FAQ - häufig gestellte Fragen

Von Dr. med. Katharina Larisch
und , Medizinredakteurin
und Dr. med. Johannes Pichler
Aktualisiert am
Lisa Vogel

Lisa Vogel hat Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach studiert und ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation vertieft. Es folgte ein Volontariat in der NetDoktor-Redaktion. Seit September 2020 schreibt sie als freie Journalistin für NetDoktor.

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Wer übernimmt die Pflegekosten für die Schwiegereltern? Sind Haustiere im Altenheim erlaubt? Was ist ein Pflegetagebuch? Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Thema Alter und Pflege.

Buch; Nachschlagewerk

Was steht Pflegebedürftigen zu?

Welche Pflegeleistungen, Zuschüsse oder Kostenerstattungen pflegebedürftige Menschen erhalten, richtet sich nach dem individuellen Pflegegrad. Er spiegelt wider, wie pflegebedürftig die betreffende Person ist. Je grösser der erforderliche Pflegeaufwand ist, desto höher wird die Person eingestuft.

Die früher geltenden drei Pflegestufen wurden 2017 von den fünf Pflegegraden abgelöst. Dadurch ist eine genauere und umfassendere Einschätzung der Fähigkeiten und Beeinträchtigungen eines Patienten möglich. Mehr über die jeweiligen Leistungen lesen Sie in unserem Beitrag "Pflegegrade".

Wird auch Hilfe und Unterstützung im häuslichen Alltag finanziert?

Pflegebedürftige können neben der Grundpflege Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch nehmen. Dazu gehören Betreuungsangebote, Angebote zur Entlastung Pflegender und Angebote zur Entlastung im Alltag (Entlastungsangebote). Betroffene können bis zu 125 Euro monatlich als Entlastungsbetrag für qualitätsgesicherte Leistungen beantragen.

Muss ich für die Pflegekosten meiner Eltern oder Schwiegereltern aufkommen?

Was passiert, wenn die Eltern Pflege brauchen, diese aber nicht bezahlen können? Seit 2020 müssen Kinder für die Pflegekosten der Eltern nur noch dann aufkommen, wenn sie ein Jahresbruttoeinkommen von mehr als 100.000 Euro haben. Werden die Eltern pflegebedürftig, kann es also sein, dass das Sozialamt um die Offenlegung ihres Einkommens bittet.

Anders ist es, wenn es um die Schwiegereltern geht: Da kein direktes Verwandtschaftsverhältnis besteht, sind Schwiegerkinder nicht dazu verpflichtet die Pflegekosten der Schwiegereltern zu tragen.

Nur die Kinder können zur Zahlung des Elternunterhalts verpflichtet werden. Enkelkinder, Geschwister, Cousinen und Cousins oder Onkels und Tanten müssen nicht finanziell aufkommen.

Kann ich Angehörige zu Hause versorgen und trotzdem berufstätig bleiben?

Teilstationäre Einrichtungen betreuen ältere und hilfsbedürftige Menschen bis zu acht Stunden täglich. Ein spezieller Fahrdienst holt die Pflegebedürftigen ab und bringt sie abends wieder nach Hause. So können sie auch dann zu Hause wohnen bleiben, wenn tagsüber die Versorgung durch Angehörige nicht möglich ist.

Durch die psychosoziale Betreuung werden die (noch vorhandenen) körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Tagespflegegäste erhalten und verbessert. Der Kontakt zu anderen Menschen verhindert Einsamkeit und Isolation. Die Pflegeversicherung übernimmt - je nach Pflegegrad - einen Teil der Kosten.

Was passiert, wenn ich meinen Angehörigen zu Hause versorge und selbst erkranke oder Urlaub machen möchte?

Wenn Sie wegen einer Krankheit, eines Urlaubes oder aus anderen Gründen die ambulante Pflege vorübergehend nicht weiterführen können, kann die Pflegeversicherung die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für maximal sechs Wochen pro Jahr übernehmen. Man nennt dies Verhinderungspflege. Voraussetzung für die Leistung ist Pflegegrad 2 oder höher.

Dazu stehen jährlich 1.612 Euro zur Verfügung. Dieser Betrag kann durch Gelder aufgestockt werden, dass für die Kurzzeitpflege vorgesehen sind - und zwar um maximal 806 Euro (50 Prozent des Kurzzeitpflegesatzes; die mit Januar 2022 in Kraft getretenen Anpassungen desselbigen haben darauf keinen Einfluss). Wichtig ist, dass Sie die Person mindestens seit sechs Monaten pflegen.

Was beinhaltet die Kurzzeitpflege?

Viele Pflegebedürftige sind nur für eine begrenzte Zeit auf vollstationäre Pflege angewiesen, zum Beispiel im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt. Für sie gibt es die Kurzzeitpflege in vollstationären Einrichtungen.

Die Leistung für die Kurzzeitpflege unterscheidet sich nicht nach Pflegegraden - alle Pflegebedürftigen der Pflegegrade 2 bis 5 haben denselben Anspruch: bis zu 1.774 Euro für maximal acht Wochen pro Kalenderjahr. Pflegebedürftige Personen mit dem Pflegegrad 1 können einen Entlastungsbeitrag von bis zu 125 Euro pro Monat einsetzen, um Leistungen der Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen.

