Einsamkeit im Alter

Von , Wissenschaftsjournalistin
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Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

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Mit dem Alter kommt für einige Menschen auch die Einsamkeit. Das kann verschiedene Gründe haben: körperliche Gebrechen, verstorbene Bekannte, beschäftigte Angehörige oder - wie in der Corona-Krise - eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten. Was auch immer die Ursache ist, schön ist unfreiwilliges Alleinsein im Alter nicht. Lesen Sie hier, wie Sie Alterseinsamkeit entgegenwirken können.

Einsame Seniorin

Tipps gegen Einsamkeit im Alter

Eingeschränkte Mobilität, Partner und Freunde, die erkranken oder versterben, Angehörige, die wenig Zeit haben oder weit weg wohnen: Die Gründe für Einsamkeit im Alter sind vielfältig. Doch dagegen lässt sich einiges tun.

Mut zum Netzwerken aufbringen

Wer sich nicht traut, Kontakt in seinem realen Umfeld zu suchen, kann auch erst einmal in der virtuellen Welt damit anfangen. Auf Netzwerken wie nachbar.de oder nextdoor.de kann man sich zum Beispiel mit der direkten Nachbarschaft im Viertel austauschen.

Angebote wie feierabend.de oder seniorentreff.de bringen Gleichgesinnte zusammen. So vernetzt, hat Einsamkeit im Alter keine Chance.

Wer sich mit der Onlinenutzung nicht auskennt, kann entsprechende Kurse bei der Volkshochschule aufsuchen oder Kinder, Enkel oder andere freundliche Mitmenschen um eine Einführung bitten.

Ein guter Tipp ist auch, gemeinnützige Angebote zu nutzen: Wenn (gerade) niemand da ist zum Reden, können Menschen über 60 Jahre Angebote wie Silbernetz (www.silbernetz.org) nutzen. Unter der Nummer 0800/4708090 stehen täglich von 8 bis 22 Uhr Freiwillige für einen kleinen Telefonplausch bereit – und dieser kann auch anonym erfolgen, wenn es dem Anrufer oder der Anruferin lieber ist.

Sich ehrenamtlich engagieren

Wer körperlich noch fit genug ist, dem kann ein Ehrenamt Sinn und Kontakte geben. Das können Dienste in einem Weltladen sein, Mithilfe bei einer Tafel oder in einem (Sport-)Verein vor Ort. Das Engagement gibt Struktur und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und gebraucht zu werden.

In ein Mehrgenerationenhaus ziehen

Derzeit nehmen bundesweit rund 530 Mehrgenerationenhäuser am Bundesprogramm "Mehrgenerationenhaus. Miteinander - Füreinander" teil. In solchen Häusern leben Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Herkunft zusammen. Es gibt Raum für gemeinsame Aktivitäten und man hilft sich gegenseitig - Jüngere helfen Älteren und umgekehrt. Mehr dazu finden Sie im Internet unter www.mehrgenerationenhaeuser.de.

Einen Besuchsservice nutzen

In Hilfsorganisationen wie den Maltesern, aber auch in Initiativen wie der Nachbarschaftshilfe "Kölsch Hätz" engagieren sich Freiwillige, die auf Anfrage Hilfebedürftigen oder einsamen Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken.

Alterseinsamkeit: Was Angehörige tun können

Eine Möglichkeit, als Angehöriger seinen Lieben das Gefühl der Einsamkeit zumindest ein wenig zu nehmen, ist von fast überall auf der Welt umzusetzen: Kommunikation auf digitalem oder analogem Wege. Einige Beispiele:

Social Media zugänglich machen

Laut Deutscher Alterssurvey 2019 haben rund 40 Prozent der 79- bis 84-Jährigen hierzulande einen Internetanschluss und nutzen ihn auch. Das eröffnet ihnen und ihren Angehörigen verschiedene Möglichkeiten der digitalen Kommunikation - etwa über soziale Medien:

Derzeit nutzen schon zwei Drittel der Menschen ab 65 Jahre soziale Netzwerke - ein schneller und vergleichsweise einfacher Weg, Kontakt zu seinen Lieben zu halten. Es gibt auch spezielle Netzwerke für die ältere Generation (wie Forum für Senioren, Herbstzeit, Feierabend.de).

Für ältere Menschen kann es allerdings ein Hindernis und abschreckend sein, einen Account erstellen und ein Profil einrichten zu müssen. Hier können Angehörige helfen, eventuell auch aus der Ferne.

