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Corona: Welche Tests gibt es?

Corona Test
Die Entwicklung von Coronatests, die rasch, sicher und möglichst flächendeckend durchgeführt werden können, läuft auf Hochtouren. (1212390107 / iStockphoto)

Die Entwicklung von Coronatests, die rasch, sicher und möglichst flächendeckend durchgeführt werden können, läuft auf Hochtouren. Denn: Je mehr Menschen getestet werden, desto präziser kann die aktuelle Lage eingeschätzt werden. Bislang wurden Tests eingesetzt, die eine hohe Treffsicherheit haben, mitunter aber lange dauern. Nun sollen vermehrt sogenannte «Schnelltests» angewendet werden. Wie unterscheiden sich die beiden Tests? Was sind die Vor- und Nachteile und werden wir bald alle getestet? netdoktor klärt auf.

 

Nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus siedelt sich dieses zunächst im Rachenraum und später im gesamten Atmungstrakt an und führt dort zu den bekannten Schäden. Das Immunsystem reagiert, indem es Abwehrkörper (Antikörper) bildet und damit versucht, den Erreger unschädlich zu machen. Da es sich bei SARS-CoV-2 für das Immunsystem um einen bis dato unbekannten Krankheitserreger handelt, kann es auf keinerlei «Vorerfahrung» zurückgreifen. Die benötigten Antikörper müssen erst neu produziert werden. Dieser Prozess dauert jedoch einige Tage.

Um eine Infektion mit SARS-CoV-2 festzustellen, bietet die Medizin zwei verschiedene Möglichkeiten:

  • Nachweis des Virus selbst bzw. seiner Bestandteile
  • Nachweis von Antikörpern gegen das Virus

Nachweis des Virus (herkömmliches Testverfahren)

Um eine frische Coronainfektion nachzuweisen, wird ein Nasen- oder Rachenabstrich (alternativ Lungensekret) genommen und dieser anschliessend im Labor untersucht. Dabei wird im Probenmaterial nach dem Virus – bzw. nach seinem Erbmaterial – gesucht. Da es sich dabei um kleinste Mengen von Erbgut handelt, wird das gefundene Material zunächst mithilfe eines komplexen Verfahrens (PCR) vervielfältigt. Durch Zugabe von fluoreszierenden Stoffen sieht man, ob die gesuchten Gensequenzen vorliegen oder nicht. Ein positives Ergebnis bedeutet, dass die Infektion mit SARS-CoV-2 eindeutig nachgewiesen ist. Die reine Laborzeit beträgt rund vier Stunden (das Wiener AKH ist mittlerweile in Besitz von schnelleren 90-Minuten-Tests), bis das Ergebnis vorliegt können aber inklusive Bearbeitungs- und Transportzeit zwei Tage (mitunter sogar mehr) vergehen.

Dennoch hat diese Art der Testung auch Fehlerquellen:

Die Treffsicherheit dieses Tests ist abhängig vom Zeitpunkt der Probenentnahme. Grund dafür ist, dass SARS-CoV-2 in der ersten Erkrankungswoche meist nur im Rachenraum angesiedelt ist, in der zweiten Woche oft nur im Lungensekret.

Ein negatives Testergebnis (=kein Virus gefunden) ist also kein eindeutiger Beweis für eine Virenfreiheit. Patienten, die dennoch verdächtige Symptome zeigen, werden daher nach einigen Tagen erneut getestet.

+++ Mehr zum Thema: AKH hat ab sofort 90-Minuten-Tests +++

Nachweis von Antikörpern gegen das Virus (Schnelltest)

Beim sogenannten «Schnelltest» wird untersucht, ob das Immunsystem des Patienten jemals in Kontakt mit SARS-CoV-2 war. Da es aber einige Tage (bis zu zwei Wochen) dauert, bis der Körper die entsprechenden Abwehrzellen (Antikörper) gebildet hat, eignet sich der Test nicht zur Diagnose im Akutfall. Es könnte also sein, dass eine Person, die tatsächlich gerade hochinfektiös ist, einen negativen Antikörpertest hat.

«Schnell» bezieht sich allein auf die Dauer des Testverfahrens: Der Antikörpertest funktioniert ähnlich wie ein Schwangerschaftstest – allerdings über eine Blutprobe. Das Ergebnis liegt bereits nach wenigen Minuten (anhand des Farbumschlags am Teststreifen) vor.

Auch «falsche» Ergebnisse – sogenannte «falsch positive» – lassen sich nicht mit Sicherheit ausschliessen. Es besteht die Möglichkeit für Kreuzreaktionen: Das bedeutet, dass Antikörper, die aufgrund vorangegangener harmloser anderer Coronavirusinfektionen gebildet wurden, mit jenen gegen SARS-CoV-2 verwechselt werden, da sie eine ähnliche Struktur haben.

Antikörpertests haben aber einen entscheidenden Vorteil: Sie sind ein gutes Werkzeug, um festzustellen, wer bereits eine Coronainfektion durchgemacht hat, und deshalb mit grosser Wahrscheinlichkeit immun dagegen ist. Auf diese Weise kann die tatsächliche Infizierten-Zahl ermittelt werden, auch wenn die Ansteckung unbemerkt blieb. Dies ermöglicht nicht nur Aussagen über den weiteren Verlauf der Pandemie sondern letztlich auch eine genauere Einschätzung der Sterblichkeitsrate.

Die Forschung arbeitet daher mit Nachdruck an der stetigen Verbesserung solcher Tests. Denn: Je mehr Menschen getestet werden, desto schneller werden wir die Krise in den Griff bekommen.

+++ Mehr zum Thema: Was passiert nach einer überstandenen Coronainfektion? +++

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