Seit Januar 2022 haben Pflegebedürftige einen Anspruch auf Übergangspflege im Krankenhaus, wenn im Anschluss an den Klinikaufenthalt kein geeigneter Platz in einer Pflege- oder Reha-Einrichtung zur Verfügung steht. Die Übergangspflege erfolgt in dem Krankenhaus, in dem die Behandlung erfolgte. Das Angebot ist auf zehn Tage pro Krankenhausaufenthalt begrenzt.

Welche Möglichkeiten bieten teilstationäre Tages- und Nachtpflege?

Pflegebedürftige, die ansonsten zuhause betreut werden, können einen Teil der Zeit in einer Einrichtung verbringen - entweder die Nacht (Nachtpflege) oder den Tag (Tagespflege). Das entlastet pflegende Angehörige.

Bei Pflegegrad 1 kann der monatliche Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro für die Finanzierung dieser teilstationären Pflege herangezogen werden. Für die weiteren Pflegegrade können dafür monatliche Leistungen von bis zu 724 Euro (Pflegegrad 2), 1.363 Euro (Pflegegrad 3), 1.693 Euro (Pflegegrad 4) beziehungsweise 2.095 Euro (Pflegegrad 5) beantragt werden.

Kann jedes Familienmitglied die häusliche Pflege übernehmen?

Prinzipiell kann jeder die Pflege seiner Angehörigen übernehmen. Allerdings ist gute Pflege keine einfache Angelegenheit. Viele pflegenden Angehörigen stehen dieser neuen Aufgabe erstmal hilflos und ängstlich gegenüber. Aus diesem Grund bieten beispielsweise die Pflegeversicherungen oder Wohlfahrtsverbände kostenlose Kurse an.

Hier lernen Sie nicht nur die richtige Pflege des Pflegebedürftigen, sondern bekommen auch Tipps, wie Sie beispielsweise rückenschonend heben. In manchen Fällen kommen auch Fachkräfte zur Unterweisung die Wohnung, beispielsweise wenn es um den richtigen Umgang mit Hilfsmitteln geht.

Darf man Haustiere ins Altersheim mitnehmen?

Die Möglichkeit, mit dem eigenen Haustier zusammenzubleiben, kann älteren Menschen den Weg in ein Seniorenwohnheim erleichtern. Der Heimträger entscheidet, ob die Tierhaltung zulässig ist. Viele Pflegeheime heissen Haustiere willkommen, da Tiere zur Steigerung der psychischen Gesundheit und der Lebensqualität auch älterer Menschen beitragen. Fragen Sie daher in verschiedenen Heimen nach.

Muss ich die Pflegeversicherung zusätzlich abschliessen?

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Pflichtversicherung, genauso wie die gesetzliche Krankenversicherung. Alle Menschen, die in Deutschland gesetzlich krankenversichert sind, sind automatisch pflegeversichert.

Auch die private Pflegeversicherung ist eine Pflichtversicherung, die in der Regel mit der privaten Krankenversicherung beantragt wird. Sie können freiwillig eine private Pflegezusatzversicherung abschliessen - unabhängig davon, ob Sie privat oder gesetzlich versichert sind.

Was versteht man unter Pflegebedürftigkeit?

Vereinfacht kann man sagen: Pflegebedürftig ist jeder, der einfache, alltägliche Dinge wie Waschen, Zähneputzen, Kochen und Putzen nicht mehr alleine bewältigen kann. Diese Einschränkung in den regelmässig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens muss aber dauerhaft sein, das heisst mindestens sechs Monate bestehen. Pflegebedürftig ist auch, wer regelmässig medizinische Hilfeleistungen braucht.

Wie erhalte ich Leistungen von der Pflegeversicherung?

Zunächst müssen Sie einen Antrag bei der zuständigen Pflegeversicherung stellen. In der Regel ist das die Krankenversicherung des Betroffenen. Sie schickt ihren Medizinischen Dienst (Medicproof bzw. Medizinischer Dienst = MD) in die Wohnung oder das Heim des Pflegebedürftigen. Er führt eine eingehende Untersuchung durch und beurteilt die Pflegebedürftigkeit des Betroffenen und teilt ihn in einen der 5 Pflegegrade ein.

Konkret beurteilen die Gutachter bei der Pflegegrad-Einstufung sechs Lebensbereiche ("Module" genannt):

  • Mobilität
  • Geistige und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen und deren Bewältigung
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Auf der Grundlage dieses Gutachtens entscheidet die Pflegekasse über den Pflegegrad des Betroffenen und schickt ihm einen Pflegebescheid zu. Akzeptieren Sie den Pflegebescheid, müssen Sie sich entscheiden, wie die Pflege aussehen soll.

Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, können Sie Widerspruch einlegen. Falls der Widerspruch nicht das gewünschte Ergebnis bringt, können Sie vor dem Sozialgericht klagen.

Was ist Grundpflege?

Zur Grundpflege im Sinne der Pflegeversicherung gehören im Bereich der Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren und die Darm- oder Blasenentleerung.

