Stationäre Pflege

Von Dr. med. Katharina Larisch
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die stationäre Pflege in einem Pflegeheim ist für Menschen gedacht, die nicht (mehr) ambulant zuhause versorgt werden können. Für die Pflegekosten gibt es einen pauschalen Beitrag der Pflegeversicherung, abhängig vom Pflegegrad. Für den restlichen Eigenanteil der Pflegekosten gibt es seit 2022 ebenfalls einen Zuschuss. Lesen Sie mehr über die stationäre Pflege!

Stationäre Pflege

Stationäre Pflege oft nicht vermeidbar

Die meisten Menschen wünschen sich, so lange wie möglich zu Hause zu leben. Es gibt aber Situationen, in denen die Pflege in einem Heim (stationäre Pflege) unumgänglich wird, weil eine umfassende Betreuung rund um die Uhr nötig ist. Dazu zählt beispielsweise eine fortgeschrittene Demenz.

Eine vollstationäre Pflege in Pflegeheimen erhielten in Deutschland im Jahr 2019 etwa 818 317 Pflegebedürftige. Mit einem Anteil von 19,8 Prozent ist fast jeder fünfte Pflegebedürftige in stationärer Pflege. Die übrigen 80 Prozent - das entspricht mehr als 3,3 Millionen Menschen - werden zu Hause (ambulant) oder teilstationär betreut.

Ende 2019 waren insgesamt 4,13 Millionen Menschen auf pflegerische Leistungen angewiesen. Damit hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt. Laut Prognosen des Statistischen Bundesamtes setzt sich dieser Trend in Zukunft weiter fort: Die Experten rechnen mit etwa 4,53 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2060. Ein Grund für den Anstieg ist die wachsende Anzahl älterer Menschen in Deutschland.

Stationäre Pflege frühzeitig planen

Der Wechsel von der häuslichen/ambulanten zur stationären Pflege bedeutet für die Betroffenen vor allem eines: Sie müssen ihr Zuhause verlassen und in ein Heim umziehen. Die Verlagerung des Lebensschwerpunktes heisst aber nicht automatisch, dass man alle seine bisherigen Lebensgewohnheiten aufgeben muss – sofern der Pflegebedürftige in einem für sie/ihn passenden Pflegeheim untergebracht wird. Deshalb ist es für Pflegebedürftige und Angehörige wichtig, sich möglichst frühzeitig nach einem passenden Heim umzusehen.

Die Auswahl des richtigen Pflegeheims

Heime, die eine stationäre Pflege anbieten, werden von unterschiedlichen Trägern geführt und verwaltet. Es gilt, das Angebot und die Preise, aber vor allem auch die Qualität der verschiedenen Pflegeheime miteinander zu vergleichen.

Denn es gibt gute und schlechte Pflegeheime - das haben die Pflegeskandale der letzten Jahre gezeigt. Wählen Sie also das Pflegeheim, in dem Ihr Angehöriger künftig leben und stationäre Pflege erhalten soll, mit Bedacht aus. Oft ist das ein schwieriges Unterfangen, denn Sie sind auf freiwillige Informationen des Heims angewiesen. In vielen Heimen gibt es ausserdem lange Wartelisten.

Füllen Sie einen Antrag auf einen Heimplatz nicht nach einem einzigen Gespräch mit der Pflegedienstleitung aus. Sonst riskieren Sie, dass ein alter Mensch sein Leben in einem Heim verbringen muss, das nicht seinen Wünschen entspricht oder wo die stationäre Pflege vielleicht ungenügend ist.

Auf den ersten Blick wirken die meisten Heime sauber und die Pflegekräfte freundlich und nett. Das sagt aber nichts über die Qualität oder den menschlichen Aspekt der Pflege aus. Besuchen Sie das Heim mehrmals, verbringen Sie etwas Zeit dort und achten Sie dabei auch auf Ihr Bauchgefühl.

Qualitätsprüfung der Pflegeheime

Seit Herbst 2019 gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Methode zur Qualitätsmessung von Pflegeeinrichtungen. Pflegebedürftige und deren Familien sollen sich damit einfach und verlässlich erkennen, ob es sich um ein gutes oder schlechtes Heim handelt.

Das Prüfverfahren besteht aus internen Qualitätsmessungen der Einrichtungen und externen Prüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD, früher: MDK) beziehungsweise durch den Prüfdienst der Privaten Krankenversicherungen (PKV).

Dadurch erhalten die Pflegeheime und (potenzielle) Bewohner einen Überblick, wo der Service der Einrichtung zum Wohle der Bewohner verbessert werden könnte. Allgemeine Informationen zur Einrichtung, wie zum Beispiel die Ausstattung der Zimmer oder die verkehrsgünstige Lage, werden bei der Bewertung ebenfalls berücksichtigt. Das Verfahren läuft wie folgt ab:

  • Zweimal im Jahr prüfen die Einrichtungen selbst die Leistungen aus drei vorgegebenen Qualitätsbereichen (Bereich sind z.B. Mobilität der Bewohner, Anzahl der Patienten mit Druckgeschwüren und weitere Hinweise, die auf Pflegemängel hindeuten können)
  • Im Anschluss wird die Einrichtung vorangemeldet überprüft, mit einem Tag Vorlauf. Die Mitarbeiter des MD bzw. PKV-Prüfdienstes kontrollieren, ob die internen Ergebnisse der Wahrheit entsprechen, und führen Gespräche mit Bewohnern und Pflegekräften.

