Myokardszintigrafie

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Dr. med. Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Als Myokardszintigrafie (Herzszintigrafie) bezeichnet man ein nuklearmedizinisches Verfahren zur Darstellung der Durchblutung im Herzmuskel (Myokard). Es gibt Aufschluss über verschiedene Herzkrankheiten wie die Koronare Herzkrankheit (KHK) und kann entscheidend für die Therapieplanung sein. Erfahren Sie hier alles Wichtige über die Myokardszintigrafie.

Szinti_Myocard

Was ist eine Myokardszintigrafie?

Mit der Myokardszintigrafie kann man die Durchblutung des Herzmuskels bildlich darstellen. Über eine Vene wird dem nüchternen Patienten ein radioaktiv markierter Stoff (Radiopharmakon) verabreicht. verteilt sich entsprechend der Durchblutung (Perfusion) im Herzgewebe und wird von den Herzmuskelzellen aufgenommen. Die abgegebene Strahlung wird gemessen und als Bild dargestellt.

Für die radioaktive Markierung des verwendeten Stoffes wird meist Techneticum-99m (99mTc) verwendet.

Die Myokardszintigrafie kann in Ruhe oder unter Belastung durchgeführt werden. Im zweiten Fall sitzt der Patient während der Untersuchung zum Beispiel auf einem Fahrradergometer.

Ist so eine tatsächliche Belastung nicht möglich, kann durch Medikamente eine vorsichtige Belastung des Herzens simuliert werden. Zum Einsatz kommen meist gefässerweiternde Mittel (Vasodilatatoren wie Adenosin). Dürfen solche aus medizinischen Gründen nicht gegeben werden (etwa bei Asthma oder niedrigem Blutdruck), wird alternativ das Katecholamin Dobutamin verwendet. Die Gabe des Mittel erfolgt als Infusion.

Weniger Strahlung bei schlechter Durchblutung

Bei einem normal durchbluteten Herzmuskel verteilt sich das Radiopharmakon gleichmässig im Gewebe. Bestehen dagegen im Rahmen einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) lokale Engstellen in den Herzkranzgefässen, wird deren nachgeschalteter Gewebebezirk geringer durchblutet – es gelangt weniger Radiopharmakon dorthin. Diese minderdurchbluteten Areale lassen sich mittels der Myokardszintigrafie darstellen.

Tritt die verminderte Anreicherung nur unter Belastung, nicht aber unter Ruhe auf, liegt eine reversible Perfusionsstörung vor. Ist sie dagegen auch unter Ruhe nachweisbar, ist die Perfusionsstörung nicht-reversibel. Das betroffene Herzgewebe ist irreversibel zerstört ("vernarbt").

Die eigentlichen Engstellen (Stenosen) in den Herzkranzgefässen lassen sich mit der Myokardszintigrafie allerdings nicht lokalisieren. Dafür muss man eine Koronarangiografie durchführen, also eine radiologische Untersuchung der Gefässe (Angiografie) des Herzmuskels. Das macht man im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung.

Wann führt man eine Myokardszintigrafie durch?

Die Myokardszintigrafie führt man vor allem bei Verdacht auf eine Koronare Herzkrankheit (KHK) durch oder bei bekannter KHK zur Abklärung ihres Ausmasses.

Oft nutzt man die Untersuchung auch, um zu entscheiden, ob ein verengtes Herzkranzgefäss mit Medikamenten oder einem operativen Eingriff (Bypass- oder Stent-Operation) behandelt werden sollte. Eine Operation hat zum Beispiel Aussichten auf Erfolg, wenn ein Herzareal nur reversibel geschädigt ist: Der Eingriff kann dann möglicherweise dessen Durchblutung wieder verbessern.

Auch nach einem Herzinfarkt kann der Arzt mit der Myokardszintigrafie die Durchblutung und damit den Zustand des Herzmuskels (also seine Vitalität) beurteilen.