"Videotreffen" ausmachen

Je nachdem, ob ein Smartphone oder ein Laptop mit entsprechender Funktion vorhanden ist, können ältere Menschen und ihre Angehörigen "Videotreffen" ausmachen. Man kann zum Beispiel einen gemeinsamen Video-Kaffeeklatsch organisieren, die Grosseltern können die Enkel per Video treffen, und es lassen sich sogar gemeinsame Abendessen gestalten – ggf. inklusive parallelem Kochen des gleichen Gerichts!

Telefonzirkel initiieren

Ja, jeder hat seinen Alltag und jeder hat eine Menge zu tun. Wer nicht die Zeit hat (oder sie sich nehmen möchte), um zumindest einmal pro Woche mit Eltern, Grosseltern oder anderen älteren Verwandten zu telefonieren, kann mit seinen Geschwistern und anderen Angehörigen eine Reihenfolge ausmachen, wann wer anruft. So hat der Angerufene regelmässig Kontakt zu einem ihm nahestehenden Menschen, was das Risiko für Einsamkeit im Alter minimiert.

Geschenke basteln und schicken

Wer (kleine) Kinder hat, die die Grosseltern momentan oder wegen räumlicher Trennung dauerhaft nicht oder nur selten sehen können, kann mit ihnen zusammen Bilder für Oma und Opa malen, die dann als kleiner Gruss per Post in derem Briefkasten landen. Auch Karten basteln und versenden ist eine schöne Art zu sagen "Ich denke an dich und hab dich nicht vergessen".

Einsamkeit im Alter erkennen

Für das Umfeld, das oftmals nicht im gleichen Ort oder gar im gleichen Land lebt, ist es sehr schwer, frühzeitig zu bemerken, wenn sich ein älterer Mensch einsam fühlt. Hellhörig sollten Sie werden, wenn Ihre Lieben

  • kaum noch etwas am Telefon zu erzählen haben,
  • den Gesprächsthemen nach zu urteilen viel Zeit vor dem Fernseher verbringen,
  • auf Nachfrage nach früheren Aktivitäten wie Gymnastiktreffen oder Spieleabende durchweg mit Aussagen wie "Mache ich nicht mehr" antworten.

Auch wenn auf einmal kaum noch frische Lebensmittel im Kühlschrank eines Seniors zu finden sind oder die betreffende Person keinen Wert mehr auf ein gepflegtes Äusseres legt, kann dies darauf hindeuten, dass sie kaum noch nach draussen geht und sich einsam fühlt. Dann dürfen und sollten Angehörige oder andere Menschen im Umfeld den oder die Betroffene ruhig behutsam darauf ansprechen. Denn Einsamkeit kann ernste Folgen haben.

Einsamkeit im Alter: Ursachen fürs Alleinsein

Für Einsamkeit im Alter gibt es häufig nicht den einen Auslöser. Es handelt sich um einen Prozess. Beispielsweise treten mit dem Alter häufiger körperliche Einschränkungen auf - zum Beispiel Schwindel beim Stehen, Schmerzen in den Gelenken beim Gehen und Schwerhörigkeit.

All das motiviert nicht gerade, nach draussen zu gehen und Kontakt zu suchen. Aus Angst, eine Strecke nicht bewältigen oder einem Gespräch nicht folgen zu können, bleiben viele ältere Menschen lieber zuhause.

Ausgedünnter Bekanntenkreis

Zudem dünnt das soziale Netzwerk aus: Oftmals sind Partner, Freunde und Bekannte im ähnlichen Alter ebenfalls nicht mehr so mobil, krank oder bereits verstorben. Kinder und andere Verwandte haben ihren eigenen Alltag und kommen nur selten vorbei. Einem Projektbericht der Ruhr-Universität Bochum (Bücker & Luhmann, 2019) zufolge bekommen 23 Prozent der Hochaltrigen seltener als einmal pro Monat Besuch von Verwandten.

Der soziale Kontakt bröckelt an verschiedenen Stellen – oft gleichzeitig. Und auch, wenn das Risiko für Vereinsamung im Alter laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in den vergangenen Jahrzehnten nicht grösser geworden ist, wird es allein deshalb, weil die Menschen immer älter werden, in den kommenden Jahren auch immer mehr Ältere geben, die sich einsam fühlen:

Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) geht davon aus, dass sich die Gruppe der 80- bis 90-Jährigen bis 2050 verdoppeln wird - genau die Altersgruppe, die besonders einsamkeitsgefährdet ist.

Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise

Kontaktbeschränkungen wie zu Zeiten von Corona - so notwendig sie aus medizinischer Sicht auch sein mögen - können das Gefühl der Einsamkeit im Alter noch verstärken. Für viele ist es nicht leicht, Kinder und Enkelkinder nicht sehen zu dürfen, zumal nicht immer die Möglichkeit zur Videotelefonie oder einem Internet-Videoanruf besteht.

