Gelenkpunktion

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Bei einer Gelenkpunktion sticht der Arzt mit einer Nadel in den Hohlraum eines Gelenks, um Flüssigkeit abzusaugen oder Medikamente hineinzuspritzen. Lesen Sie alles Wichtige über den Ablauf der Gelenkpunktion, wann sie notwendig wird und welche Risiken sie birgt.

Gelenkpunktion

Was ist eine Gelenkpunktion?

Als Gelenkpunktion wird das Einstechen einer Nadel in die Gelenkhöhle bezeichnet. Über diese Nadel kann der Arzt einerseits Flüssigkeit aus dem Gelenk absaugen, andererseits Medikamente in den Gelenkspalt spritzen (Injektion). Viele Gelenke erlauben eine solche Punktion (Knie-, Hüft-, Schulter-, Ellenbogengelenk, Finger- und Zehengelenke etc.). Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden.

Wann führt man eine Gelenkpunktion durch?

Die Gelenkpunktion dient sowohl der Diagnostik als auch der Therapie verschiedener (vor allem orthopädischer) Erkrankungen. Diagnostische Einsatzmöglichkeiten der Gelenkpunktion sind:

Therapeutische Einsatzmöglichkeiten umfassen zum einen das Einbringen von Medikamenten (wie Kortison oder Schmerzmittel) in ein Gelenk. Zum anderen kann der Arzt mittels Gelenkpunktion ein durch einen Erguss geschwollenes Gelenk entlasten, indem er Ergussflüssigkeit absaugt.

Bei Verletzungen, Entzündungen oder Infektionen der Haut im Bereich der Einstichstelle sollte nach Möglichkeit auf eine Gelenkpunktion verzichtet werden, um keine Bakterien ins Gelenk einzubringen.

Was macht man bei einer Gelenkpunktion?

Will der Arzt ein Gelenk (zum Beispiel das Knie) punktieren, desinfiziert er zuerst die Einstichstelle mit einem keimtötenden (antiseptischen) Mittel. Haare im Bereich der Einstichstelle werden mit einer Rasierklinge entfernt. Eine örtliche Betäubung ist nur selten nötig.

Anschliessend deckt der Arzt das Gelenk und dessen Umgebung mit einem sterilen Tuch ab. Das Tuch hat ein Loch über der geplanten Einstichstelle (Lochtuch).

Dann führt der Arzt eine Hohlnadel ins Gelenk (genauer in die Gelenkhöhle) ein. Grössere Gelenke lassen sich über verschiedene Zugangswege punktieren: Kniegelenke zum Beispiel kann der Arzt sowohl von vorn als auch von der Seite unterhalb der Kniescheibe anstechen. Manchmal verwendet er ein Ultraschallgerät, um die korrekte Position der Nadel zu prüfen.

Durch die Hohlnadel kann er dann im Gelenk vorhandene Flüssigkeit absaugen. Handelt es sich um eine therapeutische Gelenkpunktion, spritzt er über die Punktionsnadel ein Medikament in die Gelenkhöhle.

Diagnostische Gelenkpunktion: Beurteilung der gewonnenen Flüssigkeit

Die bei der Gelenkpunktion gewonnene Probe wird als Punktat bezeichnet. Dieses kann der Arzt sowohl mit dem blossen Auge (makroskopisch) als auch mit speziellen labortechnischen Analysen beurteilen. Gesunde Gelenkflüssigkeit ist strohgelb, relativ dünnflüssig und klar. Beispiele für krankhafte Befunde sind:

  • blutige Gelenkflüssigkeit bei Verletzungen der Gelenkkapsel oder der Bänder oder bei Gerinnungsstörungen
  • blutige Gelenkflüssigkeit mit Fettaugen bei Verletzungen des Knochen bis in die Markhöhle
  • seröse, besonders dünnflüssige Gelenkflüssigkeit bei degenerativen Gelenkschäden
  • trübe Gelenkflüssigkeit bei rheumatischen Erkrankungen oder eitrigen Gelenkinfektionen
  • gelb-milchige Gelenkflüssigkeit bei Gicht

Welche Risiken birgt eine Gelenkpunktion?

Die Gelenkpunktion ist kaum schmerzhafter als eine gewöhnliche Blutentnahme. Beim Einbringen von Medikamenten kann vorübergehend ein Druckgefühl im Gelenk entstehen.

Die meistgefürchtete Komplikation ist die Einschleppung von Krankheitserregern in die Gelenkhöhle. Diese verursachen dort oft eitrige Entzündungen, die unbehandelt zu einer Zerstörung des Gelenks, Entzündung des Knochenmarks und auch zur Sepsis ("Blutvergiftung") führen können.

Auf die bei einer therapeutischen Gelenkpunktion verabreichten Medikamente können Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen, die mit Schwellungen, Juckreiz, Ausschlag und im Extremfall mit Kreislaufversagen einhergehen.

Was muss ich nach einer Gelenkpunktion beachten?

Nach der Gelenkpunktion wird Ihnen der Arzt einen sterilen Wundverband anlegen. Achten Sie darauf, dass dieser beim Waschen nicht nass wird. Hierfür können Sie zum Beispiel spezielle Duschpflaster verwenden.

Falls Sie Beschwerden im punktierten Gelenk verspüren, sollten Sie dringend Ihren Arzt aufsuchen. Überwärmung, Rötung, Fieber oder Schmerzen können Zeichen einer Infektion sein, die schnellstmöglich behandelt werden muss!

Wie lange Sie sich nach der Punktion körperlich schonen müssen, hängt vom punktierten Gelenk ab: So empfiehlt es sich zum Beispiel nach einer Kniegelenkspunktion, das betreffende Bein für vier bis sechs Stunden ruhig zu halten. Genauere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie vom Arzt, der die Gelenkpunktion durchgeführt hat.

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Martin Schäfer
Quellen:
  • Ewerbeck, V. et al.: Standardverfahren in der operativen Orthopädie und Unfallchirurgie. Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2014.
  • Krämer, J. & Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer Verlag, 9. Auflage, 2013.
  • S1-Leitlinie "Intraartikuläre Punktionen und Injektionen: Hygienemaßnahmen" des Arbeitskreises "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF (Stand 08/2015, zur Zeit in Überarbeitung)
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