Nachts abstillen

Von , Biologin
und , Medizinjournalistin
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Dr. Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Nachts abstillen verhilft allen Beteiligten nach zahlreichen durchstillten Nächten zu mehr Schlaf. Mit sanften Methoden soll dies bereits nach wenigen Tagen möglich sein. Tagsüber wird das Baby meist weitergestillt. Erfahren Sie hier, wie Sie beim nächtlichen Abstillen genau vorgehen müssen und für welche Kinder und in welcher Situation es sich eignet.

Schlafendes Kind mit Mutter

Nachts abstillen: Wenn die Nacht zur Qual wird

Ein Wort vorweg: Nächtliches Stillen schadet nicht. Bis zum Alter von etwa einem Jahr ist die nächtliche Nahrungsaufnahme für viele Kinder wichtig. Zudem sind neben dem Stillen von Hunger und Durst die intensive Kuschelzeit und körperliche Nähe – auch im elterlichen Bett – wichtig für das Urvertrauen des Kindes und eine stabile Mutter-Kind-Beziehung.

Einige Mütter kommen mit dem nächtlichen Stillen besser zurecht, können danach schnell wieder einschlafen und empfinden die Unterbrechungen ihres Schlafes nicht als anstrengend. Nachts abstillen ist dann nicht nötig.

Doch die Nächte während der Stillzeit können auch sehr unruhig sein und Müttern den erholsamen Tiefschlaf rauben. Permanenter Schlafentzug zehrt an den Kräften, und die körperlichen Reserven sind irgendwann erschöpft. So manche Stillende stößt dann an ihre Belastungsgrenze. Liegt das Baby noch dazu im Familienbett oder im elterlichen Schlafzimmer, leidet womöglich auch der Partner beziehungsweise die Partnerschaft.

Ist die Lebensqualität durch die nächtlichen Unterbrechungen massiv beeinträchtigt, kennen viele Frauen nur zwei Auswege: entweder komplett abstillen oder den harten Entzug, bei dem sie dem Baby das nächtliche Trinken einschließlich der körperlichen Nähe verwehren. Gerade die zweite Variante ist für das Kind traumatisch und für die Mutter herzzerreißend. Nicht wenige Frauen geben übermüdet und genervt auf.

Eine andere Lösung kann die Methode nach Gordon sein. Dabei stillen sie nachts auf relativ sanfte Weise ab.

Nachts abstillen nach Gordon

Der US-amerikanische Kinderarzt Dr. Jay Gordon hat einen 10-Nächte-Plan entwickelt, mit dem Eltern auf sanfte Art dafür sorgen können, dass nachts Ruhe und Schlaf einkehren – und zwar für etwa sieben Stunden! Es geht darum, die Nahrungsaufnahme des Babys sanft zu reduzieren, nicht aber die körperliche Nähe. Für ein einjähriges gesundes Kind ist das kein Problem, es kommt ohne weiteres ohne Milch durch die Nacht.

Nachts abstillen bedeutet aber nicht, dass Ihr Kind dann gleich ohne einen Mucks durchschläft. Unruhige Phasen gibt es immer. Nach dem Training nach Gordon sollen sich diese allerdings ohne Stillen bewältigen lassen.

Nachts abstillen: Voraussetzungen

Nachts abstillen geht laut Dr. Gordon nur, wenn einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Das Baby ist mindestens ein Jahr alt.
  • Es ist gesund.
  • Beide Elternteile sollten sich einig sein und sich eine Änderung der Situation wünschen.
  • Sie sollten von der Methode "Nachts abstillen nach Gordon" überzeugt sein.
  • Nur bei guten Rahmenbedingungen nachts abstillen: Wählen Sie eine entspannte Zeit ohne wichtige Termine, Entwicklungsschübe oder Probleme beim Zahnen.
  • Haben Sie Bedenken und fühlt es sich nicht richtig an, brechen Sie das Abstillen ab.

Nachts abstillen: Die ersten drei Nächte

In erster Linie geht es darum, die Schlafenszeit der Mutter zu verlängern. Wenn Sie Ihr Kind nachts Abstillen möchten, sollten Sie daher einen Zeitraum dafür wählen, den Sie für sich selbst als kostbarste Nachtruhe ansehen (etwa zwischen 22:00 und 5:00 Uhr). Falls Sie lieber später ins Bett gehen, verschieben Sie das Zeitfenster, in dem Sie nachts abstillen, einfach nach hinten.

