Faszien

Von , Medizinjournalistin
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Faszien – Was ist das? Diese Frage hört man häufiger, seit die flächigen Bindegewebsschichten in den vergangenen Jahren ins Zentrum der (sport-)medizinischen Aufmerksamkeit gerückt sind. Immer mehr wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit den Merkmalen von Faszien und ihrer Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden. Lesen Sie hier mehr zum Thema Faszien: Definition, Eigenschaften, Aufgaben, mögliche Probleme sowie Tipps für fitte Faszien!

Was sind Faszien?

Faszien sind weißliche, netzartig ineinander verwobene Kollagenfaserstränge, die Unterhaut, Muskeln, Gelenke und Knochen umhüllen. Auch andere kollagenhaltige Strukturen wie Bänder, Gelenkkapseln und Sehnen werden von einigen Experten dazugezählt.

Wie ein dreidimensionales Netz durchziehen Faszien als Bindegewebe den gesamten menschlichen Körper. Dieses Fasziensystem ist mit anderen Körpersystemen wie dem Blut- und Lymphsystem verbunden.

Faszien wurden von der medizinischen Forschung lange ignoriert. Man ging davon aus, dass es sich dabei um mehr oder weniger funktionsloses, passives Bindegewebe handelt. Erst jüngere Studien zeigen, welche wichtigen Aufgaben die Faszien im Körper tatsächlich wahrnehmen und wie zentral sie für reibungslose Bewegungsabläufe und Wohlbefinden sind.

Faszien: Anatomie und Verlauf im Körper

Faszien kommen überall im menschlichen Körper vor. Sie lassen sich grob in drei Gruppen gliedern: Oberflächliche, tiefe und viszerale Faszien.

Oberflächliche Faszien

Die oberflächlichen Faszien liegen in der Unterhaut (Subcutis), ziehen sich durch den ganzen Körper und halten die inneren Strukturen wie eine Schutzhülle zusammen.

Je nachdem, in welcher Region die oberflächlichen Faszien liegen, unterscheidet man:

  • Oberflächliche Faszie des Kopfes
  • Oberflächliche Faszie von Brustkorb (Thorax) und Bauch (Abdomen)
  • Oberflächliche Faszie des Rückens
  • Oberflächliche Faszie der oberen Extremitäten
  • Oberflächliche Faszie der unteren Extremitäten

Tiefe Faszien

Tiefe Faszien umschließen einzelne Muskeln, Muskelgruppen, Knochen, Nervenbahnen und Blutgefäße. Auch diese Gewebestrukturen lassen sich nach der Körperregion, in der sie liegen, gliedern. Innerhalb einer Körperregion gibt es zum Teil mehrere tiefe Faszien, zum Beispiel:

  • Tiefe Schädelfaszien: z. B. Fascia epicranialis, Fascia temporalis
  • Tiefe Schulterfaszien: z. B. Fascia deltoidea, Fascia axillaris
  • Tiefe Bauchfaszien: z. B. Fascia transversalis
  • Tiefe Armfaszien: z. B. Fascia brachii (Oberarm), Fascia antbrachii (Unterarm)

Viszerale Faszien

Bei der dritten Fasziengruppe handelt es sich um die sogenannten viszeralen Faszien. Sie umhüllen die Organe und kleiden Hohlräume im Körper aus. Zu den viszeralen Faszien gehören beispielweise die Hirnhäute, der Herzbeutel und das Bauchfell.

Faszien: Eigenschaften

Faszien bestehen vor allem aus Wasser (zu etwa 75 Prozent), Kollagen und Elastin (beides Proteine). Dabei variiert die anteilige Zusammensetzung einer Faszie je nach deren Lage und Aufgabe. So macht etwa ein hoher Kollagenanteil Faszien besonders zugfest und stabil - das ist beispielsweise wichtig für den Schutz von Organen. Elastin sorgt dagegen für eine hohe Elastizität, die besonders bei Muskel umhüllenden Faszien benötigt wird.

Erst seit einigen Jahren weiß man, dass Faszien über eigene Nervenzellen verfügen. Sie reagieren zum Beispiel auf Druck, indem sie sich zusammenziehen. Außerdem sind sie empfänglich für Schmerzreize. Bei diffusen, schwer zu lokalisierenden Beschwerden wie chronischen Rückenschmerzen beziehen Ärzte deshalb vermehrt Faszien als mögliche Verursacher in die Diagnosestellung ein.

Da alle Faszien miteinander verbunden sind, können sich Verletzungen des Gewebes nicht nur lokal, sondern auch in weit entfernten Körperregionen schmerzhaft bemerkbar machen.

Faszien: Funktionen

Die netzartigen Gewebestrukturen haben mehrere Funktionen. Beispiele:

  • Faszien halten Organe, Knochen und Muskeln an ihrem Platz und geben dem Körper so Struktur und Halt.
  • Faszien schützen die von ihnen umhüllten Strukturen vor Verletzungen und vor dem Eindringen von Krankheitserregern.
  • Faszien unterstützen die Übertragung von Muskelkraft.
  • Möglicherweise unterstützt das Fasziensystem zudem die Wahrnehmung, indem es Bewegungs- und Schmerzreize unmittelbar an das Gehirn weiterleitet. So werden mögliche Verletzungen oder Fehlstellungen intuitiv bemerkt, ohne dass dafür bewusst nach der betroffenen Stelle "gesucht" werden muss.

