Hepatitis C: Warum Drogenarbeit wichtig ist

(moodley brand identity gmbh)

Roland Urban, Fachbereichsleiter für Beratung und Streetwork im Drogenbereich der Caritas Diözese Graz-Seckau, im Interview über Hilfsangebote und Präventionsmaßnahmen für suchtkranke Menschen.

In Europa sind Schätzungen zufolge drei bis fünf Millionen Menschen mit dem Hepatitis C Virus infiziert. Hepatitis C zählt damit zu einer der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Da das Virus über das Blut übertragen wird, birgt vor allem der intravenöse Drogenkonsum ein hohes Ansteckungsrisiko.

Wir haben mit Sozialarbeiter Roland Urban, dem Fachbereichsleiter des Beratungs- und Streetworkprogramms im Drogenbereich der Caritas in Graz-Seckau, über seine Arbeit, die Hilfsangebote für suchtkranke Menschen und den Verbesserungsbedarf im Umgang mit Hepatitis C gesprochen.

netdoktor.at: Herr Urban, können Sie ein bisschen von sich und Ihrer Arbeit erzählen?

Roland Urban: Wir unterstützen und betreuen suchtkranke Menschen unabhängig davon, ob sie motiviert sind, einen Ausstieg zu finden, oder welchen Unterstützungsbedarf sie in ihrer Lebenssituation haben. Wir bieten suchtkranken Menschen ein vielfältiges Programm an. Dazu gehört unter anderem unsere Streetworkarbeit durch die wir drogenabhängige Menschen auf der Straße in der Innenstadt von Graz aufsuchen und versuchen Zugang zu den Betroffenen herzustellen. Außerdem haben wir einen Kontaktladen, den die Betroffenen aufsuchen können. Dort bieten wir ihnen eine sozialarbeiterische Einzelbetreuung an. Zusätzlich gibt es weiterführende Leistungen im Bereich der medizinischen Beratung und Versorgung vor allem durch schadensminimierende Angebote wie dem Spritzentausch, sowie Beratung und Behandlung von Hepatitis-C-infizierten Menschen.

+++ Mehr zum Thema: Wie kann man sich vor Hepatitis C schützen? +++

Wir bieten aber auch Beratungsangebote zu kontrolliertem Drogenkonsum und verschiedene Freizeitangebote für die Betroffenen an. Ziel unserer Arbeit ist es, Menschen während der Zeit des Drogenkonsums zu begleiten, einen risikomindernden Umgang mit Drogen zu vermitteln und die Lebensqualität der Betroffenen durch unsere Angebote zu verbessern. Wir begleiten unsere BesucherInnen nach Bedarf jedoch auch auf ihrem Weg aus der Sucht bzw. in der Zeit danach.

Welche Menschen betreuen Sie? Betreuen Sie ausschließlich suchtkranke Menschen?

Wir sind im Auftrag des Gesundheitsamtes der Stadt Graz und des gesamten Gesundheitsresorts des Landes Steiermark dafür zuständig, uns um opiatabhängige, polytoxikomane, drogenabhängige und substituierte Menschen zu kümmern. Das geschieht verschwiegen und im Bedarfsfall auch anonym.

Wie setzt sich Ihr Team zusammen?

Im Kernteam, das auch die Straßenarbeit betreibt und den Kontaktladen betreut, sind zum Großteil Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogen. Ergänzt wird das Team durch unsere Mediziner, die bei uns im Haus Dienste machen, und durch einen Juristen. Zusätzlich gibt es freiwillige Mitarbeiter wie Zivildiener, Praktikanten und andere Personen, die uns unterstützen.

Welche Ihrer Angebote, werden besonders gut von den Betroffenen angenommen?

Also insgesamt ist es so, dass die Angebote sehr gut angenommen werden. Das hat damit zu tun, dass wir an unserem Standort in Graz schon sehr lange tätig sind. Den Kontaktladen in der aktuellen Form gibt es zum Beispiel seit über 14 Jahren. Hilfe für suchtkranke Menschen bieten wir bereits seit Mitte der 80er Jahre an. Unsere Angebote haben sich natürlich über die Jahre hinweg etabliert und wir haben uns diesbezüglich auch an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert.

Aus welchen Gründen suchen Betroffene Sie und Ihre Institution auf?

Grundsätzlich ist es so, dass die Menschen vor allem zu uns kommen, weil es eine Möglichkeit der Grundversorgung gibt: es gibt Essen, man kann seine Wäsche waschen, sich duschen, usw. Das Ganze wird aber auch von der Szene als Treffpunkt genutzt, um sich mit den Sozialarbeitern zu unterhalten oder Probleme zu besprechen. Viele suchen uns aber auch auf, weil sie bei uns die Möglichkeit haben ihre Spritzen auszutauschen.


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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: Juli 2017
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