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Corona-Tote: Meist über 80 und mit Vorerkrankungen

Corona, Sterbefälle
Corona: Die Zahl der täglichen Todesfälle bleibt auf hohem Niveau. (oonal / iStockphoto)

Eine Auswertung von mehr als 700 Sterbefällen, die mit einer Corona-Infektion in Zusammenhang standen, zeigt: Verstorbene waren durchschnittlich 83 Jahre alt und hatten meist mehrere Vorerkrankungen.

Sterben Menschen am oder mit dem Coronavirus? Welche Vorerkrankungen hatten die Verstorbenen? Und wie alt waren sie? Diesen Fragen sind Forscher am Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) nachgegangen. Dazu haben die Wissenschafter im Auftrag der Sozialbehörde insgesamt 735 Sterbefälle untersucht, die im Jahr 2020 mit einer COVID-19-Erkrankung in Verbindung gebracht wurden.

Zur Klärung der Todesursache der Verstorbenen wurden folgende Methoden angewendet:

Nach Auswertung der dadurch gewonnen Daten kamen die Forscher zu interessanten Ergebnissen.

Was war die häufigste Todesursache?

"618 Fälle können wir sicher als COVID-Sterbefall einordnen", so Prof. Dr. Benjamin Ondruschka, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des UKE. Das bedeutet, 84 Prozent der untersuchten Fälle sind an COVID-19 verstorben

Die meisten Corona-Infizierten starben an:

+++ Mehr zum Thema: So wirkt sich COVID-19 auf Thrombosen und Embolien aus +++

Nur in sieben Prozent der Fälle – also in 5 Fällen – sind die Infizierten mit dem Virus verstorben. Das bedeutet, die Verstorbene haben sich zwar mit dem Virus angesteckt, jedoch war die Infektion nicht für ihren Tod verantwortlich. Bei den übrigen Sterbefällen (knapp 70) lehnten die Angehörigen eine Obduktion zur Klärung der Todesursache ab oder es fehlten Unterlagen.  

Der Studie zufolge starben insgesamt rund zwei Drittel der untersuchten Fälle während der zweiten Welle ab Oktober, die meisten jedoch im Dezember. 

Wie alt waren die Verstorbenen?

Zum Alter der Verstorbenen konnten die Forscher folgendes herausfinden:

  • Die Menschen, die an einer Corona-Infektion gestorben sind, waren durchschnittlich 83 Jahre alt. 
  • Drei Viertel aller Todesopfer waren älter als 76 Jahre. 
  • Nur sieben Personen – also etwas mehr als ein Prozent – waren zum Todeszeitpunkt unter 50 Jahre alt. 
  • Kinder und Jugendliche waren nicht unter den untersuchten Sterbefällen. 

"Der jüngste Verstorbene in Hamburg war 29 Jahre alt, der älteste 100", erklärte Ondruschka.

Es verstarben außerdem durchschnittlich mehr Männer (55 Prozent) als Frauen. Die Männer waren aber im Vergleich etwas jünger.

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Welche Vorerkrankungen traten auf?

Der Datenauswertung zufolge wiesen die an Corona Verstorbenen eine Reihe von Vorerkrankungen auf.

Zu den häufigsten Vorerkrankungen zählten demnach:

Laut Ondruschka hatten 88 Prozent der Untersuchten zwischen einer und vier Vorerkrankungen, am häufigsten waren es drei. "Nur in einem Prozent der gesamten untersuchten Fälle konnte keine Vorerkrankung festgestellt werden."

Auch die sieben jüngeren Verstorbenen unter den untersuchten Fällen waren vor ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht gesund. Demnach hatten fünf von ihnen "krankhafte Fettsucht" (Adipositas). Zudem wiesen sie "für dieses Alter untypisch fortgeschrittene Herzerkrankungen und vereinzelt Tumore" auf, so Ondruschka.

Blutverdünner zur Lebensverlängerung

Mehrere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass eine Corona-Infektion das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien, die durch Blutgerinnseln in den Gefäßen entstehen, erhöht. Daher wird mittlerweile bei der Behandlung von COVID-19-Patienten die vorbeugende Verabreichung blutverdünnender Medikamente empfohlen. 

+++ Mehr zum Thema: COVID-19 – Blutverdünner verbessern den Krankheitsverlauf +++

Laut Rechtsmediziner Ondruschka seien zwar trotz Gabe von Blutverdünnern Blutgerinnsel in den Lungenschlagadern bei den Obduktionen entdeckt worden. "In der statistischen Auswertung zeigten sich aber längere Überlebenszeiten seit der erfolgten Therapieumstellung. Das ist ein wichtiger Erfolg der gemeinsamen Forschung und unterstreicht die Bedeutung der Rechtsmedizin für die Lebenden", betonte Ondruschka. Laut ihm müssten nun weitere Studien folgen, die die Ergebnisse der UKE mit den Daten von überlebenden Intensivpatienten vergleichen. "Wir müssen abgleichen, wie viele der überlebenden Patienten mit Thrombosen und Embolien davon profitieren und vielleicht genau deswegen am Ende nicht sterben", erklärte der Rechtsmediziner abschließend. 

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Aktualisiert am:
Quellen

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Sterbefälle des Instituts für Rechtsmedizin – Pressetermin 18.02.2021 (letzter Zugriff am 18.02.2021)

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