Myokardszintigrafie: Vorbereitung

Ihr behandelnder Arzt wird Sie im Vorfeld nicht nur über Ablauf und Risiken der Myokardszintigrafie aufklären, sondern Ihnen auch sagen, was Sie vor Antritt der Untersuchung beachten müssen.

Dazu gehört zum Beispiel, dass Sie nüchtern zur Untersuchung erscheinen müssen. Das trägt dazu bei, dass der radioaktiv markierte Stoff bestmöglich in das Herzgewebe aufgenommen wird und sich nur minimal in anderem Gewebe (etwa im Magen-Darm-Trakt) anreichert. Nüchtern bedeutet, dass Sie in den vier Stunden vor der Untersuchung nichts mehr essen dürfen. Eine Ausnahme gilt für Diabetiker – ihnen ist ein leichtes Frühstück erlaubt.

Ist eine medikamentöse Belastung mit einem gefässerweiternden Mittel (Vasodilatator) geplant, dürfen Sie mindestens 12 Stunden vorher keine koffeinhaltigen Speisen oder Getränke (Schokolade, Kaffee, Cola, schwarzer Tee etc.) konsumieren. Bestimmte Medikamente (Präparate mit Koffein, Theophyllin oder Dipyridamol) müssen Sie spätestens 24 Stunden vor der Myokard-szintigrafie absetzen. Der Arzt wird Ihnen hierzu genauere Anweisungen geben.

Myokardszintigrafie: Risiken und Nebenwirkungen

Die körperliche Belastung auf dem Fahrradergometer kann bei herzkranken Patienten (wie jede körperliche Anstrengung) zu Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt führen.

Die medikamentöse Belastung bei der Myokardszintigrafie kann Nebenwirkungen auslösen wie Brustschmerz, Atemnot, Flush (anfallsartig auftretende Hautrötung, etwa im Gesicht), Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen und im Extremfall sogar einen Herzinfarkt.

Die Strahlenbelastung bei der Myokardszintigrafie ist gering. Um sie einordnen zu können, muss man zunächst wissen, dass jeder Mensch zu jeder Zeit einer natürlichen Strahlenbelastung ausgesetzt ist, etwa durch das Erdgas Radon und die kosmische Strahlung.

So liegt die natürliche jährliche Strahlenbelastung pro Person in Deutschland durchschnittlich bei 2,1 mSv (mit einer Schwankungsbreite von 1 bis 10 mSv - je Wohnort, Ernährungsgewohnheiten etc.). In Österreich ist man pro Jahr im Schnitt 3,8 mSv an natürlicher Strahlung ausgesetzt (Schwankungsbreite: 2 bis 6 mSv). Für die Schweiz wird die natürliche jährliche Strahlenbelastung pro Person mit 5,8 mSv angegeben, wobei es auch hier einen Schwankungsbereich je nach Wohnort und weiteren Faktoren gibt.

Zum Vergleich: Die Strahlenbelastung bei einer Myokardszintigrafie beträgt bei mit Technetium markierten Stoffen im Durchschnitt 6,5 Millisievert (mSv).

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Thomas Saller
Autoren:
Dr. med.  Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) et al.: Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin, Elsevier / Urban & Fischer Verlag, 2020
  • Bundesamt für Strahlenschutz, Deutschland: "Natürliche Strahlung in Deutschland" (Stand: 18.05.2022), unter: www.bfs.de (Abruf: 24.06.2022)
  • Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN): DGN-Handlungsempfehlungen (S1-Leitlinie) Myokard-Perfusions-Szintigraphie, Stand: 2012
  • Duale Reihe: Innere Medizin, 4. Auflage, Thieme Verlag 2018
  • Lapp, Prof. H. et al.: Das Herz-Buch - Bypass, Ballondilatation, Stents, Trias Verlag, 2012
  • Nationale Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Stoffe (NAGRA), Schweiz: "Radioaktivität - Was ist das?", unter: www.nagra.ch (Abruf: 24.06.2022)
  • Sicherheits-Informationszentrum Österreich: "Strahlenbelastung", unter: www.sic.cc (Abruf: 24.06.2022)
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