Die letzte Mahlzeit geben Sie Ihrem Kind wie gewohnt kurz vor der festgelegten Uhrzeit (also etwa vor 22:00 Uhr). Im besten Fall schläft das Baby wie gewohnt beim Trinken ein. Wird es nach der festgelegten Zeit wach und beginnt zu schreien, darf es getröstet und anfangs noch durch kurzes Stillen beruhigt werden. Wichtig ist allerdings, dass es anschließend wach bleibt und durch Kuscheln, Streicheln oder Wiegen in den Schlaf findet und nicht beim Stillen einschläft. An dieser Stelle sind auch die Väter gefragt. Da das nächtliche Stillritual mit der Mutter und ihrer Brust verknüpft ist, fällt das Beruhigen durch den Vater oftmals leichter.

Laut Gordon sollten Sie in den ersten drei Nächten auf diese Weise verfahren und unbedingt sieben Stunden durchhalten. Nach Ablauf dieser Zeitspanne (etwa ab 5 Uhr) dürfen Sie wie gehabt stillen.

Ob das Baby während der Zeit weiterhin im Familienbett oder in seinem Bettchen liegt, ist egal. Wichtig beim nachts Abstillen nach Gordon ist, das Kind wach hinzulegen und nicht in den Schlaf zu stillen.

Nachts abstillen: Vierte bis sechste Nacht

In den Nächten vier bis sechs verfahren Sie beim nachts Abstillen wie an den ersten Tagen ̶ mit einer Änderung: Wird Ihr Kind wach, dürfen Sie es beruhigen und streicheln, jedoch nicht mehr stillen, auch nicht kurz zum Beruhigen. Seien Sie darauf gefasst, dass es nicht ohne Schreien, Weinen und Toben geschehen wird. Manche Kinder schlafen innerhalb weniger Minuten wieder ein, andere protestieren bis zu einer Stunde. Bleiben Sie ruhig, spenden Sie Trost und Nähe, nehmen Sie es auf den Arm und wiegen Sie es in den Schlaf. Nur stillen sollten Sie es nicht. Auch hier können die Väter eine große Hilfe sein.

Nachts abstillen: Siebte Nacht und folgende

Sind Sie die ersten sechs Tage beim nachts Abstillen konsequent geblieben, müsste sich Ihr Kind jetzt nach kurzer Zeit durch Streicheln und sanftes Zureden besänftigen lassen. Doch nicht jedes Baby ist gleich. Manches kämpft vielleicht noch etwas stärker gegen die neuen Regeln an. Ab der siebten Nacht sollten Sie das Kind, wenn es nachts aufwacht, nicht mehr auf den Arm nehmen, um es zu beruhigen. Streicheln, Händchenhalten, sanftes Reden oder Summen müssen nun reichen. Sie möchten das nächtliche Stillen ja nicht durch nächtliches Herumtragen des Babys ersetzen.

Achtung: Auch wenn das nachts Abstillen geklappt hat, können immer wieder einmal Situationen auftreten, in denen es wieder nötig ist, das Baby nachts an die Brust zu legen oder herumzutragen (z.B. bei Krankheit, Zeitverschiebung auf Reisen). Gordon rät, dem nachzukommen und mit seiner Methode wie gewohnt fortzufahren, wenn diese Phase vorüber ist.

Nachts abstillen: Vorteile

Der wichtigste Vorteil ist die behutsame Vorgehensweise, ohne Stress und Druck. Beim Abstillen nach Gordon bleiben Sie körperlich mit Ihrem Kind in Kontakt. Sie reduzieren das Stillen langsam und beruhigen Ihr Kind stattdessen durch Streicheln, Hand halten, sanftes Zureden oder Summen. Es darf in Ihrer Nähe bleiben, ja sogar im Familienbett, wenn gewünscht. Anders als beim Durchschlaftraining nach Ferber (oder Varianten) lassen Sie Ihr Kind nicht allein, wenn Sie es nachts abstillen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. Nicole Wendler
Dr.  Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Gordon J., Goodavage M.: Good Nights: The Happy Parents' Guide to the Family Bed (and a Peaceful Night´s Sleep!). St. Martin´s Press, New York 2002
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