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3 vielversprechende Medikamente gegen COVID-19

Medikamente gegen Corona
"APN01": Österreichischer Genetiker entwickelte Medikament, das zielgerichtet gegen SARS-CoV-2 wirken soll. (Marcos Silva / iStockphoto)

Nicht nur die schnelle Ausbreitung von SARS-CoV-2 macht der Bevölkerung Angst, sondern auch der mitunter schwere bis tödliche Verlauf sowie fehlende zielgerichtete Arzneimittel tragen zur allgemeinen Verunsicherung bei. Auf eine effektive Therapie sind Wissenschafter bislang noch nicht gestossen. Welche Wirkstoffe zum Durchbruch verhelfen könnten, lesen Sie hier.

Die Symptome, die das SARS-CoV-2 auslösen, ähneln zwar einer Atemwegserkrankung, Ärzte stehen allerdings vor einer Herausforderung, die neuartige Corona-Erkrankung zu behandeln. Forscher arbeiten auf Hochtouren daran, wirksame Medikamente zu finden und greifen dabei u.a. auf Arzneimittel zurück, die bereits für andere Erkrankungen entwickelt wurden:

  • Remdesivir
  • Chloroquin
  • APN01 ("Penninger-Medikament")

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Remdesivir

Der Wirkstoff weist antivirale Eigenschaften auf und wurde 2014/2016 gegen das Ebola-Virus entwickelt. Weil das experimentelle Arzneimittel zunächst von Misserfolg geprägt war – Remdesivir wirkte zwar bei Schimpansen, führte bei einigen Menschen allerdings zum Tod – wurde es nicht zugelassen. Forscher arbeiteten jedoch weiterhin im Labor an dem Wirkstoff und entdeckten, dass dieser Wirkung gegenüber im Labor gezüchteten Virenkulturen zeigte – darunter auch SARS-CoV-1, das Virus, das 2002 die SARS-Epidemie ausgelöst hatte und Parallelen zu jenem Corona-Virus aufweist, das aktuell die Welt in Atem hält.

Erste klinische Studien des Pharmaunternehmens Gilead haben bereits in den USA und in Asien begonnen. Obwohl das Medikament noch nicht breitenwirksam verschrieben werden darf, haben Ärzte den Wirkstoff bei einzelnen Patienten im kritischen Zustand ohne Aussicht auf eine Therapie bereits eingesetzt. Bis das Medikament zugelassen wird, muss erst ein signifikanter Wirksamkeitsnachweis erbracht werden.

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Chloroquin

Auch Chloroquin, ursprünglich ein bewährtes Malaria-Medikament, das antiviral und entzündungshemmend wirkt, soll in der Therapie gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen. Ein bereits bekanntes Medikament hätte den Vorteil, dass es das Zulassungsverfahren schneller durchlaufen könnte. Auch wurden in China und Italien bereits COVID-19-Patienten damit behandelt. Allerdings ist nicht bekannt, ob eine Genesung auf die Gabe von Chloroquin zurückzuführen ist oder ob das Medikament sogar schadet. Auch ist nichts über etwaige Nebenwirkungen und Reaktionen, z.B. bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bekannt. Klinische Studien, in denen das Mittel an Menschen getestet wird, finden bereits statt.

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APN01

Ein neuer Hoffnungsträger im Kampf gegen das Corona-Virus ist das Medikament APN01 (rhACE2), für das die Aufsichtsbehörden in Österreich, Dänemark und Deutschland kürzlich den Startschuss für eine klinische Phase II-Studien erteilt haben. Dabei handelt es sich um ein synthetisches Medikament, das von dem Genetiker Dr. Josef Penninger und seinem Team der Apeiron Biologics AG entwickelt wurde und einen doppelten Wirkungsmechanismus aufweisen soll. Einerseits soll das synthetische Enzym die Infektion der Zellen mit SARS-CoV-2 blockieren, gleichzeitig soll es in der Lunge entzündungshemmend wirken. Dr. Penninger hat bereits 2005 herausgefunden, dass das SARS-Virus an der Zelloberfläche an einem ACE2-Enzym andockt. Weil das Medikament damals bereits an 89 Personen getestet wurde und sich als verträglich erwiesen hatte, soll das Medikament nun im Rahmen der zweiten Studienphase 200 COVID-19-Patienten getestet werden. Sollte das Medikament sich als wirksam erweisen, wäre es das erste Arzneimittel, das gezielt gegen SARS-CoV-2 gerichtet ist.

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Weitere Beispiele für vielversprechende Wirkstoffe:

  • Tocilizumab: Der Immunmodulatur wurde gegen Rheumatoide Arthritis entwickelt und soll die Abwehrreaktionen des Körpers begrenzen.
  • Favipiravir: Der antivirale Wirkstoff ist in der Grippe-Tablette Avigan enthalten und soll das Enzym, das das Virus zur Vermehrung benötigt, blockieren.
  • Arbidol: Dieses ebenfalls antivirale Mittel wurde in China bereits als mögliches Medikament empfohlen.
  • Lopinavir/Ritonavir: Der Wirkstoff wird bei der Behandlung von HIV-Infektionen eingesetzt.

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Aktuell laufen zahlreiche weitere Studien, um die Wirksamkeit von Medikamenten und Impfstoffen zu entwickeln und zu testen; die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA) appelliert an Spitäler und Pharmaunternehmen, zusammenzuarbeiten, damit möglichst schnell eine effiziente Therapie gegen das neuartige Coronavirus zum Einsatz kommen kann. 

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