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Corona und Rauchen: Das sollten Sie wissen

Corona, Rauchen
Rauchen in Zeiten von Corona. (Serhii Sobolevskyi / iStockphoto)

Rauchen ist unbestritten ein Risikofaktor für viele Atemwegserkrankungen. Doch wie sieht es für COVID-19 aus?

Ob sich Raucher seltener mit dem Coronavirus anstecken und welchen Einfluss das Rauchen auf den Krankheitsverlauf hat, erfahren Sie hier.

Wird in Zeiten von Corona mehr geraucht?

Angesichts der Tatsache, dass das Coronavirus vor allem die Lunge angreift, könnte man annehmen, dass während der Pandemie weniger geraucht wird. Eine Befragung der Universität Wien konnte zeigen, dass das nicht der Fall ist. Dabei wurde untersucht, wie sich der Nikotinkonsum seit Mitte April (Welle 4) und Anfang Mai (Welle 6) entwickelt hat. Das Ergebnis: Seit Beginn der Krise wird noch mehr geraucht. Vor allem arbeitslose und einsame Menschen berichten von einem gesteigerten Tabakkonsum. Niederländische Wissenschafter kamen in einer repräsentativen Online-Befragung zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach rauchten 19 Prozent der Befragten mehr als üblich, 14 Prozent weniger als sonst und die restlichen Teilnehmer blieben bei ihrem gewohnten Rauchlevel. Gründe für den vermehrten Konsum waren vor allem: Langeweile, mehr Stress sowie "häufigeres Alleinsein". Um eine allgemeine Einschätzung des Tabakkonsums während der Pandemie geben zu können, müssen allerdings noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

+++ Mehr zum Thema: Rauchfrei ins neue Jahr – Hilfe beim Rauchstopp +++

Tipp: Wenn Ihr Zigarettenkonsum während des Lockdowns zunimmt – zum Beispiel aus Stress oder Langeweile –, wird es Ihnen später möglicherweise schwerfallen, beim Rauchen wieder kürzer zu treten. Die Rezeptoren in Ihrem Gehirn gewöhnen sich nämlich schnell an die erhöhte Nikotindosis und werden darum auch weiterhin nach mehr verlangen. Denken Sie also auch in dieser Zeit an Ihre Gesundheit, rauchen Sie möglichst wenig oder hören Sie am Besten ganz damit auf.

+++ Mehr zum Thema: Nikotinsucht +++

Schützt Rauchen vor COVID-19?

Aktuell werden zwar einige wissenschaftlichen Studien durchgeführt, um einen möglichen Schutz durch Nikotin zu untersuchen. Allerdings  gibt es bislang keine zuverlässigen Belege dafür, dass Nikotin gegen das Coronavirus schützt. Sicher ist, dass das Inhalieren von Giftstoffen wie Tabak und Nikotin einen schweren Verlauf von COVID-19 begünstigt und das Immunsystem schwächt.

Sind Raucher anfälliger für eine Infektion mit SARS-CoV-2?

Noch ist die Datenlage unklar. "Ob das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko für Raucher per se höher ist als für Nichtraucher, ist noch umstritten und lässt sich zurzeit aufgrund der Dunkelziffer noch nicht mit Bestimmtheit sagen", erklärt Dr. Bernd Lamprecht, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. Allerdings ist klar: COVID-19 ist eine Infektionskrankheit, die durch das SARS-CoV-2-Virus ausgelöst wird und vor allem die Lungen und Atemwege befällt. Da Rauchen die Lungen schädigt und das Das Immunsystem schwächt, steigt für Raucher die Wahrscheinlichkeit einer Infektion, Erkrankungen brechen eher aus. Denn ist die Lunge erst einmal vorgeschädigt, haben Krankheitserreger ein leichtes Spiel. Vor allem das im Tabak enthaltene Nikotin sowie enthaltener Teer scheinen die Abwehrkräfte des Körpers zu beeinträchtigen. Auch die World Health Organization (WHO) sowie die Food and Drug Administration (FDA) in den USA haben bereits im April davor gewarnt, dass sich Raucher mit hoher Wahrscheinlichkeit eher mit SARS-CoV-2 anstecken als Nichtraucher.

Untersuchungen legen zudem nahe, dass Raucher auch aufgrund ihrer rauchertypischen Gewohn­hei­ten anfälliger für Ansteckungen seien. Demnach würden beim Rauchen beispielsweise regelmäßig die Finger nahe an das Gesicht gebracht, was das Risiko einer Infektion erhöhe.

Eine weitere Studie liefert Hinweise darauf, dass es bei Rauchenden mehr Andockstellen (ACE2-Rezeptoren) für das Virus SARS-CoV-2 geben könnte. Diese Bindungsstellen benötigt das Virus, um an die Lungenzellen anzudocken. Wer raucht, hat demnach eine höhere Konzentration von ACE2-Rezeptoren. Je mehr dieser Rezeptoren vorhanden sind, desto besser kann sich das Virus vermehren. Interessant: Ex-Raucher hatten ähnlich niedrige ACE2-Werte wie Menschen, die nie geraucht hatten. Aber auch dieser Zusammenhang muss erst noch in weiteren Studien näher untersucht werden.

+++ Mehr zum Thema: Rauchen und Lungenkrebs +++

Kommt es bei Rauchern häufiger zu schweren Krankheitsverläufen?

Bisherige Studien zeigen, dass Raucher neben Älteren (ab 50 bis 60 Jahren), Menschen mit Vorerkrankungen (z.B. COPD, koronare Herzerkrankung, Bluthochdruck, Diabetes, Krebserkrankungen) sowie Menschen mit hohem Übergewicht zu den Risikogruppen für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung gehören.

