhe.

Wie funktioniert der Esmarch-Handgriff?

Der Esmarch-Griff ist nach dem deutschen Chirurgen Friedrich von Esmarch (1823 - 1908) benannt. Er dient dazu, den Mund eines Bewusstlosen zu öffnen sowie Mund und Rachen freizumachen beziehungsweise freizuhalten. Der Esmarch-Handgriff ist ausserdem notwendig, um Atemhilfen platzieren zu können.

Esmarch-Handgriff: So geht's!

So gehen Sie beim klassischen Esmarch-Handgriff vor:

  1. Legen Sie den bewusstlosen Patienten auf den Rücken, am besten auf flachem, hartem Untergrund.
  2. Knien Sie hinter ihm, genauer: hinter seinem Kopf.
  3. Überstrecken Sie den Kopf des Patienten leicht nach hinten. Das Überstrecken (auch lebensrettender Handgriff genannt) kann das Freimachen der Atemwege erleichtern.
  4. Nun platzieren Sie Ihre Daumen auf dem Kinn des Bewusstlosen und die restlichen Finger auf beiden Seiten des Kopfes unter dem Kieferknochen, im Bereich des Kieferwinkels. Der Daumenballen kann jeweils auf dem Jochbein des Patienten abgestützt werden, jedoch nicht zu nahe an den Augen, um Verletzungen des Augapfels zu vermeiden.
  5. Mit den Fingern schieben Sie nun den Unterkiefer nach vorn (also die untere Zahnreihe vor die obere), wodurch sich der Zungengrund hebt. Zudem drücken Sie mit den Daumen das Kinn nach unten, sodass sich der Mund öffnet. Der Kopf des Betroffenen sollte dabei möglichst nicht bewegt werden.
  6. Fixieren Sie diese Stellung mit einer Hand. Mit der anderen können Sie nun, falls notwendig, den Mund-/Rachenraum des Bewusstlosen von Fremdkörpern befreien. Lässt sich eine Halswirbelsäulen-Verletzung ausschliessen, können Sie dazu den Kopf des Bewusstlosen auf die Seite drehen.

Modifizierter Esmarch-Handgriff

Bei dieser Variante gehen Sie im Prinzip genauso vor wie beim klassischen Esmarch-Handgriff. Sie verzichten aber darauf, den Kopf des Betroffenen zu überstrecken. Dieser "modifizierte Esmarch-Handgriff" wird bei (Verdacht auf) Halswirbelsäulen-Verletzungen angewendet.

Wann mache ich den Esmarch-Handgriff?

Wenden Sie den Esmarch-Handgriff an, um bei einem Bewusstlosen zu prüfen, ob seine Atemwege blockiert sind, und gegebenenfalls Fremdkörper aus Mund und Rachen zu entfernen. Ausserdem ist der Esmarch-Handgriff notwendig, um bei einem Bewusstlosen Atemhilfen oder Absaugvorrichtungen zu platzieren.

Manchmal blockiert die eigene zurückgefallene Zunge die Atemwege. Wenn jemand das Bewusstsein verliert, erschlafft die Zungenmuskulatur. Es besteht dann kein Ruhetonus mehr wie zum Beispiel im Schlaf. Bei einem Bewusstlosen in Rückenlage kann so die schlaffe Zunge nach hinten in den Rachenraum fallen und die Atemwege teilweise oder ganz verschliessen.

Atmet eine Person nicht mehr, müssen Sie sofort handeln und mit der Wiederbelebung beginnen! Ohne Sauerstoff kann der Betroffene schon nach wenigen Minuten sterben.

Der Esmarch-Handgriff bei Kindern

Prinzipiell lässt sich der Mund auch bei bewusstlosen Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern mittels Esmarch-Handgriff öffnen. Was Sie dabei beachten sollten, lesen Sie im Beitrag Esmarch-Handgriff bei Kindern.

Risiken des Esmarch-Handgriffs

Vermeiden Sie es, den Kopf des Bewusstlosen zu stark nach hinten zu überstrecken (beim klassischen Esmarch-Handgriff)! Sonst verengen sich die Atemwege beziehungsweise der Abstand zwischen Zungengrund und Rachenhinterwand verkleinert sich. Auch Blutgefässe können bei dieser überzogenen Form des Esmarch-Handgriffs eingeengt werden.

Wenn Sie den klassischen Esmarch-Handgriff (mit Überstrecken des Kopfes) bei Verletzungen der Halswirbelsäule durchführen, können Sie das Rückenmark schädigen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Carola Felchner
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Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Koster, R.W. et al.: European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2010 Section 2. Adult basic life support and use of automated external defibrillators; in: Resuscitation – Official Journal of the European Resuscitation Council, Oktober 2010, Band 81, Ausgabe 10, S. 1277-1292
  • Krier, C. et Gerogi, R.: Airway-Management, Georg Thieme Verlag, 2001
  • Laux G.: Esmarch-Handgriff, Guedel-Tubus und Wendel-Tubus. In: Rossaint R. et al. (Hrsg.) Die Anästhesiologie, Springer Reference Medizin, 2018
  • Müller, S.: Memorix Notfallmedizin, 10. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2017
  • Pschyrembel: Esmarch-Heidelberg-Handgriff, unter: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 19.10.2021)
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