Schliesst ein Heim gut ab, findet die Prüfung der Einrichtung nur noch alle zwei Jahre statt. Besteht der Verdacht auf Mängel in einem Pflegeheim werden hingegen unangemeldete Anlassprüfungen durchgeführt.

Die Ergebnisse der Qualitätsmessungen finden Sie auf den Internetseiten der Pflegekassen.

Wichtige Kriterien bei der Pflegeheim-Wahl

Je nach Grunderkrankung sind bei der Wahl einer Einrichtung mit stationärer Pflege unterschiedliche Dinge wichtig. Für Demenz-Patienten sehr vorteilhaft sind beispielsweise grössere Gemeinschaftsräume oder geschützte "Wanderstrecken", in denen sie umhergehen können. Auch Stationsküchen, in denen die Demenzkranken beim Backen oder Kochen mithelfen können, vermitteln ein Stück Geborgenheit und fordern die Patienten.

Für nicht mehr mobile, aber geistig noch aktive Menschen sind die Einrichtung des Zimmers, ein aktivierendes Pflegekonzept sowie die kulturellen Angebote besonders wichtig.

Gesunde Mischung

Manche Einrichtungen mit stationärer Pflege belegen eine Station sowohl mit Demenzkranken als auch geistig Gesunden. Dies kann für beide Gruppen Vorteile bringen: Die geistig Gesunden haben eine Aufgabe, sie können beruhigend auf die dementen Personen einwirken und ihnen ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Allerdings empfinden manche Menschen den geistigen Verfall, den sie bei anderen miterleben, auch als Bedrohung, weil er ihnen selbst vielleicht bevorsteht.

In manchen Heimen gibt es für geistig verwirrte Personen auch geschlossene Stationen. Schauen Sie sich die Gemeinschaftsräume in diesem Bereich genau an, denn sie sind für die Bewohner die einzige Möglichkeit zur Kontaktpflege mit anderen. Fragen Sie nach, wie das Heim mit freiheitsbeschränkenden Massnahmen umgeht. Manchmal werden alte Menschen aufgrund von Personalmangel fixiert.

Kosten für die stationäre Pflege

Wenn Sie sich für ein Heim entschieden haben, lassen Sie sich einen Musterheimvertrag geben. Lesen Sie ihn in aller Ruhe und fragen Sie bei Unklarheiten nach. Werden die Heimkosten detailliert aufgeschlüsselt? Das Heimentgelt setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: den Kosten für die Leistungen der Pflege, Unterkunft und Verpflegung sowie für gesondert berechenbare Investitionskosten.

Die Pflegeversicherung zahlt oder erstattet für die stationäre Pflege von Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 einen pauschalen Betrag. Diese Pauschale ist für den Pflegeaufwand, die medizinische Behandlungspflege und die Betreuung im Heim gedacht. Sie beträgt monatlich:

  • Pflegegrad 2: 770 Euro
  • Pflegegrad 3: 1262 Euro
  • Pflegegrad 4: 1775 Euro
  • Pflegegrad 5: 2005 Euro

Menschen mit Pflegegrad 1 bekommen für eine stationäre Pflege einen monatlichen Zuschuss von 125 Euro.

Zur Abdeckung der Pflegekosten müssen die Versicherten auch einen Eigenanteil leisten. Wie hoch dieser ist, hängt von der Einrichtung der stationären Pflege ab, nicht aber vom Pflegegrad. Das heisst: Alle Pflegebedürftigen der Pflegegrade 2 bis 5 zahlen in ein- und demselben Heim den gleichen pflegebedingten Eigenanteil.

Seit Januar 2022 erhalten Menschen in stationären Pflegeheimen zusätzlich einen Leistungszuschuss, um den stetigen Anstieg des Eigenanteils auszugleichen. Der Zuschuss steigt mit der Dauer der Pflege: Im ersten Jahr übernimmt die Pflegekasse fünf Prozent des pflegebedingten Eigenanteils, im zweiten Jahr 25 Prozent. Im dritten Jahr der Pflege leistet die Kasse 45 Prozent und danach 70 Prozent des Eigenanteils. Die Voraussetzung ist Pflegegrad 2 oder höher. Bei der Bemessung des Leistungszuschusses werden auch Monate angerechnet, in denen nur zeitweise Leistungen bezogen wurden.

Pflegebedürftige beziehungsweise ihre Angehörigen müssen auch für die Kosten der Verpflegung, Unterkunft und Investitionen aufkommen.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. med.  Katharina Larisch
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Bundesministerium für Gesundheit: Gesundheitsversorgungsweiterentzwicklungsgesetz, unter: www.bundesgesundheitsministerium.de, Stand: 20.08.2021 (Abrufdatum: 11.01.2022)
  • Bundesministerium für Gesundheit: Pflege im Heim, unter: www.bundesgesundheitsministerium.de, Stand: 07.10.2021 (Abrufdatum: 11.01.2022)
  • Deutscher Caritasverband e. V.: Pflege-TÜV: Was ist ein gutes Heim?, unter: www.caritas.de, Stand: 17.09.2020 (Abrufdatum: 11.01.2022)
  • Statistisches Bundesamt (DESTATIS): Pflegebedürftige nach Versorgungsart, Geschlecht und Pflegegrade 2019, unter: www.destatis.de, Stand: 15.12.2020 (Abrufdatum: 11.01.2022)
  • Verbraucherzentrale: Die neue Pflegereform und was Sie dazu wissen sollten, unter: www.verbraucherzentrale.de, Stand: 04.01.2022 (Abrufdatum: 11.01.2022)
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