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COVID-19: WHO rät von Behandlung mit Remdesivir ab

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Die WHO spricht sich gegen eine Empfehlung von Remdesivir zur Behandlung von COVID-19-Patienten aus. ( digicomphoto)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät von einer Behandlung mit dem antiviralen Medikament Remdesivir bei COVID-19-Erkrankungen ab. Nach genauer Prüfung soll das Mittel Todesfälle durch SARS-CoV-2 nicht verhindern.

Das Medikament Remdesivier, das intravenös verabreicht wird und ursprünglich zur Behandlung von Ebola zum Einsatz kommen sollte, galt als Hoffnungsträger im Kampf gegen das Coronavirus. In Europa und den USA ist es seit Oktober 2020 als Notfall-Medikament bei COVID-19 zugelassen und wird bei schweren Verläufen verabreicht. Die Wirksamkeit des Mittels galt jedoch lange Zeit als umstritten. Mittlerweile liegen die Ergebnisse groß angelegter Studien zu Remdesivir vor. Ein Expertengremium der WHO hat sich nun nach eingehender Überprüfung der Daten gegen den Einsatz des Medikaments bei COVID-Patienten ausgesprochen.

Studienergebnisse zu Remdesivir ernüchternd

Aktuell gibt es vier aussagekräftige Studien, die die Wirksamkeit von Remdesivir bei Patienten mit COVID-19 untersucht haben. Daran teilgenommen haben 7.370 Patienten aus über 30 Ländern. Mit einem ernüchternden Ergebnis: Remdesivir verhindert wahrscheinlich keine Todesfälle durch COVID-19. Die Studiendaten legen zwar nahe, dass das Medikament eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Patienten verzögern kann. Allerdings scheint sich dies nicht auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der Betroffenen auszuwirken.

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WHO lehnt Empfehlung ab

Auch andere wichtige Faktoren wie der Bedarf an künstlicher Beatmung oder die Zeit bis zu einer Besserung dürfte das Medikament nicht maßgeblich beeinflussen, teilte die WHO kürzlich mit. Ebenso sei noch nicht ausgeschlossen, dass das Medikament auch Schaden anrichten könnte.  Die Ergebnisse der Studien dürften jedenfalls für eine Empfehlung des Medikaments zur Behandlung von COVID-Patienten derzeit nicht ausreichen.

Die EU wollte sich bislang zu den möglichen Konsequenzen der WHO-Einschätzung noch nicht äußern. Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sollen nun europäische Wissenschafter die Aussagen der WHO überprüfen und wenn nötig, Schlussfolgerungen zur Behandlung mit Remdesivir ziehen.

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Quellen

WHO recommends against the use of remdesivir in COVID-19 patients: https://www.who.int/news-room/feature-stories/detail/who-recommends-against-the-use-of-remdesivir-in-covid-19-patients (letzter Zugriff: 24.11.2020)

Juul S, Nielsen N, Bentzer P, Veroniki AA, Thabane L, Linder A, Klingenberg S, Gluud C, Jakobsen JC. Interventions for treatment of COVID-19: a protocol for a living systematic review with network meta-analysis including individual patient data (The LIVING Project). Syst Rev. 2020 May 9;9(1):108. https://systematicreviewsjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13643-020-01371-0 (letzter Zugriff: 24.11.2020)

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