Zahnen

Von , Biologin
und , Medizinjournalistin
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Dr. Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Das Zahnen verläuft wie alle Entwicklungsschritte bei jedem Kind anders - manchmal völlig unproblematisch, manchmal aber auch anstrengend für Eltern und Kind, weil letzteres viel quengelt und schlecht schläft. Oft wird erst klar, warum das Kind so unruhig ist, wenn die weiße Zahnkrone durch das Zahnfleisch spitzt. Lesen Sie hier, wann Babys erste Zähne bekommen, welche Anzeichen beim Zahnen typisch sind und was die unangenehmen Symptome lindert.

Zahnendes Baby

Wann bekommen Babys Zähne?

Die Fragen "Ab wann zahnen Babys?" und "Wann kommen die ersten Zähne?" lassen sich beide nicht auf den Monat genau beantworten. Wie bei jedem Schritt in der kindlichen Entwicklung gibt es auch individuelle Unterschiede beim Zahnwachstum und beim Zahnen.

Im Normalfall taucht der erste Zahn um den sechsten Lebensmonat auf. Erste Anzeichen dafür, dass etwas im Gange ist, können aber schon Monate zuvor auftreten. Beides kann jedoch von Kind zu Kind stark variieren. Die Ursachen dafür sind meist genetisch bedingt.

Ob der Zahndurchbruch später oder früher erfolgt, spielt langfristig keine Rolle.

Wann kommen welche Zähne?

Los geht es in der Regel im Unterkiefer, meist mit einem unteren mittleren Schneidezahn. Etwas später beginnt das Zahnen der Backenzähne, die etwa um den ersten Geburtstag zu erwarten sind. Hier finden Sie einen Überblick, welcher Zahn in welcher Reihenfolge auftaucht:

  • mittlerer Schneidezahn: zwischen 6. und 8. Monat
  • seitlicher Schneidezahn: zwischen 6. und 12. Monat
  • erster Backenzahn: zwischen 12. und 16. Monat
  • Eckzähne: zwischen 16. und 20. Monat
  • zweiter Backenzahn: zwischen 20. und 30. Monat

Zahnen – wie lange dauert es?

Bis alle 20 Milchzähne da sind, vergehen etwa zwei Jahre. Dann sitzen im Ober- und Unterkiefer jeweils vier Schneidezähne, zwei Eckzähne und vier Mahlzähne (Milchmolaren). Etwa bis zum 6. Lebensjahr herrscht dann erst mal Ruhe im Mund, bis sich - meist pünktlich zum Schulstart - der erste Wackelzahn oder der erste bleibende Backenzahn bemerkbar macht.

Erste Anzeichen für das Zahnen

Wenn sich beim Zahnen ein Zahn in der Zahnleiste durch das Zahnfleisch schiebt, kann das jucken, spannen und auch schmerzen. Oft lässt sich am Verhalten der Kinder erahnen, dass es mit dem Zahnen losgeht. Häufige Anzeichen:

  • Der Drang zu "nagen", zu kauen und sich Dinge in den Mund zu stecken kündigt bei vielen Babys das Zahnen an.
  • Auch Unruhe, Quengelei und Weinen können den Beginn des Zahnens anzeigen.
  • Schlaflose, unruhige Nächte sind ebenfalls typisch: Wenn das Baby zahnt, schläft es nicht immer problemlos durch. Die Beschwerden sind nachts meist schlimmer. Zudem gibt es nachts deutlich weniger Ablenkung als tagsüber.

Symptome beim Zahnen

Folgende Beschwerden sind typisch in der Zeit des Zahnens. Sie sind aber nicht unbedingt Folge des Zahndurchbruchs.

Ausschlag: Der Mund- und Kieferbereich ist stärker durchblutet. Gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch, aber auch rote Backen treten beim Zahnen häufig auf.

Zysten im Mund: Kleine, flüssigkeitsgefüllte Blasen können sich über einem bald durchbrechenden Zahn unter der Schleimhautoberfläche bilden. Sie sind mit Blut gefüllt und schimmern bläulich. Meist platzen sie beim Zahndurchbruch. Entzünden sie sich, ist ein Zahnarztbesuch nötig.

Verstärkter Speichelfluss: Das Zahnfleisch ist gereizt und das Schlucken beschwerlicher, nicht selten fließt der Speichel in Mengen, wenn Babys zahnen.

Fieber: Zahnen ist Arbeit für den Körper, weshalb Babys in dieser Zeit oft anfälliger für Infekte sind und ihre Temperatur öfter ansteigt. Ursache für das "Zahnfieber" ist aber selten das Zahnen selbst.

