Schilddrüsenszintigrafie

Von 
und , M.Sc. Biochemie und Medizinstudentin
Dr. med. Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Maria Franz

Maria Franz ist seit 2020 freie Autorin der NetDoktor-Redaktion. Nach Abschluss eines Masterstudiums in Biochemie studiert sie derzeit Humanmedizin in München. Mit Ihrer Arbeit bei NetDoktor möchte sie ihr eigenes großes Interesse an medizinischen Themen auch bei den Lesern wecken.

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Als Schilddrüsenszintigrafie bezeichnet man eine nuklearmedizinische Untersuchung der Schilddrüse. Sie ermöglicht es, neben der Form, Lage und Grösse der Schilddrüse auch deren Funktion bildlich darzustellen. Man nutzt die Schilddrüsenszintigrafie, um unterschiedliche Erkrankungen der Schilddrüse zu diagnostizieren, vor allem gut- und bösartige Tumoren. Lesen Sie hier alles Wichtige über die Schilddrüsenszintigrafie.

Szinti

Was ist eine Schilddrüsenszintigrafie?

Die Schilddrüsenszintigrafie ist eine Untersuchungsmethode, die die Aktivität der Schilddrüse sichtbar macht. So lassen sich zum Beispiel Tumore erkennen.

Bei der Schilddrüsenszintigrafie injiziert der Arzt dem Patienten einen radioaktiven Stoff in die Vene, der von der Schilddrüse aufgenommen wird. Meist handelt es sich dabei um Technetium-Pertechnetat, seltener verwendet der Arzt radioaktives Iod. Man bezeichnet die radioaktive Substanz auch als Radiopharmakon oder „Tracer“. Die Radioaktivität des Tracers ist sehr schwach und besitzt nur eine kurze Halbwertszeit, weswegen die negativen Auswirkungen auf den Körper als sehr gering eingestuft werden.

Der Tracer ähnelt strukturell dem Jod, welches für die Produktion von Schilddrüsenhormonen in die Schilddrüse aufgenommen wird. Daher sammelt auch er sich in der Schilddrüse an. Je aktiver die Schilddrüsenzellen (Thyreozyten) sind, desto mehr Jod beziehungsweise Tracer nehmen sie auf.

Die radioaktive Strahlung der Tracer lässt sich durch eine spezielle Kamera (Gammakamera) aufzeichnen und vom Computer grafisch darstellen (Szintigramm). Stark strahlende Regionen der Schilddrüse haben eine hohe Stoffwechselrate und werden auf dem Szintigramm rot dargestellt. Regionen, in denen sich aufgrund einer verringerten Stoffwechselaktivität dagegen weniger von der radioaktiven Substanz angesammelt hat, erscheinen grün.

MIBI-Szintigrafie und mIBG-Szintigrafie

In bestimmten Fällen setzt der Arzt auch andere radioaktive Tracer ein.

Bei der MIBI-Szintigrafie bekommt der Patient mit Technetium markiertes Methoxy-isobutyl-isonitril über eine Vene verabreicht. Damit lassen sich zum Beispiel „kalte“ Schilddrüsenknoten genauer abklären, also Geweberegionen, die kaum oder gar keine Schilddrüsenhormone mehr produzieren. Manchmal sind diese Knoten bösartig.

Die mIBG-Szintigrafie kann ein medulläres Schilddrüsenkarzinom abklären, also Krebs, der von den C-Zellen der Schilddrüse ausgeht. Die Abkürzung mIBG steht für meta-Iodobenzylguanidin. Auch dieser Tracer wird dem Patienten über die Vene injiziert. Seine Struktur ähnelt aber nicht Jod, sondern dem Hormon Noradrenalin. Er wird nicht in die Schilddüsenzellen (Thyreozyten) aufgenommen, sondern in die C-Zellen der Schilddrüse.

Beide Varianten der Szintigrafie (MIBI- und mIBG-Szintigrafie) werden nicht nur für nuklearmedizinische Untersuchungen der Schilddrüse, sondern auch für die anderer Körperbereiche eingesetzt.

Suppressionsszintigrafie

Mit der Suppressionsszintigrafie kann man autonome Areale in der Schilddrüse noch besser erkennen. Das sind Gewebezonen, die – unabhängig von der hormonellen Steuerung durch das Gehirn – Schilddrüsenhormone produzieren. Für diese Untersuchung werden dem Patienten mehrere Tage lang hochdosiert Schilddrüsenhormone verabreicht. Dadurch wird das gesunde Schilddrüsengewebe gesättigt und seine Aktivität gedrosselt („supprimiert“). Anschliessend führt man eine Szintigrafie mit Technetium-Pertechnetat durch, welche die autonomen (nicht gedrosselten) Areale zeigt.

Wann macht man eine Schilddrüsenszintigrafie?