Nach aktueller Datenlage erhöht sich das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Coronainfektion bei Rauchern drastisch je nach Studie um das Doppelte bis 14-Fache. Rauchende mit einer COVID-19-Erkrankung benötigen im Vergleich zu Nichtrauchenden zudem häufiger eine Aufnahme auf die Intensivstation und müssen beatmet werden. Allerdings gilt die wissenschaftliche Datenlage zu den Zusammenhängen von Rauchen und Corona  laut Experten derzeit immer noch als schwach.

Fakt ist jedoch: Rauchen begünstigt die oben genannten Vorerkrankungen, die wiederum einen schweren Verlauf bei COVID-19 wahrscheinlicher machen.

Kann Zigarettenrauch COVID-19 übertragen?

Der Rauch von Zigaretten kann an und für sich das Virus nicht übertragen. Allerdings kann die Atemluft eines Menschen winzige Tröpfchen enthalten sogenannte Aerosole über die COVID-19-Viren transportiert werden können. Das Infektionsrisiko besteht also nicht durch den Zigarettenrauch, somit durch die darin enthaltenen Tröpfchen, die während des Rauchens ausgeatmet werden. Demnach können auch E-Zigaretten das Infektionsrisiko erhöhen. Das gleiche gilt für Wasserpfeifen. Hinzu kommt, dass beim gemeinsamen Rauchen von Wasserpfeifen das Risiko einer Infektion zusätzlich erhöht wird. Auf die gemeinsame Benutzung einer Wasserpfeife sollte aktuell daher verzichtet werden.

+++ Mehr zum Thema: Aerosole verweilen länger in der Luft als angenommen +++

Das können Sie tun

Rauchstopp: Sobald Sie mit dem Rauchen aufhören, arbeiten Ihre Lungen und Ihr Herz besser. Ihr Infektionsrisiko sinkt. "Es ist durchaus möglich, das Krankheitsrisiko und den Krankheitsverlauf auch jetzt noch zu beeinflussen, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Es macht immer einen Unterschied, ob man aktiver oder ehemaliger Raucher ist", weiß Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Innerhalb von nur 20 Minuten nach der letzten Zigarette sinkt außerdem Ihre Herzfrequenz und der Blutdruck. Nach 12 Stunde sinkt der Kohlenmonoxidgehalt im Blutkreislauf auf den Normalwert. Innerhalb von 2 bis 12 Wochen verbessert sich die Durchblutung und die Lungenfunktion steigt. Nach 1 bis 9 Monaten nehmen Husten und Atemnot ab. Nicht zuletzt schützen Sie durch den Rauchstopp auch Ihre Mitmenschen, insbesondere Kinder.

+++ Mehr zum Thema: Rauchstopp – So erholt sich der Körper +++

Wer trotzdem nicht auf das Rauchen verzichten kann, sollte neben den allgemeinen Coronaregeln vor allem Folgendes beachten:

  • Da die Tröpfcheninfektion die häufigste Übertragungsart von SARS-CoV-2 ist, sollte besonders beim gemeinsamen Rauchen gehen mit anderen, ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten oder generell darauf verzichtet werden.
  • Von einer gemeinsamen Nutzung von Wasserpfeifen und dergleichen ist abzuraten. Das Risiko der Übertragung ist dort noch größer, wenn das gleiche Mundstück benutzt wird.
  • Da beim Rauchen die Hand immer wieder zum Mund geführt und dadurch das Infektionsrisiko erhöht wird, sollte unbedingt auf eine sorgfältige und regelmäßige Händehygiene geachtet werden.

+++ Mehr zum Thema: Aktuelle Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus +++

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Aktualisiert am:
Quellen

Universität Wien, Vienna Center of Electoral Research (David W. Schiestl): Alkohol und Tabak in der Krise – ein Update zum Genussmittelkonsum Anfang Mai. https://viecer.univie.ac.at/corona-blog/corona-blog-beitraege/blog36/ (letzter Zugriff: 07.01.2021)


Vardavas et al.: COVID-19 and smoking: A systematic review of the evidence. Tob. Induc. Dis. 2020;18(March):20. http://www.tobaccoinduceddiseases.org/COVID-19-and-smoking-A-systematic-review-of-the-evidence%2C119324%2C0%2C2.html#cit0006 (letzter Zugriff: 07.01.2021)

thebmjopinion: Covid-19: The role of smoking cessation during respiratory virus epidemics. https://blogs.bmj.com/bmj/2020/03/20/covid-19-the-role-of-smoking-cessation-during-respiratory-virus-epidemics/ (letzter Zugriff: 07.01.2021)

Patanavanich et al.: Smoking Is Associated With COVID-19 Progression: A Meta-analysis. Nicotine & Tobacco Research, Volume 22, Issue 9, September 2020, Pages 1653–1656. https://academic.oup.com/ntr/article/22/9/1653/5835834 (letzter Zugriff: 07.01.2021)

WHO: Coronavirus disease (COVID-19): Tobacco: https://www.who.int/westernpacific/news/q-a-detail/coronavirus-disease-covid-19-tobacco#:~:text=Tobacco%20smokers%20(cigarettes%2C,communal%20and%20social%20settings. (letzter Zugriff: 07.01.2021)

Leung et al.: ACE-2 Expression in the Small Airway Epithelia of Smokers and COPD Patients: Implications for COVID-19. European Respiratory Journal 2020; https://erj.ersjournals.com/content/early/2020/03/26/13993003.00688-2020 (letzter Zugriff: 07.01.2021)

Yamaguchi: Smoking, immunity, and DNA damage. Transl Lung Cancer Res. 2019 May; 8(Suppl 1): S3–S6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6546629/ (letzter Zugriff: 07.01.2021)

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