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Haben Rheuma-Patienten ein erhöhtes COVID-19-Risiko?

Rheuma Corona
Manche Patientengruppen haben ein höheres COVID-19-Risiko. (Phynart Studio / iStockphoto)

Rheumapatienten haben laut den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen generell kein erhöhtes Risiko sich mit SARS-CoV-2 anzustecken. Bestimmte Patientengruppen sind aber dennoch gefährdeter als andere.

Bei Rheuma handelt es sich oft um Krankheiten, bei denen das Das Immunsystem eine gestörte Toleranz gegenüber körpereigenen Stoffen und Gewebe hat, sogenannte Autoimmunerkrankungen. Es kommt zur Bildung von Antikörpern, die sich gegen unseren Körper richten und eine Entzündung auslösen. Neben Gelenken, Muskeln, Wirbelsäule und dem Bindegewebe können auch Organe wie Herz, Lunge, Nieren, Darm, Augen und die Haut betroffen sein. Unser Abwehrsystem arbeitet zu viel und greift körpereigene gesunde Zellen an.

Dies passiert z.B. bei der rheumatoiden Arthritis (früher chronische Polyarthritis), bei der Psoriasisarthritis (Kombination Schuppenflechte und Gelenksentzündung), dem Bechterew (Entzündung der Wirbelsäule), Muskelentzündungen wie der Polymyalgia rheumatica und den Kollagenosen (Entzündungen von Bindegewebe und Blutgefäßen). Moderne Medikamente wie konventionelle Basismittel, Biologika und Small Molecules können das fehlgeleitete Immunsystem unterdrücken. Die Erkrankung kommt somit oft zu einem kompletten Stillstand.

+++ Mehr zum Thema: Wie wird Rheuma behandelt? +++

Erhöhtes Infektionsrisiko?

  • Diese Rheumapatienten haben laut den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen generell kein erhöhtes Risiko sich mit SARS-CoV-2 anzustecken oder bei einer Infektion mit Covid-19 einen schwereren Verlauf zu haben im Vergleich zur Normalbevölkerung.
  • Allgemeine Risikofaktoren wie hohes Alter, männliches Geschlecht, Rauchen, Übergewicht, wenig Bewegung, Diabetes oder vorbestehende Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen können grundsätzlich einen schwereren Verlauf der Virusinfektion bedingen. Solche Risikofaktoren finden sich leider bei rheumatischen Patienten häufiger.
  • Sind die rheumatischen Entzündungen aber schlecht eingestellt mit hoher Entzündung und Krankheitsaktivität, dann begünstigt dies das Infektionsrisiko. Wer dazu noch höher dosierte Kortisonmengen täglich einnehmen muss (mehr als 10mg Prednison), ist besonders gefährdet.

+++ Mehr zum Thema: COVID-19 +++

Was tun in der Covid-19 Pandemie?

Eine gut eingestellte Rheumatherapie sollte nur aufgrund einer allgemeinen Situation wie einer Virusepidemie keinesfalls umgestellt werden. Ein Weglassen der notwendigen Medikamente (Basismittel, Biologika, Small Molecules) könnte zum Aufflammen der rheumatischen Entzündung führen. Mit der Folge eines dann erhöhten Infektionsrisikos.

Bei Patienten mit einem positiven Abstrich oder beginnenden Covid-19-Symptomen sollte allerdings, wie auch bei jeder anderen Infektion, die Therapie mit Biologika und anderen immunmodulierenden Rheumamedikamenten unterbrochen werden.

Patienten mit anderen rheumatischen Leiden wie Abnützungen, lokalen Entzündungen von Sehnenansätzen oder Bandscheibenproblemen haben, da hier das Immunsystem nicht involviert ist, auch kein erhöhtes Infektionsrisiko.

Rheumatiker sollten in Rücksicht und Übereinstimmung mit allen geltenden und notwendigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen auch regelmäßig Bewegung und Sport machen. Dies härtet unseren Körper ab und reduziert nachweislich die Krankheitsaktivität und damit die Schmerzen. Achten Sie ebenso auf eine gesunde Ernährung, meiden Sie Rauchen, Alkohol und Softdrinks. Und vergessen Sie bitte nicht auf die null.

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Autoren:
Dr. Thomas Schwingenschlögl
Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:

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