Mit der Schilddrüsenszintigrafie kann man die Aktivität des Schilddrüsengewebes darstellen. So lassen sich zum Beispiel gut- und bösartige Tumoren sowie Autonomien erkennen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von kalten, warmen und heissen Knoten:

Kalter Knoten

Als kalten Knoten bezeichnet man ein Areal im Schilddrüsengewebe, welches den Tracer nicht oder kaum speichert. Dieses Gewebe ist also weniger aktiv als die restliche Schilddrüse. Das kann zum Beispiel bei einem bösartigen Tumor, aber auch bei einer Zyste oder Entzündung der Fall sein.

Warmer Knoten

Ein warmer Knoten speichert den Tracer etwas stärker als das restliche Schilddrüsengewebe. Es kann sich dabei um eine gutartige Geschwulst (selten um eine bösartige) handeln.

Heisser Knoten

Der heisse Knoten ist ein Bereich der Schilddrüse, der den Tracer intensiv speichert. Das spricht für einen gutartigen Tumor, der sich der normalen Steuerung durch den Körper entzogen hat und völlig unabhängig vom aktuellen Bedarf Schilddrüsenhormone produziert (Schilddrüsenautonomie).

Was macht man bei einer Schilddrüsenszintigrafie?

Vor der Schilddrüsenszintigrafie wird der zuständige Arzt mit Ihnen ein Aufklärungsgespräch führen, in dem er Sie beispielsweise über die Vorteile und Risiken der Schilddrüsenszintigrafie informiert. Ausserdem wird er Sie fragen, ob Sie irgendwelche Vorerkrankungen haben oder regelmässig Medikamente einnehmen. Denn Schilddrüsenmedikamente sowie jodhaltige Medikamente (wie Amiodaron – ein Mittel gegen Herzrhythmusstörungen) können die Untersuchung beeinflussen, indem sie zum Beispiel die Aufnahme des Tracers in das Schilddrüsengewebe stören. Diese Medikamente müssen dann vor einer Szintigrafie der Schilddrüse eventuell abgesetzt werden.

Die Schilddrüsenszintigrafie kann im Sitzen oder Liegen durchgeführt werden. Während die Aufnahmen gemacht werden, sollten Sie Kopfbewegungen und Schlucken vermeiden (beides kann die Bildqualität negativ beeinflussen). Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei.

Die Untersuchungsdauer hängt vom verwendeten Tracer ab: Bei Technetium-Pertechnetat können die Aufnahmen etwa fünf bis 25 Minuten nach der Injektion gemacht werden. Bei Natriumiodid muss man zwei bis vier Stunden warten.

Schilddrüsenszintigrafie: Risiken und Nebenwirkungen

In der Schwangerschaft und Stillzeit darf keine Schilddrüsenszintigrafie durchgeführt werden. Ist die Untersuchung in der Stillzeit unbedingt notwendig, sollte das Stillen unterbrochen werden.

Die Strahlenbelastung, der Patienten bei einer Schilddrüsenszintigrafie ausgesetzt sind, ist gering.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. med.  Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Maria Franz
Maria Franz

Maria Franz ist seit 2020 freie Autorin der NetDoktor-Redaktion. Nach Abschluss eines Masterstudiums in Biochemie studiert sie derzeit Humanmedizin in München. Mit Ihrer Arbeit bei NetDoktor möchte sie ihr eigenes großes Interesse an medizinischen Themen auch bei den Lesern wecken.

Quellen:
  • Balletshofer, B. et al.: Endokrinologie und Diabetes, Georg Thieme Verlag, 2009
  • Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN): DGN-Handlungsempfehlung (S1 Leitlinie) Schilddrüsenszintigraphie (Version 4), Stand: Oktober 2014, unter: www.nuklearmedizin.de (Abrufdatum: 14.09.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN): Leitlinie Durchführung und Befundung der 123I-mIBG-Szintigraphie bei Kindern und Jugendlichen, Stand: Februar 2020, unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 14.09.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN): Leitlinie Empfehlungen zur Durchführung der mIBG-Szintigraphie bei Kindern, Stand: 2007, unter: www.nuklearmedizin.de (Abrufdatum: 14.09.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN): Leitlinie Iod-131-Ganzkörperszintigraphie beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom, Stand: Januar 2019, unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 14.09.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN): Leitlinie Schilddrüsendiagnostik, Stand: Januar 2003, unter: www.nuklearmedizin.de (Abrufdatum: 14.09.2021)
  • Kuwert, T. et al.: Nuklearmedizin, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2008
  • Prinz, C.: Basiswissen Innere Medizin, Springer-Verlag, 2012
  • Schicha, H. & Schober, O.: Nuklearmedizin, Schattauer Verlag, 7. Auflage, 2013
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