Durchfall: Im Kleinkindalter sind Durchfälle nicht selten, insbesondere in einer Phase, in der sich Babys alles in den Mund stecken. Auch hier besteht kein direkter Zusammenhang mit dem Zahnen.

Erbrechen: Ähnlich wie bei Durchfall lassen sich auch beim Erbrechen in der Zeit des Zahnens Ursache und Wirkung nicht klar trennen.

Flüssigkeitsmangel: Schmerzen im Mund können bewirken, dass Ihr Baby zu wenig trinkt. Achten Sie auf Mattigkeit, spröde Lippen, eine eingesunkene Fontanelle oder trockene Windeln in der Zeit des Zahnens.

Was hilft beim Zahnen?

Wenn das Zahnen zur Strapaze wird, können Sie einiges tun, um Ihrem Kind Erleichterung zu verschaffen. Was das ist, lesen Sie hier.

Zahnpflege von Anfang an

Schon die ersten Zähnchen brauchen Pflege. Denn gesunde Milchzähne sind die Grundlage für gesunde bleibende Zähne.

Die Milchzähne sind etwas weicher als die bleibenden Zähne und ihr Zahnschmelz mit nur einem Millimeter sehr dünn. Sie sollten daher unbedingt von Anfang an geputzt werden.

Zur Reinigung der ersten Zähnchen reicht ein Tuch oder Wattestäbchen. Geeignet ist auch eine sogenannte Fingerzahnbürste. Sie besteht aus einem Gummifingerling, der einfach über den Finger gestülpt wird und mit weichen Borsten bestückt ist. Sie hat den Vorteil, dass Sie damit das Zahnfleisch Ihres Sprösslings sanft massieren und so beim Zahnen unterstützten können.Ebenfalls praktisch sind spezielle Kinderzahnbürsten mit kleinem Bürstenkopf, mit denen Sie die ersten Zähne leicht reinigen können.

Zahnpasta sollten Sie erst verwenden, wenn Ihr Kind sie sicher nicht verschluckt. Selber putzen können Kleinkinder mit Lernzahnbürsten. Üben können sie mit Putzlernstiften mit Gumminoppen, auf denen sie während des Zahnens herumkauen, um ihr Zahnfleisch zu massieren.

Zahnentwicklung

Die Entwicklung der ersten Zähne beginnt schon im Mutterleib: Etwa ab der sechsten Schwangerschaftswoche entstehen die Zahnleisten, aus denen sich die Keimanlagen bilden. Ungefähr im vierten Monat produzieren die Zahnknospen erstmals Zahnschmelz und Dentin.

Bereits etwa sechs Wochen vor der Geburt sind alle 20 Milchzähne fertig, sitzen aber noch verborgen unter dem Zahnfleisch. Bis die ersten Zähne durchbrechen, ist also schon viel passiert.

Was beim Zahnen passiert

Zahnen Babys, ist das ein längerer Prozess. Dabei schiebt sich der Zahn in der Zahnleiste langsam Stück für Stück voran, bis die Zahnkrone das Zahnfleisch durchbricht und die Mundhöhle erreicht. Erst danach bildet sich, über weitere vier bis sechs Monate hinweg, die Zahnwurzel. Davon besitzen die Schneidezähne im Milchzahngebiss nur eine. Backenzähne im Unterkiefer haben dagegen zwei und die im Oberkiefer drei Wurzeln.

Die Milchzähne sehen den bleibenden Zähnen ähnlich. Sie sind nur etwas kleiner und weißer. Die Backenzähne im Milchzahngebiss haben zudem etwas schmalere Kauflächen als jene im bleibenden Gebiss.

Zähne bei Neugeborenen

Manche Neugeborene kommen schon mit Zähnen auf die Welt kommen. Dies können entweder rudimentäre zahnähnliche Gebilde sein, die sich einfach entfernen lassen, oder tatsächlich schon vorzeitige Milchzähne.

Verspäteter Zahndurchbruch

Manche Kinder zahnen spät. Sind erst nach dem 13. Lebensmonat erste Zähne zu sehen, spricht man von einem verspäteten Zahndurchbruch.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. Nicole Wendler
Dr.  Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Kahl-Nieke B.: Einführung in die Kieferorthopädie, Diagnostik, Behandlungsplanung, Therapie, Deutscher Zahnärzte Verlag, 3. überarbeitete Auflage 2009
  • Roulet J.-F., Fath S., Zimmer S.: Zahnmedizinische Prophylaxe, Lehrbuch und Praxisleitfaden, Urban und Fischer Verlag, 5. Auflage 2017
  • Staehle H. J., Koch M. J.: Kinder- und Jugendzahnheilkunde, Deutscher Ärzteverlag 1996
  • Weber T.: Memorix – Zahnmedizin, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage 2017
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