Folgen von Einsamkeit und Isolation im Alter

Vereinsamung im Alter kann sich psychisch und körperlich auswirken. Und diese Folgen sind vielfältig.

>> Fehlender Lebenssinn

Oft bekommen alte Menschen keine positive Bestätigung von Anderen mehr oder nehmen sie nicht wahr, da sie kaum noch Kontakte pflegen oder gesellschaftliche Aufgaben übernehmen. Das vermittelt das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, überflüssig zu sein.

>> Aufkeimende Ängste

Menschen, die sich einsam fühlen, verspüren oft eine grosse Unsicherheit und empfinden ihre Umwelt als bedrohlich. Aus Angst, dass etwas Negatives passiert, ziehen sie sich noch weiter zurück.

>> Einsamkeit als Gesundheitsrisiko

Wer fast nur noch zuhause sitzt, bekommt keine Anregungen mehr von aussen und bewegt sich zu wenig. Darunter leiden Lebensfreude und Gesundheit. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, eine Depression zu entwickeln. Auch das Demenzrisiko erhöht sich.

Einsam oder allein?

Nicht jeder, der sozial isoliert ist, fühlt sich einsam, und nicht jeder, der sich einsam fühlt, ist sozial isoliert. Die Begriffe "Soziale Isolation" und "Einsamkeit" beschreiben unterschiedliche Phänomene. Ersteres bedeutet, dass de facto kein oder wenig Kontakt zu anderen Menschen besteht. Das muss denjenigen aber psychisch nicht belasten.

Einsamkeit hingegen ist eine subjektive Empfindung. Auch mitten unter Menschen kann man sich einsam fühlen, beispielsweise weil man nicht wahrgenommen wird oder sich unverstanden fühlt. Ein alter Mensch kann beispielsweise in einer betreuten Wohnanlage leben, in der er täglich seine Nachbarn sieht und vielleicht sogar die Möglichkeit für gemeinsame Kaffeekränzchen besteht, und sich dennoch einsam fühlen. Einsamkeit ist das unschöne Empfinden, nicht die sozialen Beziehungen zu haben, die für das eigene Wohlbefinden und das Gefühl der Zugehörigkeit notwendig wären oder ersehnt werden.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Carola Felchner
Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Quellen:
  • Abschlussbericht des Projekts "Einsamkeit und Ehrenamt im Alter" der Hochschule Osnabrück und des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, unter: www.ms.niedersachsen.de (Abruf: 18.08.2022)
  • BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V.: "Dokumentation des Fachkongresses Einsamkeit im Alter - aktive Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen" (Stand: August 2019), unter: www.bagso.de
  • BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen: Themenheft "Gemeinsam statt einsam – Initiativen und Projekte gegen soziale Isolation im Alter" (Stand: Juni 2021), unter: www.bagso.de
  • Bücker, S. & Luhmann M. (Hrsg.): Einsamkeit und soziale Isolation im hohen Alter, Projektbericht (2019)
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte – Älterwerden im sozialen Wandel: Zentrale Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 1996 bis 2017", unter: www.bmfsfj.de (Abruf: 18.08.2022)
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Was ist ein Mehrgenerationenhaus?", unter: www.mehrgenerationenhaeser.de (Abruf: 18.08.2022)
  • Der Paritätische Gesamtverband: Dokumentation (nur Text) zur Fachtagung "Alt – einsam – isoliert!? Wege zur Teilhabe" am 13. und 14.12.2018 in Kassel, unter: http://infothek.paritaet.org
  • Deutsches Zentrum für Altersfragen: "dza aktuell – deutscher alterssurvey: Internetzugang und Internetnutzung in der zweiten Lebenshälfte", Heft 01/2019, unter: www.dza.de
  • Malteser Hilfsdienst: "Einsamkeit im Alter: Zurück ins Leben finden", unter: www.malteser.de (Abruf: 18.08.2022)
  • Statista: Anteil der Internetnutzer, die in den letzten drei Monaten soziale Netzwerke genutzt haben, nach Altersgruppen in Deutschland bis 2021; unter: www.statista.de (Abruf: 18.08.2022)
  • Wolter, Dr. B., Institut für gerontologische Forschung, Berlin: "Einsamkeit im Alter und ihre Folgen", Workshop "Netze knüpfen gegen Einsamkeit im Alter" am 15.04.2016 in Berlin, unter: www.silbernetz.org
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