Im Bereich Ernährung kommen das mundgerechte Zubereiten der Nahrung und die Nahrungsaufnahme dazu.

Zum Bereich Mobilität zählen Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Treppensteigen sowie das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.

Die hauswirtschaftliche Versorgung und Hilfen bei der Durchführung ärztlicher Verordnungen (zum Beispiel Gabe von Medikamenten) zählen nicht zu Grundpflege.

Wie kann ich eine höhere Einstufung bei der Pflegekasse beantragen?

Sie können die Pflegekasse anschreiben und formlos einen Antrag auf Höherstufung stellen. Der Medizinische Dienst (Medicproof bzw. MD) nimmt die Begutachtung vor und wird über den Pflegegrad entscheiden.

Was ist ein Pflegetagebuch?

Ein Pflegetagebuch hilft Ihnen, sich auf die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit durch den Medizinischen Dienst der gesetzlichen oder privaten Krankenkassen vorzubereiten. Mit Hilfe eines Pflegetagebuchs ermitteln Sie den Pflegebedarf des Pflegebedürftigen. Darin listen Sie alle Tätigkeiten des Alltags auf, die der Betroffene selbstständig durchführen kann und ebenso die Tätigkeiten, bei denen er Hilfe benötigt.

Krankenversicherungen und Wohlfahrtsverbände bieten entsprechende Vordrucke an.

Was mache ich, wenn mein Angehöriger nicht mehr zurechnungsfähig ist?

Jeder, der merkt, dass ein Mensch nicht mehr geschäftsfähig ist, kann eine Betreuung beantragen. Das Vormundschaftsgericht prüft, ob die Voraussetzungen für eine rechtliche Betreuung gegeben sind. Zuvor sollte aber ein Arzt aufgesucht werden, ob es nicht einen behandelbaren Grund für die geistige Beeinträchtigung gibt (z.B. eine Gehirnentzündung, akute Vitaminmangelerkrankung oder ein Schlaganfall).

Kann ich mit meinem dementen Angehörigen Urlaub machen?

Urlaubsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und ihre Angehörigen zugeschnitten sind, wurden in den letzten Jahren verstärkt geschaffen. Der grösste Teil dieser Angebote wird durch regionale und örtliche Alzheimer Gesellschaften organisiert, es gibt aber auch andere Anbieter.

Die Pflegeversicherung übernimmt einen Teil der Pflege- und Betreuungskosten während des Urlaubs.

Informationen erhalten Sie bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Muss die Patientenverfügung vom Notar beurkundet werden?

Auf der Patientenverfügung sollten zwei Personen den Willen des Verfassers mit ihrer Unterschrift bezeugen. Die Beurkundung oder Beglaubigung durch einen Notar ist möglich, jedoch nicht erforderlich.

Was ist der Pflege-TÜV?

Der Pflege-TÜV soll die Qualität und Transparenz in Pflegeeinrichtungen steigern. Seit November 2019 werden Pflegeeinrichtungen mit dem neuen Verfahren, der sogenannten indikatorengestützten Qualitätsprüfung, bewertet. Die Qualitätsprüfung umfasst eine interne Prüfung durch die Heime selbst, eine externe Prüfung durch die Medizinischen Dienste (MD bzw. Medicproof) und wird frei zugänglich veröffentlicht. Auch die Befragung von Heimbewohnern und Pflegekräften wird bei der Beurteilung berücksichtigt.

Das soll dabei helfen, eine gute Einrichtung zu finden, die den Ansprüchen und Wünschen des Pflegebedürftigen gerecht wird.

Die Bewertung nach Schulnoten wurde im Jahr 2019 abgeschafft. Sie wurde immer wieder kritisiert, da Einrichtungen schlechte Noten in einem Bereich durch gute Noten in anderen Bereichen ausgleichen konnten.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. med.  Katharina Larisch

Lisa Vogel hat Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach studiert und ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation vertieft. Es folgte ein Volontariat in der NetDoktor-Redaktion. Seit September 2020 schreibt sie als freie Journalistin für NetDoktor.

Dr. med.  Johannes Pichler
Quellen:
  • Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege: Angebote zur Unterstüzung im Alltag, unter: www.stmgp.bayern.de (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Bundesministerium für Gesundheit: Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung, Stand: 20.08.2021, unter: www.bundesgesundheitsministerium.de (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Bundesministerium für Gesundheit: Pflege, unter: www.bundesgesundheitsministerium.de (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Sozialverband Deutschland e.V.: Das neue Pflegetagebuch. Selbsteinschätzung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, Aktualisierte Ausgabe, Stand: Januar 2022, unter: www.sovd.de (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Verband der Ersatzkassen e.V.: Pflegegrade, unter: www.vdek.com (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Verbraucherzentrale: Die neue Pflegereform und was Sie dazu wissen sollten, Stand: 04.01.2022, unter: www.verbraucherzentrale.de (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Verbraucherzentrale: Elternunterhalt: Kinder zahlen erst ab 100.000 Euro Jahreseinkomme, Stand: 21.10.2020, unter: www.verbraucherzentrale.de (Abrufdatum: 24.01.2022)
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