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Corona-Mutation "P.1" in Brasilien - das steckt dahinter

Corona-Mutation, Brasilien
Nun wurde eine weitere Mutation des Coronavirus in Brasilien entdeckt. (FG Trade / iStockphoto)

Die Corona-Mutation P.1 in Brasilien sorgt derzeit für Beunruhigung. Demnach könnte die neue Virusvariante Grund für die dort steigenden Infektionszahlen sein. Laut Experten wären aber auch andere Faktoren denkbar.

Nach Großbritannien und Südafrika ist nun auch in Brasilien eine neue Mutation des Coronavirus entdeckt worden. Die P.1 genannte Variante tauchte erstmals in der Hauptstadt Manaus des brasilianischen Bundesstaates Amazonas auf. Das Gebiet gilt als eine der weltweit am härtesten von COVID-19 getroffenen Regionen.

Rasche Ausbreitung der neuen Corona-Mutation

Fälle der neuen Mutation aus Südamerika waren am Sonntag von Japan öffentlich gemacht worden. Die Variante wurde laut Behörden bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern nachgewiesen, die am 2. Januar aus Brasilien eingereist waren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Montag mit, sie sei von Japan über die neue Variante informiert worden.

Wie das "European Center for Disease Prevention and Control", ECDC mitteilte, ist die Variante nicht identisch mit der britischen oder der südafrikanischen Mutation. Britische Wissenschaftler nehmen an, dass die brasilianische Variante des Virus ansteckender ist als die ursprüngliche Form – ähnlich wie die in Großbritannien und Südafrika entdeckten Mutationen. Beide sollen sich sehr rasch in Gegenden ausbreiten, die von der bisher vorherrschenden Variante bereits stark betroffen waren. 

+++ Mehr zum Thema: Corona-Mutation B.1.1.7 +++

Rätsel über hohe Infektionszahlen

Der Anstieg an Infektionen der vergangenen Wochen in Manaus gab der Wissenschaft Rätsel auf. Schätzungen von Forschern zufolge sollen sich dort im vergangenen Jahr drei Viertel der Bevölkerung infiziert haben. Das bedeutet, dass eigentlich eine gewisse Corona-Immunität (Stichwort: Herdenimmunität) in der dortigen Bevölkerung bestehen müsste. Doch die Infektionszahlen steigen in Manaus nun wieder stark an.

Eine Erklärung für den Anstieg könnte laut Experten die im Dezember in Manaus entdeckte Mutation P.1. sein. Auf die Spur dieser Mutation kamen Nuno Faria, Virologe am Imperial College London und Professor an der Universität Oxford, und sein Team, indem sie Proben von Corona-Infizierten untersuchten. Wie das Wissenschaftsmagazin Science berichtet, konnte in 13 von 31 Fällen die neue Virusvariante P.1. nachgewiesen werden.

Virusvariante umgeht Immunschutz

Die neue CoV-Variante besitzt, wie auch die südafrikanische Mutante, das Spike-Protein E484K. Dieses reduziere nachweislich die Erkennung durch Antikörper, das helfe dem Virus, den Immunschutz durch eine frühere Infektion oder Impfung zu umgehen, berichtete das Wissenschaftsmagazin "BBC Science Focus".

Experten vermuten nun, dass CoV-Varianten, die die menschliche Immunreaktion umgehen könnten, auch zu einer größeren Zahl an erneuten Infektionen führen könnte. In weiteren Forschungen soll nun untersucht werden, ob die Immunität von Menschen, die bereits eine Corona-Infektion überstanden haben, durch die neuen Varianten beeinträchtigt wird.

Immunität lässt nach

Eine andere Erklärung für den rasanten Anstieg in Manaus als die neue Virusvariante P.1 hat der Epidemiologe in Oxford, Oliver Pybus. Laut ihm könne es auch sein, dass die Infektionen in der Bevölkerung bereits so lange zurück liegen, dass ihre Immunität nachgelassen habe. Es könnte aber auch eine Kombination mehrerer Faktoren sein wie etwa die höhere Ansteckungsfähigkeit der Mutation oder ein möglicher Schutz gegen Antikörper, so Pybus.

+++ Mehr zum Thema: COVID-19 – So lange ist man nach einer Infektion immun +++

Wirken die Impfstoffe bei der neuen Corona-Mutation?

Ob die bislang zugelassenen Impfstoffe auch gegen die brasilianische Variante wirken, ist noch nicht ausreichend erforscht. Experten zeigen sich jedoch zuversichtlich: "Bisher scheint das Virus nicht gegen CoV-Impfstoffe resistent geworden zu sein", so der Impfstoffexperte Philip Krause, der eine WHO-Arbeitsgruppe zu COVID-19-Impfstoffen leitet. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass die schnelle Entwicklung dieser Virusvarianten darauf hindeute, "dass dies schneller passieren könne, als uns lieb ist". Dann müssten die Impfstoffe angepasst werden.

+++ Mehr zum Thema: Experte im Interview – Wie gefährlich sind Corona-Mutationen?+++

WHO fordert globales Forschungsbemühen

In Regionen, die von hohen Infektionszahlen durch neue Mutationen betroffen sind, wird die Forschung entsprechend vorangetrieben. Laut WHO sei es auch dringend notwendig, Corona-Genome zu sequenzieren und Informationen zu teilen, um die die Ausbeutung von Mutationen besser und genauer nachverfolgen zu können.

Die Mitgliedsstaaten der WHO wurden daher dazu aufgerufen, "die globalen Forschungsbemühungen zu unterstützen, um wichtige Eigenschaften der Mutationen und Varianten besser verstehen zu können".

+++ Mehr zum Thema: WHO – Corona-Pandemie als "Weckruf" +++

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Aktualisiert am:
Quellen

SkyNews: COVID-19: What is the Brazil variant and will it affect vaccines? https://www.youtube.com/watch?v=y_7cZDJh1BE (letzter Zugriff: 19.01.2021) 

BBC Science Focus Magazine: Everything we know about the new coronavirus variant in Brazil. https://www.sciencefocus.com/news/everything-we-know-about-the-new-coronavirus-variant-in-brazil/ (letzter Zugriff: 19.01.2021) 

Candido et al.: Evolution and epidemic spread of SARS-CoV-2 in Brazil. Science  04 Sep 2020: Vol. 369, Issue 6508, pp. 1255-1260. https://science.sciencemag.org/content/369/6508/1255.full (letzter Zugriff: 19.01.2021) 
 

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