Faszien: Mögliche Probleme

Mit zunehmendem Alter, aber auch durch Stress, ungünstige Bewegungsmuster oder Verletzungen kann die Funktionsfähigkeit der Faszien abnehmen. Die Gewebestränge können verkleben und verhärten, was die Beweglichkeit einschränkt und Schmerzen auslöst.

Die Faszien können sich auch entzünden. Experten sprechen dann von einer Fasziitis. Ein Beispiel ist die Plantarfasziitis - eine Entzündung der Plantarfaszie (= Sehnenplatte an der Fußsohle). Sie entsteht hauptsächlich infolge von Überlastung.

Faszien: Wie kann man sie fit halten?

In der Sport- und Fitnessbranche erleben Faszien seit einigen Jahren einen echten Boom. Viele Studios, aber auch Physiotherapeuten bieten spezielle Faszienprogramme an. Dahinter steckt die Überzeugung, dass die gezielte Stimulation der Faszien die Beweglichkeit und die allgemeine sportliche Leistungsfähigkeit steigern kann.

Faszientraining

Manche Experten empfehlen ein spezielles Faszientraining, um die Bindegewebsstrukturen stark und geschmeidig zu halten. Dabei werden die Faszien durch hüpfende, federnde Bewegungen gelockert und trainiert.

Andere Fachleute bezweifeln die Wirksamkeit solcher Trainingsprogramme und raten zu einem umfassenden Sportprogramm, das nicht nur die Faszien, sondern vor allem die Muskulatur stärkt.

Faszienmassage

Im Rahmen der manuellen Therapie bieten immer mehr Therapeuten eine gezielte Faszienmassage an. Dabei wird das Gewebe durch starken Druck und Zug verschoben und gelockert. Das soll mögliche Verklebungen lösen und die Faszien weicher machen.

Ziel der Massage ist es auch, Flüssigkeit und mit ihr mögliche Schadstoffe aus den Faszien herauszupressen und so deren Ausleitung über das Lymphsystem zu stimulieren. Befürworter der Faszienmassage gehen zudem davon aus, dass sich die durch die Druckmassage wie ein Schwamm ausgepressten Faszien anschließend wieder mit frischer Flüssigkeit vollsaugen und so an Elastizität gewinnen.

Mit speziellen Massagerollen (Blackrolls) können Interessierte diese Faszienmassage auch bei sich selbst durchführen. Dabei arbeitet man mit dem eigenen Gewicht – einzelne Körperteile werden unter vollem Gewichtseinsatz mit der Rolle bearbeitet. Studien zeigen, dass sich mit dieser Trainingsmethode die Beweglichkeit steigern lässt.

Positive Auswirkungen auf die sportliche Leistungsfähigkeit werden dagegen zwar oft postuliert, sind aber wissenschaftlich nicht erwiesen. Manche Mediziner warnen sogar vor dem "Rollentraining", da durch die Druckmassage möglicherweise Nerven eingeklemmt werden oder Thrombosen entstehen.

Fazit

Abschließend beurteilen lässt sich die Effektivität von Faszientraining und -massage derzeit nach Ansicht vieler Experten noch nicht, da zu wenig aussagekräftige Studien dazu vorliegen. Man kann aber davon ausgehen, dass das, was Muskeln und Gelenken gut tut, auch die Faszien fit hält: moderate, regelmäßige Bewegung.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Goethe Universität Frankfurt am Main: "Sportmedizin / Faszien: Vernetzt von Kopf bis Fuß" (Stand: 22.01.2018), unter: www.aktuelles.uni-frankfurt.de
  • Hutterer, C.: Faszien – Das neue Organ und Multitalent, in: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, April 2015, unter: www.zeitschrift-sportmedizin.de
  • Mörl, F.: "Müssen wir unsere Faszien trainieren? Eine wissenschaftlich kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Faszientraining", Conference: Erfurter Tage, Vol. 23, Dezember 2016, unter: www.researchgate.net
  • NetDoktor.de: "Faszien sind ein Sinnesorgan", Interview mit Professor Dr. med. Werner Klinger, Leitender Oberarzt im Bereich Neuroanästhesie an der Universitätsklinik Ulm (Stand: 09.12.2016), unter: www.netdoktor.de
  • Paoletti, S.: Faszien – Anatomie, Strukturen, Techniken, Spezielle Osteopathie, 2. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2011
  • Schleip, R.: Faszien, Interview mit dem Faszienexperten (Stand: 11.10.2016) unter: www.corpusmotum.com
  • Schleip, R.: "Faszien und Nervensystem", in: Osteopathische Medizin, Heft 1/2003, online unter: www.fasciaresearch.de
  • Schleip, R. und Bayer, J.: Faszien Fitness – Vital, elastisch, dynamisch in Alltag und Sport, 8. Auflage, Riva Verlag, 2018
  • Stecco, C.: Atlas des menschlichen Fasziensystems, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2016
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